Lebensdaten
1832 bis 1912
Geburtsort
Brünn
Sterbeort
Baden bei Wien
Beruf/Funktion
klassischer Philologe ; Philosophiehistoriker ; Erforscher der antiken Philosophiegeschichte ; Professor der klassischen Philologie
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 118540661 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Gomperz, Theodor

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Zitierweise

Gomperz, Theodor, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118540661.html [13.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Josua Feibelmann gen. Philipp G. (1782-1857), Großhändler u. Bankier in Brünn, S d. Leop. Benedikt (1712–1811), aus Nymwegen, Großhändler, 1776-1803 in d. neugegr. Brünner Tabakverwaltung tätig;
    M Henriette (1792–1881), T d. Lazar Auspitz ( 1853), Wollhändler u. Tucherzeuger in Brünn;
    B Maxim. v. G. (1822-1913), Mitbes. d. großväterl. Feintuchfabrik „L. Auspitz Enkel“ in Brünn, besaß e. Bankhaus in Wien u. war bes. an Zuckerfabriken maßgeblich beteiligt, 1896 Präs. d. Creditanstalt f. Handel u. Gewerbe in Wien (s. ÖBL), Julius v. G. (1824-1909), ebenfalls Mitbes. d. Feintuchfabrik, 1872-1909 Präs. d. Brünner Handels- u. Gewerbekammer, Mitbegründer d. mähr. Gewerbever. (s. BJ XIV, S. 219-21, u. Tl. 1909, L; ÖBL);
    1869 Elise, T d. Heinr. v. Sichrovsky (1794–1866), Gen.sekr. d. Nordbahndirektion (s. Wurzbach 34);
    2 S, 1 T, u. a. Heinrich (s. 1).

  • Leben

    Während der Studien am Gymnasium zu Brünn (1841–47) und an der dortigen philosophischen Lehranstalt (1847–49) übte den stärksten Einfluß auf den jungen G. ein Chorherr des Augustinerstiftes zu Alt-Brünn, Thomas Franz Bratranek, aus. Dieser war als freigeistiger Jung-Hegelianer bestimmend dafür, daß sich G. in seinem 13. Lebensjahr von der religiösen Tradition seines Elternhauses löste (ohne übrigens je seine Konfession aufzugeben) und den Grund zu seiner positivistischen Weltauffassung legte. Für deren Ausgestaltung war seine Begegnung mit der „Analysis of the Phenomena of the Human Mind“ des James Mill wichtig. Sie führte zur Vertiefung in die Werke von dessen Sohn John Stuart Mill, für die G. eine 12bändige Übersetzung (1869-80) leitete. In späteren Jahren hat er, von regem Interesse für soziale Probleme bestimmt, Auguste Comte höher gestellt.

    1849 begann G. seine Studien in Wien als Jurist und setzte sie 1850-53 als klassischer Philologe fort, vor allem der Lehre von H. Bonitz verpflichtet. Ohne einen raschen formellen Abschluß anzustreben, folgte er seinen weitgespannten Interessen in die verschiedensten Gebiete, auch solche der Naturwissenschaften, beteiligte sich während eines Leipziger Aufenthaltes (1854–55), der ihn mit Gustav Freytag und Otto Jahn in Berührung brachte, an der Redaktion des „Grenzboten“, besuchte Paris und London und legte durch seine Beschäftigung mit dem hippokratischen Corpus und den herkulanensischen Papyri den Grund für seine Habilitation, die 1867 in Wien erfolgte. Das Doktorat, das ihm damals noch fehlte, hat ihm 1868 Königsberg honoris causa verliehen, später folgte Dublin. Einen zur Zeit seiner Habilitation an ihn ergangenen Ruf auf eine außerordentliche Professur für Geschichte der alten Philosophie in Graz lehnte er ab und wurde 1869 in Wien außerordentlicher Professor der klassischen Philologie, 1873-1900 lehrte er dort als Ordinarius. Seine Arbeit galt neben den bereits genannten Gebieten verschiedenen Autoren wie Euripides, Herodot, Demosthenes, im Mittelpunkt aber blieben die antiken Philosophen, denen er sein bedeutendstes Werk widmete, die „Griechischen Denker, eine Geschichte der antiken Philosophie“ (3 Bände, 1896–1909, 41922-31, englische, französische, russische, hebräische, italienische Übersetzungen). Diese für ihre Zeit einzigartige Zusammenfassung behält ihren Wert durch die auf Spekulation und Konstruktion verzichtende Darstellung der Stufen des griechischen Denkens und ihrer Vertreter. Mag man heute manches anders sehen, so bleibt das Werk von G. doch einer der Ausgangspunkte des wissenschaftlichen Gesprächs über antike Philosophie.|

  • Auszeichnungen

    1901 Mitgl. d. österr. Herrenhauses, d. Ak. v. Wien, St. Petersburg u. Paris.

  • Werke

    Weitere W u. a. Philodemi Epicurei, De ira, 1864;
    Herculanensia, in: Zs. f. d. österr. Gymnasien, 1864, 1865, 1872;
    Herculanens. Stud. I, II, 1865 f.;
    Btrr. z. Kritik u. Erklärung griech. Schriftsteller I-IX, in: SB d. Phil.-hist. Kl. d. Wiener Ak. d. Wiss. 79, 1875, 80, 1875, 83, 1876, 122, 1891, 134, 1896, 139, 1898, 143, 1901, 152, 1906, 154, 1907;
    Herodote. Stud. I u. II, ebd. 103, 1883, 112, 1886;
    Zu Heraklits Lehre u. d. Überresten s. Werkes, ebd. 113, 1887;
    Platon. Aufsätze I-IV, ebd. 114, 1887, 141, 1899, 145, 1903, 152, 1905;
    Nachlese zu d. Bruchstücken d. griech. Tragiker, ebd. 116, 1888;
    Zu Aristoteles' Poetik I-III, ebd. 116, 1888, 132 u. 135, 1896;
    Hippocrates, De arte, Die Apologie d. Heilkunst, ebd. 120, 1890, 21910;
    Aristoteles' Poetik übers., 1896;
    Essays u. Erinnerungen, 1905 (P);
    Hellenika, e. Ausw. philolog. u. phil.geschiditl. kleiner Schrr., 2 Bde., 1912.

  • Literatur

    Heinrich Gomperz, Th. G. 1832-1912, I (1832–68), 1936 (P), II u. III als Ms. in Harvard University Library, Cambridge Mass.;
    ÖBL (W, L);
    L. Radermacher, in: BJ 17, S. 151-58 (W) (u. 18, Tl. 1912, L).

  • Portraits

    Gem. v. F. v. Lenbach (Wien, Univ., Sitzungszimmer d. Phil. Fak.), Abb. in: Essays u. Erinnerungen, s. W

  • Autor/in

    Albin Lesky
  • Empfohlene Zitierweise

    Lesky, Albin, "Gomperz, Theodor" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 641-642 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118540661.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA