Lebensdaten
1880 bis 1950
Geburtsort
Schloß Kronwinkl bei Landshut
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Bischof von Berlin ; Kardinal
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118596497 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Preysing, Johann Konrad Maria Augustin Felix Graf von
  • Preysing, Konrad Graf von
  • Preysing, Johann Konrad Maria Augustin Felix Graf von

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Zitierweise

Preysing, Konrad Graf von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118596497.html [18.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Kaspar (1844–97), auf K., Zentrumspol., 1882-90 MdR, S d. Maximilian (1810–81), auf Moos u. K., u. d. Anna Gfn. v. Waldburg-Zeil-Trauchburg (1821–49);
    M Hedwig (1849–1938), aus Preßburg, 1873-75 Hofdame am kaiserl. Hof in Wien, T d. Georg Gf. v. Walterskirchen, Frhr. zu Wolfsthal (1796–1865), auf Wolfsthal, Pottenburg u. Hundsheim, u. d. Ida Gfn. v. Fries (1811–68);
    B Warmund (1876–1943, ⚭ Hippolyta Gfn. v. Bray-Steinburg, 1878–1940), auf K., Emanuel (1879–1970. Marie Gfn. Kinsky, 1879–1952), auf Rathmannsdorf, Albert (1883–1946), Stiftspropst v. St. Martin in Landshut, Joseph (1884–1961), Stadtpfarrer in München, Alhart (1887–1977, ⚭ Sophie Gfn. v. Waldersdorff, 1895–1969), Dipl.-Landwirt, Wolfram (1888–1965, ⚭ Emma Gfn. v. Waldersdorff, 1900–70), auf Biedenbach;
    Schw Maria (1890–1979, ⚭ Moritz Frhr. v. u. zu Franckenstein, 1869–1931, auf Ockstadt u. Ulistadt, Bez.amtmann, MdR);
    Ov Konrad s. 2);
    N Johann Georg (1887–1924, Prn. Gundelinde v. Bayern, 1891–1983), auf Moos, Reichsrat d. Krone Bayern.

  • Leben

    Der hochbegabte und vielseitig interessierte P. wuchs in einem tiefreligiösen Elternhaus auf. Nach standesüblicher sorgfältiger Erziehung, in der namentlich auch sein Talent für Fremdsprachen gefördert wurde, studierte er 1898-1905 Rechtswissenschaften in München und Würzburg und trat nach glänzend bestandenem Examen 1906 in den Auswärtigen Dienst Bayerns ein. 1908 quittierte der junge Attaché an der bayer. Quirinalgesandtschaft in Rom den Dienst und entschloß sich – wie zuvor schon zwei seiner Brüder – zur Aufnahme eines Theologiestudiums in Innsbruck, das er 1913, ein Jahr nach der Priesterweihe, mit der Promotion zum Dr. theol. abschloß. Mit der Ernennung zum Erzbischöfl. Sekretär (1914) des Münchener Kardinals Franz v. Bettinger (1850–1917) war P. zwar der normalen Seelsorge entzogen, fand aber sein theologisch interessiertes Publikum nach Bettingers Tod in München als Stadtpfarrprediger von St. Paul, als Domprediger der Frauenkirche (seit 1921) sowie als geistlicher Schriftsteller und Übersetzer; die Ernennung zum Interniertenseelsorger in Bern kurz vor Kriegsende 1918 blieb Episode.

    P. war kein geborener Rhetoriker; er appellierte mehr an den Verstand als an das Gefühl, was ihm später in Berlin den Spitznamen „Marmorbischof“ eintrug. Seinem ganzen Habitus nach blieb er stets der Mann des Salons, nicht des Forums. Im kleinen Kreis überzeugte er durch Liebenswürdigkeit, geistreichen Witz, eine breite theologische und philosophisch-literarische Bildung, durchdringenden Verstand und den Scharfblick seiner politischen Analysen – Eigenschaften, die ihn später zum hellsichtigsten|Gegner beider deutschen Dikaturen im Episkopat werden ließen.

    Die Berufung in das Münchener Domkapitel (1928) unterstrich, daß P. für kirchliche Leitungsfunktionen vorgesehen war. So kam seine Ernennung zum Bischof von Eichstätt im September 1932 nicht überraschend. Hierfür dürfte nicht zuletzt das Votum des Kardinalstaatssekretärs Pacelli ausschlaggebend gewesen sein, der sich P.s diplomatischen Geschicks schon seit 1917/20 als Apostolischer Nuntius in München und Berlin bedient hatte. Die damals begründete wechselseitige Wertschätzung hielt an, nachdem Pacelli 1939 als Pius XII. den Stuhl Petri bestiegen hatte; sie fand ihren Niederschlag in einer ungewöhnlich dichten Korrespondenz sowie zahlreichen Rom-Visiten P.s und gipfelte in seiner Erhebung zum Kardinal (1946), die freilich vor allem eine demonstrative Auszeichnung seiner unbeugsamen Haltung im „Dritten Reich“ darstellte.

    Im Unterschied zu manchen Amtsbrüdern beurteilte P. die Absichten Hitlers von Anfang an mit tiefer Skepsis. Namentlich seit seinem nur schweren Herzens vollzogenen Wechsel auf den Bischofsstuhl in Berlin (1935) erhielt er reichlich Anschauungsunterricht über die dunklen Seiten des Regimes. Als Pressereferent der Fuldaer Bischofskonferenz war er den Machthabern bald wegen seiner entschiedenen Haltung verhaßt. P. plädierte schon früh für einen offensiven, die Öffentlichkeit mit einbeziehenden Abwehrkurs, vermochte sich damit aber bei Kardinal Adolf Bertram (1859–1945), Erzbischof von Breslau, dem Sprecher des deutschen Episkopats, nicht durchzusetzen. 1940 kam es wegen dieser Frage zum Bruch. Ohne in der Berliner Diaspora eine seinem Vetter, dem Münsteraner Bischof Clemens August Gf. v. Galen (1878–1946), vergleichbare Wirkungsmöglichkeit zu besitzen, blieb P. auf diskrete Hilfen für rassisch und politisch Verfolgte (Hilfswerk b. Bischöfl. Ordinariat Berlin) sowie Gewissensstärkung der Gläubigen bedacht. Sein Hirtenbrief über die Grundlagen des Rechts vom 13.12.1942 fand Verbreitung weit über Berlin hinaus, wurde im amerik. Repräsentantenhaus verlesen und im brit. Rundfunk kommentiert. Zu Mitgliedern der deutschen Widerstandsbewegung (Moltke, Stauffenberg, Goerdeler) stand P. in Kontakt; nach dem fehlgeschlagenen Attentat vom 20. Juli 1944 rechnete er mit seiner Verhaftung.

    Der Zusammenbruch und die Besetzung Deutschlands sowie die Vertreibung der Deutschen aus den Gebieten östlich von Oder und Neiße brachten neue Herausforderungen. Dabei blieb P. auf die moralische Aufarbeitung des NS-Unrechts bedacht; auf sein Betreiben nahmen die deutschen Bischöfe ein Schuldbekenntnis in ihren ersten gemeinsamen Hirtenbrief vom 23.8.1945 auf. Bei den westlichen Alliierten, namentlich den Amerikanern, gewann er rasch hohes Ansehen, das er auf mehreren Reisen in die Vereinigten Staaten zu erfolgreichen Hilfsersuchen nutzte. Gegenüber den kommunistischen Machthabern war er von gleicher Unbeugsamkeit wie gegenüber den Nationalsozialisten. Als der Kalte Krieg die deutsche Teilung verfestigte, wuchs P. entgegen seinen Intentionen in die Rolle eines Sprechers der ostdeutschen Jurisdiktionsträger hinein. Mit seiner entschiedenen Haltung fand er allerdings den Widerspruch stärker pastoral ausgerichteter Amtsbrüder. Strukturelle Ähnlichkeiten mit entsprechenden Auseinandersetzungen der Hitler-Zeit sind unübersehbar. Immerhin vermochte er für die gesamte Dauer der SED-Diktatur Weichen zu stellen: mit dem Erlaß vom 20.12.1947, der es dem Klerus untersagte, sich politisch instrumentalisieren zu lassen, sowie mit dem am 18.10.1950 durchgesetzten Beschluß, daß nur der Bischof von Berlin für die Kirche in der Sowjet. Besatzungszone bzw. DDR bindende Erklärungen abgeben solle. Für beide Festlegungen konnte P. das Prestige seines Kardinalats in die Waagschale werfen. Ehe der Konflikt über die angemessene Abwehrtaktik gegenüber dem neuen Totalitätsanspruch grundsätzlichere Züge annehmen konnte, starb der seit längerem kränkelnde P. kurz vor Weihnachten 1950.

  • Werke

    u. a. Der Leserkreis d. Philosophoumena Hippolyts, 1914;
    Kard. Bettinger, Nach persönl. Erinnerungen, 1918;
    Thomas Morus z. Gedächtnis, in: Hochland 32, 1934/35, S. 1-11;
    Bf. Konrad v. Berlin an d. Katholiken d. Diaspora v. Brandenburg u. Pommern, 1940;
    Dok. aus d. Kampf d. kath. Kirche im Bistum Berlin gegen d. NS, 1946;
    Hirtenworte in ernster Zeit, Kundgebungen d. Bf. v. Berlin K. Kard. v. P. in d. J. 1945 bis 1947, 1947. – Übers.: Des hl. Hippolytus v. Rom Widerlegung aller Häresien, 1922;
    Frederick William Faber, Von d. Güte, 1924;
    ders., An d. Schwelle d. Ewigkeit, 1925;
    ders., Geistl. Leben, 1926;
    ders., Selbsttäuschung, 1927;
    ders., Ges.sitten u. Sittengesetz, 1927;
    ders., Schöpfer u. Geschöpf od. d. göttl. Liebe Wunder, 1930;
    ders., Fortschritt d. Seele, 1932;
    ders., Nur danken kann ich, 1946.

  • Literatur

    B. Schwerdtfeger, K. Kard. v. P., Bf. v. Berlin, Zur Vollendung seines 70. Lebensj., 1950;
    W. Adolph, Hirtenamt u. Hitlerdiktatur, 1965;
    ders., Kard. P. u. zwei Diktaturen, Sein Widerstand gegen d. totalitäre Macht, 1971;
    ders., Geh. Aufzeichnungen aus d. nat.sozialist. Kirchenkampf 1935-1943, bearb. v.|U. v. Hehl, 41987;
    ders., in: APUZ 39/40, 1980, S. 29-38;
    T. Möritz, K. Kard. v. P. u. d. Berliner Besatzungszeit 1945-1949, 1995 (ungedr. Berliner Magisterarbeit);
    St. Adam, Die Auseinandersetzung d. Bf. K. v. P. mit d. NS in d. J. 1933 bis 1945, 1996;
    A. Leugers, Gegen e. Mauer bfl. Schweigens, Der Ausschuß f. Ordensangelegenheiten u. seine Widerstandskonzeption 1941 bis 1945, 1996;
    W. Knauft, K. v. P., Anwalt d. Rechts, Der erste Berliner Kard. u. seine Zeit, 1998;
    W. Tischner, Kath. Kirche in d. SBZ/DDR 1945-1951, Formierung e. Subges. im entstehenden Sozialist. Staat, Diss. Leipzig 1999;
    L. Volk, in: R. Morsey (Hg.), Zeitgesch. in Lb. II, 1975, S. 88-100 u. 218 f. (P);
    Gatz I (P).

  • Portraits

    Ölgem. im Besitz d. Fam., d. Bistums Eichstätt u. d. Erzbistums Berlin.

  • Autor/in

    Ulrich von Hehl
  • Empfohlene Zitierweise

    Hehl, Ulrich von, "Preysing, Konrad Graf von" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 716-718 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118596497.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA