Lebensdaten
1849 bis 1893
Beruf/Funktion
Mediziner
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 116021403 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kahler, Otto

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Zitierweise

Kahler, Otto, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116021403.html [12.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Josef (1810–70), Dr. med., Stadtarzt in P., S d. Landwirts Johann in Großdorf b. Braunau/Böhmen u. d. Barbara Rosenberg;
    M Anna (1827–97), T d. Wirtsch.bes. Josef Soućek in Lichtendorf u. d. Anna Stech;
    Prag 1876 Amalie (1855–1914), T d. Carl Constantin Rr. v. Zdekauer (1819–73), Dr. iur., Bankier, Präs. d. Böhm. Eskomte-Bank in P. (s. Wurzbach 59), u. d. Anna Artus, Präsidentin d. Prager dt. Frauen-Erwerbver.; Schwager Konrad Rr. v. Zdekauer (1847–1929), Schriftsteller (Ps. Curt v. Zelau, s. Wurzbach 59; Brümmer);
    2 S, 2 T, u. a. Otto (1878–1946), Prof. d. Hals-, Nasen- u. Ohrenheilkde. in Freiburg (s. ÖBL), Hermann (1891–1951), Dozent f. innere Med. u. Krankenhaus-Primarius in W., Lilli ( Richard Wiesner, 1875–1954, Prof. d. Pathol. in W.).

  • Leben

    K. studierte in seiner Vaterstadt Medizin und wurde 1871 promoviert. Das wohlhabende Elternhaus bot ihm neben einer gediegenen Allgemeinbildung auch die Möglichkeit zu einer Studienreise nach Paris, wo sich K. während mehrerer Monate besonders bei J. M. Charcot und G. B. D. Duchenne de Bologne weiterbildete. Seither galt sein besonderes Interesse der Klinik und pathologischen Anatomie des Zentralnervensystems. An der Prager Medizinischen Klinik bei J. Halla Assistent geworden, fand er in dem damaligen Sekundararzt der Prager Irrenanstalt Arnold Pick, der gerade aus der Schule K. F. Westphals zurückgekehrt war, einen gleichgesinnten Mitarbeiter. Ein „frisch-fröhliches Forschen“ der beiden zeitigte nach 4 Jahren als Frucht die „Beiträge zur Pathologie und pathologischen Anatomie des Centralnervensystems“ (1879). Abgesehen vom Einzelwert der kasuistischen Arbeiten wirkte besonders die Abhandlung über die Systemerkrankungen wie ein Gärstoff auf die zeitgenössischen Untersuchungen über die Tabes dorsalis. Das Kahler-Picksche Gesetz (über den Verlauf der sensiblen Fasern im Hinterstrang des Rückenmarks, der durch immer neu hinzukommende bestimmt wird) erinnert heute noch an diese Arbeitsperiode. 1875 habilitierte sich K. in Prag, 1882 erhielt er den Professor-Titel und wurde 1887, nach Emeritierung seines Lehrers Halla, Vorstand der II. Medizinischen Klinik der Deutschen Universität Prag. 1882/83 war die Abspaltung einer|Böhmischen Universität dortselbst erfolgt, woraus sich Schwierigkeiten ergaben. Die damit verbundenen finanziellen und räumlichen Einschränkungen glich K. mit seinem Organisationstalent und seinem Fleiß aus. 1888 erschien seine Untersuchung „Über die Diagnose der Syringomyelie“ (in: Prager medizinische Wochenschrift 13, S. 45-47, 63-65) mit der ersten vollständigen Beschreibung dieses Leidens und 1889 seine grundlegende Arbeit „Zur Symptomatologie des multiplen Myeloms“ (ebenda 14, S. 33-35, 44-49), das seither als „Kahlersche Krankheit“ in das medizinische Schrifttum eingegangen ist. Im gleichen Jahre erreichte ihn die Berufung nach Wien, wo seit dem Tode H. Bambergers die II. Medizinische Klinik verwaist war. Dadurch in die Nähe des damals bedeutendsten Internisten der österreichisch-ungarischen Monarchie, H. Nothnagel, versetzt, zollte er diesem schon in seiner Antrittsvorlesung „Über das Wesen und die historische Entwicklung unserer Diagnostik“ hohe Anerkennung. Beide verband fortan Freundschaft und gegenseitige Verehrung. Als Arzt brachte K. „Sonnenschein in die Krankenstuben“, als Lehrer fesselte er die Studenten mit seinem „klaren, anschaulichen und durchsichtigen“ Vortrag. Alle wollten in ihm das Wesen Oppolzers wieder erkennen, dessen zweiter Nachfolger er war. Da brach wenige Monate nachdem er in Wien heimisch geworden war, seine Todeskrankheit aus: ein Zungenkrebs. Von seinen Kollegen Th. Billroth und K. Gussenbauer mehrmals operiert, starb er wenige Wochen nach seinem 44. Geburtstag.

  • Werke

    Weitere W u. a. Über d. Veränderungen, welche sich im Rückenmarke infolge e. geringgradigen Compression entwickeln, in: Zs. f. Heilkde. 3, 1882, S. 187-232;
    Über d. progressiven spinalen Amyotrophien, ebd. 5, 1884, S. 169-224;
    Die dauernde Polyurie als cerebrales Herdsymptom, ebd. 7, 1886, S. 105-220;
    Die multiple syphilit. Wurzelneuritis, ebd. 8, 1887, S. 1-26;
    Das Centralorgan, in: C. Toldt, Lehrb. d. Gewebelehre, 21884, 31888;
    Über d. neuen Methoden z. Unters. d. kranken Magens, in: Prager med. Wschr. 12, 1887, S. 271-75, 279-83 (darinK.sches Reagenz“ auf freie HCl);
    Über d. Erweiterung d. Symptomenkomplexes d. Basedowschen Krankheit, ebd. 13, 1888, S. 313-15, 339-41.

  • Literatur

    L. Eisenberg, Das geistige Wien II, 1893, S. 239 f.;
    H. Nothnagel, in: Wiener klin. Wschr. 6, 1893, S. 79 f.;
    ders. u. R. Krafft-Ebing, in: Wiener med. Presse 34, 1893, S. 188 f.;
    A. Pribram, in: Prager med. Wschr. 18, 1893, S. 43-45, A. Pick, ebd., S. 45-47;
    F. Kraus, in: Zs. f. Heilkde. 14, 1893, S. 3-12 (W-Verz.);
    P. Diepgen, Unvollendete, 1960, S. 13;
    E. Lesky, Die Wiener Med. Schule im 19. Jh., 1965, S. 326 f.;
    W. Koerting, Die Dt. Univ. in Prag, Die letzten 100 J. ihrer Med. Fak., 1968, S. 168 f.;
    Pagel;
    Hirsch;
    Fischer;
    ÖBL;
    ADB 50.

  • Portraits

    Denkmal v. R. Kauffungen, 1904 (Wien, Arkadenhof d. Univ.);
    Gem. (in Fam.bes.).

  • Autor/in

    Helmut Wyklicky
  • Empfohlene Zitierweise

    Wyklicky, Helmut, "Kahler, Otto" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 26 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116021403.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Kahler: Otto K., hervorragender Kliniker zu Wien, 1849 in Prag geboren, studirte auch dort, war Assistent an der Klinik von Halla, wurde 1871 promovirt, 1878 Docent an der deutschen Universität in Prag, 1882 Professor e. o., 1886 ord. Professor für specielle Pathologie und Therapie und Vorstand der II. medicinischen Klinik an der deutschen Universität und war schließlich seit 1889 als Nachfolger Bamberger's in gleicher Eigenschaft in Wien thätig, wo er jedoch bereits am 24. Januar 1893 starb. Trotz seines frühen Todes hat K. durch seine litterarische und Lehrthätigkeit sich den Ruf eines der bedeutendsten Kliniker der Neuzeit begründet. Er hat in verschiedenen Archiven und Zeitschriften zahlreiche Arbeiten aus verschiedenen Gebieten der inneren Medicin, vor allem aus dem der Neurologie, klinischen, anatomischen und experimentellen Inhaltes verfaßt, das Capitel „Centralnervensystem“ in dem Lehrbuche der Histologie von C. Toldt (3. Auflage Stuttgart 1888) bearbeitet und war Redacteur der Prager Medicinischen Wochenschrift seit 1878. Namentlich verdankt ihm die Lehre von der Tabes und von den combinirten Systemerkrankungen des Rückenmarks wesentliche Förderung. Ebenso hat K. Studien über die Basedow'sche Krankheit, über Rückenmarksverletzungen, über die acute, aufsteigende Paralyse, perniciöse Anämie, Darmverschluß, Venenpuls, Pleurapunction etc. gemacht resp. veröffentlicht. Am 2. Juli 1904 wurde Kahler's Büste in den Arkaden der Wiener Universität feierlich enthüllt, wobei Professor Kraus (Berlin) die Rede hielt.

    • Literatur

      Vgl. Biogr. Lexikon ed. Pagel, S. 835.

  • Autor/in

    Pagel.
  • Empfohlene Zitierweise

    Pagel, Julius Leopold, "Kahler, Otto" in: Allgemeine Deutsche Biographie 50 (1905), S. 747 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116021403.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA