Lebensdaten
1880 bis 1934
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Hamburg
Beruf/Funktion
Kunsthistoriker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 117018074 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Sauerlandt, Friedrich August Max
  • Sauerlandt, Max
  • Sauerlandt, Friedrich August Max
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Zitierweise

Sauerlandt, Max, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117018074.html [21.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Max ( 1884), Holzhändler in B.;
    M Marie (1850–1921), T d. August Plath (1800–70), Holzhändler in H., u. d. Anna Rothe ( 1875);
    Ur-Gvm Johann Christian Plath (1738–1817), Holzhändler in H. (s. L);
    Trittau 1906 Alice Schmidt, aus Sprenge;
    1 S, 5 T u. a. Marianne Desaga (* 1909), Ärztin, Katarina (* 1916, Rudolf Kautzky, 1923–2001, aus Wien, o. Prof. d. Neurochirurgie in H., s. Kürschner, Gel.-Kal. 2000, S d. Dr. Heinrich Kautzky, Sektionschef in Wien), Dr. med.

  • Leben

    S. wuchs in Hamburg auf, wohin die Familie nach dem Tod des Vaters übersiedelt war, und besuchte das Claudius-Gymnasium in Wandsbek. Seit 1898 studierte er in Marburg, München und Berlin klassische Philologie und Kunstgeschichte, 1903 wurde er bei Wilhelm Worringer in Berlin über „Die Bildwerke des Giovanni Pisano“ (ersch. 1904) promoviert. Nach Militärdienst und kurzer Tätigkeit beim Thieme-Becker-Künstlerlexikon in Leipzig wurde S. 1905 wissenschaftlicher Hilfsarbeiter bei Justus Brinckmann (1843–1915) am Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg. Er begann eine rege Veröffentlichungstätigkeit, u. a. für die populäre Reihe der „Blauen Bücher“ im Verlag Langewiesche (9 Bde., 1907–27). 1908 wurde er zum Leiter, 1910 zum beamteten Direktor des Städtischen Museums für Kunst und Kunstgewerbe in Halle berufen. 1914-18 als Batterieführer an der Ostfront, ging S. 1919 als Nachfolger Brinckmanns an das Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg, wo er auch an der Universität lehrte und seit 1930 die Landeskunstschule leitete. Wegen seines Eintretens für die moderne Kunst wurde er im April 1933 beurlaubt und zum 1. Novemberpensioniert.

    S. verstand die kunsthistorische Forschung immer als Instrument zur Vermittlung von Kunstverständnis und Kunstgenuß. Dabei machte er keinen prinzipiellen Unterschied zwischen freier und angewandter Kunst, betonte dagegen die „Einheit des Künstlerischen“ im Gestaltungswillen der jeweiligen Epoche. Er holte die Musik ins Museum und setzte sie in Beziehung zu den Kunstepochen, die er in Hamburg als einer der ersten durch farbige Wände charakterisierte. Nach der Begegnung mit Emil Nolde (1867–1956) und seinem Werk 1913 setzte er sich vehement – auch im Dt. Museumsbund bis 1933 immer wieder – für die Pflege der zeitgenössischen Kunst in den Museen ein. 1913 erwarb er u. a. Noldes „Abendmahl“ (1909) für Halle, was 1914 zu einer heftigen Presse-Fehde mit dem Generaldirektor der Berliner Museen, Wilhelm v. Bode (1845–1929), führte. Daraus ging die Position der jungen Museumsleiter, die für den Expressionismus eintraten, gestärkt hervor. Neben dem Schmuck und den Gobelins der Brücke-Künstler erwarb S. in Hamburg als erster auch deren Skulpturen, ebenso z. B. Werke von Henry Moore. Für seine Kunstauffassung war die künstlerische Handschrift von besonderer Bedeutung, weshalb er Ende der 20er Jahre einen scharfen Kampf gegen die Faksimile-Reproduktion und andere Reproduktionstechniken führte, die mit ihrer „Originaltreue“ warben. S. war einer der wichtigsten Vorkämpfer des „Museums der Gegenwart“; seine Vorlesung über „Dt. Malerei und Plastik der letzten 30 Jahre“ im Sommer 1933 begleitete die Auseinandersetzungen um den Expressionismus als „dt. Kunst“ in Berlin. – Mitgl. d. Dt. Mus.bundes u. d. Internat. Verbandes v. Mus.beamten z. Abwehr v. Fälschungen (seit 1910).

  • Werke

    Halle a. S., 1913, 21928;
    Emil Nolde, 1921;
    Norddt. Barockmöbel, 1922;
    Dt. Porzellanfiguren d. 18. Jh., 1923;
    Die dt. Plastik d. 18. Jh., 1926;
    Werkformen dt. Kunst, 1926;
    Edelmetallfassungen in d. Keramik, 1929;
    Drei Betrachtungen z. Stellung d. Kunst in unserer Zeit, 1930;
    postum: Die Kunst d. letzten 30 Jahre, 1935;
    Im Kampf um d. mod. Kunst, Briefe 1902–33, 1957;
    Schrr. I, 1971 (P), II, 1974 (Bibliogr., P); Die Pflege künstler. Erkenntnis, 1995 (P);.|

  • Nachlaß

    Nachlaß: Staats- u. Univ.bibl. Hamburg; |

  • Quellen

    Qu: StadtA u. Archiv d. Staatl. Gal. Moritzburg. Halle; Archiv d. Mus. f. Kunst u. Gewerbe Hamburg; Fam.archiv Sauerlandt; Archiv A. Hüneke, Potsdam.

  • Literatur

    R. R. Rive, Lebenserinnerungen e. dt. Oberbgm., 1960;
    C. ter Haar, M. S., Kunst u. Kunstpol. f. d. Nation, in: M. S., Schrr. II, 1974, S. 545-96;
    A. Hüneke, in: Bildende Kunst 32, 1984, H. 4, S. 186 f.;
    ders., Das Kunstwerk im Mus., das Mus. als Kunstwerk, in: Im Kampf um d. moderne Kunst, 1985, S. 60-64;
    ders., Von d. Verantwortung d. Mus.dir., M. S., in: H. Junge (Hg.), Avantgarde u. Publikum, 1992, S. 261-68;
    ders., Naheliegende Weite, in: Jb. d. Mus. f. Kunst u. Gewerbe Hamburg 9/10, 1993, S. 153-66;
    ders., Das Schöpfer. Mus. (im Druck);
    A. v. Saldern, Das Mus. f. Kunst u. Gewerbe Hamburg|1869-1988, 1988, S. 58-78;
    C. Weller, Moderne Zeiten. Reformbestrebungen unter M. S., in: Nordlicht, Die Hamburger Hochschule f. bildende Künste am Lerchenfeld u. ihre Vorgesch., 1989, S. 173-192;
    H. Spielmann, „Beginne nichts, was du nicht vollenden kannst“, M. S. z. Gedächtnis, 1994;
    K. Winkler, M. S., Das expressionist. Mus. u. d. kons. Rev., in: Überbrückt, 1999, S. 65-79;
    K. Schneider, „Wir können aus Halle noch viel machen, vorausgesetzt, daß wir beide zusammen dort bleiben“, Richard Rive, M. S. u. d. Mus. in d. Moritzburg, in: Richard Robert Rive, 2000, S. 82-99;
    B. Baumann, M. S., Das kunstkrit. Wirkungsfeld e. Hamburger Mus.dir. zw. 1919 u. 1933, 2002;
    Rhdb.;
    Metzler Kunsthist. Lex.;
    Hamburg. Biogr. II (P); – zur Fam.:
    Die Enkel v. Johann Christian Plath, 1937;
    A. Maichel, Die Kinder v. Max u. Marie S., 1949.

  • Portraits

    Holzschnitt v. E. Nolde, 1913 (Seebüll, Nolde-Stiftung);
    Tuschezeichnung dess., 1913 (Privatbes.);
    Aquarell dess., um 1919 (Halle, Stiftung Moritzburg);
    Aquarell dess., vor 1926 (Hamburg, Mus. f. Kunst u. Gewerbe), Abb. in: Hamburg. Biogr. II;
    Radierung v. R. Nesch, 1929 (ebd.);
    Bleistiftzeichnung v. F. Ahlers-Hestermann, um 1925 (Hamburg, Elsbeth Weichmann Ges.);
    Tuschezeichnung v. R. Haizmann, um 1929 (Privatbes.);
    Radierung v. A. del Banco, um 1932 (Privatbes.);
    Kreidezeichnung mit Tempera v. K. Ballmer, um 1932 (Privatbes.);
    Ölgem. dess., um 1936 (Hamburg, Mus. f. Kunst u. Gewerbe);
    Bronzemedaille v. J. Baumgärtner, 1985 (Halle, Stiftung Moritzburg).

  • Autor/in

    Andreas Hüneke
  • Empfohlene Zitierweise

    Hüneke, Andreas, "Sauerlandt, Max" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 462-463 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117018074.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA