Lebensdaten
1913 bis 1986
Geburtsort
Zittau (Sachsen)
Sterbeort
Berlin (West)
Beruf/Funktion
Rundfunkintendant ; Schriftsteller ; Übersetzer
Konfession
konfessionslos
Normdaten
GND: 11875856X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schnabel, Georg Ernst
  • Schnabel, Ernst
  • Schnabel, Georg Ernst
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Zitierweise

Schnabel, Ernst, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11875856X.html [14.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Ernst Georg (* 1882), aus Limbach, Kaufm. in Z.;
    M Ella Vogel (* 1884), aus Schönau b. Chemnitz;
    B Günther (1915–83), Dokumentarfilm-Regisseur;
    Lübeck-Travemünde 1938 1966 Gudrun Dornheim (* 1920);
    2 T Corinna (* 1941), Schausp., Bettina (* 1943, ⚭ Wolf D. Rogosky, 1940–96, Autor, Übersetzer, Hg., Mitbegr. d. Satirezs. „Pardon“), Weingutsbes. in d. Toskana.

  • Leben

    Mit 16 Jahren verließ der Stipendiat S. die Fürstenschule St. Afra in Meißen und heuerte auf einem Segelschulschiff der Handelsmarine, dann auf Handelsschiffen als Matrose an. Seit 1936 arbeitete er als freier Schriftsteller und Dramaturg des Stadttheaters Zittau, bevor er 1939 als Marineoffizier und Kommandant eines Konvoi-Geleitboots in der Nordsee zum Kriegsdienst eingezogen wurde und 1945 in Bremerhaven als Oberleutnant in brit. Gefangenschaft geriet. Durch Vermittlung seines Bruders Günther wurde S. im Sept. 1945 Mitarbeiter des Nordwestdt. Rundfunks (NWDR). Als Chefdramaturg und später Leiter der Abteilung Wort des NWDR (1946–49) begründete er nach dem Muster des BBC Third Programme mit Jürgen Schüddekopf (1910–62) das erste kulturelle Nachtprogramm in Deutschland und – mit Axel Eggebrecht, Alfred Andersch, Peter v. Zahn u. a. – die erste dt. Radiofeature-Redaktion. Talente wie Wolfgang Borchert (S. adaptierte dessen noch unfertiges Drama „Draußen vor der Tür“ f. d. Rundfunk), Ingeborg Bachmann, Ilse Aichinger, Günter Eich, Wolfgang Hildesheimer, Walter Jens und Paul Celan band er an den Hörfunk. Von Okt. 1951 bis Sept. 1955 war S. Intendant des NWDR, danach freier Schriftsteller in Hamburg. 1962-65 leitete er mit Rolf Liebermann (1910–99) das gemeinsame dritte Hörfunkprogramm des Norddt. Rundfunks (NDR) mit dem Sender Freies Berlin (SFB). Unter seiner Verantwortung wurden die dritten SFB-Programme (im Fernsehen seit Jan. 1965 u. d. T.Lit. Illustrierte“) zu Podien kultur- und gesellschaftspolitischer Auseinandersetzung. 1963-67 war S. Direktor der Abteilung Dichtung (später Abt. Lit.) der Akademie der Künste in Berlin (Mitgl. seit 1958), die er 1972 nach vergeblichem Eintreten für eine Mitgliedschaft der politisch verfolgten Komponisten Isang Yun und Mikis Theodorakis verließ. Wegen interner Konflikte nach der Wahl Thomas Manns zum Ehrenmitglied war S. bereits 1958 aus der Dt. Akademie für Sprache und Dichtung ausgetreten. Die geplante Hamburger Uraufführung des Ernesto Che Guevara gewidmeten Oratoriums „Das Floß der Medusa“ von S. (Text) und Hans Werner Henze (* 1926) (Musik) löste 1968 einen studentischen Tumult und eine Polizeiaktion aus. Erst der zweite Anlauf zu einer Uraufführung 1972 in Nürnberg wurde ein Erfolg. Nach dem gescheiterten Versuch, rebellierenden Studenten einen Fernsehabend zur Selbstdarstellung einzuräumen, beendete S. nach heftiger Auseinandersetzung mit dem Intendanten Franz Barsig (1924–88) im Mai 1970 seine institutionelle Mitarbeit im SFB und war fortan wieder als freier Schriftsteller tätig.

    An erste literarische Erfolge, die S. seit 1939 u. a. mit erzählender Literatur aus dem Bereich der Seefahrt erzielte, konnte er später nur noch selten anknüpfen. Eine Ausnahme bildet „Anne Frank, Spur eines Kindes“ (1958 auch als Radiofeature, zahlr. Neuaufll. u. Überss.), ein literarischer Hintergrundbericht als Antwort auf wiederholte Zweifel an der Authentizität des 1956 erschienenen Tagebuchs. Obwohl sich S. längst von seinen nie verleugneten Vorbildern gelöst hatte, konzentrierte sich die Rezeption seines Schaffens lange auf Einflüsse J. Conrads, H. Melvilles und E. Hemingways, die S. wiederholt (z. T. mit Elisabeth Plessen, * 1944) übersetzte oder für den Funk bearbeitete.

  • Auszeichnungen

    E. K. II (1940) u. I (1941); Verdienstkreuz f. d. Rettung Schiffbrüchiger u. Dt. Kreuz in Gold (1944); Fontane-Preis (1957); Prix des droits de l'homme d. Unesco (1958); Hermann-Stahl-Preis d. Jüd. Gde. zu Berlin (1959); Kulturpreis d. BDI (1969); Mitgl. d. Freien Ak. Hamburg (seit 1956).

  • Werke

    Die Reise nach Savannah, 1939;
    Nachtwind, 1941;
    Schiffe u. Sterne, 1943;
    Sie sehen d. Marmor nicht, 1949;
    Ein Tag wie morgen, 1952;
    Die Erde hat viele Namen, 1955;
    Der sechste Gesang, 1956;
    Ich u. d. Könige, 1958;
    Fremde ohne Souvenir, 1961;
    Hurricane, oder Schwierigkeiten mit d. Fiktion, 1972 (P);
    Auf d. Höhe d. Messingstadt, 1979;
    Radiofeatures
    u. a.: Der 29. Jan. 1947 (NVVDR 1947);
    Luftbrücke Berlin (NWDR 1948);
    Interview mit e. Stern (NDR 1951);
    Gr. Tamtam (1953);
    Lidice, Das schweigende Dorf (NDR 1961);
    Hurricane, Ein karib. Wetterber. (NDR 1966);
    Zwei Männer in Betrachtung d. Mondes (1974);
    Hongkong-Express (SFB u. a. 1978);
    Filmdrehbuch:
    In jenen Tagen (UA 1947, Regie Helmut Käutner);
    |

  • Nachlaß

    Nachlaß: DLA, Marbach.

  • Literatur

    I. Aichinger, Die Sicht d. Entfremdung, in: Frankfurter Hh. 1, 1954, S. 46-50;
    A. Andersch, Die Geh.schreiber, 1. Wolfgang Koeppen, 2. E. S., in: ders., Öff. Brief an e. sowjet. Schriftst., d. Überholte betr., 1977, S. 174-81;
    R. Sareika, Die Dritte Welt in d. westdt. Lit. d. 60er J., 1980, S. 95-112;
    E. Plessen, E. S.s „Hurricane“ oder Der Nullfall als Ansatzpunkt d. Fiktion, in: dies., Fakten u. Erfindungen, 1981, S. 29-31;
    H. Peitsch, Ästhet. Introversion u. NS, Die Erzähler Martin Raschke, E. S. u. Alfred Andersch, in: J. Thunecke, Leid d. Worte, 1987, S. 321-47;
    D. Stroschein, Unterss. zu lit. Hörfunk-Features v. Alfred Andersch u. E. S., Mag.arb. Göttingen 1997;
    Kürschner, Lit.-Kal., Nekr. 1971-1998, 1999;
    Killy;
    Kosch, Lit.-Lex.3 (W, L);
    Kosch, Theaterlex.;
    Munzinger;
    Radiofeature:
    H. Kopetzky, E. S., Ein Mann im Wettlauf mit d. Zeit, MDR 2003;
    C. Schüddekopf, Ich habe immer nur auf mich gehofft, Porträt d. Rundfunkpioniers E. S., NDR 2003.

  • Portraits

    im Nachlaß, DLA, Marbach.

  • Autor/in

    Helmut Kopetzky
  • Empfohlene Zitierweise

    Kopetzky, Helmut, "Schnabel, Ernst" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 272-273 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11875856X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA