Lebensdaten
1903 bis 1990
Geburtsort
Bielefeld
Sterbeort
Göttingen
Beruf/Funktion
Germanist
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116960116 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Neumann, Johannes (eigentlich)
  • Neumann, Hans
  • Neumann, Johannes (eigentlich)
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Zitierweise

Neumann, Hans, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116960116.html [17.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Paul ( 1943), Kaufm., S d. Gustav Wilhelm, aus Preßburg, Missionar d. Ev. Missionsges. auf d. Balkan, in d. Türkei, dann in Hamburg, u. d. Anna Schümperlin aus Wien;
    M Elisabeth Bökenkamp ( 1943);
    1) 1931 (⚮) Filomela Brateanu, Philologin, Gymnasiallehrerin in Kronstadt (Brasov, Rumänien), 2) 1947 Gerda (* 1922), T d. Carl Rudolphi (1879–1967), Kaufm. in Bad Lauterberg, u. d. Gertrud Naumann (1892–1979), Hauswirtsch.lehrerin;
    1 S aus 1) Constantin (* 1936), Dr. med., Zahnmediziner, Univ.doz., 2 S aus 2), Nicolai (* 1950), Dr. rer. nat., Geologe, Unternehmensberater, Oliver (* 1954), Dr.-Ing., Gartenbauing., Public-Relations-Manager.

  • Leben

    N. studierte 1923-29 Germanische Philologie, Deutsche Literaturgeschichte, Ev. Theologie, Geschichte und Kunstgeschichte in Tübingen, Berlin und Münster. Dort wurde er Schüler Arthur Hübners, bei dem er 1927 in Berlin promovierte (Das Lob d. Keuschheit, Ein Lehrgedicht v. Johannes Rothe, 1934). Hier zählten auch der Literarhistoriker Max Herrmann, der Philosoph Heinrich Maier und der Historiker Albert Brackmann zu seinen Lehrern. Nach Abschluß seines Studiums war N. als Privatassistent Hübners bei verschiedenen Unternehmen der Berliner Akademie, vor allem beim Deutschen Wörterbuch, beschäftigt. 1931 kam noch eine Tätigkeit als Assistent am Germanischen Seminar der Universität hinzu. Im Sommer 1933 mußte N. aufgrund der nationalsozialistischen Rassenpolitik aus allen Beschäftigungsverhältnissen ausscheiden; die für 1934 vorgesehene Habilitation ließ sich nicht verwirklichen. Hübner ermöglichte ihm immerhin, daß er weiter als freier Mitarbeiter für das Deutsche Wörterbuch tätig sein konnte. Nach 1933 übersiedelte N. nach Rumänien. Verschiedene Versuche, außerhalb Deutschlands eine akademische Laufbahn zu beginnen, schlugen fehl. 1941 wurde er während eines Arbeitsaufenthalts in Deutschland als „wehrpflichtiger Mischling“ zum Militär eingezogen und geriet bei Kriegsende vorübergehend in amerik. Gefangenschaft. N. ging nach Göttingen, wo er sich am Wiederaufbau der Germanistik beteiligte. 1947 wurde er habilitiert und im Sommer 1948 auf einen germanistischen Lehrstuhl berufen. Gleich nach dem Krieg betrieb N. die Gründung einer Göttinger Arbeitsstelle für das Deutsche Wörterbuch und konnte diese 1950 im Einvernehmen mit Theodor Frings einrichten. Sie war bis 1960 an den Arbeiten zum Abschluß des Wörterbuchs beteiligt und ist seither in Zusammenarbeit mit der Berliner Arbeitsstelle mit der Neubearbeitung der Anfangsbände befaßt. Auch an anderen Großvorhaben der Göttinger Akademie, so an der Planung und Einrichtung des Goethe-Wörterbuchs, war N. maßgeblich beteiligt. Aus gesundheitlichen Gründen ließ er sich 1969 vorzeitig emeritieren, 1976 legte er auch den Vorsitz der Kommission für das Deutsche Wörterbuch nieder.

    Während N. bis zum Krieg hauptsächlich an Beiträgen zum Deutschen Wörterbuch und zum Verfasserlexikon für die deutsche Literatur des Mittelalters arbeitete, entstanden in seiner Göttinger Zeit Studien zum „Ezzolied“, zum „Herzog Ernst“, zum Jiddischen und zum „Spiegel der Sünden“, einem ursprünglich westfläm. Lehrgedicht des späteren 14. Jh. Seit seiner Habilitationsschrift über das „Fließende Licht der Gottheit“ Mechthilds von Magdeburg befaßte sich N. bis zuletzt mehr und mehr mit der deutschen Mystik des Spätmittelalters. Seine postum veröffentlichte kritische Ausgabe dieses Werkes hat die Mechthild-Forschung auf eine neue Grundlage gestellt. N. gehört zu den letzten Vertretern der sich von Lachmann herleitenden Berliner Schule der Germanistik. Ausgangs- und Zielpunkt war stets der konkret gegebene Text. Seine Leitfrage galt dem jeweiligen Original. Die Überlieferung, soweit nicht Autograph, hatte für N. nur den Wert eines Zeugnisses für etwas Älteres, das es wiederzugewinnen galt, auch mit dem Mittel der Konjektur, die er meisterhaft beherrschte.|

  • Auszeichnungen

    o. Mitgl. d. Göttinger Ak. d. Wiss. (1950), ebd. Vors. d. Phil.-Hist. Kl. und alternierend mit d. Vors. d. Math.-Naturwiss. Kl. Präs. bzw. Vizepräs. d. Ak. (1961–70); Gastprof. in Cincinnati (Ohio, USA, 1970/71).

  • Werke

    Weitere W Die eigenhändigen Urkk. Johannes Rothes u. ihre wiss. Bedeutung, in: Zs. d. Ver. f. thür. Gesch. u. Altertumskde., NF 31, 1935, S. 351-57;
    Johannes Rothe, Der Ritterspiegel, 1936;
    Problemata Mechtildiana, 1946 (ungedr. Habil.schr.);
    Die dt. Kernfabel d., Herzog-Ernst'-Epos, in: Euphorion 45, 1950, S. 140-64;
    Btrr. z. Textgesch. d., Fließenden Lichts d. Gottheit' u. z. Lebensgesch. Mechthilds v. Magdeburg, 1954;
    Die Schiffsallegorie im Ezzoliede, 1960;
    Sprache u. Reim in d. judendt. Gedichten d. Cambridger Codex T.-S. 10. K. 22, in: Indogermanica, FS f. W. Krause, 1960, S. 145-65;
    Der westfläm., Spiegel der sonden' u. seine Qu., in: Unterscheidung u. Bewahrung, FS f. H. Kunisch, 1961, S. 277-93;
    Neue Fragmente aus d. verschollenen Anfang d. westfläm., Spiegel der sonden', 1962;
    Mechthild v. Magedeburg u. d. mittelniederländ. Frauenmystik, in: Mediaeval German Studies, FS f. F. Norman, 1965, S. 231-46. – Hg.: Johannes Rothe, Das Lob d. Keuschheit, Nach C. A. Schmids Kopie e. verschollenen Lüneburger Hs., 1934;
    Mechthild v. Magdeburg., Das fließende|Licht der Gottheit', Nach d. Einsiedler Hs. in krit. Vergleich mit d. gesamten Überlfg., I, Text, besorgt v. G. Vollmann-Profe, 1990, II, Unterss., Erg. u. z. Druck eingerichtet v. ders., 1993;
    Euphorion, Zs. f. Lit.gesch. (seit 1951, mit H. Pyritz).

  • Literatur

    Texte z. Gesch. d. dt. Interpunktion, H. N. z. 80. Geb.tag, hg. v. B. Garbe, 1984 (W-Verz., P);
    K. Stackmann, U. Mölk u. E. Adler, in: Jb. d. Ak. d. Wiss. in Göttingen 1991, S. 176-207;
    Kosch, Lit.-Lex.3

  • Portraits

    Phot. in Göttingen, Arbeitsstelle d. Dt. Wörterbuchs.

  • Autor/in

    Karl Stackmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Stackmann, Karl, "Neumann, Hans" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 151 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116960116.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA