Lebensdaten
1832 bis 1899
Geburtsort
Magdeburg
Sterbeort
Leipzig
Beruf/Funktion
Schachmeister ; Verleger ; Schachschriftsteller ; Literat
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 116788704 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Credner, Heinz
  • Lange, M.

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Zitierweise

Lange, Max, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd116788704.html [27.03.2017].

CC0

Lange, Max

Schachmeister, Verleger, * 7.8.1832 Magdeburg, 8.12.1899 Leipzig. (lutherisch)

  • Genealogie

    V Joh. Gottfried Ludwig, Magistrats-Assessor in Zeitz; M Bertha Adelheid Gödecke ( v. 1868); Leipzig 1868 Elisabeth Magdalena Wilh. Rosamunde (* 1848), T d. Verlagsbuchhändlers Otto Spamer (1820–86, s. ADB 35) u. d. Adelheid Rosamunde Schmidt; 2 S, 1 T.

  • Leben

    Nach dem Studium der Rechtswissenschaften und der Philosophie und Promotion in beiden Fächern war L. seit 1864 Mitinhaber der Verlagsbuchhandlung Otto Spamer in Leipzig, seit 1886 deren Alleininhaber; seit 1891 lebte er als Privatmann in Leipzig. Die Geschicke der Verlagsbuchhandlung lenkte er mit großer Tatkraft; an dem Erfolg ihres Programms war er durch die Herausgabe mehrerer weitverbreiteter Handbücher und Lexika und mit verschiedenen von ihm bearbeiteten, teils anonym erschienenen Schriften maßgeblich beteiligt.

    Bedeutenderes leistete L. jedoch auf dem Gebiet des Schachs. Schon 1849 gründete er in Magdeburg den Gymnasiasten-Schachklub „Sophrosyne“ und redigierte den einzigen Jahrgang der „Magdeburger Schachzeitung“. 1858-68 war er Schriftleiter der Leipziger „Schachzeitung“; seine eigenen „Sonntagsblätter für Schachfreunde“ erreichten 1861 nur 35 Nummern. L.s Bemühungen um die organisatorische Einung der Schachspieler in Deutschland zeigten sich in der Mitbegründung der Schachgesellschaft „Augustea“ in Leipzig, des Westdeutschen Schachbundes (1862) und des Norddeutschen Schachbundes (1868). L. wurde Sieger in den Turnieren zu Düsseldorf 1862, 1863, 1864 sowie Hamburg 1868, in Aachen 1868 errang er einen geteilten 2./3. Preis vor Anderssen. Auch als Aufgabenverfasser hat L. Hervorragendes geleistet: er gewann die ersten Preise in den Problemturnieren Düsseldorf 1862, 1863, 1864. 1894 wurde er nach dem Tode von Hermann Zwanzig (1837–94) zum Bundesverwalter des Deutschen Schachbundes gewählt und auf den Bundeskongressen in Eisenach 1896 und Köln 1898 trotz erheblicher, seiner Person geltender Widerstände in diesem Amt bestätigt. Im praktischen Spiel erreichte L. nicht ganz die Höhe eines Adolf Anderssen und eines Louis Paulsen; sein Name lebt aber noch im Max-Lange-Angriff des Zweispringerspiels im Nachzuge fort. Der Schachschriftsteller L., der auch zahlreiche Arbeiten für Schachzeitschriften lieferte, mag in der Tiefe und Gediegenheit der Darstellung von seinem Zeitgenossen Tassilo v. Heydebrand u. d. Lasa übertroffen worden sein; dafür zeigen seine Schriften ein wesentlich breiteres Spektrum des behandelten Stoffes. Durch seine schriftstellerische und organisatorische Tätigkeit hat L. das Aufblühen des Schachlebens in Deutschland vor und nach der Gründung des Deutschen Schachbundes (1877) entscheidend gefördert.

  • Werke

    u. a. Kritik d. Grundbegriffe vom geistigen Eigenthum, 1858; Abraham Lincoln, 1866 (russ. 1867); Neue Denklehre od. Einfluß d. Gegenstandes auf d. Methode d. Denkens, 1889; Kritik d. Eröffnungen, 1855; Lehrb. d. Schachspiels, 1856 (ungar. 1860, ital. 1861), 21865; Slg. neuer Schachpartien, 1857; Paul Morphy, Skizze aus d. Schachwelt, 1859, 31894 (engl. 1860); Hdb. d. Schachaufgaben, 1862; Jb. d. Westdt. Schachbundes, 1862, 1863; Feinheiten d. Schachspiels, 1865; Das Schach vom ak. Standpunkt, in: Berliner Schachztg. 2, 1897, S. 1-5. - Hrsg. u. Neubearb.: L. Bledow, Correspondenz-Partien, 1872; C. F. G. Thon, Meister im Schachspiel, 5-71858-81.

  • Literatur

    ADB 51 (W); The Chess Monthly 15, 1894/95, S. 98 f.; A. Heyde, in: Dt. Wochenschach 11, 1895, S. 4 f. (P); ebd. 15, 1899, S. 401; R. v. Gottschall, in: Dt. Schachztg. 55, 1900, S. 26-29, Teilnachdr. in: BJ IV; A. Hild, Dt. Schachbund e. V. 1877-1927, Festschr., 1927, S. 18-20 (P); A. Diel, Schach in Dtld., 1977, S. 49-52.

  • Autor

    Egbert Meissenburg
  • Empfohlene Zitierweise

    Meissenburg, Egbert, "Lange, Max" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 568 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd116788704.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

Lange, Max

  • Leben

    Lange: Max L., Schachschriftsteller und vielseitiger Litterat, geboren am 7. August 1832 zu Magdeburg, am 8. December 1899 zu Leipzig, studirte seit 1852 zu Berlin, Halle, Jena und Heidelberg Mathematik, Theologie, vornehmlich aber Jurisprudenz und Philosophie, und promovirte zum Doctor in beiden letzteren Fächern. Auf den verschiedensten Feldern der Gelehrsamkeit und des Allgemeinwissens zu Hause, paßte L. so recht zum Mitleiter eines Instituts, wie es Otto Spamer's Verlag in Leipzig war, als dessen Mitinhaber, dann Haupt L., des Namensträgers Schwiegersohn geworden, jahrelang eine ausgedehnte und erfolgreiche Wirksamkeit entfaltet hat. So hat er auch zwei weitverbreitete Verlagsartikel der Buchhandlung Spamer herausgegeben: "Rothschild's Taschenbuch für Kaufleute" (1864—82) und "Die Welt der Jugend" (1865 ff.), betheiligte sich übrigens auch energisch an der Redaction von Spamer's umfänglichsten und breitest angelegten Unternehmen, dem "Buch der Erfindungen" und dem "Illustrirten Conversationslexikon". Außerdem veröffentlichte er auf Grund eindringlicher Studien "Kritik des geistigen Eigenthums" (1858) und eine "Neue Denklehre" (1889), dagegen mehr populären Zwecken dienstbar die Lebensbilder "Abraham Lincoln" (1866) und "Kaiser Wilhelm der Große" (1888), mit letzterer Titular unmittelbar nach des Herrschergreises Tode das spätere officielle Prädicat vorwegnehmend. Dem großen, weit ausgreifenden "Kaufmännischen Verein zu Leipzig", als dessen erster Vorsitzender er lange Jahre geschickt waltete, widmete er eine so betitelte Monographie zum Viertelsäculum (1888). Besonders aber erwarb er Namen und Ehre in der Schachwelt. Lange's Thätigkeit als Spielpraktiker, als Analytiker und Historiker des Schachs reichte gleich ausgezeichnet gerade über die zweite Hälfte des Jahrhunderts. Schon 1849 gründete er die "Magdeburger Schachzeitung", die er mehrere Jahre redigirte. Seine "Kritik der Eröffnungen" (1855) war für die moderne Analyse bahnbrechend. Es folgten ein "Lehrbuch des Schachspiels" (1856, 2. Aufl. 1865), in mehrere Sprachen übersetzt, "Sammlung neuer Schachpartien" (1857), "Handbuch der Schachaufgaben" (1862), "Feinheiten des Schachspiels auf dem Gebiete der Composition" (1865), die ausgezeichnete Schrift "Paul Morphy. Skizze aus der Schachwelt" (1859, 1881, 1894 aufgelegt), die in aller Freunde Händen ist, "Der Meister im Schachspiel" (1881). 1858—68 redigirte L. hingebungsvoll das publicistische Hauptorgan, die "Deutsche Schachzeitung". Er erntete mit dieser litterarischen Vertretung des Schachwesens ebenso allgemeine Anerkennung wie in der Funktion als "Verwalter" des "Deutschen Schachbundes", die er, wol mehr für bittere als für frohe Stunden, noch 1894 nach Zwanzig's Tode selbstlos auf seine Schultern nahm. Ein Nervenleiden, das 1896 den sonst zähen und ausdauernden Mann ergriff, fand in südlichen Curorten keine Linderung, warf aber auf die Führung der Bundesgeschäfte seinen Schatten. Das Schachspiel verlor mit L. und dem kurz vorher geschiedenen v. Heydebrand und der Lasa mächtigste Stützen und begeistertste Förderer, die deutsche Schachlitteratur in L. einen ihrer Väter und berufensten Vertreter. Die "Illustrirte Zeitung", deren Schachrubrik L. von K. J. S. Portius' (1797—1862) Tode bis zu Rich. Mangelsdorf's Redactionsübernahme, von Mai bis Ende 1862 geleitet hat, sagt, bei ihrem Rückblick gelegentlich ihrer 3000. Aufgabe, Nr. 3203 (17. November 1904), S. 739, daß dieser "große Schachtheoretiker, einer der geistreichsten und fruchtbarsten Schachschriftsteller", auf allen Gebieten des Schachspiels eine unermüdliche Thätigkeit entwickelt habe, und hebt "von seinen zahlreichen Werken hier nur das 'Handbuch der Schachaufgaben' und 'Paul Morphy. Skizze aus der Schachwelt' als besonders werthvolle Arbeiten" hervor.

    • Literatur

      Nachrufe in allen deutschen Schachjournalen und vielen Tagesblättern (z. B. "Leipziger Tageblatt" v. 10. Decbr., "Münchn. Neust. Nachr." v. 17. Decbr. 1899). — Nekrolog mit Bild Nr. 2946 der "Illustrirt. Ztg.", S. 835 u. 847. — Lebensskizze Meyer's Conversationslex. X, 1055 (ausführlicher Spamer's Illustrt. Convers.-Lex. s. v.), wo die Bibliographie nur die Schachschriften nennt; diese ist auch unvollständig in Kürschner's Dtsch. Litteraturkaldr. s. v. (noch brauchbar in dess. Jhrgg. XII u. XIII), wo auch L.'s Pseudonyme Mac Gleans und Max Godeck stehen. Anonymer Auszug Bettelheim's aus Gottschall's ausführt. Artikel, Biogr. Jahrbuch u. Dtsch. Nekrolog IV, 189. — Leipziger Erinnerungen des Unterzeichneten.

  • Autor

    Ludwig Fränkel.
  • Empfohlene Zitierweise

    Fränkel, Ludwig, "Lange, Max" in: Allgemeine Deutsche Biographie 51 (1906), S. 577-578 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd116788704.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA