Lebensdaten
1892 – 1966
Geburtsort
Wesel (Kreis Rees)
Sterbeort
Hermannsburg (Kreis Celle)
Beruf/Funktion
Archäologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118760076 | OGND | VIAF: 32792381
Namensvarianten
  • Schweitzer, Heinrich Eduard Stephan Bernhard Robert
  • Schweitzer, Bernhard
  • Schweitzer, Heinrich Eduard Stephan Bernhard Robert
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Zitierweise

Schweitzer, Bernhard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118760076.html [29.03.2024].

CC0

  • Genealogie

    V Karl ( 1918), aus Baden, Major;
    M Auguste Aneshänsel ( 1894), aus Baden;
    Dresden 1931 Elisabeth (1907–91), T d. G. Rudolph, Major, Zollamtmann, u. d. E. Pomraenig; kinderlos.

  • Biographie

    Nach dem Abitur 1911 in Karlsruhe studierte S. Klassische Archäologie und Philologie in Heidelberg und Berlin (u. a. bei Franz Boll, Georg Loeschcke, Ernst Troeltsch u. Wilhelm Windelband). Im 1. Weltkrieg Flugleiter, wurde S. 1917 bei Friedrich v. Duhn in Heidelberg promoviert. Rudolf Pagenstecher (1886–1921) und Gerhart Rodenwaldt (1886–1945) waren für ihn Mentoren und Gesprächspartner. 1921 Reisestipendiat des Dt. Archäologischen Instituts (DAI), habilitierte er sich im selben Jahr in Heidelberg, wo er an der Seite von Ludwig Curtius als Privatdozent bis zu seinem Ruf nach Königsberg 1925 lehrte. 1932–48 war er Ordinarius und Direktor des ArchäologischenInstituts (zugleich stellv. Dir. d. Kunsthist., Ägyptolog. u. Musikwiss. Inst.) in Leipzig (Rektor 1945/46), wo 1943 Bomben sein gesamtes Arbeitsmaterial vernichteten. Tübingen war die letzte Station in seiner akademischen Laufbahn (1948–60). Verantwortungsbewußtsein bewies er unter verschiedenen politischen Vorzeichen insbes. in der Wahrung universitärer Belange. Muße fand er v. a. in der Musik, die er – in Leipzig zusammen mit Werner Heisenberg – auf hohem Niveau aktiv betrieb.

    S. s umfangreiches wissenschaftliches Werk, das auf gründlichem Quellenstudium, beharrlichem Fleiß und einer „universalen Intelligenz“ (Schadewaldt) beruht, umspannt die gesamte Antike von der kret.-myken. Zeit bis in die Spätantike und geht mit seinem Kommentar zu Herders „Plastik“ noch über diese hinaus. S. bewies eine außergewöhnliche, am jeweiligen Gegenstand ausgerichtete Methodenvielfalt. Epochenschwerpunkte bilden die griech. Frühzeit, die Klassik und die röm. Kaiserzeit; unter den Problemkreisen sind es Stilanalyse und Kunsttheorie. S. gehörte mit Ludwig Curtius, Ernst Buschor und Gerhart Rodenwaldt zu jener Generation, die die antiquarisch orientierte Archäologie des 19. Jh. zu einer modernen Kunstwissenschaft weiterentwickelte. Beeinflußt durch Erkenntnisse der neueren Kunstgeschichte (insbes. Alois Riegl, Spätröm. Kunstind., 1901, u. Heinrich Wölfflin, Kunstgeschichtl. Grundbegriffe, 1915), übertrug S. schon früh ähnliche Kriterien auf die antike Kunst. Er erkannte die zentrale Bedeutung der Strukturanalyse, die erstmals nach den Prinzipien der inneren Organisation einer Form fragte. Zwar wandte er selbst sie eher skeptisch und keineswegs so konsequent an wie etwa Guido v. Kaschnitz-Weinberg, unterzog sie aber einer wissenschaftstheoretischen Analyse. Die Strukturforschung war für S. kein tagespolitischer Versuch, durch die Trennung von Form und Geschichte eine Art „innerer Emigration“ zu legitimieren. Seine Abhandlung zum „Problem der Form“ (1939) ist auch heute noch für eine Klärung der Grenzen einer beschreibenden rationalen Erforschung eines Kunstwerks grundlegend. S. sah in den Werken der bildenden Kunst mehr als nur Artefakte einer sich darin spiegelnden Gesellschaft.|Seine Einzelstudien zur klassischen und hellenistischen Plastik widmen sich Fragen der Typologie und – zeitgemäß – solchen des Individualstils, u. a. mit drei grundlegenden Arbeiten zum „Parthenon-Meister“. Neben einem Rekonstruktionsvorschlag der sog. Pasquino-Gruppe sind Untersuchungen zum republikanischen Porträt und zur Frage der Entstehung des Porträts bei den Griechen hervorzuheben. Antike Schriftquellen kommen insbes. in S.s Studien zur antiken Künstlergeschichte und Kunstkritik zu Wort. Bewußt bezog er die damals noch keineswegs aktuelle Frage nach der sozialen Stellung des Künstlers in seine Betrachtungen ein. Mit philologischer Akribie rekonstruierte er eine Kunsttheorie des Xenokrates von Athen und erforschte später das Verhältnis Platons zur bildenden Kunst seiner Zeit. Der geometrischen Kunst, dem Thema seiner Dissertation, wandte er sich nach seiner Emeritierung erneut zu, ohne diese Arbeit allerdings selber noch abschließen zu können; sie blieb v. a. hinsichtlich der Frage der frühen Sagendarstellungen unvollendet. S. publizierte keine Bildbände, sah sich aber verpflichtet, in Vorträgen und Essays übergreifende Probleme, etwa den Begriff des Klassischen, die Entdeckung der Perspektive oder die Bedeutung der antiken Kunst für das Abendland, einem weiteren Leserkreis verständlich zu machen. Dabei bediente er sich einer bildhaften Beschreibung historischer Prozesse, und stets ging es ihm auch hier um die Erkenntnis geistesgeschichtlicher Hintergründe und Zusammenhänge.

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Königsberger Gel. Ges. (1932–45), d. Zentraldirektion d. DAI (1932), d. Sächs. Ak. d. Wiss. in Leipzig (o. 1934, korr. 1948), d. Dt. Ak. d. Wiss. in Berlin (korr. 1944), d. Heidelberger Ak. d. Wiss. (1960) u. d. Ak. d. Wiss.in Athen;
    Ehrenmitgl. d. Archaeolog. Inst. of America (1961).

  • Werke

    u. a. Unterss. z. Chronol. u. Gesch. d. geometr. Stile in Griechenland I, 1917 (Diss.), II in: Mitt. d. DAI, Athen. Abt. 43, 1918, S. 1–164;
    Herakles, Aufss. z. griech. Rel.- u. Sagengesch. I u. II, 1922 (Habil.schr.);
    Der bildende Künstler u. d. Begriff des Künstlerischen in d. Antike, in: Neue Heidelberger Jbb. 1925, S. 28–132;
    Rez.: Martin P. Nilsson, The Minoan-Mycenaean Rel. and its Survival in Greek Rel., in: Gnomon 4, 1928, S. 169–93;
    Über das Klassische in d. Kunst d. Antike, in: Das Problem des Klassischen u. die Antike, 1931, S. 74–89;
    Xenokrates v. Athen, Btrr. z. Gesch. d. antiken Kunstauffassung u. Kunstanschauung, in: Schrr. d. Königsberger Gel. Ges., Geisteswiss. Kl. 9, 1932, S. 1–52;
    Das Original d. sog. Pasquino-Gruppe, Abh. d. Sächs. Ak. d. Wiss., Phil.-hist. Kl. 43/4, 1936, S. 1–164;
    Prolegomena z. Kunst d. Parthenon-Meisters, in: Jb. d. DAI 53, 1938, S. 1–89;
    Zur Kunst d. Parthenon-Meisters, ebd. 54, 1939, 1–96;
    Pheidias, d. Parthenon-Meister, ebd. 55, 1940, 170–241;
    Strukturforsch. in Archäol. u. Vorgesch., in: Neue Jbb. f. Antike u. dt. Bildung, NF 1, 1938, S. 162–79;
    Studien z. Entstehung d. Porträts b. d. Griechen, in: Abh. d. Sächs. Ak. d. Wiss., Phil.hist. Kl. 91/4, 1939, S. 1–67;
    Das Problem d. Form in d. Kunst d. Altertums, in: Hdb. d. Archäol. I, 1939, S. 363–99 (abgeschlossen 1931), mit Ergg. wieder abgedr. in: Hdb. d. Archäol. I, 1969, S. 163–204;
    Die Bildniskunst d. röm. Rep., 1948 (abgeschlossen 1943);
    J. G. Herders Plastik u. d. Entstehung d. neueren Kunstwiss., 1948;
    Die spätantiken Grundlagen d. ma. Kunst, Leipziger Univ.reden, H. 16, 1949;
    Vom Sinn d. Perspektive, in: Die Gestalt 24, 1953, S. 1–30;
    Platon u. d. bildende Kunst d.r Griechen, ebd. 25, 1953, S. 1–96;
    Die Univ. Leipzig 1409–1959, Tübinger Univ.reden 7, 1960;
    Die geometr. Kunst Griechenlands, 1969 (postum;
    engl. Übers. u. d. T. Greek Geometric Art, 1971);
    – Ausgew. Schrr., 2 Bde., 1963 (P);
    Hg.: Die Antike, 1937–44;
    W-Verz.:
    H. Ladendorf u. H. Luschey, in: FS z. 60. Geb.tag v. B. S. (s. L), S. 410–15;
    Zur Kunst d. Antike, Ausgew. Schrr. II, 1963, S. 304–12;
    Nachlaß:
    Elisabeth Reumschüßel, Ahnatal.

  • Literatur

    Neue Btrr. z. klass. Altertumswiss., FS z. 60. Geb.tag v. B. S., hg. v. R. Lullies, 1954 (W-Verz.);
    FAZ v. 3. 8. 1966;
    U. Hausmann, in: Gnomon 38, 1966, S. 844–47;
    W. Schadewaldt, in: Jb. d. Heidelberger Ak. d. Wiss. 1966/67, 1968, S. 100–04;
    W. Fuchs, in: R. Lullies u. W. Schiering, Archäologenbildnisse, 1988, S. 258–59;
    Baden-württ. Biogrr. I, 1994 (L).

  • Porträts

    P Foto, spätestens 1963, in: StA Freiburg (Br.), Bildnisslg.

  • Autor/in

    Hanna Philipp, Ingeborg Scheibler
  • Zitierweise

    Philipp, Hanna; Scheibler, Ingeborg, "Schweitzer, Bernhard" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 58-59 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118760076.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA