Lebensdaten
1855 bis 1931
Geburtsort
Neumelans zu Sand in Taufers (Südtirol)
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Historiker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 11717078X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Ottenthaler, Emil von
  • Ottenthal, Emil von
  • Ottenthaler, Emil von
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Zitierweise

Ottenthal, Emil von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11717078X.html [21.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus begüterter, 1667 nobilitierter Tiroler Beamtenfam., seither mit d. Prädikat „v. Ottenthai“. – V Franz (1818–99) auf Neumelans u. Kasten, Dr. med., Landmann in Tirol, 1861-82 tirol. LT-Abg., S d. Johann Paul (1778–1846), Kreis-Steuereinnehmer im Unter-Unntal, u. d. Maria Antonia Gfn. Hendl zu Goldrain u. Castellbell (um 1790-1856);
    M Katharina (1825–93), T d. Ignaz v. Preu zu Lusenegg u. Korburg ( 1840), k. k. Land- u. Kriminalrichter in Brixen, u. d. Anna Kempter v. Riggburg u. Zellheim (1825–93);
    Triest 1904 Hedwig (Hedda) (* 1875), T d. Theodor Primavesi ( 1906), aus lombard. Fam., u. d. Hedwig Schüler ( 1906); mind. 1 T.

  • Leben

    O. studierte bei den bedeutendsten Mediävisten seiner Zeit, zunächst in Innsbruck bei Julius v. Ficker, 1875-77 am Institut für Österr. Geschichtsforschung in Wien bei Theodor v. Sickel (1826–1906) und nach der Promotion zum Dr. phil. (1878 in Innsbruck) in Berlin 1878/79. 1880 in Innsbruck habilitiert, wählte ihn Sickel zum Mitarbeiter an der Ausgabe der Diplome Heinrichs I. und der Ottonen im Rahmen der Monumenta Germaniae Historica (MGH) (1880–82) und entsandte ihn 1883 an das nach der Öffnung des Vatikan. Archivs (1881) gegründete Österr. Historische Institut in Rom. Die hier erarbeiteten Publikationen bilden bis heute Marksteine der Erforschung des päpstl. Kanzlei- und Registerwesens im Spätmittelalter. 1886 begann O. gemeinsam mit Oswald Redlich (1858–1944) mit der Erschließung der Bestände kleinerer Archive Tirols („Archiv-Berr. aus Tirol“), einer Pionierarbeit, die ähnlichen Unternehmen in anderen Ländern als Muster diente. 1889 wurde O. in Innsbruck zum (unbesoldeten) ao. Professor ernannt, 1893 zum Ordinarius; an der Phil. Fakultät spielte O. ein führende Rolle. Als Wissenschaftler von internationaler Reputation wurde O. 1904 nach dem Tod Engelbert Mühlbachers als Ordinarius und Vorstand des Instituts für Österr. Geschichtsforschung an die Univ. Wien berufen. Er führte hier die Tradition Sickels fort und sorgte bis zu seiner Emeritierung 1926 für eine strenge, methodisch vorbildliche Ausbildung der Teilnehmer des als Fachschule für wissenschaftliche Archivare, Bibliothekare und Museumsbeamte fungierenden Institutslehrgangs, aus dem viele bedeutende Gelehrte hervorgingen. Er galt als Meister der Paläographie und Diplomatik 1904 übernahm er die Leitung der neu eingerichteten Wiener Diplomata-Abteilung der MGH (Lothar III. u. d. älteren Staufer). Die gemeinsam mit Hans Hirsch (1878–1940) erarbeitete Ausgabe der Urkunden Lothars III. (1927) setzte durch die Behandlung der Diplome auch im Rahmen ihrer Provenienz neue Maßstäbe. O. gehörte 1904-26 der Zentraldirektion der MGH an, leitete 1904-29 die Neubearbeitung der Regesta Imperii sowie 1904-31 die Kommission für Neuere Geschichte Österreichs.|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Ak. d. Wiss. Wien (korr. 1902, wirkl. 1904), München (korr. 1908) u. Budapest.

  • Werke

    Regulae cancellariae apostolicae, Die päpstl. Kanzleiregeln v. Johannes XXII. bis Nicolaus V., 1888, Neudr. 1968;
    Archiv-Berr. aus Tirol, 4 Bde., 1888-1912 (mit O. Redlich);
    J. F. Böhmer, Regesta Imperii 2, Abt. 1: Die Regg. d. Kaiserrreiches unter Heinrich I. u. Otto I. 919-73, nach J. F. Böhmer neubearb. v. E. v. O., 1893, Neudr. mit Ergg. v. H. H. Kaminsky, 1967;
    regum et imperatorum Germaniae, Bd. 8: Lotharii III diplomata nec non et Richenzae imperatricis placita, 1927 (mit H. Hirsch);
    Die Bullenregister Martin V. u. Eugen IV., in: MIÖG, Erg.-Bd. 1, 1885, S. 401-589;
    Die Qu. z. ersten Romfahrt Ottos I., ebd., Erg.-Bd. 4, 1893, S. 32-76;
    L'administration du Frioul sous les patriarches d'Aquilèe, in: Mélanges P. Fabre, 1902, S. 303-20;
    Das Memoirenhafte in Gesch.qu. d. frühen MA, in: Alm. Ak. Wien 55, 1905, S. 347-73;
    Memorandum üb. d. Herausgabe ma. Bibl.kat., ebd. 57, 1907, S. 275-80;
    Die gefälschten Magdeburger Diplome u. Melchior Goldast, in: SB d. Ak. d. Wiss. Wien 192/5, 1919. – Zahlr. Abhh., Lit.berr. u. Rezensionen, in MIÖG, Archivio storico italiano etc.

  • Literatur

    L. Santifaller, in: Der Schlern 3, 1922, S. 188-92 (W-Verz., P);
    P. Frhr. v. Sternbach, ebd. 6, 1925, S. 141-46;
    W. Erben, Meine erste Bekanntschaft mit E. v. O., ebd. S. 166-69;
    F. Huter, Ein Festtag auf Neumelans, ebd., S. 328 f.;
    FS zu Ehren E. v. O.s, 1925 (W-Verz. S. 490-94, P);
    FS in: MIÖG 41, 1926 (P, S. 363-66: H. Rr. v. Srbik zur FS 1925);
    H. Hirsch, in: MIÖG 45, 1931, S. 271-77;
    O. Redlich, in: Alm. d. Ak. d. Wiss. Wien 81, 1931, S. 205-10 (P);
    P. Kehr, in: Neues Archiv 49, 1932, S. 553 f.;
    Th. v. Sickel, Röm. Erinnerungen, hg. v. L. Santifaller, 1947, s. Register (S. 365-99: Briefe v. O. an Sikkel);
    A. Lhotsky, Gesch. d. Inst. f. Österr. Gesch.-forsch. 1854-1954, 1954, s. Register (P);
    ders., Aufss. u. Vorträge 5, 1976, S. 268-77;
    G. Oberkofler, Die geschichtl. Fächer an d. Phil. Fak. d. Univ. Innsbruck, 1969, S. 71-78;
    K. Rudolf, Gesch. d. Österr. Hist. Inst. in Rom v. 1881-1938, in: Röm. hist. Mitt. 23, 1981, S. 1-137;
    E. Widmoser, in: Südtirol A-Z, Bd. 4, 1995, S. 60;
    ÖBL.

  • Portraits

    Gem. v. Alois Delug (Neumelans, Abb. in: FS 1925, s. L).

  • Autor/in

    Winfried Stelzer
  • Empfohlene Zitierweise

    Stelzer, Winfried, "Ottenthal, Emil von" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 654-655 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11717078X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA