Lebensdaten
1903 bis 1985
Geburtsort
Berlin-Charlottenburg
Sterbeort
Wilzhofen bei Wielenbach (Schongau)
Beruf/Funktion
Kunsthistoriker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118758039 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Swarzenski, Hanns Peter
  • Swarzenski, Hanns
  • Swarzenski, Hanns Peter

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Zitierweise

Swarzenski, Hanns, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118758039.html [19.01.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Georg (s. 1);
    M Ella Perec-Wilcynska;
    1953 Brigitte (Sonni) (1911–88, 1] Konstantin [Irmen-]Tschet, eigtl. Tschetwerikoff, 1903–77, Kameramann), aus B., Filmschausp., Bundesfilmpreis in Gold 1972 (s. Wi. 1986; Kosch, Theater-Lex.; Munzinger;L, P), T d. Oscar Horney (1883–1948), aus Braunschweig, Dr. phil., Dr. iur., Untern., u. d. Karen Danielsen (1885–1952), Dr. med., Ärztin, Psychoanalytikerin, Fachschriftst., Schülerin v. S. Freud, bezog d. Einfluß v. Umweltbedingungen auf d. Krankheitsbildung u. -heilung ein, emigrierte 1932 in d. USA, studierte in Japan d. ZEN-Buddhismus, Mitgl. d. American Psychoanalytic Association u. d. Internat. Soc. for Psychoanalysis, 1955 wurde d. Karen Horney Klinik in New York eröffnet (s. BHdE II; Munzinger; Personenlex. Sexualforsch.; S. Schädlich, K. H., d. Rivalin Freuds, 2006); Schwägerin Marianne v. Eckardt-Horney, Psychotherapeutin.

  • Leben

    S. besuchte das Lessing-Gymnasium in Frankfurt/M. und bestand 1923 das Abitur am Dt. Kolleg in Bad Godesberg. Er studierte Kunstgeschichte und Klassische Archäologie in Berlin, Bonn, Freiburg (Br.) und München bei Paul Clemen (1866–1947), Walter Friedlaender (1873–1960), Adolph Goldschmidt (1863–1944), Hans Jantzen (1881–1967), Karl Koetschau (1868–1949) und Heinrich Wölfflin (1864–1945). 1927 schloß er das Studium mit der Promotion bei Clemen ab, wurde Stipendiat am Dt. Kunsthistorischen Institut in Florenz und erhielt 1928 ein Reisestipendium in die USA (Fellow am Fogg Art Mus.|d. Harvard University in Cambridge, Mass.). 1929 nach Deutschland zurückgekehrt, wurde S. Assistent an den Staatl. Museen zu Berlin und übernahm den Auftrag des Dt. Vereins für Kunstwissenschaft, den Bestand an dt. Buchmalereien in lat. Handschriften des 13. Jh. in den europ. Sammlungen zu erfassen. Er versah den Museumsdienst bis 1934, unternahm die nötigen Studienreisen durch Europa und publizierte Text- und Tafelband des monumentalen, in exzellentem Lichtdruck ausgeführten Werks 1936 u. d. T. „Die lat. illuminierten Handschriften des XIII. Jh. in den Ländern an Rhein, Main und Donau“.

    Im selben Jahr noch verließ S., der in Berlin Ludwig Mies van der Rohe (1886–1969), Lyonel Feininger (1871–1956), Karl Schmidt-Rottluff (1884–1976) und Gerhard Marcks (1889–1981) persönlich kennen und hochschätzen gelernt hatte, seine Heimat wegen der zunehmenden antisemitischen Restriktionen. Er wurde Research Assistant Erwin Panofskys (1891–1968) am Institute for Advanced Study in Princeton (New Jersey, USA) und übernahm 1943–45 die Vertretung des Curators in der Skulpturen-Abteilung der National Gallery in Washington D. C. 1948 wurde er Fellow of Research an der Gemäldegalerie des Museums of Fine Arts in Boston, wo bereits sein Vater seit 1938 wirkte. Zwischen 1950 und 1956 ließ er sich mehrmals beurlauben, um in London als Lecturer am Warburg Institute zu wirken. Seit 1957 Leiter des Departement of Decorative Art am Museum of Fine Arts in Boston, gelangen ihm hier bis zu seiner Pensionierung 1972 eine Reihe besonders glücklicher Erwerbungen. Daneben war er als Lecturer an der Harvard University tätig und pflegte die im Elternhaus und in Berlin begonnenen Bekannt- und Freundschaften mit Max Beckmann (1884–1950), den emigrierten Künstlern des Bauhauses und mit den in den USA sowie auf Reisen neu gewonnenen Künstlerfreunden Alexander Calder (1898–1976), Alberto Giacometti (1901–66), Marino Marini (1901–80) und Henry Moore (1898–1986), von denen er auch besonders charakteristische Werke für das Museum in Boston erwarb. Auch der Kunsthändler Curt Valentin (1902–54) zählte zu seinen Freunden.

    1954 heiratete S. die Schauspielerin Brigitte Horney, die, wie er selbst, gleichermaßen in Amerika und Europa beruflich tätig war. Nach S.s Pensionierung nahmen beide ihr Domizil in Deutschland unweit des Starnberger Sees.

    S.s Kennerschaft der mittelalterlichen Kunst und insbesondere der Werke der sog. Kleinkunst war legendär. In Form von zunächst gewagt erscheinenden Ankäufen kam diese dem Museum zugute. In kurzen Beiträgen teilte er seine Einsichten darüber in den Fachzeitschriften mit. Über das Standardwerk von 1936 hinaus schuf er mit den „Monuments of Romanesque Art“ (1953) und der paradigmatischen Analyse des Berthold-Sakramentars (1995) weitere, sowohl buch-, als auch fachgeschichtlich epochemachende Werke. Das Buch über die „Monuments“ wurde, als Paperback ediert, auch seiner differenzierten Indices wegen bald zum viel genutzten Lehrbuch über die mittelalterliche Kleinkunst.

  • Werke

    Weitere W Btrr. z. Niederrhein. Buchmalerei in d. Übergangszeit v. Roman. z. Got. Stil, 1934;
    Max Beckmann, Retrospective exhibition organized by City Art Mus. of St. Louis, Vorw. v. H. S., 1948;
    Miniaturen d. frühen MA, 1951;
    Monuments of Romanesque art, The art of church treasures in North-Western Europe, 1953, 21967, Nachdr. 1974;
    Czechoslovakia, Romanesque and Gothic illuminated manuscripts, 1959 (mit J. Kvet);
    Catalogue of medieval objects, Mus. of Fine Arts, Boston, Enamels and glass, 1986 (mit N. Netzer);
    Das Berthold-Sakramentar, Ms. M. 710 d. Pierpont Morgan Library in New York, 1995.

  • Literatur

    Intuition u. Kunstwiss., FS f. H. S. z. 70. Geb.tag, hg. v. P. Bloch u. a., 1973 (Bibliogr. v. I. Hacker, S. 599–604, P);
    Nachrufe:
    G. Glueck, in: New York Times v. 28. 6. 1985, S. D-16;
    P. T. Rathbone, in: Gesta XXIV, 1985, S. 175 f.;
    W. Sauerländer, in: Burlington Mag. CXXVII, 1985, S. 804–07;
    ders., in: FAZ v. 28. 6. 1985;
    D. Schmidt, in: SZ v. 1. 7. 1985 (P);
    – Brigitte Horney, So oder so ist das Leben, Aufgezeichnet v. G. H. Heyerdahl, 1992 (P);
    K. McClintock, ,Arts of the Middle Ages` and the S.s, in: Medieval Art in America, Patterns of Collecting 1900–1940, hg. v. E. Bradford Smith, K. McClintock u. A. R. Rottne, 1996, S. 203–08;
    BHdE II;
    Biogr. Hdb. Kunsthist.;
    Metzler Kunsthist. Lex.;
    Dict. of Art.

  • Portraits

    Foto v. M. Breslauer, 1931, Abb. in: Marianne Breslauer, Photogrr. 1927–1937, Kat. Neue Nat.gal. Berlin, 1989, S. 43;
    Curt Valentin u. H. S., Öl/Lwd. v. M. Beckmann, 1946, Abb. in: Max Beckmann, Kat. d. Gem., bearb. v. E. u. B. Göpel, II, 1976, Nr. 731;
    Foto, Ehepaar Brigitte Horney u. Dr. H. S., 1961, Abb. in: B. Horney (s. L), S. 157.

  • Autor/in

    Heinrich Dilly
  • Empfohlene Zitierweise

    Dilly, Heinrich, "Swarzenski, Hanns" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 728-729 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118758039.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA