Lebensdaten
1671 oder 1672 bis 1736
Geburtsort
Pössing bei Landsberg/Lech
Sterbeort
Kloster Ettal
Beruf/Funktion
Abt von Ettal ; Benediktiner ; Dramatiker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 10102407X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Seitz, Placidus
  • Seiz, Matthäus (getauft)
  • Seiz, Placidus
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Zitierweise

Seiz, Placidus, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd10102407X.html [12.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Jacobus ( 1677), Bauer in P.;
    M Maria Kibler; 12 Geschw.

  • Leben

    Nach dem Besuch des Jesuitengymnasiums in Landsberg trat S. in das Benediktinerkloster Ettal ein, wo er 1690 die Profeß ablegte. An der Benediktiner-Universität in Salzburg absolvierte er das Philosophie- und Theologiestudium, dem 1696 die Priesterweihe folgte. Von seinem Abt Romuald Schretter (reg. 1675–97) für eine wiss. Laufbahn bestimmt, setzte S. seine Studien anschließend in Salzburg fort. Gleichzeitig lehrte er Syntax (1699/1700), Poesie (1700–02) und Rhetorik (1702–05) am Akad. Gymnasium, als dessen Leiter („praefectus scholarum“) er zeitweilig fungierte. 1699–1707 versah der begabte Dramatiker zudem das Amt des „pater comicus“. Neben der formalen Bildung, also der Übung des Gedächtnisses, der Schulung zu freiem Sprechen (in lat. Sprache) und sicherem, gewandtem Auftreten sowie der Vermittlung kath. Glaubens- und Moralvorstellungen (Tragoedia Vitae Humanae, 1704) galten die aufwendigen Inszenierungen auch der repräsentativen Selbstdarstellung von Schule und Universität. Die Stoffe entnahm S. der Bibel (Filii Prodigi, 1705), der Profangeschichte (Ludus Divinae Providentiae in Henrico Comite Calvensi, 1701) oder der Heiligen- und Märtyrerlegende (Sanctus Martyr Theodorus, 1702). Bisweilen bediente er sich der Historie, Allegorie und Parabel, um zu aktuellen Zeitereignissen, etwa zu den Bedrängnissen während des Span. Erbfolgekriegs, meinungsbildend Stellung zu beziehen (Barbarae Crudelitatis Victima Conradinus, 1706).

    1705 übernahm S. die Lehrkanzel für Geschichte und Ethik, ein Jahr später – nach der Promotion zum Doktor der Theologie und beider Rechte – die Professur für Kontroverstheologie. Seine Wahl zum Rektor der Univ. Salzburg scheiterte 1708 am Nationalitätenkonflikt zwischen schwäb. und bayer. Studenten. Als 27. Abt von Ettal (seit 1709) veranlaßte S. die bauliche Erneuerung des noch mittelalterlich geprägten Klosters. Die Entwürfe des kfl. Hofbaumeisters Enrico Zuccalli (um 1642–1724) für Kirche und Klostergebäude verliehen der Anlage ein barockrepräsentatives Gepräge. Trotz knapper Finanzmittel wußte S. v. a. mit dem Bau einer großzügig ausgestatteten Bibliothek und eines Theatersaals Akzente zu setzen. Zu einem Symbol von Modernität und aufgeklärtem Geist geriet die Ritterakademie, die er 1710 ins Leben rief. Die fortschrittliche Lehrund Studienanstalt war einem „nützlichen“ Bildungsprogramm verpflichtet, das adlige und bürgerliche Zöglinge auf ihre Aufgaben in Staat und Gesellschaft vorbereiten sollte. Der humanistische Kanon wurde um Geschichte, Staatsrecht, Jurisprudenz und Geographie erweitert; hinzu kamen neuere Sprachen (Franz., Ital.) und „galante Wissenschaften“ wie Reiten, Fechten und Tanzen sowie Zivil- und Militärarchitektur. Mit der Entwicklung dieses zeitgemäßen Curriculums, das sich am Ideal des weltgewandten „homo politicus“ ausrichtete, legte S. ein genuines Bekenntnis zum Bildungsauftrag der Aufklärung ab.

  • Literatur

    ADB 33;
    P. Lindner, Album Ettalense, in: Oberbayer. Archiv 44, 1887, S. 253 f.;
    S. Schaller, P. S. als Dramatiker, Benediktiner v. Ettal (1671–1737), ebd. 112, 1988, S. 7–79 (P;
    Textabdr. v. elf Periochen);
    ders., in: Schönere Heimat 78, 1989, H. 1, S. 10 f. (P);
    H. Boberski, Das Theater d. Benediktiner an d. alten Univ. Salzburg, 1978;
    A. Waldstein, Die Stellung d. Ettaler Ritterak. (1711–1744) in ihrer Zeit, in: FS z. Ettaler Doppeljubiläum 1980, red. v. A. Kalff, 1981, S. 96–132;
    B. Bogle, Abt P. S. v. Ettal, Ein Btr. z. Gesch. benediktin. Spiritualität im 18. Jh., in: Erbe u. Auftrag 63, 1987, S. 5–13;
    F. Gahbauer, Ettaler Benediktiner als Autoren, Ein Kulturspiegel d. Klosters bis nach dessen Aufhebung (1803), 1998, S. 149–56;
    BBKL 20 (W, L).

  • Portraits

    P Ölgem., anonym, nach 1736 (Ettal, Benediktinerabtei).

  • Autor/in

    Manfred Knedlik
  • Empfohlene Zitierweise

    Knedlik, Manfred, "Seiz, Placidus" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 208-209 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd10102407X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Seiz: Placidus S., Abt von Ettal, geb. zu Pössing bei Landsberg a. L. am 13. September 1672, am 2. October 1736. Während seiner Studien, denen er zu Landsberg und Salzburg oblag, trat er in das Benedictinerstift zu Ettal. Seine bedeutenden Anlagen befähigten ihn, 1699 das Lehramt der Syntax, 1700 und 1702 jenes der Poesie und Rhetorik zu übernehmen. Späterhin trug er auch Moral und Geschichte vor. Am Gymnasium zu Salzburg führte er mit seinen Schülern in den Jahren 1699—1707 eine Reihe von Schuldramen auf, deren Stoff mehrfach der deutschen Geschichte entlehnt war; so brachte er 1701 den Grafen Heinrich von Calw, 1706 den König Konradin auf die Bühne. Am 22. Januar 1709 wurde er zum Abte seines Klosters erwählt. Alsbald faßte er den Plan, zu Ettal eine Erziehungsanstalt für adelige Jünglinge, eine „Ritterakademie“ zu gründen und wußte ihn unter den größten Schwierigkeiten schon im Jahre 1711 zu verwirklichen. Er errichtete für diesen Zweck großartige Gebäude, das sog. Collegium zu Ettal und ein eigenes Recreationshaus, die Seeburg zu Bayersoien, berief tüchtige Lehrer, zum Theil aus weiter Ferne, legte vortreffliche Sammlungen an und es gelang ihm, die Blüthe des süddeutschen und österreichischen Adels seinem einsam gelegenen Stifte zuzuführen. Alle ritterlichen Künste, einschließlich der Kriegswissenschaft wurden hier gelehrt und geübt, ansehnliche Statsmänner, Feldherrn und Prälaten gingen aus dieser Schule hervor; das interessante Verzeichniß der hier gebildeten Zöglinge hat uns Westenrieder aufbewahrt. Leider überlebte das Institut seinen Gründer nur um wenige Jahre. Am 29. Juni 1744 wurde Kloster Ettal mit all seinen Gebäuden ein Raub der Flammen; die Ritterakademie trat nicht mehr ins Leben. Abt Placidus vereinigte eine nie ermüdende Arbeitskraft mit großer Klugheit und Milde. Westenrieder rechnet ihm, was er geschaffen, zu unsterblichem Ruhme an.

    • Literatur

      A. Manhardt, Lob- und Trauerpredigt über den Hintritt des Abtes Placidus von Ettal. Augsburg 1736. — Historia Universitatis Salisburgensis p. 120, 229.
      Westenrieder, Neue Beiträge, I, 261—279. — P. Pirmin Lindner's Album Etallense im oberbair. Arch. Bd. 44. S. 248 ff. 253.

  • Autor/in

    G. Westermayer.
  • Empfohlene Zitierweise

    Westermayer, Georg, "" in: Allgemeine Deutsche Biographie 33 (1891), S. 668 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd10102407X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA