Lebensdaten
1792 bis 1864
Geburtsort
Wellinghofen bei Dortmund
Sterbeort
Karlsruhe
Beruf/Funktion
Montanindustrieller
Konfession
evangelische Familie
Normdaten
GND: 137878680 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lueg, Wilhelm

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie
Personen im NDB Artikel

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Lueg, Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd137878680.html [18.08.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Heinrich Wilhelm (1743–1825), Bauer in W., S d. Bauern Joh. Diederich u. d. Anna Gertraudt Pöppelmann;
    M Anna Catharina Westerhoff (1749–1816) aus Westhofen;
    1819 Sophie (1798–1684), T d. Kaufm. Wilhelm Haniel (1764–1819) u. d Diederike Noot; Ov d. Ehefrau Franz Haniel ( 1868), Montanindustrieller (s. NDB VII);
    4 S, 4 T, u. a. Carl (s. 2), Heinrich (s. 3), Julie ( Nicholas Harvey, 1803–61, Techniker, Mitarbeitet L.s).

  • Leben

    L. wurde im April 1812 als Erzieher der Kinder des Industriellen Gottlob Jacobi aus dem Lehrerseminar in Soest nach (Oberhausen-) Sterkrade geholt. In seiner freien Zeit suchte er dort häufig die von Jacobi geleitete Hütte|auf, um sich die für das Verständnis des Betriebes notwendigen Kenntnisse anzueignen. 1817 ernannte ihn Jacobi zum Hüttenfaktor. Nach dem Tode seines Prinzipals (1823) übernahm L. die technische Leitung der Gewerkschaft, die aus den Hütten Gute Hoffnung, St. Antony und Neu-Essen bestand. Wenn sich auch die Besitzer, die Vertreter der Familien Haniel, Jacobi und Huyssen, an der Leitung der Werke abwechselnd beteiligten, so war doch der weitere Ausbau in den Jahren 1823-64 im wesentlichen der Tatkraft und dem Unternehmungsgeist des Hütteninspektors L. – eines der ersten deutschen Manager – zu danken. In Ruhrort wurde 1829 eine Schiffswerft errichtet. Diese leitete bis 1832 der engl. Techniker Nicholas Harvey, L.s späterer Schwiegersohn. L. und Harvey unternahmen 1829 eine Informationsreise nach England. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse wurden bald in Verbesserungen und Erweiterungen des Hüttenwerkes sowie in der Neuanlage einer Maschinenfabrik für Dampfschiffe in Ruhrort sichtbar. Auf der dortigen Werft entstanden mehrere schiffbautechnisch interessante Neubauten für die Binnenschiffahrt: 1830 der erste Rheindampfer („Stadt Mainz") mit einer Mitteldruckmaschine, 1834 die erste deutsche Verbundexpansionsmaschine für ein Dampfschiff, 1836 der erste Rheindampfer mit Verbundexpansionsmaschine und zwei oszillierenden Zylindern („Prinz Wilhelm von Preußen"), 1837 der erste deutsche Dampfer mit eisernen Spanten („Großherzog Leopold“), 1838 das erste eiserne Dampfschiff („Graf von Paris“) und 1845 das erste eiserne Segelschiff Deutschlands („Die Hoffnung“). Insgesamt wurden auf der Werft bis 1864 72 Schiffe gebaut.

    Der Zeitabschnitt bis etwa 1855 war durch den allmählichen Verlust der Rohstoffgrundlagen des Unternehmens infolge Erschöpfung der heimischen Eisenerzvorkommen bei gleichzeitigem Ausbau der Verarbeitungsbetriebe gekennzeichnet. 1835 begann am Emscherufer der Bau eines Puddel- und Stabeisenwalzwerks, und bereits 1836 wurde der erste Ofen in Betrieb gesetzt und die erste Luppe zum Hammer geliefert. L. ließ 1842 ein Schienenwalzwerk errichten, aus dem die ersten Schienen für die Köln-Mindener Eisenbahn geliefert wurden. Auch einen großen Auftrag der Kgl. Bayer. Eisenbahn vermochte sich L. zu sichern, nachdem sich die von ihm reich beschenkte Lola Montez bei Ludwig I. für ihn eingesetzt hatte. Im Puddel- und Walzwerk wurden 1864 1 225 Arbeiter beschäftigt. Nach der Einführung von Steinkohlenkoks im Eisenhüttenbetrieb an Stelle der Holzkohle legte L. die Eisenhütte Oberhausen mit 6 Hochöfen an. Der erste wurde 1854 angeblasen, die ganze Anlage war 1863 fertiggestellt. 1864 besaß die Eisenhütte bei einer Belegschaft von 650 Arbeitern 6 Hoch-, 188 Koks- sowie zwei Kupolöfen, 18 Dampfkessel und 11 Dampfmaschinen mit zusammen 700 PS. An die Hütte Gute Hoffnung in Sterkrade war eine Maschinenfabrik angeschlossen, die schon 1819/20 unter der Leitung des damaligen Hüttenfaktors L. die ersten Dampfmaschinen geliefert hatte. Bei ihrem Ausbau wurde L. von Friedrich Kesten (1808–91) unterstützt, der 1825-46 als Oberingenieur im Unternehmen tätig war. Es wurden größere Dampfmaschinen für Bergbau, Schiffahrt und industrielle Anlagen hergestellt. Wasserhaltungs- und Fördermaschinen, die Haupterzeugnisse der Maschinenfabrik, wurden bis nach Schlesien geliefert. Außerdem fertigte man Gebläsemaschinen für Hüttenwerke. Hinzu kamen Betriebsdampfmaschinen, die durchweg als Balanciermaschinen ausgeführt wurden. Der Betrieb in Sterkrade wurde 1838/39 durch eine Kesselschmiede erweitert, 1852/53 durch eine Hammerschmiede sowie kurz vor L.s Tod durch eine Brückenbauwerkstatt. Die dortige Belegschaft umfaßte 1864 900, diejenige aller von L. geleiteten Werke 5 000 Personen.

    L., der aus einfachen Verhältnissen stammte, brachte sozialen Fragen großes Verständnis entgegen. Schon früh gab es in der Gewerkschaft eine Unterstützung der Arbeiter bei Krankheit und im Alter. Im Kassabuch 1808-15 sind bereits Ausgaben für Kranke verzeichnet. L. setzte sich 1826 nachdrücklich für die Einrichtung einer Apotheke ein. Der erste Arzt, der sich 1841 in Sterkrade niederließ, erhielt von der Gewerkschaft eine jährliche Zuwendung. Der genaue Zeitpunkt der Gründung einer betrieblichen Unterstützungskasse läßt sich nicht mehr feststellen, aber schon 1832 gab es eine solche Kasse. Eine weitere wurde 1837 für die Arbeiter der Werft in Ruhrort eingerichtet. Seit 1844 entstand auf Initiative L.s mit dem Baubeginn der Siedlung „Eisenheim“ in Osterfeld die erste werkseigene Siedlung des Ruhrgebiets. In den zollpolitischen Auseinandersetzungen der 40er Jahre bemühte sich L., den Zwiespalt innerhalb der Eisenindustrie zu beseitigen. Im 1847/48 in Elberfeld gegründeten Rhein.-Westfäl. Gewerbeverein nahm er eine führende Stellung ein. Der Ausbau der Betriebe in Oberhausen und Sterkrade fand das Interesse des preuß. Königshauses. 1845 und|1848 ließ sich Kg. Friedrich Wilhelm IV., der schon als Kronprinz 1833 die Hüttenanlagen besichtigt hatte, von L. durch das Oberhausener Walzwerk führen, und 1855 besuchte der Prinz von Preußen und spätere Kaiser Wilhelm I. das Werk.|

  • Auszeichnungen

    KR.

  • Literatur

    M. Schumacher, Auslandsreisen dt. Unternehmer 1750-1851, 1968;
    B. Herzog, in: ZUG 16, 1971, S. 49-71 (L, P);
    L. U. Scholl, Nicholas Oliver Harvey - Ein engl. Schiffbauing. am Niederrhein um 1830, in: Technikgesch. 45, 1978, Nr. 1;
    B. Herzog u. J. Mattheier, Franz Haniel 1779-1868, 1979. |

  • Quellen

    Qu.: Hist. Archiv, d. Gutehoffnungshütte AV, Oberhausen.

  • Autor/in

    Bodo Herzog
  • Empfohlene Zitierweise

    Herzog, Bodo, "Lueg, Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 460-462 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137878680.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA