Lebensdaten
1887 – 1978
Geburtsort
Neuß
Sterbeort
Köln
Beruf/Funktion
Erzbischof von Köln ; Erzbischof ; Katholischer Theologe ; Kardinal
Konfession
römisch-katholisch
Normdaten
GND: 118536079 | OGND | VIAF: 54284139
Namensvarianten
  • Frings, Joseph
  • Frings, Kardinal Josef
  • Frings, Josef
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Zitierweise

Frings, Josef, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118536079.html [27.11.2022].

CC0

  • Kritische Würdigung

    Josef Kardinal Frings, Erzbischof von Köln, setzte sich schützend für seine Kirche in der Zeit des Nationalsozialismus ein und wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zum Diplomaten, der mit den Besatzungsmächten verhandelte. Einen besonderen Namen machte sich Frings als Wortführer beim Zweiten Vatikanischen Konzil (1962–1965). Er war einer der wenigen Menschen, deren Name zu einem Tätigkeitswort wurde, als er im eiskalten Winter 1946/47 eine Silvesterpredigt hielt und danach „fringsen“ für das Beschaffen von Kohlen stand.

    Lebensdaten

    geboren am 6. Februar 1887 in Neuß
    gestorben am 17. Dezember 1978 in Köln
    Grabstätte Dom zu Köln in Köln
    Konfession römisch-katholisch
    Josef Frings, Diözesanarchiv Limburg (InC)
    Josef Frings, Diözesanarchiv Limburg (InC)
  • Lebenslauf

    6.·Februar 1887 - Neuß

    1893? - 1905 - Neuß

    Schulbesuch (Abschluss: Abitur)

    dreijährige Vorschule; Königliches Gymnasium (heute Quirinus-Gymnasium)

    1905 - 1910 - München; Innsbruck (Tirol); Freiburg im Breisgau; Bonn

    Studium der Katholischen Theologie

    Universität

    10.8.1910 - Köln

    Priesterweihe

    1910 - 1913 - Köln-Zollstock

    Kaplan

    1913 - 1915 - Rom; Freiburg im Breisgau

    Fortsetzung des Studiums

    1916 - Freiburg im Breisgau

    Promotion (Dr. theol.)

    Universität

    1915 - 1922 - Köln-Fühlingen

    Pfarr-Rektor

    1922 - 1924 - Neuß

    Rektor

    Waisenhaus

    1924 - 1937 - Köln-Braunsfeld

    Pfarrer

    1935 - Köln-Braunsfeld

    Prosynodalrichter

    1937 - Köln-Braunsfeld

    Synodalrichter

    1937 - 1942 - Bensberg

    Regens (Leiter) unter Erzbischof Karl Joseph Kardinal Schulte (1871–1941)

    Erzbischöfliches Priesterseminar

    1.5.1942 - Köln

    Erzbischof

    Erzbistum

    21.6.1942 - Köln

    Inthronisation

    Erzbistum

    1945

    Vorsitzender als Nachfolger von Adolf Kardinal Bertram (1859–1945)

    Fuldaer Bischofskonferenz (später Deutsche Bischofskonferenz)

    18.2.1946

    Kardinalpriester (St. Johannes vor dem lateinischen Tore) durch Papst Pius XII. (1876–1958)

    1946 - Niederlande

    Reise

    1947 - Kanada

    Reise

    1947 - Lourdes (Département Hautes-Pyrénées, Frankreich)

    Pilgerfahrt

    1948

    Protektor für das Flüchtlingswesen in Deutschland

    1957 - Tokio; Korea

    Reisen

    1959 - 1973

    Vorsitzender

    Bischöfliche Kommission für Misereor

    1961 - Genua

    Reise

    1962 - 1965 - Rom

    Teilnehmer

    Zweites Vatikanisches Konzil

    17.·Dezember 1978 - Köln
  • Genealogie

    Vater Heinrich Frings 1851–1943 Weberei-Fabrikant; Baumwollweberei Frings & Frowein
    Mutter Maria Frings, geb. Sels 1861–1934
    Bruder Heinrich Frings 1885–1946 Jurist, Reichsgerichtsrat; starb in russischer Gefangenschaft in Mühlberg (Sachsen)
    Bruder Alfons Frings 1893–1968 Kaufmann, Oberbürgermeister von Neuß, Verlagsleiter der „Neuß-Grevenbroicher Zeitung“
    Bruder Paul Frings 1900–1900
    Bruder Peter Frings 1900–1945 verh. mit der Apothekerin Emilie Peerenboom (geb. 1903); Diplom-Ingenieur; starb bei einem Bombenangriff in Magdeburg
    Schwester Anna Frings, verh. Hopmann 1889–1981 Ehefrau des Amtsgerichtsrats Josef Hopmann (gest. 1924)
    Schwester Elisabeth Frings 1891–1944 starb bei einem Bombenangriff auf Köln
  • Biografie

    Frings entstammte einem zutiefst katholischen Elternhaus in der Nähe der Neusser Quirinuskirche. Früh fasste er den Entschluss, einfacher Leutepriester zu werden. Nach dem Abitur 1905 am Königlichen Gymnasium (heute Quirinus-Gymnasium) und dem Studium der Katholischen Theologie wurde er am 10. August 1910 vom Kölner Weihbischof Joseph Müller (1894–1944) in St. Mariä Himmelfahrt zum Priester geweiht und war anschließend Kaplan im Kölner Arbeiterviertel Zollstock. Studienjahre in Rom und Freiburg schlossen sich an, bevor er 1915 Pfarr-Rektor in Köln-Fühlingen wurde. 1922 ging Frings als Rektor des Waisenhauses nach Neuß. Seine nach eigenem Bekunden „schönsten Jahre“ begannen für Frings 1924 als Pfarrer im Kölner Villenviertel Braunsfeld, wo er mit Oberbürgermeister Konrad Adenauer (1876–1967) in Kontakt kam, zu dem er zeitlebens ein persönlich distanziertes Verhältnis unterhielt.

    1937 wurde Frings Leiter des Erzbischöflichen Seminars in Bensberg und am 1. Mai 1942 als Nachfolger von Karl Joseph Kardinal Schulte (1871–1941) Erzbischof von Köln. In der auch für die Kirche schwierigen Zeit des Nationalsozialismus zählte er eher zu den prominenten Mitgliedern der Kirche, von denen er 1963 rückblickend sagte, er habe nicht so offen gesprochen wie die beiden Grafen (die Bischöfe Graf von Galen in Münster und Graf von Preysing in Berlin). Aber er, Frings, habe in dieser Zeit viele Dinge im Stillen geordnet. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wuchs Frings in die Rolle eines politischen Vertreters für die Bevölkerung seines Sprengels hinein und führte seit dem 30. Mai 1945 eine lange Serie von Besprechungen mit US-amerikanischen und britischen Militärbehörden. Neben Fragen über die Rückgabe von enteigneten Kirchen ging es auch um großzügigere Lebensmittelrationen und Heizmaterial. Mit den Bischöfen Konrad Graf von Preysing (1880–1950) und Clemens Graf von Galen (1878–1946) in der Woche vom 18. bis 22. Februar 1946 von Papst Pius XII. (1876–1958) in Rom zum Kardinal erhoben, hielt Frings am letzten Tag desselben Jahres in der Pfarrkirche Köln-Riehl eine Silvesterpredigt, in der er mit Berufung auf das 7. Gebot gegen die Auffassung der britischen Militärbehörde auftrat, dass das Aufsammeln von Kohle an Bahngleisen Diebstahl sei. Viele Kohlesammler fühlten sich daraufhin gegen Frings’ eigene Absicht frei von allen Sünden und stahlen nun nicht mehr, sondern „fringsten“.

    Frings schätzte Papst Pius XII., der wie er einen konservativen Weg vertrat. Gleichwohl unterstützte er dessen Nachfolger Papst Johannes XXIII. (1881–1963) bei seinen Reformbemühungen im Zuge des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962–1965). Mit seinem Berater Joseph Ratzinger (geb. 1927), dem späteren Papst Benedikt XVI., wurde Frings eine der prägenden Gestalten des Konzils und meldete sich in allen vier Sitzungsperioden mit einflussreichen Stellungnahmen zu Wort, in denen er sowohl Kritik übte als auch Lösungsvorschläge bereithielt. Letztlich half er engagiert dem Konzilspapst Johannes bei seinen Bemühungen, die Kirche zu modernisieren. 1969 übergab er seinen Hirtenstab an seinen Nachfolger Joseph Höffner (1906–1987). Seine letzten Jahre verbrachte er im Erzbischöflichen Haus in Köln. An der Trauerfeier für ihn am 21. September 1978 nahmen mehr als 40 Bischöfe und zahlreiche politische Vertreter teil. Bundeskanzler Helmut Schmidt (1918–2015) würdigte Frings in einem Nachruf als kraftvolle, weise und von Liebe durchdrungene Führungsgestalt. 1996 wurde die Josef-Kardinal-Frings-Gesellschaft in Neuss gegründet mit dem Ziel, dem Kardinal aus Neuss ein Denkmal zu setzen und die Erinnerung an ihn wach zu halten.

    Der langjährige Kölner Domprobst Norbert Feldhoff (geb. 1939) nannte Frings einen der bedeutendsten deutschen Bischöfe und hob besonders Frings' grundsätzlich konservative, positive Haltung zur Kirche, seine heute noch erinnerbare Nähe zu den Menschen und sein mutiges Auftreten auf dem Konzil hervor. Frings stehe für heutige priesterliche Tugenden und ein offenes Verhältnis zwischen Priestern und Bischöfen.

  • Ehrungen, Auszeichnungen und Mitgliedschaften

    Mitglied der Katholischen Studentenverbindung Bavaria in Freiburg im Breisgau
    Mitglied der Theologenverbindung Rhenofrankonia in Bonn
    1946 Protektor der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft
    1946 Ehrenbürger der Stadt Honnef
    1950 Ehrenbürger der Stadt Neuß
    1952 Großkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland
    1953–1978 Protektor des Malteser Hilfsdienstes
    1957 Dr. phil. s. c., Sophia-Universität Tokio
    1960 Ehrendomherr der Kathedralkirche Essen
    1964 Kardinal-Frings-Gymnasium, Bonn-Beuel
    1967 Ehrenbürger der Stadt Köln
    Kardinal-Frings-Straße, Köln
    Caritas-Altenzentrum Kardinal-Frings-Haus, Köln-Ehrenfeld
    Begegnungszentrum Kardinal-Frings-Haus, Neuss
    Gedenktafel, Pfarrkirche Köln-Fühlingen
    2006 Josef-Kardinal-Frings-Brücke, 1950/51, seit 2006 nach Frings benannt, Rhein bei Neuss/Düsseldorf
    • Quellen

      Nachlass:

      Historisches Archiv des Erzbistums Kölns. (P)

    • Werke

      Die Einheit der Messiasidee in den Evangelien. Ein Beitrag zur Theologie des Neuen Testaments, 1917. (Diss. theol. Freiburg im Breisgau)

      Grundsätze katholischer Sozialarbeit und zeitnahe Folgerungen, 1947.

      Verantwortung und Mitverantwortung in der Wirtschaft. Was sagt die katholische Soziallehre über Mitwirkung und Mitbestimmung?, 1949.

      Das Verhältnis der Kirche zu den Juden im Lichte des II. Vatikanischen Konzils. Vortrag zur Woche der Brüderlichkeit im Gürzenich zu Köln am 5. März 1967. Bischof Dr. Hubert Luthe zum 85. Geburtstag, 2012.

      Für die Menschen bestellt. Erinnerungen des Alterzbischofs von Köln. Autobiographie, 1973.

    • Literatur

      Festschrift zum Jubeljahr des Kardinals und Erzbischofs Joseph Frings, hg. v. Verlag Wort und Werk, 1957. (P)

      Dieter Froitzheim (Hg.), Kardinal Frings – Leben und Werk, 1979.

      Eduard Hegel u. Wilhelm Neuss (Hg.), Geschichte des Erzbistums Köln, Bd. 5, 1987, S. 105–109. (P)

      Joachim Sikora u. Hans Nitsche (Hg.), Josef Kardinal Frings. Honnefer Akzente, 1996.

      Joachim Kettel, Josef Kardinal Frings, Leben & Wirken des Kölner Erzbischofs in Anekdoten, 2003.

      Friedhelm Hofmann, „Stüfchen, Eminenz!“ Anekdoten rund um den Kölner Dom, ²2004. (P)

      Norbert Trippen, Josef Kardinal Frings, 2 Bde., 2003/05. (P)

      Friedhelm Ruf, Der rheinische Kardinal – Josef Frings Seelsorger, Diplomat, Brückenbauer, hg. v. der Josef-Kardinal-Frings-Gesellschaft, 2015. (P)

      Norbert Trippen, Josef Kardinal Frings (1887-1978), in: Jürgen Aretz/Rudolf Morsey/Anton Rauscher (Hg.), Zeitgeschichte in Lebensbildern, Bd. 7, 1994, S. 143–160, 299 f. (P)

      Erwin Gatz (Hg.), Die Bischöfe der deutschsprachigen Länder 1783/1803-1934, 1983, S. 210–213.

      Norbert Trippen, Art. "Josef Kardinal Frings", in: Portal Rheinische Geschichte. (P) (Onlineressource)

    • Onlineressourcen

    • Porträts

      Denkmal v. Kurt Arentz (1934–2014), 1998 (Köln, Laurenzplatz).

      Denkmal v. Elmar Hillebrand (1925–2016), 2000 (Neuss, Nähe Quiriniuskirche).

  • Autor/in

    Friedhelm Ruf (Grevenbroich)

  • Zitierweise

    Ruf, Friedhelm, „Frings, Josef“ in: NDB-online, veröffentlicht am 01.10.2022, URL: https://www.deutsche-biographie.de/118536079.html#dbocontent.

    CC-BY-NC-SA