Wienken, Heinrich

Lebensdaten
1883 – 1961
Geburtsort
Stalförden bei Cloppenburg
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Bischof von Meißen ; Bischof ; Theologe
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118632566 | OGND | VIAF: 74646324
Namensvarianten

  • Wienken, Johann Heinrich
  • Wienken, Heinrich
  • Wienken, Johann Heinrich

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Zitierweise

Wienken, Heinrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118632566.html [26.01.2026].

CC0

  • Wienken, Johann Heinrich

    | Bischof von Meißen, * 14.2.1883 Stalförden bei Cloppenburg, † 21.1.1961 Berlin, ⚰Cloppenburg.

  • Genealogie

    V Franz Joseph (1833–1910), Bauer in St.;
    M Henriette Brüning, gen. Klostermann (1850–85);
    2 B (1 früh †) Franz Josef (1877–1957), Bauer in St., 3 Schw (1 früh †) Maria Anna Johanne (1879–1920), Ordensschwester d. Franziskanerinnen v. Münster-St. Mauritz, Maria Friederike Engeline (1881–1907), Ordensschwester d. Schwestern Unserer Lieben Frau.

  • Biographie

    W. wuchs in bäuerlich-einfachen Verhältnissen im kath. geprägten, südoldenburg. Teil des Bm. Münster auf. Er besuchte seit 1895 die Ackerbau- und Höhere Bürgerschule in Cloppenburg, danach das Antonianum in Vechta. Nach dem Abitur 1904 studierte er bis 1908 Philosophie und kath. Theologie in Innsbruck. 1909 in Münster zum Priester geweiht, war er hier an St. Antonius als Kaplan tätig und sammelte seit 1913 in Berlin erste Erfahrungen als Jugendseelsorger im Wedding sowie seit 1916 auf dem ihn zeitlebens prägenden karitativen Arbeitsfeld: zunächst als Caritassekretär und stellv. Geschäftsführer beim Berliner Stadtcaritasverband und seit 1920 in der Hauptvertretung Berlin des Dt. Caritasverbands an der Seite von Benedict Kreutz (1879–1949), dem er 1922 als Caritasdirektor und Leiter nachfolgte. Das 1919 nebenbei begonnene Studium der Volkswirtschaft und Rechtswissenschaften an der Univ. Berlin mußte er deshalb nach sechs Semestern ohne Abschluß beenden.

    Über seine Kontakte zur Nuntiatur, zu Ministerien, Parlamentariern und Spitzenvertretern der freien Wohlfahrtspflege sowie durch sein Wirken als Abgeordneter der Zentrumspartei für den Bezirk Friedrichshain 1923–29 und in der Stadtverordnetenversammlung 1929–33 schuf sich W. ein breites sozialpolitisches Wirkungsfeld (u. a. Mitgl. d. Wohlfahrtsdeputation Berlins; bis 1933 Mitgl. im Schulausschuß d. Seminars f. Jugendwohlfahrt an d. Dt. Hochschule f. Pol.; seit 1926 Mitgl. d. geschäftsführenden Ausschusses d. Arb.gemeinschaft f. Volksgesundung Berlin; bis 1933 Mitgl. im Reichsausschuß d. Dt. Jugendverbände). Nach 1933 wirkte er an der Einrichtung eines bei der Hauptvertretung des Dt. Caritasverbands angesiedelten Caritas-Notwerks mit, das verfolgte Katholiken unterstützte, die aus politischen Gründen von den Nationalsozialisten aus ihren Stellungen entlassen worden waren. Die mithin einsetzende Hilfe auch für „katholische Nichtarier“ wurde nach 1938 in dem von W. miterrichteten und maßgeblich von Bf. Konrad Gf. v. Preysing (1880–1950) verantworteten „Hilfswerk beim Bischöflichen Ordinariat Berlin“ bis 1945 fortgeführt.

    Mit Jahresbeginn 1937 hatte W. seine neue Aufgabe als Verhandlungsbeauftragter des dt. Episkopats angetreten, als ihn Papst Pius XI. im Febr. zum Koadjutor mit Nachfolgerecht des 1935 wegen Devisenvergehen verurteilten Meißener Bf. Petrus Legge (1882–1951) berief. Zu dessen Generalvikar ernannt, empfing W. im April 1937 in Münster durch Bf. Clemens August v. Galen (1878–1946) die Bischofsweihe. Nach Legges gleichzeitiger Rückkehr in sein Bistum wurde W. (als Generalvikar) von dessen administrativer Leitung beurlaubt und übernahm im Dez. 1937 in Berlin wie ursprünglich vorgesehen die Leitung des „Commissariats der Fuldaer Bischofskonferenzen“. Zu seinen Aufgaben gehörte, die staatliche Rechtspraxis in Kirchenangelegenheiten zu beobachten, den überdiözesanen Informationsaustausch zwischen den bfl. Ordinariaten zu befördern, in strittigen kirchlichen Rechts- und Verwaltungsfragen persönliche Fühlungnahme sowohl mit den Reichsministerien bzw. Zentralbehörden als auch den bfl. Stellen zu halten und an Eingaben des dt. Episkopats vorbereitend mitzuwirken.

    W. nutzte seine daraus erwachsenden Verbindungen, um in zahlreichen Fällen staatspolizeilicher und juristischer Willkür humanitäre Hilfe zu vermitteln. Ganz im Sinne des kirchenpolitisch auf Ausgleich bedachten Bischofskonferenz-Vorsitzenden, Adolf Kard. Bertram (1859–1945), agierte der persönlich bescheiden auftretende W. stets loyal, während in seinem Umfeld (Gast bei Plenarkonferenzen des Episkopats, Kontakt zu Paulus van Husen, 1891–1971) dieser auf staatliches Einvernehmen gerichtete Kurs mit zunehmender Kriegsdauer grundsätzlich in Frage gestellt wurde. 1945 setzte W. seine Tätigkeit nahezu bruchlos und nunmehr mit den sowjet. Behörden, der Verwaltung der SBZ und den DDR-Regierungsstellen fort. Bleibende Verdienste erwarb er sich, als er 1948/49 – wohl über seine Kontakte zum Generalsekretär der Ost-CDU, Georg Dertinger (1902–1968), – auf die Gestalt einzelner Kirchenartikel der DDR-Verfassung (Art. 41[2]: Verbot pol. Mißbrauchs rel. Einrichtungen; Art. 44: Rel.unterr. in Schulräumen) einwirkte, und 1951 die Lizenzierung des kath. St. Benno-Verlags erreichte.

    Der Verlagerung von Commissariats-Kompetenzen von Berlin nach Bonn und der Reorganisation einer geschlossenen, auf weltanschauliche Abgrenzung festgelegten Kirche in der DDR unter Führung des Berliner Bf. v. Preysing folgte Ende 1950 die Beschränkung von W.s Beauftragung auf geschäftstragende und caritative Aufgaben. Nach Legges Tod|wurde W. 1951 Bischof von Meißen. An einer einvernehmlichen Zusammenarbeit der zur Berliner Ordinarienkonferenz zusammengeschlossenen Jurisdiktionsträger in der DDR zeigte er wenig Interesse, zog sich 1955 krankheitsbedingt aus der Leitung des Bistums zurück und übersiedelte nach der Einsetzung Otto Spülbecks (1904–1970) als Koadjutorbischof wieder nach Berlin. 1957 nahm Papst Pius XII. W.s Rücktrittsgesuch an und ernannte ihn zum Titular-Ebf. v. Mocissus.

    W.s Persönlichkeit und Wirken waren stets stärker sozial- als kirchenpolitisch bestimmt und in ihren wechselnden Funktionen v. a. darauf gerichtet, öffentliche Handlungsspielräume eher praktisch anzuverwandeln als grundsätzlich zu verteidigen. Im Kontext beider dt. Diktaturen und dem zugehörigen Diskurs über „Politik“ und „Seelsorge“ wird daher seine Bedeutung seit den 1960er Jahren zeitgeschichtlich kontrovers beurteilt.

  • Auszeichnungen

    |päpstl. Geh.kämmerer (1930);
    päpstl. Hausprälat (1934);
    Bf.-W.-Haus, Dresden (seit 2006).

  • Werke

    |Die Lage d. Kinder poln. Wanderarb. in Dtld., in: Jugendwohl, Zs. f. kath. Kinder- u. Jugendfürsorge 20, 1931, S. 177–81;
    Nachlaß: Diözesanarchiv d. Bm. Dresden-Meißen;
    Archiv d. Dt. Caritasverbandes Freiburg (Br.);
    Hist. Archiv d. Ebm. Köln;
    Archiv d. Komm. f. Zeitgesch. Bonn;
    BA Berlin;
    Archiv d. BStU, BV Dresden;
    ein pers. Nachlaß existiert nicht;
    Qu Akten dt. Bischöfe über d. Lage d. Kirche 1918–1933, bearb. v. H. Hürten, 2007;
    dass. 1933–1945, Bde. I–VI, bearb. v. B. Stasiewski u. L. Volk, 1968–85;
    Akten dt. Bischöfe seit 1945, bearb. v. Th. Schulte-Umberg, U. Helbach, A. Mertens u. Ch. Kösters, 5 Bde., 2006–17;
    M. Höllen, Loyale Distanz? Katholizismus u. Kirchenpol. in SBZ u. DDR, Ein hist. Überblick in Dok., Bd. 1–2, 1994/97.

  • Literatur

    |P. Jung, Die Errichtung d. Commissariats d. Fuldaer Bf.konf. mit H. W., Ein Btr. z. Abwehrkampf d. dt. Bischöfe gegen d. Naziregime, unveröff. Ms., o. O., o. J.;
    M. Höllen, H. W., d. „unpol.Kirchenpol., Eine Biogr. aus drei Epochen d. dt. Katholizismus, 1981;
    ders., in: Zeitgesch. in Lb. V, S. 176–89 (P);
    W. Tischner, Kath. Kirche in d. SBZ/DDR 1945–1951, Die Formierung e. kath. Subges. im entstehenden sozialist. Staat, 2001;
    B. Mitzscherlich, Diktatur u. Diaspora, Das Bm. Meißen 1932–1951, 2005;
    M. A. Zumholz, in: Der kath. Klerus im Oldenburger Land, hg. v. W. Baumann u. P. Sieve, 2006, S. 560–65 (W, L);
    J. Pilvousek, Die kath. Kirche in d. DDR, Btrr. z. KGesch. Mitteldtld.s, 2014, S. 91–105;
    Gatz I (W, L, P) u. V (W, L, P);
    Priester unter Hitlers Terror;
    Biogr. Hdb. SBZ/DDR;
    Wer war wer DDR;
    Sächs. Biogr. (W, L);
    Who is who d. Soz. Arb.

  • Autor/in

    Christoph Kösters
  • Zitierweise

    Kösters, Christoph, "Wienken, Johann Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 92-94 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118632566.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA