Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Freiherren von
Konfession
katholisch,lutherisch
Normdaten
GND: 118809415 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Rotenhan

Verknüpfungen

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Zitierweise

Rotenhan, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118809415.html [13.10.2019].

CC0

  • Leben

    1229 erscheinen Winther und Wolfram v. Rotenhagen als Bürgen bei einer Jahrtagstiftung im Bamberger Dom. Es wird vermutet, daß sie eines Stammes mit den ebenfalls in und um Rodach begüterten Cunstat-Redwitz sind. 1255 wurde unter dem Vorsitz des Schenken Ludwig v. R. (erw. 1233) ein Schiedsgericht eingesetzt mit dem Auftrag, den Streit um das Erbe der Andechs-Meranier zu schlichten. Die R. besaßen Lehen von den Bischöfen von Bamberg und Würzburg sowie von den Klöstern Langheim und Banz. Die namengebende Burg hatte wohl nur etwa 100 Jahre Bestand und wurde von dem Würzburger Bischof Wolfram v. Grumbach (reg. 1322-33) eingenommen und geschleift, weil Wolfram dem Hochstift seine Gefolgschaft als Lehensträger verweigert hatte. Unter dessen Söhnen teilte sich das Geschlecht in vier nach den Hauptsitzen benannte Linien: die Rentweinsdorfer-Ebelsbacher ( 1501), die Eyrichshof-Fischbacher ( 1562), die Schenkenau-Untermerzbacher ( 1868) und die bis heute bestehende Rentweinsdorfer Linie. Überwiegend auf würzburg. Territorium ansässig, standen die R. vorrangig in bamberg. und würzburg., später vereinzelt auch in kurbrandenburg., kurpfälz., hzgl.-coburg. und schließlich auch in preuß. Diensten. Anton (um 1390–1459, s. Fränk. Lb. I; Gatz III) wurde zum Bischof von Bamberg (reg. 1431-59) gewählt. In seiner Amtszeit fand der sog. „Immunitätenstreit“ 1440 ein Ende. Sebastian (1478–1532, s. L), der bekannteste R., war als Dr. iur. utr. zunächst Kammergerichtsassessor in Speyer, dann kurmainz. Geh. Rat, fürstbfl.-würzburg. Rat und Hofmeister und schließlich ksl. Rat. Während seiner weiten Reisen durch Westeuropa und in das Hl. Land, worüber er in Rentweinsdorf einen Bericht verfaßte, wurde er 1514 in Jerusalem in den Orden vom Hl. Grab aufgenommen und durch Ks. Karl V. zum „eques auratus“ ernannt. Außerordentlich sprachbegabt, befaßte er sich mit Kosmographie, Topographie, Mathematik und Kriegswissenschaft. Seit seiner Studienzeit stand Sebastian in Kontakt mit Humanisten wie Aventin, Capito, Ulrich v. Hutten und Apian. Er edierte die Werke Reginos von Prüm, wofür er 1521 ein ksl. Privileg zum Schutz vor Raubdrucken erwirkte. Wohl 1528 begann er mit einer systematischen Landesaufnahme des Fränkischen Kreises, worauf postum 1533 die erste Landkarte Frankens gedruckt wurde.

    Das „Territorium“, in dem die R. verschiedene Rechte kumulierten, erstreckte sich von Rodach bis Wachenroth und von Arnstein bis Schonungen. Im Haßbergland, ihrem engeren Herrschaftsgebiet, verdichtete sich ihr Besitz, hier bauten sie ihre Schlösser, stifteten Kirchen, Pfarreien, Schulen und Spitäler, übten die Rechts- und Dorfherrschaft sowie die Kirchen- und Steuerhoheit aus und besaßen die Zehnten sowie die Jagdhoheit. Im 16. Jh. löste sich das Geschlecht aus der bamberg. Dienstmannschaft und wurde im Kt. Baunach der freien Reichsritterschaft inkorporiert. Unterschiedlich war die Haltung zur Reformation. Sebastian und Martin blieben in bfl. Diensten und bei der alten Lehre. Der Ebelsbacher Matthes dagegen trat 1533 zur neuen Lehre über, trennte die Rentweinsdorfer Schloßkirche von Ebern ab und erhob sie zur Pfarrei. Im 30jährigen Krieg schloß sich Adam Hermann ( 1638) dem König Gustav Adolf an und wurde zum schwed.-hzgl.-weimar. Statthalter in Franken ernannt. Johann Friedrich (1713–76) stieg zum Generaldirektor der ganzen dt. Ritterschaft auf. Er begann in Rentweinsdorf nach 1746 mit dem von Johann David Steingruber entworfenen barocken Neubau eines dreiflügeligen Schlosses mit Garten. Mit dem Ende des Alten Reiches 1806 verloren auch die R. ihre adeligen Vorrechte und wurden 1818 in der Freiherrenklasse des bayer. Adels immatrikuliert. Schon die nächste Generation stellte sich dem neuen Staat zur Verfügung. Hermann (1800–58, s. u.) war 1831-43 Mitglied des bayer. Landtags, mehrfach auch Kammerpräsident und gehörte der Frankfurter Nationalversammlung an. Sein Bruder Julius, zu Eyrichshof, war Regierungsdirektor des Obermainkreises.

    Außerhalb Bayerns war Georg (1831–1914, s. DBJ I, Tl.), zu Rentweinsdorf, Präsident des weimar. Landtags, Wolfram (1845–1912, s. BJ 18, Tl.) preuß. Gesandter, Wolfram (1887–1950, s. Rhdb.), 1924-37 Generalsekretär des Dt. Roten Kreuzes (s. Rhdb.). Den Brüdern Hermann und Julius sowie ihren Söhnen gelangen beim Erlöschen mehrerer benachbarter Adelsfamilien erhebliche Grundbesitzerwerbungen. Ein verhältnismäßig kleiner Besitzkomplex lag bei Schenkenau-Untermerzbach. Das im Bauernkrieg 1525 zerstörte Schloß wurde in Untermerzbach wieder aufgebaut. 1774 wurde die Familie mit Johann Karl Alexander in den Reichsgrafenstand erhoben und nannte sich v. Rottenhan; diese Linie ist 1966 erloschen.

  • Literatur

    Julius Frhr. v. Rotenhan, Gesch. d. Fam. R. älterer Linie. 2 Bde., 1865;
    E. Frhr. v. Guttenberg, Territorienbildung am Obermain, 1927, bes. S. 450 ff.;
    Gottfried Frhr. v. Rotenhan, Die R., Geneal. e. fränk. Familie v. 1229 bis z. Dreißigjährigen Krieg, 1985;
    H. Maierhöfer, Anton v. R., in: Fränk. Lb. I, 1966, S. 46-71;
    I. Maierhöfer, Sebastian v. R., ebd., S. 113-40;
    Siegfried Frhr. v. Rotenhan, Gesch. d. Fam. R., Forts. d. Fam.gesch. d. Julius Frhr. v. Rotenhan v. 1865, 1989;
    H. Körner, in: Gen. Hdb. d. in Bayern immatrikulierten Adels, XXI, 1996, S. 628-39;
    zu Sebastian:
    ADB 29;
    Fränk. Lb. I;
    Ch. Roll, Das Zweite Reichsrgt., 1996, bes. S. 395-402;
    Die Erstausg. d. Chronik Reginos v. Prüm u. ihrer Forts, v. S. v. R., hg. v. Eyring v. Rotenhan, 1999; |

  • Quellen

    Qu Archiv d. Frhr. v. R. (Rentweinsdorf); StA Bamberg (v. R., Untermerzbach).

  • Portraits

    zu Hermann u. Julius Erinnerungsmedaille v. A. Börsch, 1890 (Abklatsch d. Stempels im Bayer. HStA, Hauptmünzamt).

  • Autor/in

    Rudolf Endres
  • Familienmitglieder

  • Empfohlene Zitierweise

    Endres, Rudolf, "Rotenhan" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 102-103 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118809415.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA