Lebensdaten
1808 bis 1868
Geburtsort
Darmstadt
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Architekt
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 100610293 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lange, Ludwig

Quellen(nachweise)

Verknüpfungen

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Zitierweise

Lange, Ludwig, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd100610293.html [13.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Christian Friedrich (1759–1840). Gen.stabsauditeur in D., S d. Pfarrers Christian Heinrich in Buchsweiler u. d. Margarethe Elisabeth Engelbach;
    M Karoline Friederike (1776–1838), T d. Joh. Jak. Werner Stockmar (1742–1806), Oberstlt. u. Stadtkommandant v. D., u. d. Friederike Karolina Ravenstein;
    B Gustav Georg (* 1812), Hofmaler, Julius (1817–78), Landschaftsmaler (s. ADB 17; ThB);
    - Darmstadt 1839 Antonia (1812–78), T d. Politikers Ernst Emil Hoffmann ( 1847, s. NDB IX);
    K, u. a. Emil Rr. v. L. (1841-1926), Architekt, Dir. d. Kunstgewerbeschule in M., seit 1863 Mitarbeiter v. L. (s. ThB), Eugenie ( Ernst Voit, 1838–1921, Prof. d. Physik a. d. TH München, s. Wi. 1912), Ida Mathilde ( Max Joseph Oertel, 1835–97, Prof. d. Laryngol., s. BLÄ);
    E Ludwig (* 1873), Prof. d. Bakteriol. a. d. TH Dresden, Mitgl. d. Reichsgesundheitsamts (s. BLÄ; Wi. 1935), Carl (1881–1947), Dir. d. Löwenbrauerei in M., Mai-Okt. 1945 bayer. Wirtsch.-min.

  • Leben

    L. verließ vorzeitig das Gymnasium und lernte 1823-26 bei dem ghzgl. Baurat Georg August Lerch (1792–1857, s. ThB). 1826 hatte er für ihn die Bauleitung am Gymnasium Michelstadt inne. Anschließend arbeitete er bei Georg Moller und ging dann zum Studium an die Univ. Gießen. 1830 begann er zusammen mit seinen Brüdern Gustav Georg und Julius mit der Herausgabe von deutschen Stadtansichten und Baudenkmälern, wofür er im Laufe der nächsten Jahrzehnte Tausende von Zeichnungen fertigte. Hierbei entwickelte er eine besondere Perfektion der zeichnerisch-perspektivischen Gestaltung, wobei er eine exakte architektonische Wiedergabe mit den malerischen Qualitäten des Aquarellierens verband. Seit 1830 lebte er in München, war Schüler von Karl Rottmann und mit ihm eng befreundet. Als dieser 1834 im Auftrag Ludwigs I. zu Studien für einen Milderzyklus nach Griechenland reiste, wurde L. sein Begleiter und Berater für Architekturzeichnungen. Am neugegründeten kgl. Gymnasium in Athen arbeitete er 1835-38 als Zeichenlehrer. In Griechenland fertigte er eine Vielzahl von Aquarellen, die er zum Teil später in Öl malte, und die noch Schinkel begeisterten. Von Kg. Otto zum griech. Baurat ernannt, kehrte er 1838 über Italien nach Deutschland zurück. Seit 1839 trug er in München Zeichnungen für seine Stadtansichten zusammen und arbeitete einige Projekte für Ludwig I. aus. 1847 wurde er nach F. Gärtners Tod als dessen Nachfolger zum Professor für Baukunst an der Münchener Akademie ernannt. Für Maximilian II. errichtete er zwar noch 1851 eine Sommerresidenz in Berchtesgaden in einer mit ländlichen Motiven kombinierten historisierenden Architektur, bei der folgenden, vom König gewünschten Entwicklung eines neuen Baustils trat er jedoch in den Hintergrund und konnte deshalb auch in München nicht bauen. L.s erster großer Bauauftrag war das Museum der bildenden Künste in Leipzig im Stil der Neorenaissance. Zumeist aufgrund von Wettbewerbserfolgen kam er zu weiteren Aufträgen, die er häufig im Neorenaissancestil ausführte. Sein größter Bau wurde das nach seinen Entwürfen erst nach seinem Tode errichtete klassizistische Archäologische Museum in Athen. Nach dem Tod Maximilians II. und dem Ende des sog. Maximilianstils setzte sich zwar auch in München die Neorenaissance durch, L.s preisgekrönter Entwurf für ein neues Rathaus kam jedoch nicht zur Ausführung. Er begann noch mit der Vorbereitung eines Werkes über die Formenlehre der höheren Baukunst, das sein Schüler Josef Bühlmann postum herausgab. L. war einer der besten deutschen Architekturzeichner des 19. Jh. Seine wenigen, jedoch sehr qualitätvollen Gemälde entstanden in Anlehnung an den Stil Rottmanns. Als Architekt vertrat er einen der Bauaufgabe angepaßten Historismus. Dank einer souveränen Beherrschung verschiedener historischer Stile adaptierte er diese relativ frei für die jeweilige Bauaufgabe, bzw. entwickelte, nach seiner Auffassung, den Stil aus der Notwendigkeit der inneren Verhältnisse.

  • Werke

    Weitere W Kgl. Residenz Athen (Projekt), 1837;
    Erlöserkirche Athen (Projekt), 1839;
    Nicolaikirche Hamburg (Projekt, 2. Preis), 1845;
    Athenäum München (Projekt), 1849;
    Schrannenhalle München (Projekt), 1850;
    Moskau, Kirche f. Oberst Barischnikoff. 1852;
    Börse in Bergen. 1854;
    Prot. Kirche in Hallstadt, 1857;
    Liebenstein, Villa f. Erbprinz v. Sachsen-Meiningen, 1860;
    Schützenhalle in Innsbruck, 1862;
    Volkstheater München (Projekt), 1863;
    Pinakothek Amsterdam (Projekt, 1. Preis), 1864;
    Villa f. Chevalier de Reali, b. Venedig, 1865;
    1866: Parlamentshaus Den Haag (Projekt, 2. Preis);
    Kunstvereinsgebäude München (Projekt);
    Kirche Oberpöcking b. Landau. -
    Veröff.: Originalansichten d. hist.-merkwürdigsten Städte in Deutschland, …, 6 Bde., 1832-55;
    Malerische Ansichten d. merkwürdigsten u. schönsten Kathedralen, Kirchen u. Monumenten d. goth. Baukunst …, 1833 ff.;
    Reiseberr. aus Griechenland, 1835;
    Der Rhein u. d. Rheinlande, 1842;
    Werke d. höheren Baukunst, 1846 ff.;
    Die griech. Landschaftsgemälde v. K. Rottmann in d. neuen kgl. Pinakothek München, 1854;
    |

  • Nachlaß

    Nachlaß: TU München, Architekturslg.; TU Berlin, Planslg.

  • Literatur

    ADB 17;
    Allg. Bauztg. 13, 1848, S. 125;
    Zs. f. prakt. Baukunst 23, 1863, Sp. 372;
    Dt. Bauztg. 3, 1869, S. 465 f.;
    Bayer. Hauptstaatsarchiv MK 9969;
    ThB.

  • Portraits

    Stich v. A. Weger (München, Stadtmus.).

  • Autor/in

    Winfried Nerdinger
  • Empfohlene Zitierweise

    Nerdinger, Winfried, "Lange, Ludwig" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 566 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100610293.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Lange: Ludwig L., Architekt. Bruder des Landschaftsmalers Julius L., geb. am 22. März 1808 zu Darmstadt. am 31. März 1868 zu München, bildete sich zuerst an den humanistischen Anstalten seiner Vaterstadt, dann unter Lerch und G. Moller zum Architekten, zeichnete die „Malerischen Ansichten der merkwürdigsten und schönsten Kathedralen, Kirchen und Monumenten der gothischen Baukunst am Rhein, Main und an der Lahn“, welche, lithographirt von Bo rum u. A., bei Carl Jügel in Frankfurt erschienen. Bald darauf begann er im Verein mit seinen Brüdern Gustav Georg und Julius die „Originalansichten der historisch-merkwürdigsten Städte in Deutschland, ihrer Dome, Kirchen und sonstigen Baudenkmale“, welche von 1832—55 in 6 Bänden mit ca. 1500 prächtigen Stahlstichen (von E. Rauch. Poppel u. A.) erschienen; das treffliche Werk zeigt die ganze Begabung Lange's, der immerdar die Talente des wissenschaftlich gebildeten Architekten mit denen des Malers vereinigte. In München befreundete sich L. mit Karl Rottmann, wendete sich unter dessen Leitung zur Land schaftsmalerei und begleitete seinen Meister 1834 nach Griechenland, wo L. 1835 die Professur der zeichnenden Künste am Gymnasium zu Athen (von ihm auch der Plan zu diesem Gebäude) erhielt und die Pläne zur Erlöserkirche entwarf, wofür er den Titel und Rang eines griechischen Baurath erhielt. Nach seiner Rückkehr durch Italien (1839) bereiste der fleißige Mann für sein obengenanntes Werk ganz Deutschland, zeichnete viele Projecte und Entwürfe, z. B. die Pläne zu einem „Kronprinz-Palais“ für München (1845), zur „Nicolaikirche“ in Hamburg (1845) etc. und erhielt 1847 die Professur an der Bauschule der königl. Akademie zu München. Die folgenden politischen Jahre waren der Architektur nicht günstig, der Bau einer großen Kaserne unterblieb, ebenso blieben Lange's Entwürfe zu einer Getreidehalle und zu einem Athenäum liegen; dafür übertrug ihm König Maximilian II. die Herstellung einer Villa in Berchtesgaden *. — In der Folge betheiligte sich L. bei allen Concurrenzen, erhielt fast regelmäßig den ersten oder den zweiten Preis zuerkannt, jedoch erst 1856 die Ausführung des herrlichen Museums in Leipzig * (vgl. Ansicht und Durchsicht in der Gartenlaube, 1859, S. 144 ff.). Außerdem zeichnete L. Ansichten und Pläne zu einer russischen Kirche in Moskau * (1852), einer Börse in Bergen, einem Rathhaus für Hamburg (1854); für eine protestantische Kirche in Hallstadt * (1857), eine Villa Königs Otto von Griechenland (1857), ein Ministerialgebäude in London (1858), die Villa Feodora in Liebenstein * (im Auftrage des Erbprinzen von Meiningen, 1860), ein archäologisches Museum in Athen *(1860), die Schützenhalle zu Innsbruck* (1862), eine Kunsthalle in Hamburg (1863), für ein Volkstheater in München (1863), ein Rathhaus zu Mainz (1863). Universität zu Kiel (1864), eine Pinakothek zu Amsterdam (1864), eine Villa bei Venedig (1865), ein Parlamentshaus im Haag (1866), ein Project zum Ausbau der Münchener Frauenkirche, für das Nathhaus daselbst (1866) etc., davon gelangten außer einigen Villen und Landkirchen nur die mit einem Sternchen (*) bezeichneten Projecte zur Ausführung. L. brachte in alle seine Entwürfe, welche er der jeweiligen Natur des Landes und der nächsten Umgebung anzupassen wußte, immer auch ein malerisches Element, welches der Künstler mit den streng architektonischen Formen in wohlthuendster Weise zu vereinen verstand. Sein eigenes, der Südseite der alten Pinakothek zu München gegenüberliegendes Haus kann als Muster gelten, wie L. Gefälligkeit der Form nach außen mit Behaglichkeit im innern zu verbinden wußte. Auch gebührt ihm das Verdienst, die „Anwendung des Sgraffito für Façadendecoration nach italienischen Originalwerken“ in einer, von seinen Schülern Emil Lange und Jos. Bühlmann verfaßten Schrift (München und Berlin 1867) wieder angeregt zu haben. Außerdem erschienen Von ihm „Reiseberichte aus Griechenland"|(Darmstadt 1835), „Werke der höheren Baukunst“ (Darmstadt und München 1846—47) und eine kleine Broschüre über „Die griechischen Landschaftsgemälde von Karl Rottmann in der neuen Pinakothek“ (München 1854.) L. führte auch den Pinsel als Landschaftsmaler ganz in der genialen Manier Rottmann's, mit dem schönen idealen Zuge der Linien und jener poetischen Stimmung, welche jedes seiner Erzeugnisse zu einem wahren Kunstwerke adelte. Unter Lange's Bildern muß z. B. an „Neptun-Tempel zu Korinth“ (1837), das „Parthenon“ und „Tempel der Minerva auf Sunium“ erinnert werden. In der Baukunst huldigte L. erst ganz den antiken Formen, arbeitete dann für Neubelebung des Rundbogenstiles und bewegte sich schließlich mit graziöser Leichtigkeit nach den Vorbildern des Bramante und Fra Giacondo im Geiste der Frührenaissance. Zu seinen Schülern gehören sein Sohn Emil L. (geb. am 15. Novbr. 1841 zu Darmstadt, z. Z. Director der k. Kunstgewerbeschule zu München), ferner Jos. Bühlmann (geb. 1844 zu Werthenstein [Luzern]), Albert Schmidt (geb. 1841 in Sonneberg) und Joh. Marggraff (geb. 1830 zu Altomünster).

    • Literatur

      Vgl. Nagler. 1839, VII. 284. Nekr. in Beil. 94 der Allgem. Ztg. 3. April 1868 (Carriere). Münchener Kunstvereinsbericht für 1868, S. 51. Regnet in der Illustr. Ztg., 1868 u. Münchener Künstlerbilder, 1871. II. 10 ff. Seubert, 1879. II. 406.

  • Autor/in

    Hyac. , Holland.
  • Empfohlene Zitierweise

    Holland, Hyacinth, "Lange, Ludwig" in: Allgemeine Deutsche Biographie 17 (1883), S. 647-648 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100610293.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA