Lebensdaten
1920 bis 1989
Geburtsort
Frankfurt/Main
Sterbeort
Kiel
Beruf/Funktion
Schriftsteller
Konfession
-
Normdaten
GND: 118609831 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schnurre, Wolfdietrich
  • Schnurre, Wolf Dietrich
  • Schnurre, Wolf-Dietrich
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Zitierweise

Schnurre, Wolfdietrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118609831.html [19.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Otto (1894–1979), Dr. phil., Ornithol., Bibl.rat in F., stellv. Dir. d. Stadtbibl. in B. (s. L), S e. Amtsger.rats in Gelnhausen: M Elli Zindel;
    1) N. N., 2) Eva Mertz ( 1965 Freitod), 3) 1966 Marina Kamin, Graphikerin.

  • Leben

    S. übersiedelte mit seinem Vater, bei dem er aufwuchs, 1928 nach Berlin-Weißensee, wo er von dem zunehmend politisierten kleinbürgerlich-proletarischen Milieu und den großstädtischen Lebensverhältnissen geprägt wurde. Er besuchte die Weltliche Volksschule Weißensee, seit 1934 das Humanistische Gymnasium in Berlin Mitte, bevor er 1938 zum Militär eingezogen wurde und bis 1945 Kriegsdienst leistete – zuletzt in einer Strafkompanie. 1946 war S. für kurze Zeit Volontär beim Ullstein Verlag in Berlin. Zwei Jahre später zog er nach Differenzen mit der Sowjet. Besatzungsmacht wegen seiner Tätigkeit als Literatur-, Film-, Theater- und Kunstkritiker für amerik. lizenzierte Publikationen in den Westteil der Stadt. Seit 1950, als er alle Schreibverpflichtungen als Kritiker löste, lebte S. als freier Schriftsteller in Berlin, seit 1969 zeitweise in Italien und seit 1981 in Schleswig-Holstein.

    S.s vielgestaltiges, von den besonders bedeutsamen Berliner Kindheitserlebnissen und von dem durch permanente Angst als traumatisierend erlebten Krieg geprägtes Werk umfaßt verschiedene Prosaformen (u. a. Kurzgeschichten u. Erzz., wie etwa: Die Rohrdommel ruft jeden Tag, 1950; Man sollte dagegen sein, 1960; Funke im Reisig, 1963, u. d. Aufzeichnungen: Der Schattenfotograf, 1978. sowie d. Roman: Ein Unglücksfall, 1981) sowie Lyrik (u. a. Kassiber, 1956), Literatur-, Kunst- und Filmkritiken, Essays und Kinderbücher (u. a. Die Zwengel, 1967), aber auch zahlreiche Hörspiele, Fernsehspiele und -serien. S.s zentrale Themen sind Schuld, Vergänglichkeit, Tod und Juden in Deutschland (nicht nur während d. NS-Herrschaft, sondern auch danach) und als bevorzugte Formmuster kurze und episodische Formen sowie Dialoge. Das zentrale Moment seines schriftstellerischen Selbstverständnisses ist das „Schreiben als Zeitgenosse“, sein Engagement, das er in den verschiedenen Phasen seines Schreibens unterschiedlich umsetzte (Mein Leben als Zeitgenosse, 1987). S.s publizistischer Kampf gegen die Berliner Mauer (Die Mauer d. 13. Aug., 1962; Schreibtisch unter freiem Himmel, 1964) führte 1961 zu seinem Austritt aus dem PEN-Club Deutschland (Mitgl. seit 1958), dem er Passivität in dieser Frage vorwarf.

    S. wurde v. a. als Autor von Kurzgeschichten und als Gründungsmitglied der „Gruppe 47“ bekannt, deren erstes Treffen er mit einer Lesung der Kurzgeschichte „Das Begräbnis“ eröffnete. Er zählt neben Heinrich Böll und Wolfgang Borchert zu den wichtigsten Repräsentanten einer neuen Generation der dt. Literatur nach 1945, die sich literarisch an Konzepten des Realismus und politisch an einem v. a. antimilitaristischen, antifaschistischen und ideologiefernen europ. Sozialismus orientiert. S.s Werk fand Eingang in den Kanon der Schulbücher, wurde jedoch in der Forschung trotz einiger neuerer Beiträge bislang nur unzureichend gewürdigt.

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Dt. Ak. f. Sprache u. Dichtung, Darmstadt (seit 1959), u. d. Berliner Malerpoeten (seit 1973); Fontane-Preis (1958); Immermann-Preis (1959); Georg-Mackensen-Medaille (1962); BVK (1981); Lit.preis d. Stadt Köln (1982); Georg Büchner Preis (1983); Kulturpreis d. Stadt Kiel (postum 1989).

  • Werke

    Weitere W Sternstaub u. Sänfte, Aufzeichnungen d. Pudels Ali, 1953;
    Als Vaters Bart noch rot war. Ein Roman in Geschichten, 1958;
    Eine Rechnung, d. nicht aufgeht, Erzz., 1958;
    Das Los unserer Stadt, Eine Chronik. 1959;
    Ohne Einsatz kein Spiel, Heitere Geschichten, 1964;
    Was ich f. mein Leben gern tue, Autobiogr. Hand- u. Fußnoten, 1967;
    Ich frag ja bloß, Großstadtkinder-Dialoge, 1973;
    Ich brauch Dich, 1976;
    Erzz. 1945-1965, 1977;
    Gelernt ist gelernt, Gesellenstücke, 1984;
    Zigeunerballade, 1988;
    Als Vater sich d. Bart abnahm, Erzz., 1995: |

  • Nachlaß

    Nachlaß: DLA, Marbach/Neckar; Marina Schnurre, Berlin.

  • Literatur

    M. Adelhoefer, W. S., Ein dt. Nachkriegsautor, 1990;
    K. Blencke, W. S.s Nachlaß, Katalogisierung, Systematisierung u. Darst. d. Werkgesch., 1993;
    dies., W. S., Eine Werkgesch., 2003 (W, L);
    I. Warg, „Doch krümm' ich mich um alles, was lebt, W. S.s lyr. Schaffen, 1993;
    dies. (Hg.), Er bleibt dabei, S. z. 75., Erinnerungen u. Stud., 1995;
    I. Bauer, „Ein schuldloses Leben gibt es nicht“, Das Thema „Schuld“ im Werk v. W. S., 1996;
    D. Schwardt, „Fabelnd denken“, Zur Schreib- u. Wirkungsabsicht v. W. S., 1999;
    Krit. Lex. z. dt.sprach. Gegenwartslit., 1978 ff. (W, L);
    Kosch, Lit.-Lex.3 (W, L);
    Killy;
    Metzler Autoren Lex. (P);
    Frankfurter Biogr.;
    Munzinger;
    zu Otto:
    D. Fiuczynski, in: Ornithol. Ber. f. Berlin (West) 4, 1979, H. 2, S. 183-92;
    Wi. 1951;
    Kürschner. Gel.-Kal. 1961.

  • Autor/in

    Katharina Blencke-Dörr
  • Empfohlene Zitierweise

    Blencke-Dörr, Katharina, "Schnurre, Wolfdietrich" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 346-347 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118609831.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA