Lebensdaten
1921 bis 1947
Geburtsort
Hamburg
Sterbeort
Basel
Beruf/Funktion
Dichter
Konfession
konfessionslos
Normdaten
GND: 118513451 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Borchert, Wolfgang
  • Borchert, Volfgang
  • Borchert, Volʹfgang
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Zitierweise

Borchert, Wolfgang, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118513451.html [15.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Fritz Wilhelm Karl, Lehrer, S des Schornsteinfegermeisters Friedrich Ludwig Karl und der Elise Schlag;
    M Hertha, Schriftstellerin, T des Lehrers Carl Wilhelm August Salchow und der Luise Anna Cath. Carlau; ledig.

  • Leben

    Ursprünglich Buchhandlungslehrling, dann Schauspieler in Lüneburg, wurde B. 1941 Soldat, 1942 in Rußland schwer verwundet, im gleichen Jahr wegen „defaitistischer Äußerungen“ zu acht Monaten Gefängnis in Nürnberg verurteilt, zu „Frontbewährung begnadigt“. 1943 kam er krank nach Deutschland, wurde aber im gleichen Jahr auf Grund einer Denunziation in der Garnison zum zweitenmal verhaftet und wegen des gleichen Deliktes in Berlin-Moabit zu neun Monaten Haft mit nochmaliger Frontbewährung verurteilt. Nach einem letzten Kriegseinsatz im Frühling 1945 kehrte B., schon vom Tode gezeichnet, nach Hamburg zurück, war kurze Zeit Regieassistent und Kabarettist, bis seine Krankheit, beschleunigt durch die Entbehrungen der Kriegs- und Nachkriegsjahre, den Tod herbeiführte. Er starb 1947 in einem Schweizer Spital, einen Tag vor der Uraufführung seines Dramas „Draußen vor der Tür“.

    Frühen lyrischen Versuchen, denen B. später selbst skeptisch gegenüberstand, folgte nach mehreren Novellen die Sammlung „Die Hundeblume“ (Erzählungen aus unseren Tagen, 1947), die schon seine starke Ausdruckskraft zeigt, und seine dramatische Dichtung „Draußen vor der Tür“ (1947). Sie ist ein einziger Aufschrei einer gequälten und betrogenen Jugend, der „Generation ohne Abschied“. Nach der ersten Aufführung als Hörspiel (am 13.2.1947) im Nordwestdeutschen Rundfunk fand sie ein überwältigendes Echo (1949 auch verfilmt als „Liebe 47“ mit versöhnlichem Ausgang). Das Stück wurde auf allen bedeutenden Bühnen Westdeutschlandsgespielt und in fast alle europäischen Sprachen und ins Japanische übersetzt. In locker gefügten Szenen verwirklicht B. mit höchster dramatischer Ausdruckskraft die Geschicke des Rußlandheimkehrers Beckmann, der kein Zuhause mehr findet, der zu der Kriegsjugend gehört, die durch die Schuld der Älteren aus der Bahn geworfen ist und der auch Gott nicht mehr hilft. Vor seinem Tod vollendete B. noch den Band Erzählungen „An diesem Dienstag“ (1947). In seinem Nachlaß fanden sich Gedichte und Erzählungen, die in der Gesamtausgabe 1949 veröffentlicht wurden, darunter auch seine letzte Arbeit „Dann gibt es nur eins“, ein Mahnruf an Europa und die Menschheit.

    B. ist der unmittelbarste und überzeugendste Sprecher seiner Generation. Trotz aller Qual und Verzweiflung zeugen seine Dichtungen von einem unbändigen Lebenswillen. Seine schlichte Sprache ist gerade durch die Einfachheit der Bilder und die immer wiederkehrenden Variationen eines Gedankens oder Satzes von unvergleichlich suggestiver Wirkung.

  • Werke

    Laterne, Nacht u. Sterne (Gedichte um Hamburg), 1947;
    Das Gesamtwerk, 1949 (P).

  • Literatur

    B. Meyer-Marwitz, Biogr. Nachwort, in: W. B., Das Gesamtwerk, 1949, S. 387-420;
    W. Grenzmann, Dichtung u. Glaube, 1950, S. 306-10 (P);
    Kosch, Theater-Lex. I (W, L);
    K. A. Kutzbach, Dt. Autorenlex., Kleine Ausg., 1952, S. 18 f.

  • Autor/in

    Helmut Motekat
  • Empfohlene Zitierweise

    Motekat, Helmut, "Borchert, Wolfgang" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 458 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118513451.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA