Lebensdaten
1838 bis 1910
Beruf/Funktion
Theaterdirektor ; Sänger ; Regisseur ; Impresario
Konfession
jüdisch /bis 1860,katholisch,evangelisch/seit 1876
Normdaten
GND: 116956739 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Neumann, Josef (eigentlich)
  • Neumann, Angelo
  • Neumann, Josef (eigentlich)
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Zitierweise

Neumann, Angelo, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116956739.html [18.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Lukas (geboren 1800, jüdisch);
    M Theresia Kornfeld (geboren 1809, jüdisch), beide aus Stampffen (Stupava, Slowakei);
    1) Paula v. Mihalovic od. v. Mikulics, 2) 1887 Johanna Buska (Busca) (1847 oder 1848-1922), aus Königsberg, Hofschausp., Mitgl. d. Wiener Hofburgtheaters (s. Eisenberg), Wwe d. Nikolaus Casimir Gf. Török de Szendrö (1812–84), Gen.major, Wachtmstr. d. ungar. adeligen Leibgarde (beide s. Wurzbach 45);
    1 S aus 1) Karl Eugen (1865–1915), Dr., Philologe, Übers. d. Schrr. Buddhas (s. L), 1 T aus 2) Angela ( Dr. N. N. Gottlieb, Arzt in P.).

  • Leben

    N. nahm Gesangsunterricht bei Therese Stilke-Sessi und gab 1859 sein Bühnendebut. Erste Engagements als Bariton führten ihn nach Krakau, Ödenburg, Preßburg und Danzig, bevor er 1862-76 Mitglied der Wiener Hofoper wurde. Wichtige Impulse für seine spätere Theaterarbeit empfing er von den „Tannhäuser“- und „Lohengrin“-Einstudierungen, die Richard Wagner 1875 in Wien selbst vornahm. Nachdem N. 1876 gemeinsam mit August Förster (1828–89) die Direktion des Stadttheaters in Leipzig übernommen hatte, veranstaltete er dort 1878, zwei Jahre nach den ersten Bayreuther Festspielen, den vollständigen „Ring“-Zyklus. N.s Produktionen der Tetralogie reüssierten 1881 auch in Berlin und 1882 in London. 1882 begründete er ein ‚wanderndes' Richard Wagner-Theater, dem hervorragende Interpreten wie Hedwig Reicher-Kindermann (1853–83) oder Therese (1845–1921) und Heinrich Vogl (1845–1900) angehörten. Mit ihrer Tournee durch Deutschland, Österreich-Ungarn, Belgien, Holland, die Schweiz und Italien 1882/83 leistete die Truppe einen wesentlichen Beitrag zur Verbreitung der Wagnerschen Bühnenwerke. Nach Abschluß dieser Gastspielreise übernahm N. die Direktion des Stadttheaters in Bremen. 1885-1910 war er Direktor des Deutschen Landestheaters in Prag, wo auch seine zweite Frau Johanna Buska als Schauspielerin auftrat. Während dieser Zeit organisierte er 1889 eine letzte Wagnertournee nach St. Petersburg und Moskau, um auch hier den „Ring“ zur Aufführung zu bringen.

    N.s untrügliches Gefühl für künstlerische Qualität und sein besonderes Geschick in geschäftlichen Belangen beschieden seinen risikoreichen Projekten stets Erfolg. Hatte er in Leipzig bereits mit Dirigenten wie Arthur Nikisch und Anton Seidl gearbeitet, so verpflichtete er in Prag u. a. Gustav Mahler, Otto Klemperer, Carl Muck, Leo Blech und Artur Bodanzky. Kennzeichnend für N.s Programmgestaltung waren Opern- und Schauspiel-Zyklen. Das Publikum erlebte zeitgenössische Bühnenwerke in glanzvollen Inszenierungen, darunter Claude Debussys „Pelléas et Mélisande“, Hans Pfitzners „Der arme Heinrich“ und „Die Rose vom Liebesgarten“, Hugo Wolfs „Corregidor“ und Richard Strauss' Jugendwerk „Guntram“. 1904 holte er Enrico Caruso nach Prag, zu den Maifestspielen 1908 lud er ganze Ensembles wie die Dresdner Hofoper, die Komische Oper von Berlin und die Wiener Hofoper ein. Seine Erinnerungen konzentrierte N. ausschließlich auf Wagner. Im „Merker“ publizierte er 1909 weitere autobiographische Mitteilungen, u. a. über seine Begegnung mit Johann Nestroy, in dessen Wiener Carl-Theater er als junger Sänger die Titelrolle in Jacques Offenbachs „Orpheus in der Unterwelt“ hatte übernehmen sollen. Während seiner letzten Lebensjahre sah sich N. mit einer aggressiven Opposition konfrontiert, die auch bei einigen unter den von ihm geförderten Dirigenten der jungen Generation Unterstützung fand. Angesichts der z. T. von Wagner selbst konzedierten Striche, die N. durchführen ließ, wurde ihm von dem Musikschriftsteller Arthur Seidl ein zu freier Umgang mit dem Notentext vorgeworfen; Felix Adler, der als Sprecher der Prager Opponenten in der „Bohemia“ hervortrat, kritisierte dagegen, daß N. als Wagner-Regisseur an der Bayreuther Tradition festhielt. Nach 25jähriger Tätigkeit in Prag beschloß N., sich als Leiter einer „Großen Oper“ in Berlin eine neue Existenz aufzubauen. Die Errichtung des geplanten Gebäudes scheiterte jedoch am Veto der örtlichen Baupolizei.

  • Werke

    Erinnerungen an Richard Wagner, 1907 (P;
    engl. 1908;
    franz. 1908);
    Aus meinem Leben, Theatererinnerungen, I-III, in: Der Merker, Österr. Zs. f. Musik u. Theater, Prager Heft 1909/10.

  • Literatur

    F. Adler, in: Bohemia 83, Nr. 351 v. 21.12.1910;
    ders., in: Die Schaubühne 7, 1911, S. 13 f. (Nachdr. d. Jgg. 1905–18, 1990);
    H. Teweles, in: Neue Freie Presse, Abendbl. v. 21.12.1910, S. 3 f.;
    ders., Theater u. Publikum, 1927 (P);
    (A. Silhan), in: Hudební revue 4, 1911, S. 39 f.;
    A. Seidl, A. N., d. Wagner-„Freund“! Zum Thema: „Striche in Wagners Werken“ (1909), in: ders., Neue Wagneriana II, 1914, S. 210-19;
    Friedrich Schulze, Hundert J. Leipziger Stadttheater, Ein geschichtl. Rückblick, 1917;
    R. Rosenheim, Die Gesch. d. dt. Bühnen in Prag 1883-1918, mit e. Rückblick 1783-1883, 1938 (P);
    N. O. Scarpi, A. N., Ein Vorkämpfer Wagners, in: Die Tat 17, Nr. 151 v. 5.6.1952, S. 6;
    K. Geitel, A. N.s „Wanderndes Richard Wagner-Theater“, in: Theater u. Zeit 12, 1964/65, Nr. 2, S. 21-27;
    P. Heyworth, Otto Klemperer, Dirigent d. Rep. 1885-1933, 1988 (P);
    J. Ludvová, Osobnosti Nového ě nemeckého divadla - A. N., in: Hudební rozhledy XLV, 1992, H. 4, S. 181-83 (mit engl. Zusammenfassung, P);
    dies., Betty Franková, pražská přítelkyně Gustava Mahlera/Betty Frank, Gustav Mahlers Prager Freundin, in: Gustav Mahler u. Prag, 1996, S. 11-38 (tschech.) u. 43-78 (dt.);
    Riemann mit Erg.bd.;
    Kosch, Theater-Lex.;
    Biogr. Lex. Böhmen;
    ÖBL. – Zu Karl Eugen: H. Hecker, K. E. N., Erstübers. d. Reden d. Buddha, Anreger zu abendländ. Spiritualität, 1986 (W, L, P).

  • Autor/in

    Christa Jost
  • Empfohlene Zitierweise

    Jost, Christa, "Neumann, Angelo" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 139-140 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116956739.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA