Lebensdaten
1797 bis 1850
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Maler ; Zeichner
Konfession
-
Normdaten
GND: 118603345 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Rottmann, Karl Anton Joseph
  • Rottmann, Carl
  • Rottmann, Karl Anton Joseph

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Zitierweise

Rottmann, Carl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118603345.html [13.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Friedrich (1768–1816), Maler, Radierer, Univ.zeichenmeister in Heidelberg (s. ThB; L), S d. Karl Franz Joseph (1738–1822), Waisenhausschaffner, u. d. Maria Margarete Waldmann (1746–1808);
    M Maria Anna Susanna (1776–1844), T d. Anton Werner ( 1803), Weinhändler in Heidelberg, u. d. Maria Regina Holtmann;
    Ur-Gvv Johann Friedrich Waldmann ( 1751), Schultheiß v. Handschuhsheim;
    B Anton (1795–1840), Postexpeditor in Durlach, Zeichner (s. ADB 29 u. 56), Leopold (1812–81), bayer. Hofmaler in M., Lithograph, restaurierte 1872 R.s Fresken unter d. Arkaden d. Hofgartens (s. ADB 29; ThB);
    München 1824 Maria Augusta Friederike (1802–67), T d. Friedrich Ludwig v. Sckell (1750–1823), Hofgartenintendant in M. (s. ADB 34; Gartenlust u. Stadtbaukunst, F. L. v. S. 1750-1823, Ausst.kat. Bayer. Ak. d. Schönen Künste, 2000), u. d. Anna Maria Barbara Josepha Rottmann;
    1 S Hermann (1824–79), Lt. im bayer. Inf.-Leib-Rgt., Schriftst., Maler, 2 T (1 früh †) Sylvia (1828–1909, Anton Teichlein, 1820–79, Maler, Gal.dir. in Schleißheim b. M., s. ADB 37; ThB).

  • Leben

    Zusammen mit Carl Philipp Fohr (1795–1818) und Ernst Fries (1801–33) wurde R. von seinem Vater im Zeichnen und Aquarellieren unterrichtet. Auf die Technik der Ölmalerei machte ihn vermutlich der von den Nazarenern beeinflußte Maler Johann Christian Xeller (1784–1872) aufmerksam, der ihn auch mit der seit 1810 in Heidelberg ausgestellten Sammlung mittelalterlicher Kunstwerke der Gebrüder Boisserée bekannt machte. Durch Fries lernte R. den schott. Maler George Augustus Wallis (1770–1847) kennen, der 1812-16 in Heidelberg lebte und ihm wichtige Anregungen für seine geschichtsphilosophisch begründete Landschaftsauffassung und darüber hinaus das Interesse an wirkungsvollen Lichteffekten vermittelte. 1818 unternahm R. seine erste Fahrt als Landschaftsmaler gemeinsam mit Xeller, Fries und Johann Rudolf Kunz (1797–1848) in das Rhein-Mosel-Tal, aus der eine Folge von 4 Stichen entstand (Malerische Reise an der Mosel von Coblenz nach Trier). Zur künstlerischen Fortbildung immatrikulierte er sich 1821 in München an der Akademie der Künste für Historienmalerei. 1822, 1823 und 1824 unternahm er Reisen in die Bayer. Alpen, ins Salzburger Land und nach Tirol, wo ihn die Hochgebirgslandschaft nachhaltig beeindruckte (Eibsee 1825). 1826 brach R. auf eigene Kosten zu seiner ersten Italienreise auf, die ihn bis nach Sizilien führte, im Jahr darauf erhielt er von Kg. Ludwig I. seinen ersten öffentlichen Auftrag. Nachdem das als Probestück geforderte Bild, einer Ansicht aus der Gegend von Palermo, Gefallen gefunden hatte (Palermo, 1828), sollte er für die Münchener Hofgartenarkaden einen Zyklus mit 28 „ital. Landschaften“ malen. Nach einer 2. Italienreise in kgl. Auftrag 1828/29 begann er 1830 (vollendet 1833) unter persönlicher Anteilnahme Ludwigs I. mit der Ausführung der Italienbilder in Freskotechnik. Da R.s Bildauffassung|den Vorstellungen des Königs sehr entsprach, wurde er 1832 mit Entwurf und Ausführung eines 38 Bilder umfassenden Zyklus von Ansichten griech. antiker Stätten beauftragt, von denen jedoch nur 23 ausgeführt wurden. 1834/35 reiste er als einer der ersten dt. Maler nach Griechenland; 1838 begann er den für die 2. Arkadenreihe des Hofgartens geplanten, in enkaustischer Technik auf Zementgußplatten ausgeführten Zyklus, der seit 1844 jedoch für den Neubau der Neuen Pinakothek bestimmt und 1850, kurz vor seinem Tod, vollendet wurde.

    Zeit seines Lebens galt R.s primäres Interesse der Landschaftsmalerei, wobei er Erscheinungsformen der Natur sowie Architekturmotive in ihrer geschichtlichen Dimension zu interpretieren suchte. Bereits die Landschaftskompositionen aus der Heidelberger Frühzeit, bei denen es sich meist um tonig gemalte, atmosphärische Ansichten mit elegischem Stimmungswert handelt, beinhalten Hinweise auf die historisch erfahrbare Zeit. Geschichtlich bedeutsame Orte werden in ihrem gegenwärtigen Zustand als Erinnerungsmale bzw. Denkmäler der Menschheits- oder Erdgeschichte dargestellt. Die Distanz zu vergangener Größe und das stimmungsmäßige Weiterwirken der Tradition des Ortes sollten das historische Bewußtsein des Betrachters fördern.

    Anders als beim Zyklus der ital. Landschaften, der gemäß klassisch-romantischer Vorstellung die Kontinuität antiker Kultur für die Gegenwart vorstellt, zeigen die griech. Landschaften die historischen Stätten in ihrer ganzen Verwüstung. Stärker als beim Italien-Zyklus werden Licht-Wetter-Phänomene zur effektvollen Gestaltung historischer Schauplätze eingesetzt. Diese Landschaftsauffassung spiegelt den mittlerweile vollzogenen Wandel des geschichtsphilosophischen Bewußtseins, demzufolge Mensch und Kultur in Vergangenheit und Gegenwart gleichermaßen dem Prozeß des Verfalls unterworfen sind; mit den Hofgartenfresken gelangte R. zu einem klassizistisch-idealistischen Monumentalstil.

    R. gehört zu den bedeutendsten Vertretern der spätklassizistischen dt. Landschaftsmalerei und gilt als Schöpfer des historischen Landschaftsbildes, der die Landschaftsmalerei innerhalb der Hierarchie der Gattungen in den Rang der Historie erhoben hat. Er übte großen Einfluß auf die nachfolgende Generation aus, u. a. auf Christian Morgenstern (1805–67), Bernhard Fries (1820–79) und Eduard Schleich d. Ä. (1812–74). – bayer. Hofmaler (1841).

  • Werke

    W-Verz. Bierhaus-Rödiger, 1978 (s. L), S. 153-458 n. Rödiger-Diruf, 1989 (s. L), Nachtrag z. W-Verz. von 1978, S. 211-24;
    |

  • Nachlaß

    Nachlaß: s. Bierhaus-Rödiger, 1978 (s. L), S. 101.

  • Literatur

    ADB 29;
    L. Lange, Die griech. Landschaftsgem. v. C. R. in d. kgl. Pinakothek zu München, 1854;
    F. Krauss, C. R., 1930;
    K. Lankheit, Der Maler C. R., in: Ruperto-Carola 5, H. 11/12, 1953, S. 51-55;
    C. R. 1798-1850, Ausst.kat. München 1955;
    H. Decker, C. R., 1957;
    W. Krönig, C. R.s Ansichten v. Céfalu, in: Mouseion, Studien aus Kunst u. Gesch. f. O. H. Förster, hg. v. H. Ladendorf u. H. Vey, 1960, S. 243-46;
    E. Bierhaus-Rödiger, Zum ehem. Dekorationsprogr. d. Münchner Hofarkaden, in: Weltkunst 47, 21.10.1977, Sondernr., S. 2149-51;
    dies., C. R. 1797-1850, Monogr. u. krit. Werkkat., Mit Btrr. v. H. Decker u. B. Eschenburg, 1978;
    dies., Die hist. Landschaftsmalerei in München unter Kg. Ludwig I., in: Münchener Landschaftsmalerei 1800-1850, Ausst.kat. München 1979, S. 126-48;
    M. Bleyl, C. R. u. Ludwig Lange, Zwei Btrr. z. Griechenlandrezeption im 19. Jh., in: Pantheon XLI. 1983, S. 183-93;
    E. Rödiger-Diruf, Friedrich R., Univ.zeichenmeister in Heidelberg, in: Baden u. Württ. im Za. Napoleons. Ausst.kat. Stuttgart 1987, II, S. 561-82;
    dies., Landschaft als Abbild d. Gesch., C. R.s Landschaftskunst 1820-1850. Mit e. Nachtr. z. Werkkat, 1978, in: Münchener Jb. d. Bildenden Kunst, 3. F., XL, 1989, S. 153-224;
    B. Strieder u. P. Märker, C. R. 1797-1850, Kartons, Aquarelle, Zeichnungen, 1989;
    A. Frese, C. R. 1797-1850, 1997;
    C. Heilmann u. E. Rödiger-Diruf, Landschaft als Gesch., C. R. 1797-1850 Hofmaler Kg. Ludwigs I., Ausst.kat. Heidelberg 1998;
    ThB;
    KML;
    H. Ludwig, Münchener Maler im 19. Jh., III, 1982, S. 391-95;
    Lex. d. Kunst;
    Dict. of Art;
    zur Fam.:
    G. Christ. Maler K. R. u. seine Fam., in: Mannheimer Gesch.bll. 13, 1912, Sp. 3-16.

  • Portraits

    Ölgem. v. A. Riedel, 1824 (München, Bayer. Staatsgem.slgg.);
    Zeichnung v. E. Jenichen, 1844 (München, Staatl. Graph. Slg.);
    Marmorbüste v. A. H. Lossow (München, Ruhmeshalle).

  • Autor/in

    Andrea Tietze
  • Empfohlene Zitierweise

    Tietze, Andrea, "Rottmann, Carl" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 144-145 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118603345.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA