Lebensdaten
1697 bis 1755
Geburtsort
Jena
Sterbeort
Jena
Beruf/Funktion
Mediziner ; Mathematiker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116422157 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hamberger, Georg Erhard
  • Hamberger, Georg E.
  • Hamberger, Georg Erhardus
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Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Hamberger, Georg Erhard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116422157.html [17.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Gg. Albrecht (1662–1716), Prof. d. Math. u. Physik in J. (s. Pogg. I), S d. Gg. Ludw. (1622–89), Pfarrer in Beyerberg u. Senior d. Kapitels Wassertrüdingen (aus Dinkelsbühler Fam.), u. d. Barbara Köhler;
    M Sophie Cath. (1674–1754), T d. Felix Spitz (1641–1717), Prof. d. Rechte in J. u. Altdorf, Konsulent d. Reichsstadt Nürnberg (s. ADB 35), u. d. Catharina Weigel;
    Ur-Gvm Erhard Weigel (1625–99), Prof. d. Math. in J.;
    Urur-Groß-Ov Georg (1537–99), Prof. d. Med. in Tübingen (s. L); Schw. Anna Cath. ( David Baier, 1681–1752, Prof. d. Theol. in Altdorf);
    Vt Lorenz Andreas (1690–1718), Jurist (s. ADB X);
    - Jena 1724 Sophie Margarete, T d. Johann Adolf Wedel (1675–1747), Prof. d. Med. in J. (S d. Gg. Wolfg. W., 1645–1721, Prof. d. Med. in J., s. ADB 41; Pogg. I);
    6 S, 3 T, u. a. Adolf Frdr. (1727–50), Prof. d. Med. in J. (s. BLÄ; Pogg. I), Adolf Albrecht (1737–89), Dr. med., Privatdozent in J., seit 1782 Kreisphysikus u. russ. Staatsrat in Estland (s. BLÄ; Pogg. I), Joh. Sophie Marg. (⚭ Chrstn. Heinr. Eckhard, 1716–51, Prof. d. Rechte in J., s. ADB V), Dor. Elisabeth (⚭ Basilius Chrstn. Bernh. Wiedeburg, 1758, Prof. d. Astronomie in J., s. ADB 42; Pogg. I), Clara Cath. Sophie (⚭ Joh. Chrstn. Blasche, 1718–92, Prof. d. Theol. in J.);
    N Georg Christoph (1726–73), Prof. d. Philos. u. Literärgesch. in Göttingen, Lexikograph („Das Gel. Teutschland“) (s. ADB X);
    E Bernh. Heinr. Blasche (1766–1832), Schulmann, Philosoph (s. ADB II);
    Ur-Groß-N Julius (1801–85), Prof. am Kadettenkorps u. an d. Pagerie in München, Philosoph (s. ADB 49).

  • Leben

    H. studierte in Jena seit 1714 Mathematik, Physik und Medizin (1717 Magister, 1721 Promotion zum doctor medicinae unter J. A. Wedel, Dissertation: De malignate in morbis). 1724 wurde er Landphysikus in Weimar, 1726 außerordentlicher Professor der Medizin und Physik, 1729 Landphysikus, 1737 ordentlicher Professor der Mathematik und Physik, außerdem 1744 ordentlicher Professor der Medizin in Jena (Botanik, Anatomie und Chirurgie, 1748 Pathologie, 1749 Physiologie).

    H. suchte die Lebenserscheinungen im Sinne der Iatrophysik durch mathematisch-physikalische Gesetze zu erklären. Besonders bekannt wurde er durch eine rein theoretisch abgeleitete Deutung des Atemmechanismus (1727), wonach die Ein- und Ausatmung durch die jeweilige Kontraktion der äußeren und inneren Zwischenrippenmuskeln erfolgen soll; außerdem behauptete er, daß im Pleuraraum Luft vorhanden sei, die als Druckpolster wirke. Diese zeitweilig anerkannte Theorie führte seit 1740 zu scharfen Auseinandersetzungen mit A. von Haller, der durch|Tierversuche nachwies, daß die Pleurahöhle keine Luft enthält; trotzdem ist H.s Auffassung teilweise gültig geblieben. – Eingehend beschäftigte sich H. mit dem Problem des Zusammenhangs zwischen flüssigen und festen Körpern, unter anderem in Haarröhrchen, (Kohäsion und Adhäsion), das er durch Annahme unterschiedlicher Gewichte ihrer kleinsten Teile zu lösen versuchte; auf gleiche Gesetze werden physiologische Vorgänge wie die Sekretion zurückgeführt.

    H. widmete sich vorübergehend auch der Chemie und Botanik und war ein erfolgreicher akademischer Lehrer, zu dessen Schülern unter anderem J. P. Süßmilch, N. Lieberkühn und J. A. Segner zählten. Das postum erschienene Werk H.s „Elementa physiologicae medicae“ (1757) spiegelt den Stand der Physiologie in der Zeit vor Haller wider. Die Streiligkeiten mit Haller haben die Überlegenheit experimenteller Forsthungsmethoden demonstriert und sich dadurch fördernd ausgewirkt. Von H.s großem Ansehen zeugen ehrenvolle Berufungen nach Göttingen, Altdorf und Halle.|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Leopoldina (1731).

  • Werke

    Weitere W u. a. Diss. de respirationis mechanismo et usu genuino, Jena 1727;
    Elementa physices methodo mathematica, ebd. 1727, 51761;
    Diss. sur la mécanique des sécrétions dans le corps humain, Bordeaux 1746;
    Physiologia niedica, Jena 1751.

  • Literatur

    ADB X;
    J. Brucker u. J. J. Haid, in: Bildersal heutiges Tages lebender u. durch Gelahrtheit berühmter Schrifflsteller 6. Zehend, 1747 (W-Verz., P);
    M. S. L. Hadelich, in: Acta academiae electoralis moguntinae scientiarum utilium quae Erfordiae est, T. 1, 1757, S. 26-45 (W-Verz.);
    J. Ch. Blasche, Das Leben d. Herrn Hofrats u. Prof. G. E. H.s, nebst e. Nachr. v. s. Schrr. u. gel. Streitigkeiten, Jena 1758 (W-Verz.);
    O. Knopf, in: Zs. d. Ver. f. Thüring. Gesch. u. Altertumskde. NF 19. Beih. (Die Astronomie an d. Univ. Jena), 1937, S. 74-79, 81-86;
    W. Brednow, in: Jena u. Göttingen, 1949, S. 3-6;
    E. Giese u. B. v. Hagen, in: Gesch. d. Med. Fak. d. Univ. Jena, 1958, S. 214-31;
    Gesch. d. Univ. Jena 1548/58-1958, I, 1958, S. 209 f., 307 (P);
    Jöcher-Adelung II;
    Meusel, Verstorb. Schriftst. V;
    Pogg. I;
    BLÄ. - Zu Urur-Groß-Ov Georg: L. Makowsky, 5 Jhh. Chirurgie in Tübingen, 1949;
    L. Schnurrer, G. H. aus Dinkelsbühl, = Progr. z. Jber. d. Oberrealschule mit Gymnasium Dinkelsbühl f. d. Schulj. 1961/62, 1962 (L, Stammtafel).

  • Portraits

    Gem. v. J. Günther (Jena, Univ.);
    Kupf. v. J. M. Bernigeroth (Berlin, Kupf.kab., u. Halle, Univ.bibl.).

  • Autor/in

    Georg Uschmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Uschmann, Georg, "Hamberger, Georg Erhard" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 579-580 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116422157.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Hamberger: Georg Erhard H., Arzt, ist den 21. December 1697 in Jena geboren. Sein Vater, Geo. Albert H., welcher an der dortigen Universität den Lehrstuhl der Professur für Mathematik und Physik bekleidete, war frühzeitig bemüht, das Interesse des geistig begabten Knaben für diese wissenschaftlichen Zweige wachzurufen, und mit solchem Erfolge, daß derselbe, wie es heißt, schon in sehr jugendlichem Alter seine weit älteren Mitschüler in der Mathematik zu unterrichten vermochte und den Vater durch die Gewandtheit, welche er dabei entwickelte, in das höchste Erstaunen versetzte. — Bereits im J. 1714 war H. so weit vorgebildet, um die Universität beziehen zu können, wo er sich auf ausdrücklichen Wunsch seines Vaters dem Studium der Mathematik und Physik widmete. So lebhaft ihn diese Wissenschaften auch interessirten, so zog ihn seine Neigung doch vorzugsweise zum Studium der Medicin hin; daher besuchte er heimlich die anatomischen Vorlesungen von Slevogt, machte sich mit Hülfe des Universitätsgärtners mit den Anfangsgründen der Botanik bekannt und wandte sich nach dem Tode des Vaters der Medicin zu. — Am meisten fesselte ihn das Studium der Anatomie und er erlangte in diesem Gegenstande bald eine solche Gewandtheit, daß Slevogt ihm die Anfertigung der für Demonstrationen bestimmten Präparate übertrug; im Studium der praktischen Heilkunde schloß er sich namentlich an Wedel an, dessen Tochter er später heirathete. — Im J. 1717 wurde H. zum Magister philosophiae und 1721 zum Doctor der Medicin creirt. — Der Ruf seiner Gelehrsamkeit und praktischen Tüchtigkeit verschaffte ihm 1724 die Ernennung zum Landphysicus des Kreises Weimar und 1726 die Wahl zum Prof. extraord. der Mathematik und Physik in Jena. Im J. 1729 wurde ihm die Verwaltung des Landphysicates des Jenaischen Kreises übertragen und, nachdem er mehrere an ihn ergangene Berufungen, als Lehrer der Mathematik an das Gymnasium in Stettin, als Professor der Mathematik und Physik nach Altdorf und als Professor der Medicin und der mathematischen Wissenschaften nach Göttingen, ausgeschlagen hatte, wurde er zum Hofrath und Prof. ord. der Physik in Jena ernannt. Im J. 1742 wurde ihm die Ehre zu Theil, zu der durch den Tod Hoffmann's erledigten Professur der Medicin nach Halle berufen zu werden, aber auch diesen Ruf lehnte er ab, und in Folge dessen wurde er 1744 Prof. ord. der Botanik, Anatomie und Chirurgie und 1748, nach dem Tode seines Schwiegervaters Wedel, Rector der Universität und Professor der Chemie und der praktischen Medicin; in dieser Stellung ist er bis zu seinem am 22. Juli 1755 erfolgten Tode verblieben. — H. zählt zu denjenigen Männern der Wissenschaft, deren Ruhm in den Schwächen ihrer Zeit wurzelt. Die intensive Beschäftigung mit den mathematischen Wissenschaften hatte ihm offenbar den Weg vorgezeichnet, den er in der Medicin eingeschlagen, und auf dem er sich in vollkommener Uebereinstimmung mit der eben damals|vorherrschenden Richtung der Jatro-Phsiker befunden hat; wenige unter den Anhängern dieser Schule aber lassen in ihren Forschungen eine solche Befangenheit in theoretischen Voraussetzungen, eine so weit gehende Verleugnung aller gegen die Theorie sprechenden Thatsachen und gleichzeitig eine solche Hartnäckigkeit in dem Beharren auf ihren Trugschlüssen — selbst gegen die bessere Ueberzeugung — erkennen, als H.; mit seinen wissenschaftlichen Arbeiten hat er sich zwar auf allen Gebieten der Medicin bewegt (ein Verzeichniß seiner überaus zahlreichen litterarischen Producte findet sich in Commentarii l. c. und bei Blasche), seine Hauptthätigkeit aber hat er der Physiologie zugewendet und gerade durch diese Leistungen hat er seinen ephemeren Ruf begründet. — Von der Ansicht ausgehend, daß sämmtliche Lebensvorgänge sich auf einfache physikalische Gesetze zurückführen lassen und mathematisch analysirt werden können, hat er ein mechanisches System der Biologie entwickelt, das durch die vortreffliche Disposition des Stoffes, Klarheit und Kürze des Ausdruckes und durch die Sicherheit der Argumentation zu bestechen und zu fesseln vermochte, das jedoch, als eine vollständig aprioristische Construction, nicht einen neuen und richtig begründeten und ausgeführten Gedanken bietet und in dem krassen Widerspruche, in welchem sich H. mit seinen Theorien zu den bedeutendsten Physiologen seiner Zeit, wie namentlich Haller, befand, den Stempel der Irrthümer und Täuschungen an der Stirne trägt. Es konnte nicht ausbleiben, daß seine Lehre vielfache Angriffe erfuhr, am lebhaftesten in Bezug auf diejenigen Punkte, in welchen sie im Widerspruche mit den Arbeiten Haller's stand, und so entwickelte sich eine Polemik, an welcher Haller selbst sich betheiligte, die, bei der Heftigkeit, mit welcher H. seine Ansichten vertheidigte, zu einem europäischen Skandal ausartete und die schließlich damit endete, daß H. auf seinem Todtenbette erklärte, er müsse Haller Recht geben, nur aus Furcht, den eignen Ruhm zu schmälern, habe er diese seine bessere Ueberzeugung bis dahin verleugnet — ein Umstand, der wenig dazu geeignet ist, die Verherrlichung zu rechtfertigen, welche seine, übrigens sehr unbedeutenden Anhänger ihm auch noch über das Grab haben angedeihen lassen; mit Hamberger's Tode ist auch sein Stern erloschen.

    • Literatur

      Ueber sein Leben vergl. Hadelich in Act. Acad. Moguntinae, 1757, I. p. 26, und Blasche, Leben des Herrn Hofrath G. E. H. etc., Jena 1758. Ein kurzer Auszug aus dieser Biographie findet sich in Commentarii de rebus in scientia naturali et medicina gestis, 1758, VII. p. 553.

  • Autor/in

    Aug. Hirsch.
  • Empfohlene Zitierweise

    Hirsch, August, "Hamberger, Georg Erhard" in: Allgemeine Deutsche Biographie 10 (1879), S. 470-471 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116422157.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA