Lebensdaten
1897 bis 1975
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Regisseur
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116665483 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lamprecht, Gerhard
  • Torius, Hanns
  • Torius, Hans

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Zitierweise

Lamprecht, Gerhard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116665483.html [13.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Hans (1856-n. 1936), Pfarrer in B., S d. Kaufm. Anton Paul in B. u. d. Ottilie Wilhelmine Präger;
    M Eugenie, T d. Komm.rats Bärensprung in B.;
    1923 Elisabeth Donath.

  • Leben

    L. hatte schon in seiner Jugend Kontakte zum Kino und schrieb bereits mit 16 Jahren sein erstes Filmmanuskript, welches auch angenommen wurde. Nach dem Abitur studierte er Kunstgeschichte und Theaterwissenschaft in Berlin und nahm daneben Unterricht bei dem Schauspieler Paul Bildt. 1916 wurde er als Dramaturg bei der Oskar-Messter-Film-Produktion verpflichtet, aber schon kurz danach zum Kriegsdienst eingezogen. Nach einer Verwundung begann er im Lazarett mit dem Schreiben von Filmmanuskripten. Seine erste Filmregie übernahm er für den Schauspieler Paul Heidemann. Anschließend drehte er für seine eigene Produktion eine Anzahl erfolgreicher Lustspiel- und Abenteuerfilme. Von seinen Filmen aus der Stummfilmzeit sind u. a. zu nennen die zweiteilige Verfilmung der „Buddenbrooks“ (1923), der ersten eines Werkes von Thomas Mann, „Die Verrufenen“ (1925), eine Studie über das Leben in den Berliner Elendsvierteln nach Beobachtungen und Zeichnungen von Heinrich Zille und „Der Katzensteg“ (1927) nach dem Roman von Hermann Sudermann. Sein bekanntester Film war „Emil und die Detektive“ (1931) nach Erich Kästners Jugendbuch. Dieser Film wurde auch ein internationaler Erfolg; er erzielte lange Laufzeiten in New York, London und lief in Paris ein Jahr lang. In der Zeit nach 1933 drehte L. Unterhaltungsfilme: „Spione am Werk“ (1933), „Madame Bovary“ (1937) und „Diesel“ (1942). Seine Verfilmung der Dostojewski-Novelle „Der Spieler“ (1938) wurde drei Tage nach der Berliner Premiere verboten. Nach 1945 arbeitete L. zunächst für die von der sowjet. Besatzungsmacht lizenzierte DEFA. Er drehte den Film „Irgendwo in Berlin“ (1946), der im zerstörten Berlin der Nachkriegszeit spielt und dem Genre der „Trümmerfilme“ zuzurechnen ist. Danach entstand eine Reihe von Romanverfilmungen, die filmkünstlerisch nicht mehr von Belang waren, und der Industriefilm „Menschen am Werk“ (1957), für den er den Großen Preis des Industrie-Festivals von Turin erhielt.

    Im Zusammenhang mit seiner Filmarbeit trug L. eine umfangreiche Sammlung von kinotechnischem Gerät, Photos, Texten, Plakaten und Filmen zusammen, die 1962 von der Stadt Berlin erworben wurde. Sie bildete den Grundstock der Deutschen Kinemathek (später Stiftung Deutsche Kinemathek), zu deren erstem Direktor L. berufen wurde. 1966 legte er wegen eines chronischen Herzleidens die Geschäfte nieder, blieb aber der Sammlung beratend verbunden. Ein bleibendes Verdienst hat sich L. durch den Gesamtkatalog der deutschen Stummfilme erworben, in dem die Produktion der Jahre 1903 bis 1931 detailliert verzeichnet ist.

  • Werke

    Filme (Drehbücher): Die Gesch. seiner Schuld (Film-Ms.), 1914;
    Der Weltspiegel (Film-Ms., mit Lupu Pick), 1918;
    Er bleibt in d. Familie (Drehbuch, Regie), 1920. -
    Regie: Die Andere, 1924;
    Menschen untereinander, 1926;
    Die Unehelichen, 1926;
    Der Alte Fritz, 1928;
    Der Mann mit d. Laubfrosch, 1929;
    Ein gewisser Herr Gran, 1933;
    Barcarole, 1935;
    Die Brüder Noltenius, 1945;
    Madonna in Ketten, 1949;
    Quartett zu Fünft, 1949;
    Meines Vaters Pferde, 1953;
    Der Engel mit d. Flammenschwert, 1954;
    Oberwachtmeister Borck, 1955. -
    Dt. Stummfilme, 11 Bde., 1967-70.

  • Literatur

    A. Bauer, Dt. Spielfilmalm. 1929–50, 1950 (Verz. d. Filme);
    P. Pleyer, Dt. Nachkriegsfilm 1946–48, 1965;
    Das Kino u. Thomas Mann, Eine Dokumentation, 1975;
    Buchers Enz. d. Films, 1977;
    C. Riess, Das gab's nur einmal, Die gr. Zeit d. dt. Films, 5 Bde., 1977. -
    Materialien d. Stiftung Dt. Kinemathek, Berlin (West).

  • Autor/in

    Harro Kieser
  • Empfohlene Zitierweise

    Kieser, Harro, "Lamprecht, Gerhard" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 467 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116665483.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA