Lebensdaten
1903 bis 1991
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Montreux (Kanton Waadt)
Beruf/Funktion
Librettist ; Textdichter ; Kabarettist ; Drehbuchautor
Konfession
-
Normdaten
GND: 11672000X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Franzke, Günther (eigentlich)
  • Schwenn, Günther (Pseudonym)
  • schwenn, günther
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Zitierweise

Schwenn, Günther (Pseudonym), Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11672000X.html [11.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Natürl. V Eduard Franzke, Kaffeegroßhändler;
    M Louise S.;
    ⚭ Erika Lanz, Schausp., Schriftst., Sängerin, Verw. v. S.s Nachlaß u. d. Rechte (s. W).

  • Leben

    S. arbeitete nach dem Abitur am Humboldt-Gymnasium in Berlin zunächst als Journalist und studierte dann Literatur- und Kunstgeschichte in Freiburg (Br.). Zurück in Berlin, schrieb er Kabarettnummern für Rosa Valettis „Larifari“ und trat mit eigenen Versen im Kabarett „Küka“, dem Künstlerkaffee, auf. Hier betätigte er sich nach eigener Aussage bald als „Direktor, Klavierspieler, Texter und Rausschmeißer in Personalunion“. Nach der Schließung des Küka wurde er Mitglied des politisch-satirischen Kabaretts „Die Wespen“, das in wechselnder Besetzung (u. a. Annemarie Hase, Erich Weinert, Resi Langer u. Karl Schnog) vornehmlich in Berliner Arbeiterkneipen gastierte. 1931 veröffentlichte er unter dem Titel „Gesänge gegen bar“ seine Kabarett-Chansons und Gedichte in einem von George Grosz illustrierten Band; für Heinrich Mann (1871–1950) besaßen diese Verse „Ton mit durchklingender Schwermut“. Daneben schrieb S. unter einem Pseudonym, für das er den Mädchennamen seiner Mutter übernahm, erste Schlagertexte und stieg auch ins Filmgeschäft ein. Gemeinsam mit Peter Schaeffers (1911–70), dem Sohn des Kabarettisten Willi Schaeffers (1884–1962), führte er Regie bei mehreren musikalischen Kurzfilmen mit Kabarettdarbietungen von Fritz Grünbaum (1880–1941), Paul Morgan (1886–1938), Senta Söneland (1882–1934) und den Comedian Harmonists (Das Publikum singt mit, Kreuzworträtsel, Liebe im Strandkorb, Der Durchschnittsmann, alle 1931). Seit 1933 textete er regelmäßig Filmschlager zu Kompositionen von Will Meisel (1897–1967), Peter Kreuder (1905–81), Friedrich Schröder (1910–72) u. a. 1934 begann S.s Tätigkeit als Hausdichter des Berliner Metropoltheaters, in dem bis 1943 pro Jahr mindestens eine Operette zur Uraufführung kam. Zusammen mit Metropol-Chef Heinz Hentschke (1895–1970) entwickelte S. die Libretti und lieferte sämtliche Liedtexte; als Komponisten waren Fred Raymond (1900–54), Ludwig Schmidseder (1904–71), Josef Rixner (1902–73), Theo Mackeben (1897–1953), Friedrich Schröder und Will Meisel tätig. Nach dem 2. Weltkrieg konnte S. seine Arbeit als Liedtexter für Film, Funk, Bühne und Schallplatte unvermindert fortsetzen; mühelos bewältigte er den Wechsel von der Operette zum Musical.

    S. gilt unter den Gebrauchslyrikern der dt. Unterhaltungsbranche als einer der vielseitigsten und kreativsten: Er schrieb die Texte zu mehr als sechzig Bühnenwerken und über hundert Spielfilmen, verfaßte mehr als tausend Lieder und Chansons. Viele seiner Schlager erwiesen sich als Evergreens, die die Jahrzehnte überdauerten. – 1976 gehörte S. zu den Zustiftern der GEMA-Stiftung in München.

  • Auszeichnungen

    Ehrenring (1977) u. Ehrenmitgl. (1982) d. GEMA; Goldene Nadel d. Dramatiker-Union (1978); Paul Lincke-Ring d. Stadt Goslar (1979); Goldene Feder d. Textdichterverbandes (1983); Richard Strauss-Medaille (1983).

  • Werke

    ein krit. Gesamtverz. liegt bisher nicht vor;
    Texte zu Komödien, Kabarett-Revuen: Alles für die Frau (Lustspiel in drei Akten, Co-Text: Th. Halton), 1935;
    Guten Abend, liebes Publikum (Kabarett-Revue, Co-T: H. F. Beckmann;
    Musik: E. Bootz, P. Igelhoff), 1938;
    Wedding Mary (Co-T: Erika Lanz;
    M: P. Kreuder);
    Liedtexte zu Operetten u. Musicals, u. a.: Maske in Blau (M: F. Raymond), 1937;
    Der arme Jonathan (M: J. Rixner, K. Millöcker), 1939;
    Hochzeitsnacht im Paradies (M: F. Schröder), 1942;
    Der goldene Käfig (M: Th. Mackeben), 1943;
    Fanny Hill (M: P. Kuhn), 1972;
    Das Wirtshaus im Spessart (M: F. Grothe), 1977;
    Wie wird man Minister (M: P. Kreuder), 1980;
    Liedtexte zu Spielfilmen:
    Kora Terry, 1940;
    Hochzeit auf Bärenhof, 1942;
    Altes Herz wird wieder jung, 1943;
    Pünktchen u. Anton, 1953;
    Die Rose v. Stambul, 1953;
    Lieder, Chan-sons, Songs:
    Ach, du liebe Zeit (Co-T: M. Freytag, M: P. Igelhoff);
    Die Juliska aus Budapest (M: F. Raymond);
    Durst ist schlimmer als Heimweh (Co-T: A. v. Pinelli, M: H. Gaze);
    Egon (Co-T: A. v. Pinelli, M: H. Gaze);
    Ein Glück, das man sich so verlieben kann (M: F. Schröder);
    Es kommt auf d. Sekunde an (M: F. Schröder);
    Für e. Nacht voller Seligkeit (M: P. Kreuder);
    Heimweh nach dem Kurfürstendamm (Co-T: B. Kamp, M: B. Kamp);
    Ich pfeif heut nacht vor deinem Fenster (Co-T: G. Pfrötzschner, M: B. E. Huber, H. Weiß);
    Ich spiel mit dir (M: F. Schröder);
    Ich trink d. Wein nicht gern allein (M: L. Schmidseder);
    Im Gegenteil (M: F. Raymond);
    Im Leben geht alles vorüber (Co-T: P. Schaeffers, M: P. Kreuder);
    Ja, das Temp'rament (M: F. Raymond);
    Kinder, wie d. Zeit vergeht (Co-T: P. Schaeffers, M: F. Schröder);
    Komm doch in meine Arme (M: L. Schmidseder);
    Komm mit mir nach Tahiti (M: F. Schröder);
    Möwe, du fliegst in d. Heimat (M: G. Winkler);
    Schau e. schönen Frau nie zu tief in d. Augen (M: F. Raymond);
    Schnaps, das war sein letztes Wort (M: H. Gaze);
    Schön ist jeder Tag, den du mir schenkst, Marie Luise (Co-T: W. Meisel, M: W. Meisel);
    So stell ich mir d. Liebe vor (M: F. Schröder);
    Unter d. roten Laterne v. St. Pauli (Co-T: P. Schaeffers, M: R. M. Siegel);
    Wenn d. Sonne hinter d. Dächern versinkt (M: P. Kreuder);
    Wenn ich e. Schlangenbeschwörer wär (Co-T: G. Pfrötzschner, M: H. Weiß);
    Wer sich d. Welt mit e. Donnerschlag erobern will (M: F. Raymond);
    Wir wollen Freunde sein fürs ganze Leben (Co-T: P. Schaeffers, M: W. Meisel);
    – ausführl. W-Verz. im Archiv d. Vf. u. d. NDB-Red.;
    Schr.:
    Zwischen sämtlichen Musen, Espresso-Elegien, ill. v. B. Bachem, 1964;
    Fernseh-Interview mit Volker Kühn, 1986.

  • Literatur

    eine wiss. Monogr. liegt bisher nicht vor;
    Nachruf in: FAZ v. 7. 1. 1991;
    Heimweh nach dem Kurfürstendamm . . . – Zum Tode v. G. S., in: Gema-Nachrr., 1991;
    Der Text muß sich natürlich reimen in dieser ungereimten Welt . . . , G. S. z. 100. Geb.tag, ebd., 2003;
    G. S., eine Legende, ebd., 2005;
    A. Port LeRoi, Schlager lügen nicht, Dt. Schlager u. Politik in ihrer Zeit, 1998;
    Wi. 1989;
    Kosch, Theater-Lex.;
    Kosch, Lit.-Lex.3.

  • Portraits

    Foto u. Federzeichnung v. F. Ahrlé (Archiv Volker Kühn, Berlin).

  • Autor/in

    Volker Kühn
  • Empfohlene Zitierweise

    Kühn, Volker, "Schwenn, Günther/Pseudonym" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 69-70 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11672000X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA