Lebensdaten
1896 bis 1961
Geburtsort
Charkow (Rußland)
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Schriftsteller ; Journalist
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 11672949X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Herman, Lazar
  • Lania, Leo
  • Herman, Lazar
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Zitierweise

Lania, Leo, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11672949X.html [12.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Friedrich Salomon. Herman (1860–1903), Arzt in Ch., S d. Kaufm. Lazar Herman in Ch.;
    M Myra (1871–1930), T d. Abraham Mintz u. d. Mirjam Agathe Bornstein aus Eisenstadt;
    Stief-V Julius Klaber (* 1872), Maler (s. ThB);
    - Maria Lutz ( 1975);
    1 S.

  • Leben

    L. übersiedelte nach dem Tod seines Vaters mit Mutter und Bruder nach Wien, wo er, im Anschluß an das Untergymnasium, die Handelsakademie besuchte. Seit 1915 arbeitete er unter dem Pseudonym Lania an der Wiener „Arbeiter-Zeitung“ mit. Im selben Jahr meldete er sich als „Staatenloser“ zum Kriegsdienst und nahm zuerst an der russ. Front (1916), dann an der italienischen (1917) am Weltkrieg teil. Er war seit 1919 Mitglied der KPÖ und Redakteur der „Roten Fahne“. Nach dem Ausschluß von Paul Levi 1921 brach er mit der Partei und übersiedelte nach Berlin, wo er die „Internationale Telegraphenagentur“ (Intel) gründete. 1923 interviewte er, als ital. Faschist getarnt, Hitler und wurde Mitarbeiter im Berliner Büro der „Chicago Daily News“. In den Reportagen „Die Totengräber Deutschlands“ (1923) und „Gewehre auf Reisen“ (1924) warnte er vor den Gefahren des Nationalsozialismus und der heimlichen Wiederaufrüstung|Deutschlands. Daraufhin wurde er wegen Landesverrats angeklagt. Die Folge dieses Vorgangs war die Verabschiedung einer „Lex Lania“ zum Schutz journalistischer Berufsgeheimnisse im Reichstag. 1926 war L. Redakteur des „Börsen-Couriers“, danach freier Journalist und Schriftsteller. Er verfaßte Beiträge für die Zeitschriften „Die Weltbühne“ und „Das Tagebuch“; als Autor von Theaterstücken arbeitete er mit Erwin Piscator, Fritz Kortner und Max Reinhardt zusammen. Auf Wunsch von Bertolt Brecht und zusammen mit C. W. Pabst beteiligte er sich an der ersten Filmfassung der „Dreigroschenoper“. Nach einer Reise durch die UdSSR zog er 1932 nach Wien. 1933 ging er nach Paris und wurde Mitarbeiter an der „Pariser Tageszeitung“ und dem „Pariser Tagblatt“. Er arbeitete für französ. und englische Filmproduktionen. Bei Kriegsausbruch interniert, wurde er nach vier Monaten auf Grund eines US-Visums freigelassen. Nach einer erneuten Verhaftung im Anschluß an die Kapitulation Frankreichs gelang ihm die Flucht nach Südfrankreich, von wo er im Sommer 1941 mit der Familie über Spanien in die USA emigrierte. Seine Erlebnisse während dieser Zeit veröffentlichte er in „The Darkest Hour“ (1941), ein Buch, das seine literarische und journalistische Laufbahn in den USA begründete. Seit 1942 war L. Mitarbeiter im „Office of War Information“ und Mitglied des „Joint Distribution Committee“, das sich mit den Problemen europäischer Flüchtlinge befaßte. Zu dieser Zeit erwarb er auch die amerikanische Staatsbürgerschaft. Nach Kriegsende war er Korrespondent europ. Zeitungen und amerikan. Zeitschriften. Daneben unternahm er Vortragsreisen in den USA und Deutschland, arbeitete für den „United Jewish Appeal“, veröffentlichte einen Roman über die letzten Stunden von Jan Masaryk, „The Foreign Minister“ (1956, dt.: 1960), sowie biographische Werke. Zuletzt arbeitete er an einem Roman mit dem Titel „The Generals“.

  • Werke

    Weitere W u. a. Reportagen u. Berr.: Das Urteil im Hitlerprozeß, 1924;
    Gruben, Gräber, Dividenden, 1925;
    Der Hitler-Ludendorff-Prozeß, 1925;
    Der Sowjetbürger privat, 1937. -
    Komödien: Friedenskonferenz, 1926;
    Konjunktur, 1927. -
    Dramen: Emigranten, 1928;
    Gott, König, Vaterland, 1930. -
    Romane: Der Tanz ins Dunkel, Anita Berber, 1929;
    Land of Promise, 1934 (dt.: Land im Zwielicht, 1950);
    Pilgrims without Shrine, 1935;
    M(artin) B(renner) od. d. ungehörte Melodie, 1948. - Weitere Schrr.:
    Today we are Brothers, 1942 (Autobiogr., dt.: Welt im Umbruch, 1953);
    The Nine Lives of Europe, 1950;
    Willy Brandt, Mein Weg nach Berlin, aufgezeichnet v. L. L., 1960;
    Hemmingway, Eine Bildbiogr., 1960. |

  • Nachlaß

    Nachlaß: University of Wisconsin, Archiv d. Univ.bibl., Madison, USA.

  • Literatur

    E. Piscator, Das pol. Theater, 2 Bde., 1929;
    F. Trommler, Sozialist. Lit. in Dtld., 1976;
    J. Knopf, Brecht-Hdb., 1980;
    Kosch, Lit.-Lex.;
    Austrian Writers in the United States 1938–68, New York, 1968, S. 13 (W-Verz.);
    W. Sternfeld u. E. Tiedemann, Dt. Exillit. 1933–45, Eine Bio-Bibliogr., 21970;
    Kürschner, Lit.-Kal., Nekr. 1936–70.

  • Portraits

    Phot. in: Das Progr. d. Piscatorbühne, Nr. 1, Okt. 1927, S. 4.

  • Autor/in

    Hanno Hardt
  • Empfohlene Zitierweise

    Hardt, Hanno, "Lania, Leo" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 615 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11672949X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA