Lebensdaten
1528 bis 1603
Geburtsort
Madrid
Sterbeort
Madrid
Beruf/Funktion
Kaiserin ; Königin von Böhmen und Ungarn ; Infantin von Spanien
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 101103573 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Maria
  • Maria de Austria
  • Maria
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Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Maria de Austria, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd101103573.html [19.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus dem Hause Habsburg;
    V Kaiser Karl V. (1500–58, s. NDB XI);
    M Isabella (1503–39), T d. Kg. Emanuel I. v. Portugal (1469–1521) u. d. Maria v. Aragon;
    B Philipp II. (1527–98), Kg. v. Spanien, seit 1580 v. Portugal;
    Halb-B Juan de Austria (1547–78);
    Schw Juana (1537–73, 1552 Infant João v. Portugal, 1537–54);
    Halb-Schw Margarethe (1522–86, s. NDB 16, 1] 1536 Alessandro de Medici, 1510–37, Hzg. v. Florenz, 2] 1538 Ottavio Farnese, 1524–86, Hzg. v. Parma);
    - Valladolid 1548 Erzhzg. Maximilian (1527–76). seit 1584 Kaiser (s. NDB 16);
    9 S (4 früh †), 6 T (3 früh †), u. a. Kaiser Rudolf II. (1552–1612), Ernst (1553–95), seit 1578 Statthalter in Ungarn, seit 1594 in d. Niederlanden, Kaiser Matthias (1557–1619, s. NDB 16), Maximilian (1558–1618), Hochmeister d. Dt. Ordens (s. NDB 16), Albrecht (1559–1621), Statthalter d. Niederlande (s. NDB I), Wenzel (1561–78), Großprior d. Johanniterordens v. Kastilien, Anna (1549–80, 1570 ihren Om Kg. Philipp II. v. Spanien). Isabella (1554–92, 1570 Kg. Karl IX. v. Frankreich, 1550–74), Margarita (1567–1633), Nonne im Kloster Descalzas Reales;
    N Kg. Philipp III. v. Spanien (1578–1621).

  • Leben

    Seit Kindheit und früher Jugend, die sie vornehmlich in Madrid und in Valladolid verbrachte, erfüllte M. die Funktion einer „Schachfigur“ im Rahmen der sich wandelnden politischen Konzeptionen Kaiser Karls V. Zwischen 1536 und 1545 für eine Ehe mit einem der Söhne des franz. Königs Franz I. vorgesehen, gelangte Karl V. im Zusammenhang mit der Kriegszielerörterung anläßlich der Kämpfe gegen den Schmalkaldischen Bund zu der Überzeugung, eine dauerhafte Sicherung des Reiches und des Kaisertums für das Haus Habsburg sei nur durch den engeren Zusammenschluß der Familie möglich. Gleichzeitig hoffte er, durch eine Verehelichung M.s mit dem ältesten Sohn seines Bruders Ferdinand I. die Zustimmung des deutschen Zweiges des Hauses Habsburg zu seinen Sukzessionsplänen zu erhalten. Für die Zeit seiner und seines Sohnes Philipp II. Anwesenheit im Reich wurde daher das frischvermählte Paar 1548 zu Statthaltern der span. Reiche bestimmt. Im Februar 1549 verlieh Karl M. und Maximilian die Würde von Königen von Böhmen. Seit Oktober 1550 alleinige Statthalterin in Spanien, erwarb M. bis zu ihrer Reise ins Reich im Herbst 1551 eigene Regierungserfahrungen. Da sie selbst streng katholisch war, wurde sie von ihrem Vater und ihrem Bruder immer wieder eingesetzt, Maximilian zu eindeutigen Aussagen zugunsten des Katholizismus zu bewegen. Derartige Bemühungen speziell Philipps II. verstärkten sich noch nach ihren Krönungen zur Königin von Böhmen (1562) und Ungarn (1563) und nach dem Regierungsantritt Maximilians II. 1564 im Reich. Andererseits versuchte M. aber auch, den Wünschen des deutschen Zweiges der Familie in Spanien Nachdruck zu verleihen. In permanentem schriftlichem Kontakt mit ihrem Bruder war sie es, die letztlich den von Karl V. gewünschten Zusammenhalt des Gesamthauses förderte.

    Nach dem Tod Maximilians und ihrer jüngsten Tochter Eleonore (1580) kehrte M. 1581 nach Madrid zurück, nicht zuletzt wegen ihrer gespannten Beziehungen zu ihrem Sohn Kaiser Rudolf II. Ihr anfänglich herzliches Verhältnis zu Philipp II. erkaltete mit zunehmendem Alter. Doch blieb sie bis zu ihrem Tod das wichtigste Verbindungsglied zwischen dem span. Hof und den deutschen Habsburgern. Der kaiserl. Gesandte Joh. Gf. v. Khevenhüller informierte sie nahezu täglich persönlich über die Vorgänge im Reich. Ihre Versuche, Rudolf II. zu einer aktiven Regelung der Nachfolge im Reich zu bewegen, scheiterten freilich ebenso wie ihre Bemühungen, die Politik ihres Neffen Philipp III. zu beeinflussen. M. starb nach der Verlegung des Königshofes nach Valladolid weitgehend isoliert von ihrer Umgebung, in dauerndem Kontakt nur noch mit Khevenhüller, der auf ihren Wunsch in Madrid geblieben war, und mit ihrer Tochter Margarita.

  • Literatur

    ADB 20; Die Briefe M.s an Karl V. während ihrer Regentschaft in Spanien in:
    Maximiliano de Austria, Gobernador de Carlos V en Espãna, Cartas al Emperador, hrsg. v. Rafaela Rodriguez Raso, 1963 (P); d. Antworten d. Kaisers in: Corpus documental de Carlos V, Bd. III (1548–54), hrsg. v. Manuel Fernández Alvarez, 1977. Die Korrespondenz M.s mit Philipp II. 1562-74 in: Colección de documentos inéditos para Ia historia de España, Bde. 98, 101, hrsg. v. Marqués de la Fuensanta del Valle, J. S. Rayón, F. de Zabálburu, Bde. 103, 110, 111, hrsg. v. Marqués de la Fuensanta del Valle, 1891–95. Zur Reise M.s 1581 nach Spanien: Relationen venetian. Botschafter üb. Dtld. u. Österreich im 16. Jh., hrsg. v. J. Fiedler, 1870, S. 381-401. Zum Aufenthalt in Spanien: H. Khevenhüller, kaiserl. Botschafter b. Philipp II., Geh. Tagebuch 1548-1605, hrsg. v. G. Khevenhüller-Metsch u. G. Probszt-Ohstorff, 1971 (P). - Lit.:
    R. Holtzmann, Kaiser Maximilian II. b. zu s. Thronbesteigung (1527–64), 1903;
    V. Bibl, Maximilian II., d. rätselhafte Kaiser, 1929 (P);
    C. de Blas, M. de A., Emperatriz de Alemania, Diss. Madrid 1950 (ungedr.);
    P. Rassow, Karls V. Tochter M. als Eventual-Erbin d. span. Reiche, in: Archiv f. Ref.-gesch. 49, 1958, S. 161-68;
    H. Widorn, Die span. Gemahlinnen d. Kaiser Maximilian II., Ferdinand III. u. Leopold I., Diss. Wien 1959 (ungedr.);
    L. Fernández y Fernández de Retana, España en tiempo de Felipe II, 2 Bde., 21981 (P);
    F. Edelmayer, Maximilian II., Philipp II. u. Reichsitalien, Die Auseinandersetzungen um d. Reichslehen Finale in Ligurien, 1988.

  • Portraits

    Gem. v. A. Moro, 1550 (Madrid, Museo del Prado), Abb. in: Fernández y Fernández de Retana, s. L, I, Abb. 43;
    Gem. v. G. Arcimboldo (mit Maximilian II. u. d. Kindern Anna, Rudolf u. Ernst), 1553 (Wien, Kunsthist. Mus.), Abb. b. Bibl, s. L, S. 149;
    Medaille v. A. Abondio, 1575 (ebd.), Abb. in: Khevenhüller-Metsch, Probszt-Ohstorff, s. L, Abb. 8;
    Gem. v. J. Pantoja de la Cruz, um 1600 (Madrid, Monasterio de las Descalzas Reales), Abb. in: M. T. Ruiz Alcón. Monasterio de las Descalzas Reales, 1987, S. 91.

  • Autor/in

    Friedrich Edelmayer
  • Empfohlene Zitierweise

    Edelmayer, Friedrich, "Maria de Austria" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 174 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd101103573.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Maria, deutsche Kaiserin, war eine Tochter Karls V., geb. am 21. Juni 1528 in Madrid; sie wurde mit ihrem 13 Monate älteren Bruder Philipp zusammen erzogen und unterrichtet. Schon früh war die Verheirathung dieser Tochter von Karl in seine politischen Berechnungen und Erwägungen hineingezogen worden: dabei hatte man von ihrer Ausstattung entweder mit Mailand oder mit den Niederlanden geredet. Unter den verschiedenen Bewerbern entschied Karl sich 1547 für seinen Neffen, Ferdinands ältesten Sohn. Erzherzog Maximilian (s. d. Art.). Der Ehevertrag wurde während des Reichstages in Augsburg am 21. April 1548 abgeschlossen und am 4. Juni ratificirt; M. hatte auf die Länder ihres Vaters völligen Verzicht urkundlich am 17. September 1548 zu leisten: jede territoriale Mitgift war ausgeschlossen, nur eine Gelddotation in spanischer Rente ihr gewährt. Im Juni reiste Maximilian nach Spanien; die Hochzeit fand am 13. September in Valladolid statt. Das junge Paar führte für einige Zeit die Verwaltung in Spanien — natürlich nur in rein formaler Beziehung. Zärtlichste Zuneigung band bald die beiden jungen Leute aneinander; im Verlauf zweier Jahrzehnte sind ihnen 15 Kinder geboren. Als Maximilian im November 1550 nach Deutschland zurückging, führte M. allein die spanischen Verwaltungsgeschäfte weiter, bis Philipp sie in denselben ablöste. Im Sommer 1551 kam Maximilian zum zweiten Male nach Spanien, seine Frau sich zu holen. Im Herbst kehrte er mit der Frau über Genua, Trident und durch Tirol in die österreichische Heimath zurück. Eine selbständige politische Rolle zu spielen fand M. keine Gelegenheit; aber ihr Wort war von großem Einfluß bei ihrem Gatten. Daß derselbe eine Weile im Begriff zu stehen schien, seinen Uebertritt ins protestantische Lager zu vollziehen, erregte der Spanierin großen Kummer; mit allen Mitteln arbeitete sie an seiner Bekehrung oder Festhaltung auf katholischer Seite. M. hatte sich einen Hofstaat aus Spanien mitgebracht; besonders den Posten des Beichtvaters versah ein spanischer Geistlicher; sie bot sich als Mittelsperson oder Werkzeug dar, um die Politik des deutschen Kaisers Maximilian II. an die spanische Allianz zu binden. Darin beruht ihre historische Bedeutung für die deutsche Geschichte: sie beschwichtigte ihres Gatten Abneigung wider die spanischen Verwandten; sie blieb in stetem Verkehr mit Madrid; sie unterstützte alle Versuche, die von spanischer Seite gemacht wurden, um Maximilian zu katholischer Action zu treiben; sie half den Bemühungen, ihn von den Protestanten zu trennen; sie war es, welche 1562 die Sendung von zwei jungen Söhnen nach Spanien zu Stande brachte, die für Philipp das Unterpfand einer katholischen Haltung Maximilians bedeutete und ihren eigenen Kindern die Aussicht etwaiger Nachfolge in Spanien offen hielt. Ihre Haltung blieb in jeder Beziehung die gleiche, auch in der eigentlichen Regierungsperiode ihres Gatten (1564—1576); bei der Kaiserin fanden stets die katholischen Tendenzen warme Förderung. Einzelheiten anzuführen bleibt dem Artikel „Maximilian II.“ überlassen. Nach dem Tode des Gatten war die Lage der Wittwe keine behagliche; sie war immer eine Spanierin, der jetzt der Rückhalt abging. So verlangte sie, sich nach Spanien zurückzuziehen. Erst 1581 konnte sie dies ausführen, begleitet von ihrer|jüngsten, 1569 geborenen Tochter Margaretha. Halb als Nonne, halb als Fürstin lebte sie dort. Ihre persönlichen Beziehungen zu ihrem Bruder Philipp II. gestalteten sich aber bei directer Berührung gar nicht erfreulich; sie bemühte sich ihren Sohn Kaiser Rudolf mit einer spanischen Prinzessin zu verheirathen; in Spanien meinte man, sie strebe nach der Regentschaft über Spanien, wenn König Philipp sterben sollte, ehe sein Thronfolger erwachsen. Philipp wollte sie auf seinem letzten Krankenlager gar nicht zulassen. Verbitterung umschloß ihre letzte Lebenszeit. Erst am 24. Februar 1603 starb sie in Madrid, beinahe 75 Jahre alt.

  • Autor/in

    W. Maurenbrecher.
  • Empfohlene Zitierweise

    Maurenbrecher, W., "Maria de Austria" in: Allgemeine Deutsche Biographie 20 (1884), S. 365-366 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd101103573.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA