Lebensdaten
1871 bis 1956
Geburtsort
New York
Sterbeort
New York
Beruf/Funktion
Maler
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118532308 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Feininger, Lyonel Charles Adrian
  • Feininger, Leo
  • Feininger, Lyonel
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Zitierweise

Feininger, Lyonel, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118532308.html [13.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Karl, aus Durlach, Geiger, Komp. u. Musikpäd.;
    M Elisabeth Lutz, Sängerin u. Pianistin;
    1) 1900 Clara, T d. Großkaufm. Fürst, 2) 1905 Julia gesch. Berg, T d. Bernh. Lilienfeld, Großkaufm. u. Handelsrichter in Berlin;
    2 T aus 1), 3 S aus 2) Andreas (* 1906), Architekt u. Photograph, Laurence (* 1909), Musikforscher, Theodor Lukas (* 1910), Maler.

  • Leben

    1880 beginnt F. das Violinstudium beim Vater, 1887 reist er nach Deutschland, um Musik zu studieren, entschließt sich aber in Hamburg zur Malerei. 1887-91 besucht er die Hamburger Kunstgewerbeschule und die Berliner Akademie, lernt Französisch am Lütticher Jesuitenkollegium. 1892/93 ist er 6 Monate Schüler der Aktklasse von Colarossi in Paris. 1893-1906 arbeitet er als Karikaturist und Illustrator in Berlin, unter anderem für „Ulk“ und „Fliegende Blätter“. 1906-07 lebt er in Paris und zeichnet Karikaturen für „Le Témoin“ und „Chicago Sunday Tribune“ (Serien „The Kings-der-Kids“ und „Wee Willie Winkie's World“). 1907 wendet er sich ganz der Malerei zu. Er lebt seit 1903 wieder in Berlin, von wo er 1911 Delaunay in Paris besucht. Auf Einladung von Franz Marc nimmt er 1911 am „Ersten Deutschen Herbstsalon“ vonHerwarth Walden in Berlin teil. Seit 1919 ist er Lehrer am Bauhaus (bis 1924 in Weimar, 1925-33 in Dessau), später auch in Berlin. 1924-35 verbringt er fast jeden Sommer in Deep (Pommern). 1929-31 arbeitet er jährlich mehrere Monate in Halle/Saale in einem ihm von der Stadt zur Verfügung gestellten Atelier; hier entstehen gemalte und gezeichnete Ansichten von Halle. 1936 hält er einen Sommerkurs am Mills College/Californien. Noch einmal über Schweden nach Deutschland gekommen, zieht er 1937 endgültig wieder nach den USA, wohnt in New York und verbringt die Sommermonate in Falls Village/Conn. 1938 schafft er Wandgemälde für das Marinetransportgebäude und für die Weltausstellung 1939 in New York.

    Der bizarre und groteske Humor von F.s frühen Illustrationen und Karikaturen mit ihren überlängten phantastischen Figuren schwingt auch noch in seinen ersten Bildern mit. Den kritzligen Strich der frühen Graphik hat er als Zeichner neben frei oder streng linear gezogenen Geraden sein Leben lang beibehalten. Unter dem Eindruck des Pariser Aufenthaltes von 1911 wird er zum Vertreter des deutschen Kubismus schlechthin, wobei ihn vor allem die Gestaltung der Landschaft anzieht, die er aus kristallinisch sich zusammenfügenden Flächen architektonisch aufbaut. Gegen 1920 löst sich allmählich die strenge Tektonik, die Flächen werden transparent, die Farben lichten sich auf. Die Bildwelt wird verklärt zu schwebenden, wie von innen leuchtenden Visionen. Diese Landschaften sind keine Abbilder mehr, das Zeit -und Materiegebundene ist in polyphone Klangbilder verwandelt. Das musikalische Erbe des Künstlers – noch 1921-26 komponiert er mehrere Orgelfugen – bestimmt sein malerisches Werk. Seit 1915 malt er häufig in den kleinen Thüringer Städten, in Gelmeroda, Vollersroda, Gaberndorf und dann in Erfurt, später kommen hinzu Bilder aus Lüneburg, Treptow/Rega und Halle, Meerbilder mit tiefem Horizont, mit Segelschiffen und Booten. Bei einigen geben kleine, silhouettenhaft abstrahierte menschliche Wesen den Maßstab und Ausgang der über sie hinauswachsenden und in unendliche Ferne sich weitenden Landschaften. Durch Raffung und Zusammenfassung der wesenhaften Formen und Farbklänge, durch Ausscheiden aller kleinteiligen, nicht notwendigen Details, durch Auflösung alles Körperhaft-Realen entstehen Verklärungen der vorgefundenen Motive, erfüllt von einer zauberhaften, reinen Intensität. Die Aquarelle sind oft wahre Kleinodien moderner Landschaftskunst. Da F. vor der Landschaft stets nur skizziert hat, kann er auch nach 1937 noch so manche deutsche Landschaft aus dem Gedächtnis schaffen. Er ist in gleicher Weise Nordamerika, dem Geburtsland,|wie Deutschland, dem Lande seiner Eltern, verbunden gewesen, wo er so lange gelebt und gearbeitet hat. Die unendliche Weite des amerikanischen Kontinentes und die Enge der Straßenschächte von Manhattan gehören zu ihm wie die alten deutschen Kleinstädte mit ihren Giebeln, Türmen und Kirchen und die sanften Ufer der Ostsee. Sein Werk der beiden letzten amerikanischen Jahrzehnte fügt sich an das der deutschen als reifes Altersschaffen mit oft träumerisch oder geisterhaft sich verflüchtigenden oder nur angedeuteten Linien, Formen, Farben und Gestalten.

  • Werke

    Weitere W u. a. Raddampfer, 1913 (Detroit, Inst. of Arts);
    Brücke III, 1917 (Köln, Wallraf-Richartz-Mus.);
    Türme üb. d. Stadt (Halle), 1932 (ebd.);
    Kirche, 1920 (Wuppertal-Elberfeld, Städt. Mus.);
    Troistedt, 1923 (Krefeld, Priv.Bes.);
    Gelmeroda IX, 1926 (Essen, Mus.Folkwang);
    Barfüßerkirche Erfurt, 1927 (Wuppertal-Barmen, Priv.Bes.);
    Der Dampfer Odin II, 1927 (New York, Mus. of Mod. Art);
    Der Grützturm in Treptow/Rega, 1928 (Darmstadt, Hess. Landesmus.);
    Segelpyramide, 1930 (Stuttgart, Priv.Bes.).

  • Literatur

    W. Wolfradt, L. F., 1924;
    New York, Mus. of Modern Art, L. F. u. M. Hartley, 1944 (L);
    Boston, Inst. of Contemporary Art, J. Villon u. L. F., 1950 (L);
    Vollmer II;
    A. Hentzen, L. F., Aquarelle, 1958;
    H. Hess, L. F.-Monogr., 1959 (W);
    ThB (L).

  • Portraits

    Selbst-P;
    mit Tonpfeife, 1910;
    Bleistiftzeichnung, 1913;
    Radierung, 1919 (sämtl. Bes. Dr. Klumpp, Quedlinburg); P
    in: L. Schreyer, Erinnerungen an Sturm u. Bauhaus, 1956.

  • Autor/in

    Leonie von Wilckens
  • Empfohlene Zitierweise

    Wilckens, Leonie von, "Feininger, Lyonel" in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 62-63 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118532308.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA