Lebensdaten
1502 bis 1540
Sterbeort
Italien
Beruf/Funktion
Kupferstecher ; Maler
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118508318 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Beham, Bartholomäus
  • Beham, Barthel
  • Beham, Bartholomäus
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Zitierweise

Beham, Barthel, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118508318.html [19.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    B Sebald s. (2); über die Familie nichts bekannt.

  • Leben

    Die erste Ausbildung erhielt B. durch den Bruder Sebald. Er war wohl kaum direkter Dürerschüler, doch ist der Genius von dessen Kunst aus dem Reifen des jungen B. nicht wegzudenken. Dies beweist die ausgewogene Sicherheit seiner Bildnismalerei gleich bei den ersten Münchener Werken, denen ein wohl noch in Nürnberg entstandenes Jünglingsporträt (Bremen, Kunsthalle) vorangeht. - Aus der Verbannung nach dem Gerichtsverfahren von 1525 (s. bei Sebald) kehrte er nicht mehr nach Nürnberg zurück und war 1527 bereits in München im Dienst Herzog Wilhelms IV., der, italienischen Renaissancefürsten nacheifernd, als reger Förderer von Kunst und Künstlern mehreren bayerischen Malern Aufträge zu einem antikisierenden Gemäldezyklus (u. a. Altdorfers Alexanderschlacht!) für sein Lusthaus im Burggarten gab. 1528/29 und später „steuert“ B. für ein Haus in der äußeren Schwabinger Gasse. 1537/38 schloß Herzog Ludwig X. von Bayern mit dem Künstler einen Vertrag: „jederzeit zu seinen Diensten bereit zu sein“. 1540 trat B. auf Kosten Wilhelms IV. eine Reise nach Italien an, wo er unerwartet starb. Seine Witwe heiratete den Maler Ludwig Refinger. - B.s Nürnberger Jugendjahre sind ganz von der Graphik ausgefüllt, die Gesamtzahl seiner Stiche beträgt nur 94, die frühesten von 1520, zehn vom Jahre 1525, sowie eine Eisenradierung (Weib und Tod) von 1526. Christliches, Genremotive, Bauerngestalten, Akte, Mythologie und - in München beginnend - fünf meisterliche Porträtstiche geben den Inhalt. Schon die ersten Stiche zeigen eine überraschend schnelle Vervollkommnung im Technischen und in formaler Gestaltung. Die Stiche Marc Antons vermitteln bei B. die Kunst des Südens. Schon nach wenigen Jahren zeigt sein graphisches Werk eine weit über rein äußerliche Angleichung hinausgehende, tiefe Wesensverwandtschaft mit dem Geist und den künstlerischen Mitteln der südlichen Hochrenaissance im Kompositionellen, im Rhythmus der Gestalten und im verhaltenen Adel der Formen (die drei Kampffriese, Madonna am Fenster). Er hat in der Dürernachfolge eine einzigartige Höhe erreicht. - Im Dienste Herzog Wilhelms IV. (1493–1550) drängt die Bildnismalerei den Kupferstich, der als letzte Produktion die fünf Bildnisse bringt, mehr und mehr in den Hintergrund. Diese Gemälde sind durchweg Hüft- oder Brustbilder. Von 1527 stammen das Porträt des Kanzlers Leonhard von Eck (New York, Metropolitan Museeum), dem vermutlich der Porträtstich gleichen Jahres voranging, ferner ein Frauenbildnis (Sammlung Lotzbeck, Nannhofen), von 1528 das Bildnis des Ehepaars Stüpf (Sammlung Thyssen, Lugano). Dann überwiegen die Fürstenporträts des wittelsbachischen Hauses unter Einbeziehung einer Ahnenfolge, zum Teil nach älteren Vorlagen, für die herzogliche Kunstkammer. An einer „kleinen Ahnenreihe“ (heute im Schloß Berchtesgaden) waren weitgehend Werkstattgehilfen mit beschäftigt. - Die Stichporträts Kaiser Karls V. und König Ferdinands von 1531 entstanden nach Skizzen, die der Künstler zweifellos bei dem Münchener Fürstenbesuch 1530 fertigte, eventuell zur Ausführung geplanter Gemälde. Zum oben genannten Zyklus im herzoglichen Lusthaus entstand ein Gemälde von 1530 mit der Legende der Kreuzauffindung (Bayerische Staatsgemäldesammlungen). - Münchener Schüler B.s waren Hans Mielich und Hans Schöpfer der Ältere.

  • Werke

    Weitere W Ludwig X., 1531 (Wien, Lichtenstein);
    Bischof Johann III. v. Regensburg, 1532 (Bayer. Staatsgem.slgg.);
    Hzg. Wilhelm IV., 1533 (ebenda);
    Ottheinrich v. Pfalz-Neuburg, 1535 (ebenda). - Handzeichnungen:
    Venus mit Amor (Leyden, Prentenkab.);
    Trauernde Hagar (Berlin, Kupf.-kab.);
    2 Porträtzeichnungen (Wien, Albertina).

  • Literatur

    ADB II;
    G. Pauli, B. B., Ein krit. Verz. seiner Kupf., = Stud. z. dt. Kunstgesch. 135, Straßburg 1911;
    H. Röttinger, Die Holzschnitte B. B.s, ebenda, 218, 1921;
    R. Berliner, Ornamentale Vorlagebll. 1926, Textbd. S. 23 ff., Tafel 63;
    M. Geisberg, Die Dt. Buchillustration in d. 1. Hälfte d. 16. Jh.s, 1930 ff., Lieferung V, S. 11, Nr. 400-20, Tafel 202 ff.;
    ders., Der Dt. Einblatt-Holzschnitt d. 16. Jh.s, Bilderkat. Nr. 143-62, 1930, S. 40-42;
    G. Habich, Die dt. Schaumünzen d. 16. Jh.s, I/2, 1931, S. 184, Nr. 1322, Tafel 149/2;
    Berr. d. Berliner Museen. Jg. 52, 1931, S. 108 ff. (mit Abb.);
    L. Fudicar, Die Bildniskunst d. Nürnberger B. B. u. Peter Gertner, Diss. München 1942 (ungedr.);
    ThB.

  • Portraits

    Medaille v. Ludwig Neufahrer, 1531.

  • Autor/in

    Thomas Muchall-Viebroock
  • Empfohlene Zitierweise

    Muchall-Viebroock, Thomas, "Beham, Barthel" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 4 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118508318.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Beham: Bartholomäus B., Maler und Kupferstecher, geb. 1502 zu Nürnberg, war Schüler des Albrecht Dürer. Im J. 1524 wurde er mit seinem Bruder Sebald und mit Georg Pencz deistischer und socialistischer Ansichten angeklagt, ins Gefängniß geworfen und aus der Stadt verbannt. Herzog Wilhelm von Baiern beschäftigte ihn nun hauptsächlich und schickte ihn auf seine Kosten nach Italien, wo er sich in der Kupferstecherkunst weiter nach Marcanton ausbildete. Zweifelhaft ist, ob er eine solche Reise schon vor dem Jahre 1530 gemacht, weil seine Arbeiten schon von dieser Zeit an den Einfluß der italienischen Kunst auf das entschiedenste verrathen. Besser verbürgt ist eine später Reise über die Alpen; auf dieser starb er 1540 zu Venedig. Als Kupferstecher steht er unter denjenigen Künstlern, die man wegen des kleinen Formates|ihrer Stiche als die deutschen Kleinmeister zu bezeichnen pflegt, als einer der geistvollsten und tonangebenden da; seinem Bruder H. S. Beham, Pencz, J. Bink und Anderen bahnt er erst den Weg. In der Technik zeigt er unübertroffene Feinheit und zartesten Reiz der Behandlung. In Gruppen und Gestalten aus dem täglichen Leben (Marktbäuerin, Hellebardier zu Pferde u. s. w.) schildert er schlicht humoristisch nach Dürer's Art das deutsche Volksthum, in Madonnenbildern weiß er das Innig-Gemüthvolle der heimatlichen Auffassung mit der italienischen Grazie zu verbinden, in kleinen Allegorien, Darstellungen von Kindergenien, mehreren friesartigen Kampfscenen nackter Männer und besonders in zahlreichen ornamentalen Erfindungen zeigt er eine glänzende Herrschaft über die Formen der Renaissance, ja er nähert sich manchmal der Raphaelischen Auffassung und bleibt von dem Schwulst und der barocken Ueberfülle frei, in welche damals fast alle deutschen und niederländischen Künstler gleicher Richtung verfallen. Zu seinen größten und bedeutendsten Blättern gehören einige Bildnisse, besonders die von Karl V. und König Ferdinand (1531) und dem Kanzler Leonhard von Eck (1527). Auch als Maler steht er zunächst im Portrait auf der vollen Höhe der Schule, was uns, da seine Bilder bairischer Fürsten und Fürstinnen zu Schleißheim sämmtlich übermalt sind, namentlich durch das 1535 gemalte Brustbild des Pfalzgrafen Otto Heinrich (geb. 1502) in der Augsburger Gallerie bewiesen wird (früher irrig als Heinrich VIII. von England, gemalt von Amberger, katalogisirt). Unter seinen übrigen Gemälden ist nur eins, und zwar durch Namensbezeichnung, beglaubigt: „Das Kreuzeswunder der heiligen Helena“, sonst in der Münchener Pinakothek, jetzt in Schleißheim (1530). Aber nach entschiedener Aehnlichkeit mit diesem Werke läßt sich, nach Waagen's Vorgang, eine ganze Anzahl von Arbeiten ihm mit Sicherheit zuschreiben. Die schönsten unter diesen Gemälden wurden für Gottfried Werner Grafen von Zimmern, für seine Besitzungen nördlich vom Bodensee, Meßkirch, Wildenstein, Zimmern, gefertigt. In der Pfarrkirche zu Meßkirch ist noch eine große, meisterhafte Anbetung der Könige zu sehen, deren Flügel sich mit den meisten andern, für den Freiherrn von Zimmern gemalten Bildern in der fürstlich Fürstenbergischen Gallerie zu Donaueschingen befinden. Unter den dortigen Arbeiten ist ein Altärchen von 1536, die Madonna in der Glorie von einem Kranze von Heiligen umringt, auf den Flügeln Stifter und Stifterin, sowie Passionsscenen, das schönste. Vortrefflich ist der heilige Bruno in der Einöde, in der Gallerie zu Stuttgart (dort fälschlich Scheuffelin genannt). Handwerksmäßigere Arbeiten der Werkstatt sind dagegen die meisten übrigen Bilder, in den Gallerien zu Berlin, Carlsruhe u. s. w. In den besseren Gemälden ist der Vortrag breit, die Farbe klar und durchsichtig, von einer Fröhlichkeit, die freilich manchmal an das Bunte streift und in welcher gewisse Töne von Strohgelb und rosigem Roth auffallen. Die landschaftliche Umgebung, meist mit saftigem Grün, pflegt mit besonderer Vorliebe behandelt zu sein. In architektonischen Scenerien herrscht eine prächtige, farbenreiche Renaissance. Der Einfluß Italiens tritt auch in der Behandlung des Figürlichen, besonders in den reinen Motiven der Gewandung, zu Tage, aber der deutsche Geist bleibt dennoch in den Charakteren lebendig. Ohne eigentlich religiöses Gefühl, zeigen sie eine Großartigkeit und Energie, in welcher der Einfluß Dürer's nachklingt.

    • Literatur

      Joh. Neudorffer, Nachrichten u. s. w.; Sandrart, Teutsche Akademie, 1675, II. Th. 3. Buch und II. Haupttheil, II. Th. S. 79, III. Th. S. 69. A. Woltmann, Fürstlich Fürstenbergische Sammlungen zu Donaueschingen, Verzeichniß der Gemälde, 1870, Einleitung, S. 13 ff. Baader, Beiträge zur Kunstgesch. Nürnbergs. II. Rosenberg, S. u. B. Beham. Leipzig 1875.

    • Korrektur

      Korrektur: In dem eben erschienenen 1. Bande seiner „Les petits maîtres Allemands“ (München, Rieger 1881) gibt Ed. Aumüller die Beschreibung von 104 Blättern Barth. Beham's und 596 Blättern Sebald Beham's.

  • Autor/in

    Woltmann.
  • Empfohlene Zitierweise

    Woltmann, Alfred, "Beham, Barthel" in: Allgemeine Deutsche Biographie 2 (1875), S. 277-278 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118508318.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA