Lebensdaten
1863 bis 1926
Geburtsort
München
Sterbeort
Würzburg
Beruf/Funktion
Jurist ; Professor für Staatsrecht in Würzburg
Konfession
evangelische Familie
Normdaten
GND: 116185953 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Piloty, Robert Ferdinand
  • Piloty, Robert
  • Piloty, Robert Ferdinand

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Zitierweise

Piloty, Robert, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116185953.html [18.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Karl v. P. (s. 1);
    M Bertha Hellermann;
    B Oskar (s. 3);
    München 1888 Melanie (* 1868), T d. Otto Steinbeis (1839–1920), aus Bachzimmern (Württ.), Fabrik- u. Gutsbes. in Brannenburg b. Rosenheim, GKR, u. d. Fanny Karoline Lerch; Gvm d. Ehefrau Ferdinand v. Steinbeis (1807–93), Industr. (s. ADB 35; Lb. Schwaben III);
    4 S (2 ⚔);
    N Hans (s. 4).

  • Leben

    Nach juristischem Studium in München und Berlin, dem einjährigen bayer. Militärdienst und dem 1888 in München abgelegten Examen für den höheren Justiz- und Verwaltungsdienst wandte P. sich dem akademischen Lehrberuf zu. 1888 wurde er in München mit der Dissertation „Die Haftung des Staats für rechtswidrige Handlungen und Unterlassungen der Beamten“ promoviert. 1890 habilitierte er sich in Würzburg mit einer anschließend stark ausgebauten Arbeit über das neue Unfallversicherungsrecht. 1892 Privatdozent auch in München, wo er seinen erkrankten Lehrer Max v. Seydel (1846–1901) vertrat, erhielt P. 1895 in Würzburg den Lehrstuhl für Staatsrecht, Verwaltungsrecht und Politik, wo er bis zum Lebensende als angesehener wissenschaftlicher Lehrer wirkte; Rufe an andere Universitäten, darunter Heidelberg, lehnte er ab. Die Revolution von 1918 brachte ihn, der in den ersten Jahren des Weltkrieges nochmals militärischen Dienst geleistet hatte, zur praktischen politischen Arbeit: Bei den Wahlen zum Bayer. Landtag im Januar 1919 errang er für die Demokratische Partei das Mandat im Stimmkreis Würzburg I, II, III, Lohr; die neue freistaatliche Verfassung Bayerns gestaltete er wesentlich mit. Mit besonderer Hingabe widmete er sich dem Aufbau der 1918 unter seiner Mitwirkung gegründeten Würzburger Volkshochschule.

    Staats- und Verwaltungsrecht waren P.s Hauptarbeitsgebiete. Die Neubearbeitung von Seydels Werk „Bayer. Staatsrecht“ übernahm er zusammen mit Josef v. Graßmann (2 Bde., 1913); er bearbeitete den ersten Band „Die Staatsverfassung“ und vermehrte ihn erheblich. Bei aller betonten juristischen Note seiner Arbeiten kann man P. doch nicht als einen typischen Vertreter des staatsrechtlichen Positivismus bezeichnen. Er wandte sich neuen Gebieten zu wie Unfall- und Arbeiterversicherungsrecht und bereicherte die für das staatsrechtliche Fach repräsentative Festgabe (1908) für dessen Altmeister Paul Laband mit einer wissenschaftshistorischen Arbeit zur Entwicklung der bayer. Staatsrechtsliteratur. 1916 sprach er sich in einer Otto Mayer gewidmeten Studie für die Abkehr des staatsrechtlichen Faches von dessen willensformalistischem Ansatz und seine Umorientierung auf den Pflichtbegriff aus. 1917 forderte er, an Max Webers soeben erschienene Kritik der politischen Beamtenherrschaft anknüpfend, in einer konstitutionelle und parlamentarische Monarchie vergleichenden Abhandlung den Übergang Deutschlands zum parlamentarischen Regierungssystem, wenn auch noch nicht für die Zeit des Krieges.|

  • Auszeichnungen

    Geh. Hofrat (1912).

  • Werke

    Weitere W Das Reichsunfallvers.recht, dessen Entstehungsgesch. u. System, 3 Bde., 1890-93;
    M.v. Seydel, in: Bll. f. administrative Praxis 51, 1901, S. 225-47;
    Ein Jh. bayer. Staatsrechts-Lit., in: Staatsrechtl. Abhh., Festgabe Paul Laband, I, 1908;
    Formen internat. Verständigung, 1913 (Vortrag);
    Verw.rechtl. Gedanken, Aus d. Festgabe f. Otto Mayer z. 70. Geb.tag, 1916;
    Das Parlamentar. System, Eine Unters. seines Wesens u. Wertes, 1917 (auch in: Archiv f. Rechts- u. Wirtsch.philos. 11, 1917/18, S. 65 ff.);
    Grundriß d. Verw.rechtes in Bayern u. d. Dt. Reiche (mit F. Schneider), 1921, 4/51930. – Mithg.: Jb. d. öff. Rechts, 1907-26;
    Hdb. d. off. Rechts d. Gegenwart, seit 1899;
    Archiv d. öff. Rechts, 1908-26.

  • Literatur

    O. Liebmann, in: DJZ 31, 1926, Sp. 948 f.;
    O. Koellreutter, in: Jb. d. öff. Rechts 14, 1926, S. V;
    Archiv d. öff. Rechts NF 11, 1926, S. 161;
    W. Dettelbacher, Die Gründer d. VHS Würzburg 1918, 1993, S. 7-10. – Slg. d. Herrn Univ.prof. Dr. R. P., Würzburg, Auktionskat., Gal. Helbing München 1911;
    Münzen u. Medaillen v. Würzburg, Slg. GR Prof. R. P., in: Auktionskat., Gal. Helbing München 1927, S. 54-92.

  • Portraits

    Hdb. d. Bayer. LT 1919/20.

  • Autor/in

    Manfred Friedrich
  • Empfohlene Zitierweise

    Friedrich, Manfred, "Piloty, Robert" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 445-446 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116185953.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA