Lebensdaten
1885 bis 1955
Geburtsort
Gütersloh
Sterbeort
Gütersloh
Beruf/Funktion
Verleger
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 117091227 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Mohn, Heinrich
  • Mohn, Carl Heinrich Johannes

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Zitierweise

Mohn, Heinrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117091227.html [18.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johannes (1856–1930), Verleger, S d. Willibald (1822–92), seit 1860 Pastor in Dierdorf (Westerwald), u. d. Susanne Reinhardt (1828–99);
    M Friederike (1859–1946), T d. Heinrich Bertelsmann (1827–87), Verleger (s. NDB II), u. d. Emma Friederike Baake (1832–96);
    Ur-Gvv Friedrich (1762–1845), Theologe u. Schriftst., seit 1818 Sup. in Duisburg (s. ADB 22; Kosch, Lit.-Lex.3);– Gütersloh 1912 Agnes (1889–1978), T d. Emil Seippel (1861–1912), seit 1901 Pastor in G., u. d. Margarete Köhne;
    4 S (1 ⚔), 2 T, u. a. Sigbert (* 1918), Verlagsbuchhändler u. Verleger, Reinhard (* 1921), Inhaber u. Leiter d. Verlags-Konzerns 1947-91 (s. Wi. 1991), Gerd (* 1926), Verlagsbuchhändler, Verleger.

  • Leben

    Nach der Lehre im väterlichen Betrieb begab sich M. auf Reisen in die Schweiz und nach Großbritannien zur Erweiterung seiner Kenntnisse. Über ein Jahrzehnt lang fungierte er als Teilhaber des Verlags Bertelsmann, bis er 1921 von seinem Vater die Verlagsgeschäfte übernahm. Unter seiner Leitung fügten sich das Verlagsprogramm und dessen Tendenzen in die Tradition der drei vorangegangenen Verlegergenerationen. Carl und Heinrich Bertelsmann sowie dessen Schwiegersohn Johannes Mohn fühlten sich dezidiert dem prot. Glauben verbunden. Noch unter Heinrich Bertelsmann stand das Programm gleichsam unter dem Motto des Glaubenskampfes und im Widerstreit mit dem rationalistischen Geist der Zeit. Auch Johannes M. begriff seine Zeit als Phase der Glaubensprüfung, der es beschieden sei, die liberal-agnostischen Strömungen zu überdauern.

    Nach der Übernahme des Verlags sah sich M. infolge der Inflation zunächst genötigt, den Betrieb einzuschränken. Nachdem sich die wirtschaftlichen Bedingungen in Deutschland wieder gebessert hatten, gelang es ihm aber bald, das Unternehmen auszubauen. Die volkstümliche Unterhaltungsliteratur nahm allmählich breiteren Raum ein. Seit 1925 erschien ein vierteljährliches Verteilerblatt „Acht Seiten – Freude zu bereiten“ zu Zwecken der Werbung für das Verlagsprogramm. 1927 kam die 14tägige Zeitschrift „Der christliche Erzähler“ als Neuerwerbung mit kürzeren Prosawerken und Fortsetzungsromanen hinzu. 1928 erschienen diese Fortsetzungen als Einzelpublikationen im Verlag. Zum 100jährigen Jubiläum der Verlagsgründung 1935 brachte M. eine Reihe von Romanen heraus, ebenso Bücher einer preisgünstigen „Volksausgabe“ und einige Bände der neuen Reihe „Das kleine Buch“ sowie mehrere Hefte einer Jugendreihe mit dem Titel „Spannende Geschichten“. Daneben machte er sich auch durch neuartige Verkaufsideen verdient. So bemühte sich der Verlag über den Sortimentsbuchhandel mittels der sog. „Sonderfenster“-Werbung um neue Käuferkreise für die Bertelsmann-Produktion. Die thematische Bündelung der Editionen zu „Kassetten“ 1937 verhieß eine geschäftliche Expansion.

    Die nationalsozialistische Herrschaft brachte dem Unternehmen zunehmende Schwierigkeiten, dennoch blieben die christlich-theologischen Themen ein Anliegen M.s. 1935 verlegte er die Schrift des theologischen Dozenten und Pastors zu Bethel, Volkmar Herntrich, „Ihr sollt meine Zeugen sein – Andachtsbuch der Bekennenden Kirche“, ein Jahr nach deren Gründung auf der Synode in Barmen. So blieb es schließlich nicht aus, daß dem Verlag 1938 die Verbreitung von Flugblättern oder flugblattähnlichen Schriften mit kirchenpolitischem Inhalt verboten wurde. M. betätigte sich aus christlicher Gesinnung und sozialer Verantwortung in den von seinen Vorfahren geschaffenen und mitgetragenen sozialen Einrichtungen. Die Institution der „Invaliden- und Altersversorgungskasse für die Firmen C. Bertelsmann und J. D. Küster Nachf.“ von 1887 war zwar|von der Inflation ruiniert worden, doch M. hatte 1926 die betriebliche Sozialversicherung wieder ins Werk gesetzt und deren Bestimmungen zusätzlich auf die Witwen und Waisen der Betriebsangehörigen ausgedehnt. Im Dezember 1938 wurde diese Einrichtung durch Regierungsverfügung außer Kraft gesetzt.

    Während des Krieges gewannen die Verträge mit der Wehrmacht dem Verlag neue Leser aus den Reihen der Frontsoldaten, die die verschiedenen Feldpostreihen als eine beliebte Lektüre bezogen. Der dazugekaufte Rufer-Verlag wurde jedoch ebenso wie der C. Bertelsmann-Verlag während der Endphase des Krieges geschlossen, und schließlich zerstörte in den letzten Kriegswochen ein brit. Bomberangriff auf Gütersloh einen großen Teil der Verlagsgebäude. 1947 übertrug M. aus Gesundheitsgründen den Verlag an seinen Sohn Reinhard. Mit unternehmerischem Weitblick baute dieser den familieneigenen Betrieb nicht nur wieder auf, sondern gestaltete ihn zu einem multimedialen Konzern von Weltgeltung um.

  • Werke

    Hrsg: Carl Bertelsmann, Eine Verlagsgründung vor 100 J., FS, 1935.

  • Literatur

    N. N., H. M. feiert seinen 70. Geb.tag, o. J. (1955, Ms., Bertelsmann-Archiv);
    N. N., Zum 70. Geb.tag H. M.s, o. J. (1955, Bertelsmann-Archiv);
    G. Hadding u. G. Schukies (Hrsg.), 1835–1985, 150 J. Bertelsmann, Die Gesch. d. Verlagsunternehmens in Texten, Bildern u. Dokumenten, 1985 (P, darin u. a. W. Kempowski, „Schwarzbrod u. Freiheit sei mir beschieden …“, Die Chronik d. Fam. Bertelsmann u. Mohn;
    N. N., Die Gesch. in Bildern, 1835-1985, 150 J. Bertelsmann;
    A. Deichsel, Haltung, Nutzen, Unterhaltung, Das ältere Verlagsprogramm im Wandel d. Zeiten;
    K. H. Biedenkopf, Im Dienst d. Gemeinschaft, Das soz. Modell Bertelsmann);
    D. Bavendamm, 150 J. Bertelsmann, Die Gründer u. ihre Zeit, Eine Gesch.betrachtung (Vorwort v. R. Mohn), in: Bertelsmann Briefe 116, 1984, S. 32 (P);
    ders., Bertelsmann, Mohn, Seippel, Drei Familien – ein Unternehmen, 1986.

  • Autor/in

    Jürgen Fromme
  • Empfohlene Zitierweise

    Fromme, Jürgen, "Mohn, Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 697 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117091227.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA