Lebensdaten
1553 bis 1595
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Brüssel
Beruf/Funktion
Erzherzog von Österreich ; Statthalter in Ungarn und der österreichischen Erblanden ; Statthalter der Niederlande
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 120580497 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Ernst von Österreich
  • Ernst
  • Ernst von Österreich
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Zitierweise

Ernst, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd120580497.html [19.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Kaiser Maximilian II. ( 1576);
    B, u. a. Kaiser Rudolf II. ( 1612), Kaiser Matthias ( 1619), Maximilian (1558–1618), Hochmeister des Deutschen Ordens (s. ADB 21), Albrecht ( 1621, s. NDB I);
    Schw Anna ( 1580, Kg. Phil. II. v. Spanien, 1596), Elis. ( 1592, Kg. Karl IX. v. Frankreich, 1574); ledig.

  • Leben

    Eine Monographie über diesen zu wenig bekannten, an vier Fronten des Konfessionskampfes in gefährlicher Zeit eingesetzten Habsburger existiert noch nicht. E.s Leben bildet eine Kette von schweren, kaum lösbaren Aufgaben. Der mit seinem älteren Bruder Rudolf am spanischen Hof Erzogene und vom kaiserlichen Gesandten Adam von Dietrichstein Betreute war 1573 und 1575 Kandidat der polnischen Krone und wurde nach der Übersiedlung Rudolfs II. nach Prag 1576 Statthalter von Österreich ob und unter der Enns. Mit der Religionskonzession von 1568 (im Lande unter der Enns befestigt durch die Assekuration von 1571) hatte die erbländische ständisch-protestantische Bewegung ihren ersten Höhepunkt erreicht. E. versuchte, unterstützt von Georg Scherer SJ und M. Klesl, die Abwehr des Angriffes und blieb bei der Sturmpetition in der Hofburg am 19.7.1579 fest. Seine Haltung fand bei Philipp II. (1581 Überreichung des Goldenen Vließes) und Sixtus V. (Zuerkennung eines geweihten Degens und Hutes) offene Anerkennung. Infolge der Abhängigkeit von den Geldbewilligungen der Stände blieb indes für den Statthalter die schwierige Lage weiter vorgegeben und steigerte sich mit dem zunehmenden Druck der Türkengefahr. Das von E. Erstrebte und entweder gar nicht oder nur teilweise Erreichte muß unter diesem Gesichtspunkt bewertet werden. Nach dem Tode Erzherzog Karls als Statthalter Innerösterreichs 1590 für Erzherzog Ferdinand nach Graz entsandt, fand er ähnliche Schwierigkeiten vor (Brucker Pazifikation 1578). Noch verwickelter lagen die Verhältnisse in Belgien, wohin ihn Philipp II. nach dem Tode Alexander Farneses 1594 als Oberstatthalter berufen hatte. Sein früher Tod verhinderte die Durchführung eines katholischen Restaurationsprogramms. Die wechselnde Tätigkeit in den Brennpunkten des Konfessionskampfes Ost-, Mittel- und Westeuropas erschwert die Beurteilung dieses Fürsten.

  • Literatur

    ADB VI;
    F. Ch. Khevenhüller, Ann. Ferdinandei, T. 1-4, Regensburg 1640, 2Leipzig 1721 ff. (P);
    D. J. F. Runde, Des Gf. Franz Christoph Khevenhüller Ferdinandeische Jbb. in e. pragmat. Auszug gebracht u. berichtigt, ebd. 1778 f.;
    F. Hurter, Gesch. Kaiser Ferdinands II., Bd. 1-3, 1850;
    E. Reimann, Die poln. Königswahl v. 1573, in: HZ 11, 1864, S. 68-128;
    F. Krones, Hdb. d. Gesch. Österreichs III, 1878, S. 282-85, 314, 336;
    P. V. Mariani, L'Arciduca Ernesto d'Austria e la Santa Sede, Rom 1898;
    V. Bibl, Erzhzg. E. u. d. Gegenref. in Nd.österr. 1576-1590, in: MIÖG, Erg.bd. VI, 1901, S. 574-96;
    E. Mayer-Löwenschwerdt, Der Aufenthalt d. Erzherzoge Rudolf u. E. in Spanien, in: SB d. Wiener Ak. d. Wiss., Phil.-hist. Kl., 206. Bd., 5. Abh., 1928;
    H. Pirchegger, Gesch. d. Steiermark 1282-1740, 1931, S. 460-64.

  • Portraits

    Gem. v. O. van Veen (Belvedere in Wien).

  • Autor/in

    Karl Eder
  • Empfohlene Zitierweise

    Eder, Karl, "Ernst" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 617 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd120580497.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Ernst, Erzherzog von Oesterreich, Kaiser Maximilians II. dritter Sohn, geboren zu Wien am 15. Juni 1553, wurde zugleich mit dem späteren Kaiser Rudolf, dessen ältester Bruder er war, an den spanischen Hof gebracht (1564) und daselbst unter der Leitung des kaiserlichen Gesandten, des Freiherrn Adam|v. Dietrichstein, erzogen. Von hier 1571 zurückgekehrt, wurde E. bei der polnischen Königswahl von 1573 von der österreichischen Partei als Candidat aufgestellt, unterlag aber im Wahlkampfe seinem glücklicheren Nebenbuhler Heinrich von Anjou. Auch bei der nächstfolgenden Wahl (1575/76), aus welcher zuletzt Stefan Bathory als König von Polen hervorging, empfahl der kaiserliche Gesandte Martin Gerstmann, Bischof von Breslau, zuerst unseren Prinzen, an dessen Stelle jedoch die österreichische Partei später den Kaiser selbst substituirte. Da nach Maximilians II. Tode Kaiser Rudolf II. seinen Sitz in Prag aufschlug, übernahm E. die Statthalterschaft des Landes Oesterreich unter und ob der Enns, in welcher Stellung er dem vordrängenden Protestantismus zähen Widerstand leistete und unterstützt durch seinen Hofprediger, den Jesuiten Georg Scherer, sowie durch Melchior Klesel, das Werk der Gegenreformation betrieb. Zur Belohnung dieses Glaubenseifers, in dem ihn selbst die am 19. Juli 1579 von 5000 Personen in der Hofburg überreichte „Sturmpetition“ nicht irre machte, übersendete ihm 1587 der Papst Sixtus V. einen geweihten Degen und Hut, nachdem ihm bereits 1581 König Philipp II. von Spanien das goldene Vließ verliehen hatte. Nach dem Tode des Erzherzogs Karl von Steiermark (1590) übernahm, während dessen Sohn, der spätere Kaiser Ferdinand II. zu Ingolstadt studirte, E. im Namen der Vormünder (nämlich des obersten Vormunds, Kaiser Rudolfs, und der Vormünder, Erzherzog Ferdinands in Tirol und Herzog Wilhelms V. von Baiern) die Verwaltung Innerösterreichs, wo er mit ähnlichen Schwierigkeiten wie in Wien zu kämpfen hatte, bis ihn nach dem Tode Alexander Farnese's der König von Spanien, Philipp II., in die Niederlande rief, um die Würde eines Oberstatthalters zu übernehmen. Schon 1578 hatte Philipp diesen Wunsch geäußert und 1584 denselben wiederholt ausgesprochen. Lange Zeit indessen widersetzte sich dieser Absicht der Kaiser, da man am spanischen Hofe zugleich wünschte, daß dieser der ihm seit Jahren zugesagten Hand der Infantin Isabella zu Gunsten Ernsts entsagen und diesem die Nachfolge im Reiche verschaffen sollte. Wenn übrigens E. als Statthalter der Niederlande, wo er 1594 eintraf, den gehegten Erwartungen nicht entsprach, so lag wol die Schuld nicht so sehr an ihm, als an den vorgefundenen traurigen Verhältnissen; auch starb E. bald nach seiner Ankunft in den Niederlanden am 12. Febr. 1595 unvermählt zu Brüssel, wo er auch in der Kirche S. Gudula begraben wurde. Porträt von Otto van Veen im Belvedere zu Wien. Vgl. auch Herrgott, Pinacotheca tab. LXXVIII und die Conterfei zur Ausgabe von Khevenhiller, Leipzig 1721. Medaillen auf ihn mit der Devise: Soli deo gloria bei Herrgott, Numotheca princip. Austriae 105 ss. Sein Kenotaph zu Brüssel bei Herrgott, Taphographia, 376.

    • Literatur

      Ersch und Gruber, Artikel: Ernst, Erzh. von Oesterr. von Ferd. Wachter. Hurter, Kaiser Ferdinand II., II. u. III. Bd. Sybel, Histor. Ztschr. XI. Bd. Hüppe, De Poloniae post Henricum interregno 1575—76, Vratisl. 1866.

  • Autor/in

    v. Zeißberg.
  • Empfohlene Zitierweise

    Zeißberg, Heinrich von, "Ernst" in: Allgemeine Deutsche Biographie 6 (1877), S. 297-298 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd120580497.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA