Lebensdaten
1800 bis 1858
Geburtsort
Rentweinsdorf
Sterbeort
Buchwald (Schlesien)
Beruf/Funktion
Politiker ; Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 11663720X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Rotenhan, Hermann Ernst Freiherr von
  • Rotenhan, Hermann Freiherr von
  • Rotenhan, Hermann Ernst Freiherr von
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Zitierweise

Rotenhan, Hermann Freiherr von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11663720X.html [18.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Sigmund (1761–1826, Frhr. 1771, bayer. Anerkennung 1818), auf R. u. Eyrichshof, bayer., preuß. u. ghzgl. hess. Kammerherr. S d. Johann Friedrich (1713–76), auf R. u. Eyrichshof, Gen.dir. d. Reichsritterschaft, ksl. wirkl. Rat (s. Einl.), u. d. Wilhelmine Freiin v. Seckendorff (1728–80);
    M Antoinette (1774–1806), T d. Ernst Frhr. v. Lenthe (1744–1814), großbrit. u. hann. Staats- u. Konferenzmin. (s. NDB VII*), u. d. Sophia v. Hasberg (1757–1835, 2] Carl August Fürst v. Hardenberg, 1750–1822, s. NDB VII);
    Stief-M (seit 1810) Luise (1784–1859), T d. Heinrich Dietrich v. Grolman (1740–1840, preuß. Adel 1786), preuß. WGR. Präs. d. Geh. Obertribunals. Mitgl. d. Staatsrat (s. NDB VII*; W. Schulte, Westfäl. Köpfe, 1963);
    B Julius (1805–82), Jur., 1838 Landrichter u. Badekommissär in Kissingen, 1841 Reg.rat in Ansbach, 1847-58 Reg.dir. u. Vorstand d. prot. Konsistoriums in Bayreuth, infolge v. pol. Differenzen aus d. bayer. Staatsdienst ausgeschieden, 1858-61 bayer. LT-Abg., 1849 Dr. iur. h. c., bayer. Kammerherr (s. Biogr. Lex. Burschenschaft);
    Schw Mathilde (1812–78, Julius v. Minutoli, 1805–60, 1847/48 Polizeipräs, in Berlin, preuß. Gen.konsul f. Spanien u. Portugal, s. NDB 17);
    Neuenhof (Thür.) 1830 Marie Karoline (Marline) (1809–78), T d. Georg Riedesel Frhr. zu Eisenbach (1785–1854) auf Neuenhof, ghzgl. sächs. Landmarschall, u. d. Caroline Riedesel Freiin zu Eisenbach;
    5 S u. a. Gottfried (1838–1915), Majoratsherr auf Rentweinsdorf, bayer. Kammerherr u. Lt., Hermann (1841–93), Fideikommißherr auf Buchwald, preuß. Rittmeister, 4 T.

  • Leben

    R. besuchte nach dem Hausunterricht Gymnasien in Gotha und Berlin, wo er mit den Gedanken Friedrich Ludwig Jahns (1778–1852) bekannt wurde, dessen Idealen er auch als Burschenschaftler während seines Rechtsstudiums 1818-22 in Erlangen, Berlin und Würzburg treu blieb. An das Examen in Würzburg schlossen sich ein Aufenthalt in Göttingen, eine Kavalierstour durch Tirol und die Schweiz sowie eine Tätigkeit am Landgericht München an. Nach dem Tod des Vaters übernahm R. die Gutsverwaltung, die er in patriarchalischem Stil führte.

    1831-48 und 1855/56 gehörte R. der Abgeordnetenkammer der Ständeversammlung an (1845 u. 1847 Präs.). Seine standespolitische Einstellung formulierte er in einem Gutachten für den Kronprinzen Maximilian, worin er dem Adel im modernen Staat eine mäßigende und vermittelnde Rolle zuschrieb. Als Abgeordneter verschaffte sich R. durch besonnenes Abwägen und rechtlich fundierte Stellungnahmen Respekt auch bei seinen Gegnern, zu denen oft der König zählte. R. stützte mit seiner Autorität in konstruktiver Weise die liberale Opposition gegen die autokratische Regierungsweise des Königs und des Innenministers Abel. So trat er z. B. für einen verstärkten Straßenbau zur Förderung von Handel und Gewerbe ein und bekämpfte den Sparkurs Kg. Ludwigs I. bei den allgemeinen Staatsausgaben. Als führender Repräsentant des fränk. Protestantismus verfocht er zusammen mit Carl Gf. Giech (1795–1863) und Adolf v. Harleß (1806–79) in den Auseinandersetzungen um den „Kniebeugeerlaß“ (1838) die Interessen der prot. Bevölkerung Bayerns. Sein größter Erfolg war wohl die Festschreibung der unbeschränkten Budgethoheit der Ständeversammlung 1843. Im März 1848 wurde er, als überparteilich anerkannt, die politische Vertrauensperson Kg. Ludwigs I., dem er die Abdankung als Ausweg aus der Krise aufzeigte. Dagegen scheiterte sein Kompromißvorschlags als Abgeordneter in der Frankfurter Nationalversammlung 1848/49 (Mitgl. d. Reichsverweserdeputation, 1. Vors. d. Finanzausschusses, Mitgl. d. Ausschusses f. d. Reichsvfg.), die Position des Reichsvorstands zwischen Preußen und Österreich alternieren zu lassen. Gesundheitlich geschwächt, zog sich R. danach zunehmend aus dem öffentlichen Leben zurück. – bayer. Kämmerer (1824); Major d. Landwehr (vor 1838); Ehrenritter d. preuß. Johanniterordens (1838); Ritterkreuz d. Verdienstordens d. bayer. Krone (1844).

  • Werke

    Ansichten üb. d. Adel in bes. Beziehung auf Bayern, 1845. Ms., 372 S. u. Beill., Bibl. Schloß Rentweinsdorf;
    |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Fam.archiv Schloß Rentweinsdorf.

  • Literatur

    Darst. einiger Resultate d. Antheils-Wirtschaften a. d. Gütern d. Freiherren v. Rotenhan zu Markt Rentweinsdorf, in: Wbl. d. landwirtsch. Ver. i. Bayern 18, 1827/28, S. 353 f.;
    F. I. Frommann, H. Frhr. v. R., Ein Lb., 1882;
    W. Uhde, H. Frhr. v. R., Eine pol. Biogr., 1933;
    M. Spindler, Hdb. d. Bayer. Gesch. IV/I, 1974, 22003;
    H. Gollwitzer, Ludwig I. v. Bayern, 1986;
    D. Götschmann, Bayer. Parlamentarismus im Vormärz, Die Ständeverslg. d. Kgr. Bayern 1819-1848, 2002;
    Biogr. Hdb. Frankfurter NV; Biogr. Lex. Burschenschaft (P);.|

  • Quellen

    Qu Verhh. d. Kammer d. Abg., Stenogr. Prot. u. Beill., 1831-1855; Stenogr. Berr. über d. Verhh. d. dt. Konst. NV zu Frankfurt a. M., 1848-1849.

  • Autor/in

    Otto-Karl Tröger
  • Empfohlene Zitierweise

    Tröger, Otto-Karl, "Rotenhan, Hermann Freiherr von" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 103-104 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11663720X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA