Lebensdaten
1904 bis 1964
Geburtsort
Rosenberg (Ungarn)
Sterbeort
Hollywood
Beruf/Funktion
Schauspieler
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 118640623 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Loewenstein, Ladislav (eigentlich)
  • Löwenstein, Ladislav (eigentlich)
  • Lorre, Peter
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Zitierweise

Lorre, Peter, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118640623.html [15.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    Aus angesehener Kaufm.fam.;
    V Alois Loewenstein, Kaufm.;
    M Elvira Loewenstein (1881–1908);
    1) ( 1945) Cäcilie, Schauspielerin, T d. Komponisten Bratislav Emil Lvovsky, 2) 1945 ( 1949) Kaaren Verne, Schauspielerin, 3) 1953 ( 1962) Annemarie Brenning;
    1 T aus 3.

  • Leben

    L. sollte eine kaufmännische Ausbildung erhalten, fühlte sich aber zum Theater hingezogen. 1913 übersiedelte die Familie nach Wien. Dort verließ L. 1921 das Elternhaus, um Schauspieler zu werden. Jacob Morenos Wiener „Stegreif-Theater“, in dem er armselige Künstlerjahre verbrachte, bezeichnete er später als „ideale Schauspielschule“. Daneben arbeitete er kurze Zeit in einer Bank. Über Breslau und Zürich kam L., dessen bevorzugtes Rollenfach damals die „komischen Alten“ waren, nach Berlin. Im Theater am Schiffbauerdamm spielte er 1928 eine Nebenrolle in Brechts und Weills „Dreigroschenoper“. Brecht schätzte den jungen Schauspieler, der auf der Bühne nicht nur „fühlte“, sondern Emotionen in instinktive Gesten umzusetzen wußte. Unter Brechts Anleitung spielte L. 1929 in Marieluise Fleißers „Pioniere in Ingolstadt“. Er hatte große Erfolge als St. Just in Büchners „Dantons Tod“ und in Wedekinds „Frühlings Erwachen“. Der Filmregisseur Fritz Lang sah ihn in diesem Stück und engagierte ihn für die Rolle des Kindermörders in dem Film „M“ (1931). Nicht die Opfer, sondern den von Polizei und Unterwelt zugleich gehetzten Täter rückte Lang in diesem Film in den Mittelpunkt des Geschehens. L. spielte ihn als bemitleidenswertes Ungeheuer, als Gefangenen der Triebe, seelisch krank und hilflos seinem Wahn ausgeliefert. Nach außen wirkte er gemütlich, besonnen, ein wenig verweichlicht: ein naiver Kleinbürger, der aussah, als könne er niemandem etwas zuleide tun. Aber in der gedrungenen Unscheinbarkeit, der gleichsam kindlichen Gewöhnlichkeit ließ L. das Gefährliche und Unberechenbare ahnen. Sanftmut wandelte sich plötzlich in Besessenheit, ruhige und fanatisch verzerrte Gesichtszüge wechselten abrupt. L.s Darstellung war der erste gelungene Versuch in der Geschichte des Films, aus der Person eines Mörders ein „menschliches Wesen“ zu machen, das, von Trieben beherrscht, die Begrenzungen des Alltags durchbricht. Seine subtile Gestaltung, die ihm weltweiten Ruhm brachte, legte ihn fortan auf Rollen von anheimelnder Unheimlichkeit fest. L., der stets komische Charaktere verkörpern wollte, mußte seelisch gebrochene Mörder und verworfene Existenzen spielen und ihnen abwechselnd gefährliche, tragische oder auch lächerliche Züge verleihen. Nach sechs „Ufa“-Filmen – darunter „Bomben auf Monte Carlo“ (1931, Regie: Hanns Schwarz) und Karl Hartls „F. P. 1 antwortet nicht“ (1932) – verließ L. 1933 Deutschland. Über Paris, wo er vornehmlich in der Synchronisation beschäftigt war, kam er nach London. Unter Alfred Hitchcocks Regie spielte er in zwei Spionagefilmen mit: „The Man Who Knew Too Much“ (1934) und „The Secret Agent“ (1936). L. war einer der wenigen deutschsprachigen Schauspieler, denen es gelang, ihre Karriere im amerikan. Film fortzusetzen. Seine frappierende Verwandlungskunst bewies er in Josef v. Sternbergs Dostojewskij-Verfilmung „Crime and Punishment“ (1935), als orientalischer Detektiv in der Kriminalserie „Die Abenteuer des Mr. Moto“, in John Hustons „The Maltese Falcon“ (1941), Michael Curtiz' „Casablanca“ (1943) und Frank Capras „Arsenic and Old Lace“ (1944). Immer wieder versuchte er, das ihn in seinen Darstellungsmöglichkeiten beschränkende Rollenklischee des verschlagen Gefährlichen zu durchbrechen. 1949 verließ er Hollywood, um in engl. Varietés in einem Solo-Akt Edgar Allan Poe zu rezitieren. 1950 reiste er mit einer Gruppe der amerikan. Armeebetreuung durch Afrika und Europa. 1951 drehte er in Deutschland als Regisseur seinen einzigen Film, „Der Verlorene“, mit dem er an den Expressionismus der Stummfilmzeit anknüpfte. Der Film über einen Arzt, der, im Dritten Reich zum Mörder geworden, von den Machthabern geschützt wird, war ein Mißerfolg. Seit 1954 spielte L. in Amerika in Fernsehfilmen mit und trat auch als Schauspieler am Broadway auf. In der Kriminalfilmparodie „Beat the Devil“ (1953, Regie: John Huston), Jack Cardiffs „Scent of Mystery“ (1960) und Roger Cormans „Tales of Terror“ bestätigte er noch einmal jenes Bild des|von Obsessionen Gejagten, an sich und seiner Seele Zerbrechenden, von dem er sich seit „M“ weder lösen konnte noch durfte.

  • Literatur

    H. Luft, in: Films in Review, May 1960;
    Mr. P. L., Villainy in Films, in: The Times v. 25.3.1964;
    J. P. Dyer, Fugitive From Murder, in: Sight and Sound, Summer 1964;
    C. T. Beck, Heroes of the Horrors, 1975;
    S. Kracauer, Von Caligari zu Hitler, Eine psycholog. Gesch. d. dt. Films, 1979;
    G. Seeßen, Kino d. Angst, Gesch. u. Mythol. d. Film-Thrillers, 1980;
    L. Maibohm, Fritz Lang, Seine Filme, sein Leben, 1981;
    M. Hildenbach, Kino im Exil, Die Emigration dt. Filmkünstler 1933–45, 1982;
    S. D. Youngkin, J. Bigwood, R. G. Cabana jr., The Films of P. L., 1982 (P);
    R. Nolden, Ein Statist in Hauptrollen, in: Die Welt v. 14.1.1983;
    M. Töteberg, Fritz Lang, 1985.

  • Autor/in

    Manfred Kreckel
  • Empfohlene Zitierweise

    Kreckel, Manfred, "Lorre, Peter" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 187-188 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118640623.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA