• Genealogie

    V Karl (1865–1945), Förster, S d. Försters Christoph Heinrich u. d. Anna Katharina Schmidt;
    M Mathilde (1872–1959), T d. Johs. Eschstruth, Gastwirt u. Ökonom, u. d. Marie Luise Ruhlberg;
    Baden-Baden 1921 Paula (* 1891), T d. Schuhmachermeisters Erhard Weber u. d. Agathe Glaser;
    1 S, 1 T.

  • Leben

    K. studierte seit 1914 Kunstgeschichte in Marburg und Berlin. Nach Kriegsdienst und Verwundungen wurde er 1921 bei Richard Hamann in Marburg zum Dr. phil. promoviert. Nach einer ersten Anstellung als Privatassistent bei Marc Rosenberg holte ihn Max Sauerlandt 1922 nach Hamburg an das Museum für Kunst und Gewerbe. 1933 berief man K. zum Direktor der städtischen Kunstsammlungen in Breslau, 1937 erfolgte seine Ernennung zum Leiter des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg. Nachdem K. von der alliierten Militärregierung 1945 aus diesem Amt entlassen worden war, übernahm er 1950-59 die Kunstsammlungen der Veste Coburg. Von 1959 bis zu seinem Tode war er wieder in Nürnberg ansässig.

    Seit der Dissertation über den Schrein der heiligen Elisabeth in Marburg sah K. ein Schwergewicht seiner wissenschaftlichen Arbeit in der Erforschung der Goldschmiedekunst. Ungewöhnlich visuell begabt, und bis hin zur Volkskunst und Ethnologie interessiert, entwickelte er sich zum vielleicht besten deutschen Kenner des europäischen Kunsthandwerks. Als Praktiker des Museumswesens stellte er in kürzester Frist in Breslau, Nürnberg und Coburg drei umfangreiche und vielschichtige Sammlungskomplexe nach kulturgeschichtlichen Gesichtspunkten jeweils beispielgebend für ihre Zeit neu auf. Die von ihm betriebene Öffentlichkeitsarbeit, seine Ausstellungdidaktik und die Betonung der Erwachsenenbildung nahmen Reformen im Museumswesen der 60er Jahre vorweg. Bemerkenswert war K.s Einsatz für die moderne Kunst in den 20er Jahren.

    Den größten Teil seiner Publikationstätigkeit widmete er den von ihm betreuten Beständen. Da er als selbständiger Museumsleiter immer mit umfassenden Reorganisationsaufgaben ausgelastet war und seit 1939 umsichtig die Bergung der Bestände des Germanischen Nationalmuseums betrieb und sie dadurch über den 2. Weltkrieg rettete, blieb für weiterführende Forschungen wenig Zeit. Sein Hauptwerk, „Nürnberger Goldschmiedekunst des Mittelalters und der Dürerzeit 1240 bis 1540“ (1968) entstand im Ruhestand.

  • Werke

    Weitere W u. a. Bibliogr. H. K. (bis 1963), in: Anz. d. German. Nat.mus. 1964. S. 156-60;
    M. Mende, Zur Bibliogr. H. K., Nachträge u. Ergänzungen, 1971;
    Minnekästchen im MA, 1928;
    Jberr. German. Nat.mus. Nürnberg 84-90, 1938-44;
    Gesch. d. dt. Kunsthandwerks, 1955;
    Europ. Kunsthandwerk, hrsg. v. H. Busch, 3 Bde., 1969-72. |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Nürnberg. Archiv f. bildende Kunst d. German. Nat.mus.

  • Literatur

    H. Stafski, in: Mus.kde., 3. Folge 11, 1970, S. 172 f.;
    H. Maedebach, in: Jb. d. Coburger Landesstiftung 15, 1970, vor S. 379;
    M. Mende, in: Mitt. d. Ver. f. Gesch. d. Stadt Nürnberg 58, 1971, S. 337 f.;
    Anz. d. German. Nat.mus. 1971/72, S. 7;
    Das German. Nat.mus. Nürnberg 1852-1977, hrsg. v. B. Deneke u. R. Kahsnitz, 1978, S. 1126 f. u. Reg. S. 1224 (P).

  • Autor/in

    Matthias Mende
  • Empfohlene Zitierweise

    Mende, Matthias, "Kohlhaußen, Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 428 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116307366.html#ndbcontent

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