Lebensdaten
1913 bis 1972
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Kabarettist
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 118891944 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Neumann, Günter Christian Ludwig
  • Neumann, Günter
  • Neumann, Günter Christian Ludwig
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Zitierweise

Neumann, Günter, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118891944.html [26.08.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Curt, Uniformfabr.;
    M N. N.;
    Berlin 1938 (⚮) Tatjana Sais geb. Hofler (1910–81, 2] 1970 Sir Hugh Greene, 1910–87, 1933-39 Auslandskorrespondent in M. u. B., 1939 ausgewiesen, 1945 brit. Kulturoffz. in Hamburg, baute d. dortigen Rundfunk auf, 1960 Gen.dir. d. BBC, London, B d. Schriftst. Graham Greene, 1904–91, beide s. Munzinger), Kabarettistin (s. Metzler, Kabarett Lex.).

  • Leben

    N. fühlte sich schon früh von der kabarettistischen Kleinkunst angezogen. Bereits 1929 wurde man im Nachwuchsstudio des Berliner „Kabarett der Komiker“ auf den 16jährigen aufmerksam. Wenig später begleitete der Schüler Programme bekannter Berliner Kabaretts wie Werner Fincks „Katakombe“ und Valeska Gerts „Kohlkopp“ am Klavier, schrieb erste Texte und Chansons. 1933 spielte und komponierte er für Trade Hesterbergs „Musenschaukel“. Seine Kabarett-Revue „Liebe, Lenz und Tingel-Tangel“, die er für das von Friedrich Hollaender (1896–1976) gegründete „Tingel-Tangel“ schrieb, wurde im Mai 1935 von den Nazis verboten und führte zur Schließung des Kabaretts. Zwei Jahre später schrieb N. Text und Musik zu der kabarettistischen Sport-Revue „Gib ihm!“, die mit Werner Finck, Tatjana Sais, Rudolf Platte und dem franz. Komiker Jacques Tati im „Kabarett der Komiker“ gespielt wurde. Eine zweite „KadeKo“-Revue, „Nacht muß es sein“, fiel 1939 dem Kriegsbeginn zum Opfer. Zur Wehrmacht eingezogen, wurde N. zunehmend als „Truppenbetreuer“ eingesetzt. Nach Kriegsende gründete er in Chartres (Frankreich), wo er als Kriegsgefangener interniert war, ein Lager-Kabarett. Seit 1946 trat er im Berliner Kabarett „Ulenspiegel“ auf, für das er mehrere Programme komponierte und textete, darunter „Alles Theater“ (1947, Regie: Gustaf Gründgens) und „Schwarzer Jahrmarkt“ (1948). Den „Jahrmarkt“, eine „Revue der Stunde Null“, die noch in den siebziger Jahren eine erneute Aufführungsserie erlebte, verarbeitete N. 1948 auch zu dem satirischen Spielfilm „Berliner Ballade“, mit dem Gert Fröbe als „Otto Normalverbraucher“ populär wurde.

    Aus einer öffentlichen Kabarett-Veranstaltung mit dem Titel „Club der Insulaner“, die im Dezember 1948, zur Zeit der Berliner Blockade, vom RIAS (Rundfunk im amerik. Sektor) ausgestrahlt wurde, entwickelte sich das Rundfunk-Kabarett „Die Insulaner“, für das N. über ein Jahrzehnt in fast 150 Folgen Text und Musik lieferte. Die aktuellen Kabarett-Sketche und Chansons, mit denen auf witzig-ironische, zuweilen auch derb-volkstümelnde Weise der Geist der „Frontstadt Berlin“ beschworen und durchhaltekräftig die „Insel im roten Meer“ besungen wurde, hatten eine außergewöhnliche Hörer-Resonanz und wurden bald auch von westdeutschen Rundfunkanstalten gesendet. Mit dem Ende der Konfrontationsphase des „Kalten Krieges“ verloren die „Insulaner“ allmählich an Bedeutung; die Sendereihe wurde 1968 eingestellt.

    Seine künstlerische Vielseitigkeit hat N. auch in seiner Arbeit für den Spielfilm unter Beweis gestellt: als Komponist (Einmal werd ich dir gefallen, 1937) und als Drehbuchautor (Paradies der Junggesellen, 1939; Wir erben ein Schloß, 1943; Herrliche Zeiten, 1950; Feuerwerk, 1954; Der Engel, der seine Harfe versetzte, 1958), der zudem auch eingängige, kabarettistische Songtexte lieferte (Das Wirtshaus im Spessart, 1957; Wir Wunderkinder, 1958). Daneben verfaßte N. die deutsche Übersetzung des Cole Porter-Musicals „Kiss me, Kate!“ Der Kabarettist, der aus Alt-Berliner Volksgut-Quellen (Adolf Glaßbrenner, Otto Reutter) schöpfte, sah sich als Autor-Komponist in der Nachfolge Friedrich Hollaenders, mit dem er 1960 gemeinsam an einem Filmprojekt arbeitete (Das Spukschloß im Spessart): Hollaender schrieb die Musik, N. das Drehbuch und die Songtexte.|

  • Auszeichnungen

    Günter-Neumann-Stiftung z. Förderung d. Arbeit auf d. Gebiet d. Kabarett- u. Revuetheaters, Berlin (1981/83).

  • Werke

    Ich war Hitlers Schnurrbart, 1950;
    Und damit, liebe Jenossen…, 1953;
    Sehn Se, das ist Berlin, 1954;
    Die Insulaner I-III, 1954/55/57;
    Schwarzer Jahrmarkt, Eine Revue d. Stunde Null, 1975. – CD: G. N. u. seine Insulaner (8 CD), 1996.

  • Literatur

    K. Budzinski, in: Die Muse mit d. scharfen Zunge, 1961;
    ders., Die Insulaner, Alarm mit Charme u. Pritschen, in: Die öff. Spaßmacher, 1966;
    ders., Neuer Mann d. alten Revuette, in: Pfeffer ins Getriebe, 1982;
    ders., in: Das Kabarett, 1985;
    H. Greul, G. N. u. d. „Insulaner“, in: Bretter, die d. Zeit bedeuten, 1967;
    H. Kotschenreuther, Die Insulaner, in: Kabarett mit K, 1974;
    P.-M. Einsporn, Die Insulaner, in: Juvenals Irrtum, 1985;
    B. T. van Sweringen, Kabarettist an der Front d. Kalten Krieges, G. N. u. d. pol. Kabarett, 1989;
    R. Stürickow, Der Insulaner verliert d. Ruhe nicht, 1993;
    Kosch., Lit.-Lex.3;
    Killy;
    Metzler, Kabarett Lex.

  • Autor/in

    Volker Kühn
  • Empfohlene Zitierweise

    Kühn, Volker, "Neumann, Günter" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 150 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118891944.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA