Ziehm, Elsa( verheiratete)

Lebensdaten
1911 – 1993
Geburtsort
Dobel bei Calw
Beruf/Funktion
Musikwissenschaftlerin ; Ethnologin
Konfession
evangelisch
Namensvarianten

  • Harmenin, Elsa( geborene)
  • Wertheim, Elsa
  • Ziehm, Elsa( verheiratete)
  • ziehm, elsa
  • Harmenin, Elsa( geborene)
  • harmenin, elsa
  • Wertheim, Elsa

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Zitierweise

Ziehm, Elsa( verheiratete), Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/sfz143032.html [04.02.2026].

CC0

  • Ziehm, Elsa, geborene Harmening, adoptierte Wertheim

    | Musikwissenschaftlerin, Ethnologin, Amerikanistin, * 23.3.1911 Dobel bei Calw, † 15.10.1993 Berlin. (evangelisch)

  • Genealogie

    V N. N.;
    M N. N.;
    seit 1911 Adoptiv-V Wilhelm Wertheim (1858–1934), aus Stralsund, Warenhausbes. in B., S d. Abraham W. (1819–91), aus Anklam, Kaufm. in Stralsund (beide s. NDB 27*), u. d. Ida Wolff (1830–1918), aus Prenzlau;
    Adoptiv-M Martha Wertheim (1870–1953), zuletzt in Bath (England), T d. Berthold Meschelsohn (1838–1905) u. d. Pauline N. N. (1848–1923);
    1938 Hans-Jürgen Ziehm (1913–2003), Gymn.lehrer in B., Organist;
    1 S Jürn (* 1944), 2 T Irmela Stroh (* 1940), in B., Inga Wickel (* 1942).

  • Biographie

    Z. wurde als Säugling von dem Berliner Kaufhausbesitzerehepaar Wilhelm und Martha Wertheim adoptiert. Nach dem Abitur am Hohenzollern-Lyzeum in Berlin-Wilmersdorf begann sie 1931 ein Studium der Musikwissenschaft, Ethnologie und weiterer geisteswissenschaftlichen Fächer an der Univ. Berlin. Wegen zunehmender Anfeindungen durch Kommilitonen, denen sie wegen ihrer Zugehörigkeit zu der „jüd.“ Kaufhausfamilie Wertheim seit Beginn der NS-Herrschaft ausgesetzt war, gab sie ihr Studium 1937 ohne Abschluß auf. Ihr Adoptivvater riet ihr, wieder ihren Geburtsnamen Harmening anzunehmen, und sorgte dafür, daß ihr ein Teil ihres von nationalsozialistischer Enteignung bedrohten Erbteils überschrieben wurde. Da Z. 1938 heiratete und bis 1944 drei Kinder zur Welt brachte, verzögerte sich die Wiederaufnahme des Studiums mit neuem, nun mexikanistischem Thema für eine Dissertation bis nach 1950. Auf Anregung von Gerdt Kutscher (1913–1979) übernahm sie die Edition und Erschließung der von Konrad Theodor Preuss (1869–1938) hinterlassenen Feldtagebücher seiner Mexiko-Reise zu den Mexicano im Bundesstaat Durango. Auf dieser Grundlage verfaßte sie ihre neue Dissertation und legte 1968–76 als Gesamtergebnis die 3 Bände „Nahua-Texte aus San Pedro Jícora in Durango“ in der von Kutscher betreuten Reihe der „Quellenwerke zur alten Geschichte Amerikas (…)“ des Iberoamerik. Instituts in Berlin (-West) vor. 1983–86 hatte Z. Lehraufträge für die aztekische Schriftsprache am Latein-Amerika Institut der FU Berlin.

    Z.s wiss. Bedeutung beruht auf der Veröffentlichung, Kommentierung und Übersetzung sowie Anreicherung der Preuss’schen Feldnotizen, auch gespeist durch eigene Nachuntersuchungen auf vier Mexiko-Reisen 1962–74. Sie enthalten die Texte in Mexicano, dt. Übersetzungen und biographische Abrisse der Erzähler. Die internationale Wirkung dieser bedeutenden Dokumentation der Oral-Literatur einer modernen uto-aztekischen Sprache wurde durch span. Teilübersetzungen seit 1982 befördert. Eine unveröffentlichte Grammatik und ein Wörterbuch des Mexicano vertraute sie dem US-amerik. Literaturwissenschaftler John W. Bierhorst (* 1936) an, der beides der American Philosophical Society in Philadelphia übergab.

  • Werke

    |Rumän. Volksmusik, Dargest. an d. Schallaufnahmen d. Inst. f. Lautforsch. an d. Univ. Berlin, 1939 (unter Ltg. u. Mitarb. v. F. Bose);
    (Übers. u. Hg.) K. Th. Preuss, Nahua-Texte aus San Pedro Jícora in Durango, 3 Bde., 1968–76, span. Teilausg. hierzu F. d. México, Instituto Nacional Indigenista, 1982;
    Samuel Martí (1906–1975), in: Indiana 4, 1977, S. 304–08;
    Mitos y cuentos nahuas de la Sierra Madre Occidental, Aztek. Musik d. 16. Jh. in Mexiko, rekonstruiert n. Bodenfunden, schriftl. Quellen u. heutigem Brauchtum, in: Jb. f. musikal. Volks- u. Völkerkde. 15, 1994, S. 8–32.

  • Literatur

    |J. Bierhorst, in: Zs. f. Ethnol. 121, 1996, S. 177–79 (P);
    P. Alcocer, E. Z. y la edición de los textos nahuas de San Pedro Jícora registrados por Konrad Th. Preuss, in: Dimensiones Antropológicas 34, 2005, S. 147–66;
    B. Beer, Frauen in d. dt.sprachigen Ethnol., 2007, S. 251 f.;
    Interviews with German Anthropologists, Short Portraits, 2011/12 (Internet);
    Qu Eigene Gespräche u. Korr. mit Z. u. Irmela Stroh.

  • Autor/in

    Berthold Riese
  • Zitierweise

    Riese, Berthold, "Ziehm, Elsa, geborene Harmening, adoptierte Wertheim" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 686 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz143032.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA