Lebensdaten
1859 bis 1942
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Theresienstadt
Beruf/Funktion
Mathematiker
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 116178337 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Pick, Georg Alexander
  • Pick, Georg
  • Pick, Georg Alexander

Quellen(nachweise)

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Zitierweise

Pick, Georg, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116178337.html [17.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Adolf Josef, Dr. phil., Inh. u. Vorsteher e. Privatlehranstalt;
    M Josefa Schleisinger.

  • Leben

    Nach der Reifeprüfung 1875 am Leopoldstädter Communalgymnasium studierte P. bis 1879 an der Univ. Wien Mathematik u. Philosophie und legte anschließend die Lehramtsprüfung für Mathematik und Physik ab. 1880 wurde er mit der von Leo Königsberger (1837–1921) und Emil Weyr (1848–94) beurteilten Dissertation „Über eine Klasse abelscher Integrale“ in Wien zum Dr. phil. promoviert und erhielt 1881 eine Assistentenstelle bei Ernst Mach (1838–1916) in Prag. Nach der Teilung der Universität habilitierte er sich 1882 an der Deutschen Univ. Prag mit der Arbeit „Über die Integration hyperelliptischer Differentiale durch Logarithmen“. 1888 wurde er dort zum ao. Professor, 1892 als Nachfolger von Heinrich Durège (1821–93) zum o. Professor ernannt (1900/01 Dekan).

    P.s Arbeiten zeigen eine bemerkenswerte Breite und umfassen Beiträge zur Funktionalanalysis, zur Differentialgeometrie, zu elliptischen und abelschen Funktionen, zur Theorie der Differentialgleichungen und auch zur Elementargeometrie. Zum ersten Teil „Reine Theorie der Standorte“ (1909) des grundlegenden Werkes des Volkwirtschaftlers und Soziologen Alfred Weber (1868–1958) „Über den Standort von Industrien“ verfaßte P. einen mathematischen Anhang. Seine wichtigste Leistung ist jedoch die Entdeckung der verallgemeinerten natürlichen Geometrie, die auf den Ideen des norweg. Mathematikers Sophus Lie (1842–99) aufbaut. P.s mathematisches Werk ist bis heute aktuell und mit Begriffen wie „Pick matrices“, „Nevanlinna-Pick interpolation“ oder „Schwarz-Pick lemma“ verbunden. Weiten Kreisen ist er durch die in Schulbücher aufgenommene P.sche Flächenformel für Polygone im Gitternetz bekannt geworden, die es erlaubt, die Fläche eines einfach geschlossenen ebenen Polygons, dessen Ekken Gitterpunkte in einem rechtwinkligen Koordinatensystem sind, aus den Anzahlen der im Inneren bzw. auf dem Rande des Polygons liegenden Gitterpunkten zu berechnen.

    Zusammen mit dem Experimentalphysiker Anton Lampa (1868–1938) war P. 1910 maßgeblich an der Berufung Albert Einsteins auf den Lehrstuhl für Theoretische Physik an der Deutschen Univ. Prag beteiligt. 1929 wurde P, dessen bekanntester Schüler wohl Karl Löwner (1893–1968) war, emeritiert und kehrte nach Wien zurück. Nach dem „An-schluß“ Österreichs an das Deutsche Reich 1938 zog er wieder nach Prag. Am 13.7.1942 wurde P. in das KZ Theresienstadt deportiert, wo er vierzehn Tage später starb.|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Ges. z. Förderung dt. Wiss., Kunst u. Kultur in Böhmen (seit 1896, 1928-38 korr. Mitgl., 1939 ausgeschlossen).

  • Werke

    u. a. Grundzüge e. Theorie v. e. Classe Abelscher Integrale, in: Wiener Berr. 82, 1880, S. 893-930 (mit M. Ungar);
    Über Raumkurven vierter Ordnung erster Art u. d. zugehörigen ellipt. Functionen, ebd. 98, 1889, S. 536-63;
    Zur Theorie d. zu e. algebraischen Gebilde gehörigen Formen, in: Math. Ann. 50, 1898, S. 381-97;
    Distanzschätzungen im Funktionenraum I, ebd. 76, 1915, S. 354-75 (mit Ph. Frank);
    Über d. Beschränkungen analyt. Funktionen, welche durch vorgegebene Funktionswerte bewirkt werden, ebd. 77, 1915, S. 7-23;
    Über e. Eigenschaft d. konformen Abb. kreisförmiger Bereiche, ebd. 77, 1916, S. 1-6;
    Distanzschätzungen im Funktionenraum II, ebd. S. 277-300 (mit W. Blaschke);
    Geometrisches z. Zahlenlehre, in: Lotos 47 (NF 19), 1899, S. 311-19.

  • Literatur

    G. Kowalewski, Bestand u. Wandel, Meine Lebenserinnerungen, zugleich e. Btr. z. neueren Gesch. d. Math., 1950, S. 217, 237 f.;
    J. Folta, J. Mandlerová u. L. Nový, Die Math. an d. Prager Univ. in d. J. 1900–18, in: Acta Universitatis Carolinae 8, 1967, S. 7-43;
    A. Dick u. M. Pinl, Kollegen in e. dunklen Zeit, in: Jber. d. Dt. Math.-vereinigung 75, 1973/74, S. 178-80 (W-Verz.);
    M. Jeger, Die Formel v. P. u. ihr elementar-math. Umfeld, in: Didaktik d. Math. 10, 1982, S. 1-24;
    M. Toepell, Albert Einstein u. Rudolf Steiner in Prag, in: Math.-Physikal. Korr. 145, 1987, S. 9-17;
    B. Grünbaum u. G. C. Shephard, P.s theorem, in: The American Mathematical Monthly 100, 1993, S. 150-60;
    J. Ludvíková, G. P. (1859-1942) – Život a hlavní smëry jeho činnosti, Dipl.arb. Prag, 1997 (W-Verz.);
    R. Osserman, From Schwarz to P. to Ahlfors and beyond, in: Notices of the American Mathematical Soc. 96, 1999, S. 868-73;
    R. Fritsch, G. P. u. Ludwig Berwald, Zwei Math. an d. Dt. Univ. Prag, in: Schrr. d. Sudetendt. Ak. d. Wiss. u. Künste, 2000;
    Pogg. III - VII a;
    Kürschner, Gel.-Kal. 1926-35;
    ÖBL.

  • Autor/in

    Rudolf Fritsch
  • Empfohlene Zitierweise

    Fritsch, Rudolf, "Pick, Georg" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 418 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116178337.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA