Lebensdaten
1886 bis 1945
Geburtsort
Berlin-Grunewald
Sterbeort
Berlin-Grunewald
Beruf/Funktion
Archäologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116579293 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Rodenwaldt, Gerhard Martin Karl (eigentlich)
  • Rodenwald, Gerhard
  • Rodenwaldt, Gerhard Martin Karl

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Zitierweise

Rodenwaldt, Gerhart, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd116579293.html [24.10.2017].

CC0

  • Genealogie

    B Ernst (s. 1); – 1919 Jane ( 1945, Freitod gemeinsam mit R.), Dr. phil., T d. Jan Cornel. van Heuckelum u. d. Elis. Meta Behrens; S Gerd (1920–42 über Nordafrika abgeschossen).

  • Leben

    R. studierte nach dem Abitur am Friedrich-Werderschen Gymnasium in Berlin seit 1904 Klassische Archäologie, Klassische Philologie und Kunstgeschichte in Berlin, Heidelberg und schließlich in Halle, wo er 1908 bei Carl Robert (1850–1922) mit einer Dissertation über röm. Wandmalerei promoviert wurde. Ein Reisestipendium des Dt. Archäologischen Instituts (DAI) nutzte er u. a., um an den Ausgrabungen in der myken. Palastanlage von Tiryns mitzuarbeiten. Hieraus ging die 1912 an der Univ. Berlin eingereichte Habilitationsschrift über „Die Fresken des Palastes“ hervor. Nach mehrjähriger Tätigkeit als Mitarbeiter des Roten Kreuzes im Großen Hauptquartier erhielt R. 1917 eine o. Professur in Gießen. Er wandte sich wieder der röm. Kunst zu, besonders den reliefverzierten Sarkophagen; 1920 übertrug ihm sein Lehrer die Herausgeberschaft für das seit 1890 bestehende Sammelwerk „Die antiken Sarkophagreliefs“. 1922 übernahm er die Leitung des DAI in Berlin. Da als Folge des 1. Weltkriegs die Beziehungen dt. Wissenschaftler und Institutionen mit dem Ausland weitgehend abgerissen waren, kam R.s zehnjährige Tätigkeit als Generalsekretar einem Wiederaufbau des Instituts gleich. Er gründete zwei neue Zweigstellen in Istanbul und Kairo, womit das DAI sein Arbeitsfeld beträchtlich erweiterte, und förderte den Austausch mit osteurop. Ländern. Als Nachfolger Ferdinand Noacks (1865–1931) wurde R. 1932 Ordinarius an der Univ. Berlin (zugl. Dir. d. Winckelmann-Inst.), doch blieb er zugleich als Stellvertreter des Präsidenten und einflußreiches Mitglied der Zentraldirektion dem DAI weiterhin eng verbunden.

    Von R.s umfangreichem Œuvre sind unter den Arbeiten zur griech. Archäologie speziell diejenigen zu den archaischen Giebelskulpturen von Korfu und zum Götterbild des 4. Jh. v. Chr. (Θεοὶ ρ᾽εἴα ζώοντες, 1943) bis heute grundlegend. Eine weit über die Fachwelt hinausreichende Wirkung erzielten seine z. T. in mehrere Sprachen übersetzten Bücher über Olympia, die Akropolis von Athen und die griech. Tempel sowie sein der klass. Antike gewidmeter Band innerhalb der Propyläen-Kunstgeschichte. Affirmativ wirkende Formulierungen in der ebenfalls sehr verbreiteten Schrift „Kunst um Augustus“ (Aufsatz 1937, Buch 1942) sollten nicht als Indiz für Nähe zum NS-Regime gewertet werden; emigrierte jüd. Schüler und Kollegen wie Margarete Bieber und Herbert Bloch) bezeugen R.s persönliche Integrität.

    R.s. Forschungen galten primär Problemen der röm. Kunstentwicklung, besonders Begriff und Idee des „Klassischen“ in der Kunst der röm. wie auch der älteren griech. Epoche. Vor allem untersuchte er die dicht überlieferte Denkmälergruppe der Reliefsarkophage. Methodisch wegweisend war dabei, wie R. in der Nachfolge Heinrich Wölfflins kunstwissenschaftliche Fragestellungen in die Archäologie einführte und zugleich im Zusammenhang mit der Diskussion über die „Volkskunst“ als einem Stratum der röm. Kunstproduktion soziologische Perspektiven eröffnete. Die Modernität von R. besteht darin, daß er als Autor wie als Wissenschaftsorganisator in einer Zeit, als der sog. „Dritte Humanismus“ die Vorbildfunktion der Antike für die Gegenwart erneut propagierte, einen Zusammenhang herstellte zwischen dem Kerngebiet des eigenen Faches und den räumlich oder zeitlich jenseits der klassischen Welt liegenden Kulturen. Sein Vermögen überließ R. der Univ. Berlin (heute Gerd Rodenwaldt-Stiftung am Archäolog. Seminar d. FU Berlin). – Vors. d. Archäol. Ges. zu Berlin (1932–45); Vorstandsmitgl. d. Röm.-German. Zentralmus., Mainz (1918); korr. Mitgl. d. Ak. f. materielle Kultur, Leningrad, d. DAI (1917, o. 1921), d. Ges. d. Wiss. zu Göttingen (1925), d. Ak. gemeinnütziger Wiss., Erfurt (1934), d. Dän. Ges. d. Wiss., Kopenhagen (1935), d. Pontificia Acc. Romana di Archeologia (1937), d. Acc. di Scienze, Lettere ed Arti, Padua (1939), d. Ungar. Ak. d. Wiss., Budapest (1939), d. Bulgar. Ak. d. Wiss., Sofia (1943) u. d. Bayer. Ak. d. Wiss. (1943), d. Comitato Permanente per l'Etruria; wirkl. Mitgl. d. Österr. Archäol. Inst. (1930); o. Mitgl. d. Preuß. Ak. d. Wiss. (1932) u. d. Bulgar. Archäol. Inst., Sofia; Ehrenmitgl. d. Ac. de la Historia, Madrid (1932), d. Soc. for the Promotion of Hellenic Studies, London (1928), d. Ungar. Archäol. Ges., Budapest (1929), d. Griech. Archäol. Ges., Athen u. d. russ. Reichsinst. f. Kunstgesch., Leningrad; württ. Kronenorden mit Stern; türk. Grüner Halbmond; Olympia-Ehrenzeichen (1937); Komturkreuz d. griech. Erlöserordens (1934) u. d. bulgar. Alexanderordens (1940); Dr. phil. h. c. (Athen 1937, Sofia 1939).

  • Werke

    Weitere W Die Komposition d. pompejan. Wandgemälde, Diss. Halle 1908 (1909); Tiryns, Die Ergebnisse d. Ausgrabungen d. Inst. II, Die Fresken d. Palastes, 1912, Nachdr. 1976; Eine spätantike Kunstströmung in Rom, in: Mitt. d. DAI, Röm. Abt. 36/37, 1921/22, S. 58-110; Das Relief b. d. Griechen, 1923; Der Sarkophag Caffarelli, 83. Winckelmannsprogramm d. Archäolog. Ges. zu Berlin, 1925; Die Kunst d. Antike, Propyläen-Kunstgesch. III, 1927, 41944 (span. 1931, 21933); Archäol. Inst. d. Dt. Reiches 1829-1929, 1929; Die Akropolis, 1930, 41941, 51956 (franz. 1930, 21937; engl. 1931); Über den Stilwandel in d. antonin. Kunst, 1935; Olympia, 1936, 31941 (engl. 1936; franz. 1936); Kunst um Augustus, in: Die Antike 13, 1937, S. 155-96, 1942 als Monogr., 19432, Nachdr. 1988; Korkyra II, Die Bildwerke d. Artemistempels v. Korkyra, 1939; Röm. Reliefs, Vorstufen z. Spätantike, in: Jb. d. DAI 55, 1940, S. 12-13; Griech. Tempel, 1941, 21951; Griechisches u. Römisches in Berliner Bauten d. Klassizismus, 1956, 21979, S. 34-46 (W-Verz., P); Otto Magnus v. Stackelberg, der Entdecker d. griech. Landschaft, 1957. – Hg.: Die antiken Sarcophagreliefs, 1920-45; Gnomon, 1925-44 (Mitbegr. d. Zs.); – Teilnachlässe: DAI Berlin; Staatsbibl. Preuß. Kulturbes., Berlin.

  • Literatur

    M. Bieber, in: American Journ. of Archaeology 50, 1946, S. 405 f.; C. Weickert, in: Gnomon 21, 1949, S. 82-87; U. Hausmann, in: Enc. dell' Arte Antica 6, 1965, S. 740-42; H.-G. Buchholz u. Margarete Bieber, in: Gießener Gel., bes. S. 61-67; W. Schindler (Hg), G. R.s Btr. z. Klass. Archäol., in: Wiss. Zs. d. Humboldt-Univ. zu Berlin, Ges.wiss. R., 35, 1986, H. 8 (P); A. H. Borbein, in: Archäolog. Anz. 1987, S. 697-700; ders., G. R.s Bild d. Röm. Kunst, in: L'impero romano fra storia generale e storia locale, hg. v. E. Gabba u. K. Christ, 1991, S. 175-200; H. Bloch, in: Eikasmos, Quaderni Bolognesi di filologia classica 4, 1993, S. 305-09; K. Junker, Das Archäol. Inst. d. Dt. Reiches zw. Forschung u. Pol., Die J. 1929 bis 1945, 1997, S. 17-20, 91-99; Rhdb. (P); U. Hausmann, in: Archäologenbildnisse, hg. v. R. Lullies u. W. Schiering, 1988 (L, P); Dict, of Art.

  • Autor

    Klaus Junker
  • Empfohlene Zitierweise

    Junker, Klaus, "Rodenwaldt, Gerhart" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 698-699 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd116579293.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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