Lebensdaten
1873 bis 1945
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Ahrendsdorf (Uckermark)
Beruf/Funktion
Politiker ; Reichstagsvizepräsident
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 101265956 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kardorff, Siegfried von
  • Kardorf, Siegfried von
  • Kardorff, S. von
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Zitierweise

Kardorff, Siegfried von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd101265956.html [17.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Wilhelm (s. 3);
    Goslar 1927 Katharina v. Oheimb geb. van Endert (s. 1); kinderlos.

  • Leben

    Nach dem Jurastudium begann K. seine berufliche Laufbahn 1901 als Regierungsassessor am Landratsamt in Höchst a. Main,|wurde 1904 Hilfsarbeiter im Preußischen Ministerium für Landwirtschaft und 1908 Landrat des Kreises Lissa (Regierungsbezirk Posen). 1909-18 gehörte er als Mitglied der Freikonservativen Fraktion dem Preußischen Abgeordnetenhaus an, sah sich aber gezwungen aus dieser Fraktion auszuscheiden, nachdem er sich im Mai 1918 gegen das Dreiklassenwahlrecht exponiert hatte. Im November 1918 beteiligte er sich an der Gründung der Deutsch-Nationalen Volkspartei (DNVP), die er seit 1919 in der Verfassungsgebenden Preußischen Landesversammlung vertrat. – Als unter anderem Lissa an Polen am 1.1.1920 abgetreten wurde endete seine Tätigkeit als Landrat, und von diesem Zeitpunkt an widmete sich K. ausschließlich dem politisch-parlamentarischen Leben in Preußen und im Reich (1921–25 als Mitglied des Preußischen Landtags, 1920-32 Mitglied des Reichstags, 1928-32 als Vizepräsident).

    In der DNVP freilich konnte K. seine politische Heimat nicht lange sehen. Wegen seiner Kritik an der Dolchstoßlegende sah er sich seit Februar 1920 starken Widerständen ausgesetzt, er stand wiederholt im Gegensatz zu den Parteiführern Westarp und Wulle. Die Haltung seiner Partei zum Kapp-Putsch, bei der er eine eindeutige Distanzierung von den Verantwortlichen vermißte, nahm er im April 1920 zum Anlaß zum Übertritt in die Deutsche Volkspartei. Seine Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit der SPD, sein Eintreten für die große Koalition, veranlaßten Ebert, K. im November 1923 mit der Regierungsbildung zu beauftragen. Diese Absicht Eberts, mit einem Kanzler K. aus dem Krisenjahr der Weimarer Republik herauszusteuern, scheiterte an der Haltung der Deutschnationalen ebenso wie an K.s eigener Partei. – Bemühungen um die Reichsreform und um die Sammlung der bürgerlichen politischen Mitte als Bollwerk gegen den Nationalsozialismus bildeten Schwerpunkte seiner politischen Arbeit. Als er im Februar 1932 zusammen mit seinem Fraktionskollegen Julius Curtius und im Verein mit SPD und Zentrum gegen einen Mißtrauensantrag stimmte, mit dem seine eigene Partei gemeinsam mit NSDAP, DNVP und KPD den Kanzler Brüning stürzen wollte, handelte er sich dafür den Ausschluß aus der Fraktion der DVP ein. Die folgenden Jahre des Nationalsozialismus ließen ihm keinen Raum zu politischer Aktivität.

  • Werke

    Die Abrechnung mit d. Rev., 1919;
    Bismarck, 4 Vorträge, e. Btr. z. dt. Parteigesch., 1929, 1930;
    Im Kampf um Bismarck, 1930;
    Wilhelm v. Kardorff, e. nat. Parlamentarier im Za. Bismarcks u. Wilhelms II., 1936.

  • Literatur

    f. 1) u. 2) W. Hartenstein, Die Anfänge d. Dt. Volkspartei 1918–22, 1962;
    Katharina v. Kardorff (Ehefrau), Pol. u. Lebensbeichte, 1965 (P);
    Rhdb. (P). - Eigene Archivstud.

  • Autor/in

    Konrad Reiser
  • Empfohlene Zitierweise

    Reiser, Konrad, "Kardorff, Siegfried von" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 149 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd101265956.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA