Lebensdaten
1480 bis 1550
Geburtsort
Kelheim
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
bayerischer Kanzler
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118528718 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Egk, Leonhard von
  • Egkh, Leonhard von
  • Eck, Leonhard
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Zitierweise

Eck, Leonhard von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118528718.html [13.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Leonhard Hueber gen. Egk (1439–1501), Landrichter, Kastner, Pfleger u. Mautner zu Kelheim, 1493 auch Pfleger zu Donaustauf, S des Peter Hueber gen. E., Lehnsträger des Hochstifts Niedermünster, aus seit 1396 in Kelheim nachweisbarem Geschl., u. der N.N. Hertenfelder;
    M Verena ( 1497), T des Ulrich Halder, Rentmeister zu Weilheim, u. der Anna Barb. Wißhaimer aus München, beide aus alten Rats- u. Beamtengeschlecht;
    1520 (Heiratsbrief 1.9.1525) Felicitas, Wwe des Hans v. Treswitz u. des Humanisten Dietr. v. Plieningen zu Eisenhofen ( 1520), T des Ambrosius v. Freyberg u. der Maria v. Schöndorf;
    1 S, 1 T, Oswald ( 1573), studierte in Ingolstadt u. Bologna, wurde J. Aventin kurz vor dessen Tod zur Erziehung anvertraut, Humanist, Sammler Aventinscher Schrr. (2. Ausg. der Alexandreis 1541), 1563 zählt er zu den prot. gesinnten Adeligen, muß zur Schuldentilgung einen großen Teil der Güter verkaufen, Maria ( 1570, 1] Wilh. Frhr. v. Schwarzenberg [ 1552], bayerischer Landhofmeister, 2] Hans Schlik, Gf. zu Passaun, 3] Abund Schlik, Gf. zu Passaun).

  • Leben

    1489 immatrikulierte sich E. in Ingolstadt; 1493 zum Magister promoviert, ging er nach Siena und kehrte nach mehrjährigem Studium als Dr. iur. utr. zurück. Nach einem kurzen Zwischenspiel als Rat zu Ansbach trat er in bayerische Dienste. E. erwarb sich als Lehrer des jungen Herzogs Wilhelm IV. das Vertrauen Wilhelms, dem er seit 1512 als herzoglicher Rat diente. Dem Drängen der Landstände auf dem Landtag von 1514 fiel auch E. für kurze|Zeit neben anderen mißliebigen Räten der gemeinsam regierenden Herzöge Wilhelm und Ludwig zum Opfer. E. blieb Herzog Wilhelm als Ratgeber unentbehrlich und wurde 1519 zum Kanzler bestellt. Drei Jahrzehnte hindurch leitete E. die Politik Bayerns, nicht immer widerspruchslos von seiten der Herzöge – Ludwig stand ihm kühl gegenüber. Inmitten einer sich wandelnden Welt blieb E. als einer der hervorragendsten deutschen Staatsmänner der Reformationszeit unbeirrt seinem Ziele treu: das Herzogtum Bayern der alten Kirche zu bewahren, es in seinem territorialen Bestand zu erhalten, zu mehren, Verlorenes zurückzugewinnen, im Innern auszubauen und die Selbständigkeit des kurz zuvor unter Albrecht IV. endlich wieder geeinten Staatswesens gegenüber Kaiser, Reich und Kurie zu kräftigen.

    Glänzend begabt und humanistisch gebildet – seine Bibliothek, zum Teil ererbt (Dietrich von Plieningen), benutzte Aventin –, ist er der neue Typ des Staatsbeamten aus adeligem Geschlecht, Politiker, Diplomat, Verwalter und Organisator in großem Stil, mit dem der Aufstieg des modernen Fürstenstaates unlöslich verknüpft ist. Ein scharfer, durchdringender Verstand, eine erstaunliche Geschäftsgewandtheit, gepaart mit spielender Beherrschung des römischen Rechts, machten ihn zum kompromißlosen Verfechter des modernen Staatsprinzips. Klug und gewandt, verschlagen, doch auch verbindlich und liebenswürdig, tatkräftig, nie verlegen in der Wahl seiner Mittel, milde und hart, ja rücksichtslos, wie es der Augenblick forderte, ein unübertroffener Meister der Diplomatie, erfahren in der Kunst zweiseitiger Verhandlungen, so steuerte er mit fester Hand Bayern durch die Stürme der Reformation. E., den man doppelzüngig, treulos hieß, den man bewunderte und gleichzeitig leidenschaftlich haßte, weil er virtuos die Fäden zu Freund und Feind knüpfen und lösen konnte, hebt sich als Vertreter eines schwachen Staates besonders hervor.

    Die Lage Bayerns war schwierig, es war von drei Seiten von Habsburg umklammert; dazu im Innern durch einen selbstbewußten Adel, der die Landschaft als sein Instrument zu nutzen wußte, gehemmt. Zu all dem kam noch die Reformation. Die Hauptfrage für Bayern war jeweils, ob der Kampf gegen die Habsburger oder gegen die Protestanten wichtiger war. So wie die Protestanten für die deutsche Libertät kämpften und dann doch mit dem katholischen Frankreich zusammengingen, so ging E. zeitweise mit den Protestanten und zeitweise mit dem Kaiser zusammen; einmal stand das politische, einmal das religiöse Ziel voran; daher scheint E.s Politik ewig zu schwanken, doch nur seine Taktik, die Mittel seiner Politik wechselten. Auf Gewalt konnte er nicht bauen, es blieben ihm nur Verhandlungsgeschick und List. Überall hat er eingegriffen, in Württemberg, im Bauernkrieg an der Spitze des Schwäbischen Bundes, in der Reichspolitik, in den Fragen des Reichsregiments wie der Königswahl Ferdinands und schließlich im Krieg Karls V. gegen die Schmalkaldener. Klar und scharf, in ungetrübter Objektivität betrachtete er die Dinge, viel zu klug, alles zu versprechen und nichts zu halten – er versprach nichts und ließ alles offen. Sein gefährliches Spiel mit den Schmalkaldener Fürsten, von Karl V. ebenso gewünscht wie die Neutralität Bayerns, verschaffte dem Kaiser mit den Sieg über die Protestanten. Um den Preis allerdings, die Kur und die junge Pfalz, betrogen ihn Granvella und der Kaiser.

    Frühzeitig hatte E. die Gefahren, die in der Verbindung politisch-sozialer und religiöser Forderungen lagen, erkannt; seinem entschlossenen Vorgehen ist es mit zu danken, wenn Bayern vom Bauernkrieg verschont blieb. Er drängte die Landschaft zurück, schuf die ersten Ansätze für Zentralbehörden, stärkte die Macht des Fürsten, nahm sich der Universität Ingolstadt an (Protektor der Sodalitas litteraria Angilostadensis) und hielt Bayern mit Strenge bei der alten Kirche (P. Canisius 1549 in Ingolstadt).

    Wenn ihm auch der unmittelbare Erfolg in vielem versagt geblieben ist, so hat E. doch die Grundlagen geschaffen, die Bayern in den folgenden Jahrzehnten zur ersten katholischen Macht in Deutschland bestimmten. Er hat durch die Heirat Albrechts (V.) mit der Tochter Ferdinands die Verbindung zu Österreich gestärkt, andererseits das Kapitel La France et la Bavière neu begonnen und im Verein mit seinem Herzog Bayern in das sich bildende europäische Staatensystem eingefügt.

  • Literatur

    ADB V;
    Briefe u. Akten z. Gesch. d. 16. Jh. I-III, 1873 ff.;
    J. D. Köhler, Hist. Münzbelustigung, 15. T., Nürnberg 1743, S. 233-40 (P, Schaumünze v. 1554);
    Ann. d. baier. Litt. II, Nürnberg 1781, S. 407-12;
    C. Prantl, Gesch. d. Ludwigs Maximilians-Univ. I, 1872;
    S. Riezler, Die bayer. Pol. im schmalkald. Krieg, in: Abhh. d. Hist.Kl. d. Bayer. Ak. d. Wiss. 21, 1898, S. 133-244;
    ders., Gesch. Baierns IV, 1899;
    W. Vogt, Die bayer. Pol. im Bauernkrieg u. d. Kanzler Dr. L. v. E., 1883;
    M. Doeberl, Entwicklungsgesetz Bayerns I. 31916, S. 376 ff., 415 ff.;
    Der Kat. d. „Bibliotheca Eckiana“, in: Btrr. z. Gesch. d. Renaissance u. Ref., J. Schlecht z. 60. Geburtstag, 1917, S. 168;
    J. Brodrick, Petrus Canisius I, 1950, S. 175 f.

  • Portraits

    Kupf. v. B. Beham, 1527 (Kupf.kab. Berlin), Abb. b. J. Lortz, Die Ref. in Dtld. II, 21949;
    Kupf.|v. Jungwirth (Münchener Stadtmus., Maillinger Bilderchronik). – Epitaph (München, Bayer. Staatsgem.slgg.), Abb. b. R. M. Kloos, Die Inschrr. d. Stadt u. d. Landkr. München, 1958.

  • Autor/in

    Leonhard Lenk
  • Empfohlene Zitierweise

    Lenk, Leonhard, "Eck, Leonhard von" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 277-279 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118528718.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Eck: Leonhard v. E., herzogl. baierischer Rath und Kanzler, gestorben 17. März 1550. Aeltere Nachrichten geben 1480 als Geburtsjahr und Kelheim, wo der Vater, einem altadlichen Geschlecht Baierns angehörig, Pfleger war, als Geburtsort an. Da jedoch der junge Leonhard v. E. sich schon im J. 1489 an der Universität Ingolstadt als Student immatriculirte und dort im J. 1493 zum Magister promovirt wurde, wird er einige Jahre früher geboren sein. Zu Siena widmete er sich eine Reihe von Jahren juristischen Studien und kehrte als Doctor beider Rechte mit dem Rufe gründlicher Gelehrsamkeit zurück. Eine Rathsstelle, die er zu Ansbach bei dem Markgrafen Georg von Brandenburg erhielt, scheint er bald mit dem baierischen Dienste vertauscht zu haben. Zuerst Lehrer des jungen Herzogs Wilhelm (IV.) ward er hernach dessen vornehmster Rathgeber, seit dem J. 1519 mit dem Titel des Kanzlers. In dieser Stellung|übte Dr. Leonhard v. E. 30 Jahre lang maßgebenden Einfluß aus, und wenn des Herzogs Wilhelm jüngerer Bruder und Mitregent, Ludwig, welcher übrigens die wichtigeren Regierungsgeschäfte dem älteren Bruder überließ, ihm persönlich abgeneigt war, so erfreute sich E. um so größerer Gunst bei Wilhelm IV., dem er sich unentbehrlich zu machen wußte. L. v. E. war im Zeitalter der Reformation recht eigentlich die Seele der baierischen Politik in äußern wie in innern Angelegenheiten. Seine Klugheit und Gewandtheit waren eben so groß wie seine Gelehrsamkeit und Geschäftskenntniß, aber größer vielleicht noch seine Ränkelust und grundsatzlose Schlauheit, die den Staatsmann zu einem kecken Intriganten machten. So wäre E. auch ohne die Bestechlichkeit, die ihm anklebte, geeignet gewesen, den diplomatischen Verhandlungen, die E. leitete, den Stempel vollendeter Unzuverlässigkeit aufzudrücken. Consequent blieb sich der Kanzler nur in der Beflissenheit, womit er die herzogliche Gewalt zu verstärken, die protestantischen Regungen in Baiern zu unterdrücken und die äußere Machtstellung des baierischen Hauses namentlich gegenüber Oesterreich und dem Kaiser zu heben suchte. Ob er als Ketzerrichter mehr aus Haß gegen die neue Lehre oder mehr aus politischer Berechnung handelte, mag dahin gestellt bleiben; genug, daß er, wenn es sich um Verfolgung Verdächtiger handelte, gewöhnlich für scharfe Maßregeln votirte und nur ausnahmsweise hervorragenden Männern der Wissenschaft gegenüber, als deren Mäcen er sich gern preisen ließ, Milde beobachtete; so befreite sein Einfluß Aventin aus dem Gefängniß, und E. hatte sogar den Muth, dem freisinnigen, ihm von Jugend auf befreundeten Geschichtschreiber in dessen letzten Lebenstagen die Erziehung seines einzigen Sohnes Oswald v. E. zu übertragen. In andern Fällen aber erwies er sich strenger und härter als der Herzog selbst, und wie in einem Zeitraum von 30 Jahren in ganz Baiern, nach Winter's archivalischen Forschungen, keine Religionsangelegenheit verhandelt wurde, ohne daß E. daran theilnahm, und kein Religionsmandat erlassen ward, ohne daß er gefragt wurde und selbst den Aufsatz dazu machte, so wurde auch kein Ketzerproceß geführt, ohne daß er das Gutachten darüber abgab. — Nicht minder hervorragend war sein Antheil an der auswärtigen Politik, wo E. trotz seines Protestantenhasses gegen das Hebergewicht des Habsburgischen Hauses mit evangelischen Fürsten nicht weniger Ränke zu schmieden unternahm als mit Frankreich und gelegentlich auch mit Rom. Die Jahre lang fortgeführte Bewerbung Wilhelms IV. um die römische Königswürde wurde von E. eingefädelt und geleitet, und, obwol der baierische Kanzler 1529 auf dem Reichstage zu Speier den Protestanten so feindselig wie einer gegenüber trat und zu Augsburg 1530 die baierischen Herzoge im besten Einvernehmen mit dem Kaiser einzogen, so näherte sich E. doch nach Abschluß des Schmalkaldischen Bundes den Häuptern desselben und verhandelte persönlich wiederholt mit Philipp von Hessen. Auch nachdem der Friede der Verbündeten mit dem Kaiser zu Nürnberg (1532) und mit dem Hause Oesterreich endlich durch den Kadaner Vertrag (1535) erreicht war, gab sich E. noch alle erdenkliche Mühe, um das Mißtrauen gegen Ferdinand und Karl V. zu nähren und zugleich auch die Protestanten unter einander zu entzweien. Wenn Karl ihn einen Verräther nennt, „der in Verrath und ehrlosen Künsten Judas noch übertreffe und für Geld Christus, Vaterland, das Reich und die ganze Welt verkaufen würde“ und der, dem Papste ebensowenig wie dem Wittenberger Mönche zugethan, einzig und allein dahin trachte, Geld zusammen zu bringen: so mag diese Beschuldigung nicht grundlos sein, wenn auch der Kaiser darin zuweit geht, daß er dem baier. Kanzler Gleichgültigkeit gegen die Religion vorwirft. Indem E. mit Hessen und Sachsen liebäugelte und mit dem Landgrafen sogar für gewisse Fälle ein Abkommen traf, konnte ihn theils die Sorge vor der habsburgischen Macht, die|Baierns zweideutige Haltung wiederholt herausgefordert hatte, theils auch die Berechnung bestimmen, durch Annäherung an die protestantischen Fürsten ihre Pläne kennen zu lernen und zu durchkreuzen. Jene Verbindung mit den Häuptern des Schmalkaldischen Bundes und alles Eifern und Schmähen wider den Kaiser hinderten dann freilich Baiern nicht, vor dem Ausbruche des Krieges sich im Stillen mit Karl V. zu verständigen und ihm geheime Unterstützung angedeihen zu lassen. Es war eine wohlverdiente Strafe der schwächlichen und doch so begehrlichen Politik des Münchner Hofes, daß ihm für den heimlichen Anschluß an den Kaiser der in Aussicht gestellte Preis, soweit es sich um den Erwerb der Pfälzer Kurwürde handelte, entging und nicht einmal für den erlittenen Schaden eine Geldentschädigung zu Theil wurde. Von E. aber dürfen wir wol annehmen, daß er den Schritt in das habsburgische Lager nicht ohne sicheren Lohn gethan, wenn auch die schon mehrere Jahre früher von Herzog Ulrich von Würtemberg ausgesprochene Beschuldigung, daß er von König Ferdinand ein Jahrgeld beziehe, nicht der Wahrheit entsprechen sollte. E. hinterließ, als er seinem fürstlichen Gönner plötzlich im Tode folgte, mit den herrschaften Randeck, Wolfseck und Eisenhofen Geld und Gut in Fülle, was freilich nicht hinderte, daß sein Erbe nach wenig Jahren in Armuth gerieth. Für das Ansehen, in welchem L. v. E. zur Zeit seines Todes stand, scheint es bemerkenswerth, daß ein in die Geschäfte eingeweihter Rath von ihm schrieb, er sei seinem herzoglichen Gebieter nur darum schon nach elf Tagen gefolgt, damit dieser wegen eines angeblich zu Gunsten der Universität ausgeschriebenen, aber zu andern Zwecken bestimmten Zehntes vor dem göttlichen Richterstuhl einen Fürsprecher finde.

    • Literatur

      Annalen der baier. Litt. II, 407. — Winter, Evangel. Lehre in Baiern. I. II.
      Sugenheim, Baierns Kirchen- und Volkszustände im 16. Jahrh. —
      Prantl, Gesch. der Ludwigs-Maximilians-Universität I. — v. Druffel, Briefe u. Acten. Bd. I.

  • Autor/in

    Kluckhohn.
  • Empfohlene Zitierweise

    Kluckhohn, August von, "Eck, Leonhard von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 5 (1877), S. 604-606 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118528718.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA