Lebensdaten
1886 bis 1938
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Konzentrationslager Buchenwald
Beruf/Funktion
Schauspieler ; Kabarettist ; Schriftsteller
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119368110 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Morgenstern, Paul (bis 1911)
  • Morgan, Paul
  • Morgenstern, Paul (bis 1911)
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Zitierweise

Morgan, Paul, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119368110.html [13.12.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Gustav Morgenstern (1855–1922, isr., später kath.) aus Budapest, Hof- u. Ger.advokat, Schriftst. in W. (s. L);
    M Klementine Frankl (1867–1912?) aus W.; Ur-Om Ludwig August Frankl Rr. v. Hochwart (1810–94), Schriftst. u. Philanthrop (s. ADB 48; NDB V*; ÖBL);
    Om Lothar Frankl Rr. v. Hochwart (1862–1914), Neurologe (s. NDB V);
    B Heinrich Morgenstern (* 1893), Dr. iur. (s. L), Ernest Morgan (Ernst Morgenstern) (1902–57), Schausp., Maler u. Journalist, seit 1943 in d. USA;
    1917 Josa (Josephine) Ruffner (* 1898) aus W., Schausp. u. Schriftst., T d. N. N. Lederer; kinderlos.

  • Leben

    M. wurde mehrmals des Gymnasiums verwiesen, schaffte schließlich die Matura und erhielt seit 1906 eine Ausbildung als Schauspieler an der „K. u. K. Akademie für darstellende Kunst“ bei Ferdinand Gregori in Wien. 1908-12 war er engagiert am „Theater in der Josefstadt“ unter Josef Jarno. Nach seinen Vorstellungen trat er an der „Neuen Wiener Bühne“ und im Kabarett „Simplicissimus“ als Conférencier auf. 1912-18 wurde er als Charakterspieler nach München und Czernowitz verpflichtet. 1918 ging er nach Berlin', spielte einige Zeit am Lessing-Theater unter Victor Barnowsky und konferierte nach Theaterschluß unter dem Pseudonym „Paul Stephan“ am „Nelson-Theater“. In dieser Zeit wirkte er auch in verschiedenen Stummfilmen mit. Danach übernahm er Komikerrollen in den Berliner Revuen von Hermann Haller („Admiralspalast“) und Erik Charell („Großes Schauspielhaus“). M. galt als der witzigste Schauspieler im Berlin der 20er Jahre, kultiviert, eloquent, geistvoll und belesen. Am 1.12.1924 eröffnete er zusammen mit Kurt Robitschek, mit dem er schon früher im „Charlott-Kasino“ die Doppelconférence eingeführt hatte, und Max Hansen in dem von Robitschek übernommenen Kabarett „Rakete“ das „Kabarett der Komiker“ („Kadeko“). Hier spielte er gemeinsam mit den Genannten sowie mit Max Adalbert (Paradenummer: „Das Meisterquartett“) und trat besonders in der Hitler-Parodie „Quo vadis“ (September 1926) und mit der Bühnenfassung von Egon Erwin Kischs „Der Fall des Generalstabchefs Redl“, einer dramatischen Reportage gegen Militarismus, Krieg und Nationalsozialismus (November 1930) hervor. In vielen anderen Kabaretts und Varietés, u. a. im „Alt Bayern“ und im „Wintergarten“, übernahm M. die Conférence. Er war eng befreundet mit Gustav Stresemann, veröffentlichte amüsante Anekdotensammlungen und 1926-32 rund 30 Schallplatten. 1930 gründete er gemeinsam mit Max Hansen und Carl Jöken die Filmfirma „Trio-Film GmbH“ und arbeitete als Schauspieler 1930/31 ein Jahr für den Film in Hollywood, kehrte aber kurzzeitig wieder nach Berlin zurück. 1933 emigrierte er über Zürich nach Wien, trat dort im November 1933 in den von Robitschek übernommenen „Kammerspielen“ in einer Variante der Kabarettrevue „Rufen sie Herrn Plim“ auf und konferierte in Trude Kolmans Kabarett im „Grand Hotel“ und im „Fiaker“. Als Autor schrieb er zusammen mit Adolf Schütz das von Ralph Benatzky vertonte Lustspiel „Axel vor der Himmelstür“, in dem Zarah Leander entdeckt wurde. Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in Österreich im März 1938 erfolgte seine Verhaftung durch die Gestapo. Man deportierte ihn zuerst nach Dachau, im Mai 1938 nach Buchenwald, wo er im Dezember an Lungenentzündung und an den Folgen medizinischer Experimente starb.

  • Werke

    Von d. Schmuse geküßt, 1916;
    Mein Onkel u. andere Beschwerden, 1917;
    Mein Onkel Siegmund u. andere Familienschwächen, 1917;
    Die einsame Träne – Das Buch d. guten Witze, 1924 (hrsg. mit K. Robitschek);
    Heulen u. Zähneklappern – Das Buch d. faulen Witze, 1927 (hrsg. mit M. Ehrlich);
    Pillen, Krach u. Karokönig, 1927;
    Stiefkind d. Grazien – Tagebuch e. Spaßmachers, 1928;
    Promin-Enten-Teich – Abenteuer u. Erlebnisse mit Stars, Sternchen u. allerlei Gelichter, 1934. – Diskographie v. R. Hippen (Stiftung Dt. Kabarett Archiv, Mainz).

  • Literatur

    H. Greul, Bretter, die d. Welt bedeuten – Die Kulturgesch. d. Kabaretts, 1967;
    R. Hösch, Kabarett v. gestern, I, 1900-1933, 1967;
    K. Budzinski, Die Muse mit d. scharfen Zunge – Vom Cabaret z. Kabarett, 1982;
    ders., Das Kabarett, 1985;
    W. Jansen, Glanzrevuen d. zwanziger J., 1987;
    R. Hippen, Es liegt in d. Luft – Kabarett im Dritten Reich, 1988;
    U. Liebe, Verehrt, verfolgt, vergessen – Schausp. als Naziopfer, 1992 (P);
    BHdE II;
    Kosch, Lit.-Lex.3. – Zu Gustav: Biogrr. d. Wiener Künstler u. Schriftst., hrsg. v. H. C. Kosel, 1902. - Zu Heinrich:
    Das Jb. d. Wiener Ges., hrsg. v. F. Planer, 1929.

  • Autor/in

    Reinhard Hippen
  • Empfohlene Zitierweise

    Hippen, Reinhard, "Morgan, Paul" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 102 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119368110.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA