Lebensdaten
1775 bis 1815
Geburtsort
Bütow (Pommern)
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Chemiker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116479396 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Gehlen, Adolf Ferdinand

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Zitierweise

Gehlen, Adolf Ferdinand, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116479396.html [12.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Jac. Ferd., Apotheker, Ländereibes.;
    M Frieder. Elisabeth Engelmann;
    B N. N., Apotheker in B.; ledig.

  • Leben

    Nach gründlicher Vorbildung an der Schule seiner Vaterstadt ging G. nach Königsberg, wo er sich bei dem Hofapotheker und Universitäts-Professor K. G. Hagen für den Apothekerberuf ausbildete und drei Jahre lang die Universität besuchte. Neben dem Fachstudium betrieb er auch allgemein naturwissenschaftliche und Sprachstudien. Von ungewöhnlicher Sprachbegabung, vermochte er später seinen wissenschaftlichen Briefwechsel in 8 lebenden Sprachen zu führen. Eine früheinsetzende Gehörschwäche, Folge einer Kinderkrankheit, mag die Neigung zu literarischer Tätigkeit|gefördert haben. Möglichkeiten boten sich in Berlin. G. nahm eine Tätigkeit in der Roseschen Apotheke an. Er erwarb die Freundschaft des damaligen Besitzers, Valentin Rose dem Jüngeren ( 1807), der ebenfalls Hagen-Schüler war. Gemeinsam gaben sie das „Neue Berlin. Jahrbuch für die Pharmazie“ (Band 1-6, 1803-06) heraus. Gleichzeitig übernahm G. die Herausgabe des „Neuen allgemeinen Journals der Chemie“ (6 Bände, 1803–06), das sich an Scherers „Journal der Chemie“ anschloß und das er in Erweiterung des Programmes 1806 durch das „Journal für Chemie und Physik“ (ab Band 4 für Chemie, Physik und Mineralogie) (9 Bände, 1806–10) ersetzte. Inzwischen war er nach Halle gegangen, wo er 1806 zur Promotion gelangte, Privatdozent wurde und am Institut von J. Ch. Reil als Zoochemiker tätig war. Bereits seit 1806 korrespondierendes Mitglied, folgte er 1807 einer Berufung als „akademischer Chemiker“ an die Akademie der Wissenschaften in München. Sie war mit der Ernennung zum Akademiemitglied verbunden.

    Aufgaben, die zu den Obliegenheiten des akademischen Chemikers gehörten, stellten unter anderem der bayerische Bergbau, die Hüttenbetriebe, die Glas- und Porzellanfabriken, die Landwirtschaft. Ihre Erfüllung erforderte chemische Untersuchungen, Besichtigungs- und Informationsreisen. G. erwarb die volle Anerkennung der Regierung und seines königlichen Gönners, für dessen Nymphenburger Porzellanmanufaktur er unter anderem Farben entwickelte. Aus Mangel an Zeit schloß er 1810 die Zeitschriftenherausgabe ab. Das Erbe trat Schweigger an. An dessen „Journal für Chemie und Physik“ blieb G. Mitarbeiter und publizierte darin vorwiegend seine zahlreichen Abhandlungen. Da geeignete Räumlichkeiten fehlten, mußte die Laboratoriumsarbeit in der Privatwohnung stattfinden. Der Bau des heiß erkämpften Laboratoriums zog sich über Jahre hin, so daß G. es nicht mehr bezog. Inzwischen hatte er 1812 eine Berufung an die Universität Breslau ausgeschlagen. Das Experimentieren mit giftigen Substanzen, zumal Blausäure und Arsenverbindungen, schwächte wohl schleichend die ohnehin labile Gesundheit. Bei Versuchen mit Arsenwasserstoff, die vor einem bereits bewilligten Urlaub für eine Bäderkur zur Abrundung gebracht werden sollten, erlag G. einer akuten Vergiftung.

    G. gehörte zu den bekanntesten Chemikern seiner Zeit. Seine literarische Tätigkeit erschöpfte sich nicht in Originalpublikationen. Als Sprachkundiger wirkte er vermittelnd durch Übersetzungen und zusammenfassende Berichte über fremdsprachige Publikationen. Durch kritische Stellungnahmen regte er wissenschaftliche Diskussionen an. Mit oft nüchternem, auf experimentelle Beobachtungen gegründetem Urteil wies er vorschnelle Schlüsse zurück. Sein Sinn für praktische Fragen war ausgeprägt. Ein beliebter Berater, schrieb er unter anderem über den Waid und die Indigobereitung, über Hopfenöl und -extrakt, über Branntweinbrennereien, über Sirup, Honig, Zuckergewinnung. Besonderen Dank wußten seiner Hilfsbereitschaft und Organisationsgabe die bayerischen Apotheker. Gemeinsam mit J. A. Buchner und Alois Hofmann rief G. den „pharmaceutischen Verein in Baiern“ ins Leben, der sich über das eigentlich Fachliche hinaus ökonomische und soziale Ziele setzte: Vereinsbibliothek, Herbarium, Einrichtung einer Assekuranz gegen Unfälle, Stiftung zur Unterstützung alter und gebrechlicher Gehilfen. Das 1815 gegründete „Repertorium der Pharmacie“, das schon im 1. Bande die Todesnachricht brachte, wurde von Buchner fortgesetzt. Der Verein dankte seinem Stifter 1820 durch eine Denkmalserrichtung. Johann Nepomuk Fuchs benannte nach seinem Freunde ein Mineral Gehlenit.

  • Werke

    Weitere W u. a. Bemerkungen üb. d. Ätherarten, bes. üb. d. Basse'schen Salzäther, in: Neues allg. Journal d. Chemie 2, 1804, S. 206-27;
    Über d. Farbenveränderungen d. in Äther aufgelösten salzsauren Metallsalze durch d. Sonnenlicht, ebd. 3, 1804, S. 566-74;
    Über d. Basse'schen Salzäther u. üb. d. Verhältniß d. Acidität d. Essigsäure zu ihrem specif. Gewicht, ebd. 5, 1805, S. 689-95;
    Btrr. z. wiss. Begründung d. Glasmacherkunst, in: Denkschrr. d. kgl. Ak. d. Wiss. z. München, 1809;
    Faßliche Anleitung z. d. Erzeugung u. Gewinnung d. Salpeters zunächst f. Landleute, 1812, 21815;
    Bemerkungen üb. d. Eigenthümlichkeit d. Ameisensäure, in: Schweiggers Journal für Chemie u. Physik 4, 1812, S. 1-41;
    Über d. electrochem. System, ebd. 12, 1814, S. 403-11;
    Über d. Glasmachen ohne Pottasche vermittels d. Glaubersalzes, ebd. 15, 1815, S. 89-107;
    Neue Bearbeitungsart d. Arsenwasserstoffs, ebd., S. 501-03;
    Über d. Reduction d. Metalle durcheinander u. d. dabei stattfindenden Lichterscheinungen, ebd. 20, 1818, S. 349-82.

  • Literatur

    ADB VIII;
    [F. v. Schlichtegroll], in: Denkschrr. d. kgl. Ak. d. Wiss. z. München f. d. J. 1814 u. 1815, V, 1817, S. XXIX-XXXV;
    Grabesfeyer bey d. Beerdigung unseres unvergeßlichen G., 1815 (darin Grabrede v. Oberkirchenrat L. Schmidt u. Nekr. v. F. v. Schlichtegroll);
    J. A. Buchner, in: Rep. f. Pharmacie I, 1815, S. 435-46 (P);
    Denkmal auf d. Grabe d. … F. A. G. (d. kgl. Baier. Ak. d. Wiss… gewidmet v. d. pharmaceut. Ver. in Baiern), 1820 (W-Verz.;
    mit Abb. d. Grabmals);
    L. Vanino, Von Carl bis Liebig, 1924, S. 15-18;
    O. Zeckert, Berühmte Apotheker, 1955, S. 111 (P);
    Ferchl;
    Pogg. I.

  • Portraits

    Ölgem. v. M. Franck, 1815 (München, Bayer. Ak. d. Wiss.), Abb., in: Geist u. Gestalt, Biogr. Btrr. z. Gesch. d. Bayer. Ak. d. Wiss., III, 1959.

  • Autor/in

    Grete Ronge
  • Empfohlene Zitierweise

    Ronge, Grete, "Gehlen, Adolf Ferdinand" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 132-133 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116479396.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Gehlen: Adolph Ferdinand G., Chemiker. Geboren zu Bütow in Pommern 1775. Zunächst Apotheker, studirte er in Königsberg, wo er als Dr. med. promovirte, arbeitete dann unter Klaproth in Berlin und habilitirte sich in Halle. als Docent der Chemie. 1807 ging er nach München, von der Akademie zu ihrem Mitgliede ernannt, wo er 1815 schon starb und zwar an einer Vergiftung durch Arsenikwasserstoffgas, mit dessen Untersuchung er sich beschäftigte. Bekannt ist G. als Herausgeber mehrerer chemischer Journale: des „Neuen allgemeinen Journals der Chemie" (1803—5, 6 Bde.), des „Journals für Chemie und Physik“ (1806—10, 9 Bde.) und des ersten Bandes des „Repetitoriums für die Pharmacie“, von Buchner weiter fortgesetzt; ferner als Uebersetzer von Berthollet's „Eléments de l'art de teinture“ und von Berzelius' „Versuch.... ein System der Mineralogie zu begründen“. — Eine kleine Schrift von G. „Faßliche Anleitung zur Erzeugung und Gewinnung des Salpeters“, wurde zu seiner Zeit viel benutzt. Gehlen's eigene Untersuchungen sind weniger bekannt, er wiederholte besonders Versuche Anderer und brachte dadurch oft erst Klarheit in schon vor ihm beobachtete Erscheinungen, so widerlegte er die von Fourcroy und Vauguelin vertretene Behauptung, daß Ameisensäure nur ein Gemisch aus Essigsäure und Aepfelsäure sei, was übrigens Suersen schon früher für unrichtig gehalten hatte. Dann ist G. einer der Ersten, vielleicht sogar der Erste, welcher die Giftigkeit der Blausäure erkannte. Gehlen's früher Tod als Opfer seiner Wissenschaft erregte allgemeines und tiefes Mitgefühl.

  • Autor/in

    Ladenburg.
  • Empfohlene Zitierweise

    Ladenburg, Albert, "Gehlen, Adolf Ferdinand" in: Allgemeine Deutsche Biographie 8 (1878), S. 497-498 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116479396.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA