Lebensdaten
1447 bis 1508
Geburtsort
München
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Herzog von Bayern ; Pfalzgraf bei Rhein
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118644327 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Albrecht IV. der Weise
  • Albrecht der Weise
  • Albrecht IV. von Bayern
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Zitierweise

Albrecht IV., Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd118644327.html [22.11.2017].

CC0

  • Genealogie

    V Herzog Albrecht III. von Bayern;
    Innsbruck 3.1.1487 Kunigunde, T Kaiser Friedrichs III.;
    3 S, u. a. Wilhelm IV., Ernst ( 1560) Administrator von Passau und Salzburg;
    5 T, u. a. Sibylla ( Ludwig V. von der Pfalz), Sabina ( Herzog Ulrich von Württemberg), Susanna ( 1) Markgraf Casimir von Brandenburg, 2) Kurfürst Ottheinrich von der Pfalz).

  • Leben

    Ursprünglich zum Geistlichen bestimmt und ausgebildet, weitete A. seinen Gesichtskreis in Italien, u. a. im Umgang mit Nicolaus von Cues. Sittliche Reinheit, seine oft fast unheimliche Gründlichkeit bei Rechnungen und Akten, seine friedlich erwirkten, aber ziemlich absolutistischen Reformen und seine opferreichen Unternehmungen trugen ihm Wertschätzung (z. B. bei Heinrich VIII. von England), aber nicht immer Beliebtheit ein. A. kam 1460 unter die Vormundschaft seiner beiden älteren Brüder. Von ihnen starb Johann 1463. Der kulturfrohe, aber politisch passive Sigmund wurde durch die Stände veranlaßt, A. 1465 an der Regierung zu beteiligen und sie ihm 1467 ganz zu überlassen. Die allodialrechtlich denkenden jüngeren Brüder Christoph und Wolfgang vermochte A., der von der Nützlichkeit der Alleinregierung überzeugt war, trotz ihres Verzichtes nur mühsam auszuschalten. Allmählich rang er auch die Versuche besonders der niederbayerischen Ritter nieder, ihre Sonderstellung zu erweitern, zumal als sie sich 1466 in der „Gesellschaft zum Eingehürn“ (Böcklerbund), 1489 im „Löwlerbund“ zusammenschlossen. Gegen die Mißstände in Klöstern schritt A. mit päpstlicher Ermächtigung (1479) ein, 1488 setzte er die staatliche Kontrolle über das Kirchenvermögen fest. Er ging gegen soziale Härten der Hofmarksherren vor und setzte durch, daß dem von ihm 1495 gegründeten Stiftskapitel zu Unserer Lieben Frau in München vier Bürger und fünf Doktoren angehören mußten.

    In der Außenpolitik war es seine Absicht, „das löbliche Haus Bayern zu erweitern, zumal an den Enden, die vormals dazugehörten“. Er hielt sich deshalb zum niederbayerisch-pfälzischen Block der Wittelsbacher, half ihn durch Sachsen und Ungarn (Matthias Corvinus) 1469 verstärken, ließ sich aber gegen Georg Podiebrad nicht rückhaltlos einspannen. Er war trotz der Eifersucht Herzog Georgs von Niederbayern von der Notwendigkeit des Zusammengehens der Wittelsbacher durchdrungen. Das 1485 wiedergewonnene Regensburg ging zwar 1492 wieder verloren. Auch die von A. 1487 versuchte Universitätsgründung scheiterte. Die Ehe mit Kunigunde eröffnete Aussichten auf das Habsburger Erbe. Die Verschreibung der vorderösterrichischen Lande durch Sigmund mit der leeren Tasche 1487 an den finanzkräftigen A. machten der Kaiser und das Tiroler Staatsgefühl zunichte. Dauernde Erfolge waren die Wiedererwerbung der Herrschaft Abensberg 1485 und die im Landshuter Erbfolgekrieg 1503/05 erkämpfte Wiedervereinigung Ober- und Niederbayerns. Freilich mußte A. darein willigen, daß für die Söhne der mit Ruprecht von der Pfalz verheirateten Tochter des letzten Herzogs von Niederbayern 1505 das Herzogtum Neuburg errichtet wurde. Die unentbehrliche Hilfe seines Schwagers Kaiser Maximilian bezahlte A. mit Kufstein, Rattenberg und Kitzbühel. Die wiederbegründete Staatseinheit krönte er 1506 durch das Primogeniturgesetz. Um das Staatsbewußtsein zu pflegen, veranlaßte er den Archivar Augustin Kölner zur aktenmäßigen Geschichte des Landshuter Erbfolgekrieges. Er zog humanistisch gebildete Männer wie den Dompropst Johann Neuhauser und den Württemberger Ritter Dietrich von Plieningen heran, förderte den Maler, Dichter und Historiker Ulrich Füetrer, den Dichter Wilhelm Sunneberg, den Musiker Konrad Paumann, den Generalvikar der Augustiner-Eremiten, Johann von Staupitz, und bestimmte Aventin zum Erzieher seiner Söhne. Er modernisierte die Universitätsstatuten und rief den Humanisten Jakob Locher zurück. Er baute ein Lusthaus im alten Schloßgarten (beim späteren Marstallgebäude) und ließ die Renaissance in München einziehen.

  • Literatur

    ADB I;
    J. Silbernagl, A. IV. u. seine Regierung, 1857;
    G. v. Hasselholdt-Stockheim, A. IV. u. seine Zeit, 1865: S. Riezler, Gesch. Baierns III, 1889;
    M. Doeberl, Entwicklungsgesch. Bayerns I, 31916;
    O. Ursprung, Münchens musikal. Vergangenheit, 1927;
    Bayer. Kulturpflege, hrsg. durch d. Bayer. Staatsministerium f. Unterricht u. Kultus, 1949;
    A. Weißthanner, Die Gesandtschaft Hzg. A.s IV. v. Bayern u. d. röm. Kurie, 1487 - Stiftungsprivileg f. eine Univ. in Regensburg, in: Archival. Ztschr. 1951.

  • Portraits

    v. Barthel Beham, 1535 (München, Alte Pinakothek); Silbermedaille v. B. Burkart, 1507(Kunsthist. Mus. Wien); Freskenzyklus im Schloß Trotzenberg (Tirol), etwa 1507.

  • Autor

    Hans Rall
  • Empfohlene Zitierweise

    Rall, Hans, "Albrecht IV." in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 157 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118644327.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Albrecht IV., "der Weise", Pfalzgraf bei Rhein, Herzog von Baiern, geb. 15. Dec. 1447 zu München, daselbst 18. März 1508. Als drittältester von den nachgelassenen Söhnen Albrechts III., da nach einer behaupteten Anordnung desselben jedesmal die zwei ältesten Söhne gemeinschaftlich regieren sollten, zunächst aber ohne Aussicht auf politische Wirksamkeit und deshalb zum geistlichen Stande bestimmt, war A. nach Italien gegangen, um in Rom, Siena und Pavia zu studiren. Der Tod Herzog Johanns (18. Nov. 1463) rief ihn nach Hause, wo er mit Klugheit und Ausdauer seine Annahme zum Mitregenten Sigmunds durchsetzte (10. Sept. 1465); doch blieb es nicht lange hiebei, vielmehr bewog Albrechts geistige Ueberlegenheit und Energie in Abstellung von Mißbräuchen den bequemen Sigmund zum Regierungsverzichte (3. Sept. 1467). Nun erhoben die jüngeren Brüder Christoph und Wolfgang|Anspruch auf Mitregierung: diesem gefährlichen Begehren galt es Widerstand zu leisten. Und Jahrzehnte lang hat A. mit großer Schlauheit, im äußersten Falle auch an die Macht appellirend, die Brüder hinzuhalten gewußt, bis den leidenschaftlichen Christoph ein früher Tod beseitigte (1493) und dann mit dem schwächeren Wolfgang ein unschädliches Abkommen gelang. Wie es aber unbestritten Albrechts Verdienst ist, eine neue Zerstückelung des bairischen Herzogthums als unausbleibliche Folge mehrköpfiger Regierung verhindert zu haben: so ist ein weiteres Streben seiner Politik, ehedem bairisches Gebiet wieder zu gewinnen, deshalb nicht minder löblich, weil es manchmal des Erfolges entbehrte. Es glückte die Erwerbung der Reichsherrschaft Abensberg (1485); der Versuch hingegen, Regensburg zur Landstadt zu machen (1486), schuf die drohendsten Verwickelungen. Durch Errichtung des schwäbischen Bundes (1488) hatte der Kaiser eine starke Waffe erlangt, welcher A. nicht mit Ritter- und Bauernaufgebot, nur mit einem geübten Söldnerheere Trotz bieten durfte; die deshalb ohne Bewilligung der Stände eingeforderte Steuer erregte jedoch einen Aufstand des Adels im Straubinger Land, der sich im "Löwenbund" organisirte (1489). Diesen aus dem Felde zu schlagen, ist A. noch gelungen, als aber die Reichsacht über ihn ergangen war (23. Jan. 1492), als das bedeutend stärkere Executionsheer am Lech stand, bereit in Baiern vorzudringen, da übrigte nur, König Maximilians Vermittelung anzunehmen, Regensburg zurückzugeben. Reichliche Entschädigung für solches Mißgeschick bot der Anfall von Baiern-Landshut nach dem söhnelosen Tod seines Herzogs Georg (1. Dec. 1503). Nicht blos das Reichsoberhaupt, auch die Sympathien des verwaisten Landes standen A. zur Seite in dem blutigen Kampfe, welchen er mit dem in Georgs ungültigen Testament zum Erben eingesetzten Pfalzgrafen Ruprecht und dessen Kindern (1504—5) zu führen hatte; die schweren Opfer aber, zu denen A. sich verstehen mußte — bedeutende Landesabtretungen an das habsburgische und pfälzische Haus — wurden weit überwogen durch den errungenen Vortheil, das bairische Herzogthum in seiner Hand vereinigt zu haben. So ward es A. möglich, durch ein Gesetz über Einheit und Untheilbarkeit des bairischen Landes und die Erstgeburtsrechte von dessen Fürsten (8. Juli 1506) sein Lebenswerk, die Consolidirung Baierns, zu krönen. Er hat dieses Ziel erreicht, freilich auch vom Glücke begünstigt, hauptsächlich mit kalt berechnendem Verstand, unbeugsam und nachgiebig zu rechter Zeit, nur das Erreichbare im Auge behaltend, nie seine Kräfte in unfruchtbarer Reichspolitik verzettelnd. Seinem Volk war er ein strenger, doch gerechter Herrscher, den Ständen gegenüber nicht ohne absolutistische Neigungen. Leidenschaften kannte er kaum, Jagdliebhaberei etwa ausgenommen. Die Heirath, welche der Vierzigjährige ohne Wissen des Kaisers mit dessen Tochter Kunigunde 3. Jan. 1487 zu Innsbruck einging, sollte Tirol dem Hause Wittelsbach zurückbringen, führte aber nur zu einer glücklichen, von Kunigunde ( 1520) überlebten Ehe, der außer den Prinzen Wilhelm, Ludwig und Ernst fünf Töchter, darunter Sibilla, Sabina und Susanna II., des Kurfürsten Ludwig V. von der Pfalz, des Herzogs Ulrich von Würtemberg und des Markgrafen Kasimir von Brandenburg-Kulmbach Gemahlinnen, entsprossen.

    • Literatur

      Hefner, Geschichte der Regierung Albrechts IV., Herzogs in Baiern (im "Oberbairischen Archiv" XIII. [1852] 227—312). Silbernagl, Albrecht IV., der Weise, Herzog von Baiern und seine Regierung, 1857. Hasselholdt-Stockheim, Herzog Albrecht IV. von Baiern und seine Zeit, 1865 (unvollendet).

  • Autor

    v. Oefele.
  • Empfohlene Zitierweise

    Oefele, Edmund Freiherr von, "Albrecht IV." in: Allgemeine Deutsche Biographie 1 (1875), S. 233-234 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118644327.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA