Lebensdaten
1859 bis 1945
Geburtsort
Hildesheim
Sterbeort
Schloß Johannesberg (Böhmen)
Beruf/Funktion
Kardinal ; Erzbischof von Breslau
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118510134 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Bertram, Adolf Johannes
  • Bertram, Adolf
  • Bertram, Adolf Johannes
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Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Bertram, Adolf, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118510134.html [20.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Franz (1818–90), Kaufmann in Hildesheim, S des Werner und der Magd. Bieling;
    M Karoline (1829–1905), T des Heinrich Müller und der Sophie Schwertfeger.

  • Leben

    B. studierte 1877-81 in Würzburg und München Theologie und empfing 1881 in Würzburg die Priesterweihe. Nach weiteren theologischen Studien in Innsbruck widmete er sich 1882-84 in Rom dem Studium des kanonischen Rechtes und wurde Mitglied des Priesterkollegiums an der Anima. Die doppelte Ausbildung fand ihren Abschluß in der Promotion zum Dr. theol. in Würzburg 1883 und zum Dr. jur. can. in Rom 1884.

    Durch einen Sprachfehler in der Seelsorgearbeit behindert, trat B. nach seiner Rückkehr sofort in das Hildesheimer Generalvikariat ein, wo er 1905 zum Generalvikar aufstieg; bereits seit 1894 war er Domkapitular. 1906 zum Bischof von Hildesheim gewählt, reorganisierte er auf Grund genauer Detailkenntnisse Verwaltung und Seelsorge des Bistums, fand aber daneben noch Zeit, die früher begonnene Geschichte desselben fortzusetzen. Der unbezweifelbare Erfolg des bischöflichen Wirkens und seine loyale Haltung gegenüber der preußischen Regierung bewirkten, daß er nach dem Tode des Kardinals Kopp zu dessen Nachfolger als Fürstbischof von Breslau gewählt und am 8.9.1914 dorthin transferiert wurde.

    Die damals volkreichste Diözese der ganzen Kirche (über 4 Millionen Seelen) wurde unter seiner Regierung dadurch verkleinert, daß nach der Teilung Oberschlesiens der bereits 1922 zu einem selbständigen Verwaltungsbezirk erhobene Ostteil 1925 als Bistum Kattowitz von Breslau abgetrennt und der bisher von Breslau verwaltete Delegaturbezirk Berlin auf Grund des preußischen Konkordats von 1929 ebenfalls zum Bistum erhoben und dem nunmehrigen Erzbistum Breslau als Suffragan unterstellt wurde. Dagegen kam die von der Tschechoslowakei erstrebte und im modus vivendi von 1928 auch vorgesehene Abtrennung der sudetendeutschen Teile der Diözese Breslau nicht zur Ausführung. 1916 zum Kardinal kreiert, wurde B. erst 1919 als solcher publiziert.

    Allein seine Wirksamkeit innerhalb des Erzbistums Breslau würde ihn schon zu einer führenden Persönlichkeit im deutschen Katholizismus der Gegenwart machen, daneben wirkte er außerdem durch seine z. T. in Buchform gesammelten Hirtenbriefe nicht nur in Deutschland, sondern darüber hinaus in der gesamten katholischen Welt. Von Natur jedem Hervortreten in der Öffentlichkeit abhold, hat er im Gegensatz zu seinem Vorgänger und Landsmann Kopp niemals Einfluß auf die große Politik ausgeübt oder erstrebt. Es waren die geographische Lage und die Bedeutung seines Sprengels, die ihn in die großen politischen Umwälzungen hineingezogen haben. Seine Verfügung von 1920, die während des oberschlesischen Abstimmungskampfes dem Klerus jede politische Agitation verbot, trug ihm die Feindschaft der polnischen Nationalisten ein. Das nationalsozialistische Regime griff ihn an, weil er den im kanonischen Recht verankerten Anspruch der polnisch sprechenden Katholiken auf Unterricht und Predigt in der Muttersprache verteidigte. Von 1919-45 hatte er als Vorsitzender der Fuldaer Bischofskonferenz die kirchenpolitische Schlüsselstellung in Deutschland inne, deren Bedeutung sich seit der Auflösung der Zentrumspartei im Sommer 1933 noch steigerte und ihn zum Hauptträger des zähen, aber wohl überlegten Abwehrkampfes des deutschen Episkopates gegen die Übergriffe und Unmenschlichkeiten des Nationalsozialismus machte.

    Als beim Einmarsch der Russen in Schlesien die Einkesselung Breslaus bevorstand, zog sich B. auf das noch innerhalb seines Bistums gelegene Schloß Johannesberg zurück, wo er unter dem Eindruck der Katastrophe einem Gehirnschlag erlag.

  • Werke

    Die Bischöfe v. Hildesheim, 1896;
    Gesch. d. Bistums Hildesheim, 3 Bde., 1899–1925;
    Kirche u. Volksleben, 1916;
    Hildesheimer Domgruft u. d. Fundatio ecclesiae Hildesheimensis, 1897;
    Im Geiste u. Dienste d. kath. Aktion, 1929.

  • Literatur

    J. Hermann, A. Kard. B., EB v. Breslau, Ein Lb., 1937;
    U. v. Hassel, Vom anderen Dtld., 1946;
    II Nazionalsocialismo e la Santa Sede, hrsg. v. M. Maccarone, Rom 1947, S. 227-70;
    K. Algermissen-H. Seeland, Aus d. Leben u. Wirken d. Kard. B., Bischof v. Hildesheim 1906–14, EB v. Breslau 1914–45, 1948;
    K. Engelbert, A. Kard. B., Fürst-EB v. Breslau, in: Archiv f. schles. Kirchengesch., Bd. 7, 1949, S. 7-37 (auch Sonderdr.);
    A. Sauer, Zum Gedenken an A. Kard. B., 1950 (P);
    Enc. Catt. II, 1949;
    RGG;
    s. a. R. Samulski, Kard.-B.-Bibliogr., in: Archiv f. schles. Kirchengesch., Bd. 7, 1949, S. 189-265.

  • Portraits

    im bischöfl. Palais in Hildesheim.

  • Autor/in

    Hubert Jedin
  • Empfohlene Zitierweise

    Jedin, Hubert, "Bertram, Adolf" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 170 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118510134.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA