Lebensdaten
1869 bis 1938
Geburtsort
Preußisch-Eylau (Ostpreußen)
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Völkerkundler
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 115544569 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Preuß, Konrad Theodor
  • Preuss, Konrad Theodor
  • Preuß, Konrad Theodor
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Zitierweise

Preuss, Konrad Theodor, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd115544569.html [21.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Theodor, Kreissekr. in P.-E.;
    M Johanne Krupinski;
    Königsberg (Pr.) 1899 Margarete, T d. Friedrich Reich u. d. Bertha Liedtke;
    2 S, u. a. Werner (* 1901).

  • Leben

    Nach dem Besuch des Gymnasiums auf der Burg in Königsberg (Ostpreußen) war P. vorübergehend als Kaufmann tätig, und befaßte sich anschließend mit alten Sprachen. Seit 1890 studierte er in Königsberg Geschichte (bei Hans Prutz) und Geographie (bei Eduard Hahn). 1894 wurde er mit einer Dissertation über die „Begräbnisarten der Amerikaner und Nordostasiaten“ (1895) promoviert. 1895 erhielt er eine Anstellung als Wissenschaftlicher Hilfsarbeiter am Museum für Völkerkunde in Berlin, wo bis zum Ruhestand 1934 blieb (1928 Abt.dir.). Hier war er dem damals führenden Amerikanisten Eduard Seler (1849–1922) zugeordnet, der P. förderte (Forschungsreisen, Habilitation 1920), mit dem er aber auch fachliche Kontroversen über die Interpretation der Religion der alten Mexikaner austrug. P.s eher passives Eintreten für den Nationalsozialismus (Mitgl. d. NSDAP, 1933) fiel weitgehend in die Zeit nach der Pensionierung. Anstelle von Leonhard Adam (1891–1960) übernahm er die Herausgabe des „Lehrbuchs der Völkerkunde“ (1937, 21939 hg. v. R. Thurnwald), ließ jenen aber noch einen Beitrag verfassen.

    P. Museumstätigkeit wurde durch zwei lange und ertragreiche Forschungsreisen nach West-Mexiko 1905-07 und nach Kolumbien 1913-19 (Rel. u. Mythologie der Uitoto, 2 Bde., 1921/13; Forschungsreise zu den Kágaba, 1926) unterbrochen. Der Ausarbeitung der mexikan. Forschungsergebnisse, v. a. den umfangreichen Sprachaufnahmen, widmete er sich bis zu seinem Tod. Außer der Cora-Studie (Die Nayarit-Expedition, 1912) erschienen die Mexicano-Texte erst postum (Nahua-Texte aus San Pedro Jícora in Durango, 3 Bde., 1968–76); das Huichol-Material wurde im 2. Weltkrieg vernichtet. P. bemühte sich bei seiner Feldarbeit um einen sprachlichen Zugang zur Glaubens- und Vorstellungswelt der Indianer.

    Zu seiner Zeit galt P. als hervorragender Religionsforscher. Zunächst setzte er sich kritisch mit der Animismus-Theorie E. B. Tylors auseinander, dann rezipierte und kritisierte er L. Levy-Brühls Theorie des magischen Denkens, vor allem dessen Konzept des prälogischen Denkens, das seinen eigenen Felderfahrungen widersprach. P. sah mythisches oder magisches und rationales Denken als gleichzeitig wirksam. Schließlich wandte er sich der von A. Lang begründeten und von Wilhelm Schmidt weiterentwickelten Forschung zum primitiven Hochgottglauben zu. P. lehnte jedoch die Deutung der naturvölkischen Hochgottvorstellungen als Uroffenbarung des christl. Gottes ab. Seine eigene Feldforschung lieferte ihm reiches Material, um den Zusammenhang von Mythos und Kult zu erklären (Der religiöse Gehalt d. Mythen, 1933).

    In seinen letzten Lebensjahren befaßte P. sich mit der altmexikan. Bilder- und Texthandschrift „Historia Tolteca-Chichimeca“ (1937/38), die er gemeinsam mit Ernst Mengin (1893–1973) in einer bis in die Gegenwart weiterwirkenden Veröffentlichung herausgab. Weitere auf den Feldforschungen basierende Editionen sind noch nicht abschließend ausgewertet.|

  • Auszeichnungen

    Stanislaus-Orden IV. Kl. (1918); Mitgl. d. Ak. d. Wiss. zu Amsterdam (1928) u. Helsinki sowie d. Ac. Nacional de Historia, Quito; Ehrenmitgl. d. Anthropological Soc. of Washington (1929), d. Soc. des Américanistes de Paris (1930) u. d. Anthropolpol. Ges., Florenz (1934); Ehrenprof. d. Mus. Nac. de Arqueol., Hist. y Etnogr. Mexico (1933); Komtur d. Ordens v. Boyacá, Kolumbien (1936).

  • Werke

    Weitere W Die Rel. d. Cora-Indianer in Texten nebst Wörterbuch, 1912;
    Die geistige Kultur d. Naturvölker, 1914, 21923;
    Glauben u. Mystik im Schatten d. höchsten Wesens, 1926;
    Die Eingeborenen Amerikas, 21926;
    Monumentale vorgeschichtl. Kunst, Ausgrabungen im Quellgebiet des Magdalena, 2 Bde., 1929;
    Mexikan. Rel., 1930;
    Tod u. Unsterblichkeit im Glauben d. Naturvölker, 1930.

  • Literatur

    H. Jungbluth, K. Th. P. u. seine rel.geschichtl. Grundanschauungen, Darst. u. Deutung, Diss. Bonn 1933;
    E. H. Snethlage, in: Ethnolog. Anz. 4, 1939, S. 261-67 (W);
    F. R. Lehmann, in: Zs. f. Ethnol. 71, 1939 (1940), S. 145-50;
    G. Kutscher, in: Indiana, Beih. 7, 1976, bes. S. 26-29 (P);
    Rhdb. (P);
    Altpreuß. Biogr. II;
    Ostdt. Gedenktage 1988, S. 85 f. (P);
    B. Riese, in: Dict. of Anthropologists, 1991 (W-Verz.);
    ders., in: Hauptwerke d. Ethnol., hg. v. Ch. Feest u. K.-H. Kohl (in Vorbereitung). – Eigene Archivstud. (Berlin, Humboldt-Univ., Mus. f. Völkerkde., Ges. f. Anthropol., Ethnol. u. Urgesch.).

  • Autor/in

    Berthold Riese
  • Empfohlene Zitierweise

    Riese, Berthold, "Preuss, Konrad Theodor" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 710-711 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd115544569.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA