Lebensdaten
1779 bis 1868
Geburtsort
Ruhrort
Sterbeort
Ruhrort
Beruf/Funktion
Montanindustrieller ; Großindustrieller ; Mitbegründer der Gutehoffnungshütte
Konfession
evangelisch?,reformierter Onkel
Normdaten
GND: 118545620 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Haniel, Johannes Franciscus
  • Haniel, Franz
  • Haniel, Johannes Franciscus

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen im NDB Artikel

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Haniel, Franz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118545620.html [12.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Jacob (1734–82), Kaufm. u. Weinhändler in Duisburg, S d. Kaufm. Frdr. Joachim u. d. Catharina vom Heydt;
    M Aletta (1742–1815), T d. Jan Willem Noot ( 1770), Zoll- u. Lizentbeseher, Bgm. in R., u. d. Johanna Erkenswijk;
    B Gerhard (1774–1834), Montanindustrieller;
    Schw Joh. Sophie ( Gottlob Jacobi, 1823, Hütten-Insp.);
    Essen 1806 Friederike (1785–1867), T d. Ratsherrn Dr. iur. Arnold Huyssen u. d. Charlotte Bongard; Schwager Heinr. Huyssen (1779–1870), Bgm. in Essen;
    11 K (s. Einl.);
    Ur-Groß-N Alfons (s. 1).

  • Leben

    Als H. 1782 seinen Vater verlor, lag die Sorge für seine Erziehung in den Händen seiner tatkräftigen Mutter, die das Hanielsche Geschäft und das ihres Vaters bedeutsam ausbaute. Hierbei stand ihr H. bereits als Knabe zur Seite. Mit 21 Jahren machte er sich mit der Eröffnung einer Steinkohlenhandlung in Ruhrort selbständig, einige Jahre später bemühte er sich gemeinsam mit seinem Bruder Gerhard und seinem Schwager Gottlob Jacobi um den Zusammenschluß der „Hüttengewerkschaft und Handlung Jacobi, Haniel & Huyssen“ zum Erwerb der Gutehoffnungshütte von der Witwe Krupp, was sich zunächst allerdings als ein schlechtes Geschäft für die Brüder erwies, da Huyssen sie übervorteilte. Unterdessen baute H. seine Handlung aus, beteiligte sich auch an dem heimlichen Transport von Getreide aus Frankreich heraus über den Rhein. Nach den Napoleonischen Kriegen verfrachtete er zeitweise Ruhrkohle nach Holland, bis die hohen Zölle dem ein Ende setzten, ähnliches widerfuhr ihm mit dem Handel anderer Güter. Einen Ersatz fand H., bald nachdem Preußen und Hessen-Darmstadt einen Zollverein geschlossen hatten (1828), im Handel mit Kohlen den Oberrhein bis Basel hinauf. Gewinne, die er zuvor auch durch den Betrieb einer eigenen Ölmühle und durch Holzhandel mit England erzielte, suchte er nach 1815 stärker als bisher in Beteiligungen an Zechenbetrieben anzulegen. 1821 führte H. als erster an der Ruhr den bereits an der Saar betriebenen geschlossenen Koksofen ein, der daraufhin den alten Koksmeiler verdrängte. 1841 ließ er den ersten Doppel-Koksofen bauen, der größer als alle bisher verwendeten Koksöfen an der Ruhr war; Ende 1842 beschäftigte er bereits 184 Mann insgesamt bei der Kokserzeugung und lag damit an führender Stelle. Trotzdem gelang es erst sehr viel später, 1850, und von anderer Seite, den Ruhrkoks zur Verhüttung von Eisenerz zu verwenden – bis dahin war noch mit Holzkohle gearbeitet worden. – In Ruhrort war eine von der „Hüttengewerkschaft Jacobi, Haniel & Huyssen“ betriebene Schiffswerft errichtet worden, auf der 1830 der erste eiserne deutsche Rheindampfer gebaut wurde. In der Folgezeit betrieb die Hüttengewerkschaft Dampfschiffahrt zwischen der niederländischen Grenze und Köln.

    1833 gelang es H. in einem Prozeß um die Gewerkschaft Schölerpad, an der er maßgeblich beteiligt war, sich gegen das von den Bergbehörden ausgeübte Direktionsprinzip durchzusetzen, so daß der Gewerkschaft das Vorzugsrecht zum Tiefbau zugestanden wurde. Einen ähnlichen Schritt erwirkte er zur gleichen Zeit bei der Zeche Hagenbeck, der ältesten, seit 1575 bestehenden Zeche des Ruhrreviers, wobei ihr wichtige Kohlenflöze zugesprochen wurden. Bei Mülheim begann H. 1830 einen Schacht abzuteufen, der eine starke Mergelschicht zu durchstoßen hatte. Zur Inbetriebnahme war jedoch der Schacht für damalige Verhältnisse bereits zu tief geworden, so daß sich H. 1833 entschloß, einen neuen Schacht abzuteufen, der sich allerdings ebenfalls als eine Fehlkalkulation erwies, denn die Qualität der Kohle, auf die er gestoßen war, lohnte den Abbau nicht. Neben dieser langwierigen und kostspieligen technischen Pionierleistung, seiner größten, arbeitete H. an der Ausweitung seines Zechenbesitzes, der seiner Stimme in wirtschaftspolitischen Fragen und in den Erörterungen um eine Reform der Berggesetzgebung in zunehmendem Maße Gewicht verlieh. 1848 wurde er in die Kommission berufen, die ein neues Berggesetz entwerfen sollte. 1847 begann eine von H. ins Leben gerufene Bohrgesellschaft mit der Erschließung der Zeche Zollverein bei Essen. Ende 1849 war man in einem Hauptschacht auf einer Tiefe von 114m auf Kohle gestoßen. Ein Jahr später war auch ein zweiter Schacht abgeteuft worden, so daß 1851 die Förderung aufgenommen werden konnte. Schon 1853 betrug sie gegen 100 000 t, und nach anderthalb Jahrzehnten war die Zeche Zollverein unter die führenden Zechen des Ruhrreviers aufgestiegen. Eine weitere Tat war die Erschließung der Hüttenzeche Oberhausen, die von H. vorangetrieben wurde, nachdem es 1853 zwischen den daran Beteiligten zu einem Vertrage gekommen war. 1856 stießen die den Schacht abteufenden Bergleute auf Kohle; trotz der Wirtschaftskrise des Jahres 1857 wurde weitergearbeitet, so daß 1858 mit der Förderung begonnen werden konnte. Zugleich gelang H. die Konsolidierung, die Übertragung des gesamten Bergwerksbesitzes auf die Hüttengewerkschaft Jacobi, Haniel und Huyssen. Oberhausen wurde zur ersten Hüttenzeche im Ruhrgebiet. Wohl das gewagteste und schwierigste Bergbauunternehmen H.s war die Erschließung des linken Niederrheins durch die Zeche Rheinpreußen. 1857 wurde mit der Niederbringung des ersten Schachtes begonnen. 1861 drohte in großer Tiefe eindringender Schwimmsand das gesamte Vorhaben scheitern zu lassen, erst 1877, schon nach H.s Tode, wurde nach größten Schwierigkeiten wieder festes Gebirge erreicht. Ein zweiter Schacht hingegen, der 1867 in der Nähe in Angriff genommen wurde, stieß bereits 1872 auf Kohle.

    Mit der Zunahme der Kohlenförderung im Ruhrgebiet und der Verkokung der Kohle wurde auch die Frage des Transportes dringlicher. H. gehörte seit 1832 mit Friedrich Harkort zu den ersten Befürwortern von Eisenbahnen in den Rheinprovinzen. Erst nach dem Fehlschlagen verschiedener Projekte H.s konnte 1848 die hauptsächlich auf sein Betreiben hin gebaute Strecke Ruhrort–Oberhausen in Betrieb genommen werden, die danach als Zweigbahn zu der bereits bestehenden Köln–Mindener Bahn gehörte. Bald danach kam auch eine Verbindung zwischen Ruhrort und Gladbach hinzu. Daneben beteiligte sich H. am Straßenbau, am Ausbau des Hafens von Ruhrort und am Bau einer Trajektanstalt zum Übersetzen von Bahnwagen nach Homberg auf der gegenüberliegenden Rheinseite.

    H. war der Urtyp einer patriarchalischen Gründergestalt – wichtig war für ihn vor allem sein Ruf und der seiner Familie. Ihn zu mehren, setzte er Zähigkeit und Tatkraft ein; die Fähigkeit, neue Strömungen des Zeitgeistes zu erfassen und sie sich nutzbar zu machen, kam ihm dabei zu Hilfe.

  • Werke

    Lebenserinnerungen (ungedr., Oberhausen, Hist. Archiv d. Gutehoffnungshütte).

  • Literatur

    A. Haniel, Zur Gesch. d. Fam. H., 1913;
    F. Frölich, in: C. Matschoß, Männer d. Technik, 1925, S. 102;
    H. Spethmann, Das Ruhrgebiet im Wechselspiel v. Land u. Leuten, Wirtsch., Technik u. Pol., 3 Bde., 1933/38;
    ders., Die H.s in Ruhrort bis zu d. Befreiungskriegen I/II, 1942/44;
    ders., F. H., Sein Leben u. s. Werke, 1956 (P);
    W. Serlo, Bergmänn. Mitgl. u. Verwandte d. Familien H. & Liebrecht, in: Bergmannsfamilien in Rheinland u. Westfalen, = Rhein.-Westfäl. Wirtsch.biogrr. III, 1936, S. 115-30;
    W. Ring, Alt-Ruhrort z. Z. v. F. H., in: Forschungen üb. F. H. u. s. Werke, hrsg. v. H. Spethmann, 1941;
    E. Haniel, Verwandtschaftstafeln d. erweiterten Fam. H., 1951;
    dass., 1959;
    J. Wilden, Gründer u. Gestalter d. Rhein-Ruhr-Industrie, 1951;
    R. Stampfuss, F. H., e. Wirtsch.pionier d. Ruhrgebietes, Zum 100j. Jubiläum d. Zeche Rheinpreußen, Homberg, in: Niederrhein 24, 1957, S. 40-43;
    F. Zunkel, Der Rhein.-Westfäl. Unternehmer 1834–79, Ein Btr. z. Gesch. d. dt. Bürgertums im 19. Jh., 1962. |

  • Quellen

    Qu.: Akten u. Archivalien (P-Nachweis) (Oberhausen/Rhld., Hist. Archiv d. Gutehoffnungshütte Sterkrade AG).

  • Autor/in

    Bodo Herzog
  • Empfohlene Zitierweise

    Herzog, Bodo, "Haniel, Franz" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 616 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118545620.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA