Lebensdaten
1865 bis 1951
Geburtsort
Mannheim
Sterbeort
Biddenden (Kent, England)
Beruf/Funktion
Komponist ; Pianist
Konfession
jüdisch,anglikanisch,konfessionslos
Normdaten
GND: 116024097 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kahn, Robert

Porträt(nachweise)

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Kahn, Robert, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116024097.html [12.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Bernhard (1828–1905), Teilh. d. Bettfedernfabrik, Stadtrat in M., S d. Michel (1798–1861), gründete 1826 in Stebbach Kr. Sinsheim e. Geschäft z. An- u. Verkauf v. Bettfedern, siedelte 1850 nach M. über (s. L), u. d. Franziska Bär;
    M Emma (1840–1906), T d. Ferdinand Eberstadt (1808–88), 1849-52 Bgm. v. Worms, seit 1857 Handelsmann in M., u. d. Sara Seligmann;
    Ov Emil (1832–96), Pol., mußte 1848 als Rädelsführer d. Rev. nach USA auswandern, kehrte nach d. Gen.- amnestie zurück u. wurde Teilh. d. väterl. Bettfedernfabrik;
    B Otto (1867–1934), Bankier, seit 1888 in London f. d. Dt. Bank tätig, ging 1893 nach New York u. wurde als Partner v. Kuhn, Loeb & Co. (seit 1896) einer d. bedeutendsten amerikan. Industriefinanziers. Er war Musikmäzen, Hauptaktionär u. Präs. (bis 1921) d. Metropolitan Opera Corporation in New York (s. L);
    Schw Lili ( Felix Deutsch 1928, Elektroindustrieller, s. NDB III);
    - 1900 Katharina Hertel, E d. Peter Hertel (1817–99), Hofkomp. u. Dir. d. Ballettmusik in Berlin (s. Riemann);
    3 T.

  • Leben

    K. erhielt bereits während seiner Gymnasialzeit Musikunterricht bei Ernst Franck, Emil Paur und Vincenz Lachner. 1882-85 studierte er an der Berliner Hochschule für Musik bei Rudorff, Kiel und Bargiel und im folgenden Jahr an der königlichen Musikschule in München, wo er bei J. Rheinberger und H. Schwartz arbeitete, um anschließend nach Wien zu gehen. Hier erneuerte K. die bereits in Mannheim gemachte Bekanntschaft mit Brahms. Er ließ sich als freier Komponist in Berlin nieder. Außerdem war er als Korrepetitor am Stadttheater in Leipzig tätig und leitete dort 1890-93 einen von ihm gegründeten Frauenchor. 1897 folgte K. einem Ruf an die Hochschule für Musik in Berlin als Lehrer für Theorie und Ensemblespiel, wurde 1903 zum Professor ernannt und 1912 außerdem mit Kompositionsunterricht betraut. 1927 wählten ihn seine Kollegen zum Vertreter der Kompositionsabteilung, nachdem er bereits 1916 als ordentliches Mitglied in die Akademie der Künste und ein Jahr später in deren Senat berufen worden war. Nach 32jähriger erfolgreicher Lehrtätigkeit trat er 1930 in den Ruhestand, ließ sich 1931 in Feldberg (Mecklenburg) nieder und emigrierte 1937 nach England. – K. war der nachromantischen|ZUG, speziell dem Brahmskreis, verbunden, was sich auch in seinem fast ausschließlich kammermusikalischen Oeuvre dokumentiert. Als ausgezeichneter Pianist und einfühlsamer Begleiter – unter anderem war K. Mitglied der Kammermusikvereinigung der Königlichen Kapelle in Berlin – „geht er auch in seiner Kammermusik vom Klavier aus“ (Mersmann). Während in seinen Frühwerken, dem Einfluß seiner Lehrer entsprechend, die Vorbilder Mendelssohn, Schumann und Brahms spürbar sind, gewinnt sein Stil um die Jahrhundertwende persönliches Profil, das auf seiner ausgesprochen lyrischen Begabung basiert. Harmonischer Wohlklang paart sich mit schlichter, rhythmisch prägnant artikulierter Melodik und Klarheit der Formgebung. Seine konsequente kammermusikalische Gestaltungsart verbunden mit überlegenem technischem Können machten ihn zu einem gediegenen Lehrer. Mit seinen Kompositionen entsprach er sowohl der konzertmäßigen Kammermusikpflege wie dem hausmusikalischen Bedarf der Zeit und steigerte die Einfachheit seines Stils in seinen Liedern zu volksliedhaft innigem, poetischem Ausdruck. Seine traditionsverbundenen retrospektiven ästhetischen Anschauungen, die auch in seiner positiven Stellungnahme zu F. Draesekes Mahnruf „Die Konfusion der Musik“ (1906) zum Ausdruck kommt, verbinden K. mit der Gruppe der Berliner Akademiker des ausgehenden 19. Jahrhunderts.

  • Werke

    Violin- u. Cellosonaten, Klaviertrios, -quartette u. -
    quintette, Streichquartette;
    Klavier-, Violin- u. Violincellostücke, Lieder u. Duette, a-capella-Chöre, Chorwerke mit Klavier- u. Orch.-hegleitung, Konzertstück f. Klavier u. Orch., Orchesterserenade.

  • Literatur

    E. Radecke, R. K., 1894;
    A. Kohut, Berühmte israelit. Männer u. Frauen I, 1900;
    M. Chop, R. K., o. J.;
    W. Altmann, in: Die Musik IX, 1909/10, S. 352-63;
    ders., Hdb. f. Klaviertriospieler, 1934;
    ders., Hdb. f. Klavierquartettspieler, 1937;
    A. Diesterweg, in: Allg. Musikztg. 52, 1924/25, S. 671 ff.;
    J. Ph. Heid, R. K. als Chorkomp., in: Der Chormeister II, 1926, S. 10;
    H. Mersmann, Die Kammermusik, Bd. 3: Dt. Romantik (Führer durch d. Konzertsaal, begonnen v. H. Kretzschmar), 1930;
    H. Wiltberger, in: Neue Zs. f. Musik 126, H. ⅞, 1965, S. 287;
    F. Pazdirek, Universalhdb. d. Musiklit. 14, 1904/10 (W-Verz.:);
    Große jüd. Nat.biogr., hrsg. v. S. Wi|ninger, 1925-1935;
    The Universal Jewish Enc. VI, hrsg. v. I. Landmann 1948;
    MGG VII (W, L);
    Riemann u. Erg.bd. (L). - Zu Gvv Michel: M. Kahn Söhne GmbH, Bettfedernfabrik Mannheim, 1826–1926, 1926;
    - zu B Otto:
    St. Birmingham, In unseren Kreisen, Die gr. jüd. Familien New Yorks, 1969.

  • Autor/in

    Thomas-M. Langner
  • Empfohlene Zitierweise

    Langner, Thomas-M., "Kahn, Robert" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 27 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116024097.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA