Heigert, Hans

Lebensdaten
1925 – 2007
Geburtsort
Mainz
Sterbeort
Germering bei München
Beruf/Funktion
Journalist ; Chefredakteur ; Publizist
Konfession
römisch-katholisch
Normdaten
GND: 105791857 | GND-Explorer | OGND | VIAF
Namensvarianten

  • Heigert, Hans

Vernetzte Angebote

Verknüpfungen

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Heigert, Hans, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd105791857.html#indexcontent [04.10.2026].

CC0

  • Heigert, Hans

    1925 – 2007

    Journalist, Chefredakteur, Publizist

    Hans Heigert war als Chefredakteur beim Fernsehen des Bayerischen Rundfunks sowie als Vorsitzender der Chefredaktion der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ) eine führende Persönlichkeit der bundesdeutschen Medienlandschaft. Unter seiner Leitung wurde die SZ seit 1970 zur auflagestärksten anspruchsvollen Tageszeitung Deutschlands. Als Präsident des Goethe-Instituts sorgte Heigert von 1989 bis 1993 zudem für den Aufbau neuer Dependancen in Osteuropa.

    Lebensdaten

    Geboren am 21. März 1925 in Mainz
    Gestorben am 17. November 2007 in Germering bei München
    Grabstätte Waldfriedhof Unterpfaffenhofen, Feld 32 in Germering
    Konfession römisch-katholisch
    Hans Heigert, Imago Images (InC)
    Hans Heigert, Imago Images (InC)
  • 21. März 1925 - Mainz

    1935 - 1943 - Ludwigsburg

    Schulbesuch (Abschluss: Abitur)

    Gymnasium

    1935 - ca. 1939 - Ludwigsburg

    Mitglied

    Neudeutschland (katholischer Jugendbund für Gymnasiasten)

    ca. 1935 - ca. 1939

    Mitglied

    Deutsches Jungvolk (Hitler-Jugend)

    1943 - Alençon (Département Orne, Frankreich)

    Ausbildung zum Panzerfunker

    Januar 1944 - Mai 1945 - u. a. Winnyzja (Sowjetunion, heute Ukraine)

    Kriegsdienst

    6. Kompanie der 23. Panzerdivision

    Mai 1945 - Juni 1945 - Bischofshofen (Salzburger Land)

    US-amerikanische Kriegsgefangenschaft

    Internierungslager

    November 1945 - 1949 - Stuttgart; Mannheim; Heidelberg

    Studium der Geschichtswissenschaft, Rechtswissenschaften, Volkswirtschaftslehre und Soziologie

    TH; Wirtschaftshochschule; Universität

    1949 - Heidelberg

    Promotion (Dr. phil.)

    Universität

    1950 - 1957 - Stuttgart

    politischer Redakteur

    Deutsche Zeitung und Wirtschaftszeitung (Wochenblatt)

    1957 - 1960 - München

    Leiter des Jugendfunks

    Bayerischer Rundfunk

    1958 - 1973

    Mitglied; 1973 Parteiaustritt

    CSU

    1960 - 1968 - Unterpfaffenhofen (heute Germering bei München)

    Gemeinderat

    CSU

    1961 - 1969 - München

    Chefredakteur bei der Fernsehdirektion; Leiter von deren Hauptabteilung I (Aktuelles)

    Bayerischer Rundfunk

    April 1969 - 1970 - München

    Leitender Redakteur

    Süddeutsche Zeitung (Tageszeitung)

    1970 - 1984 - München

    Vorsitzender der Chefredaktion

    Süddeutsche Zeitung

    1.1.1985 - 31.12.1992 - München

    Leitender Redakteur

    Süddeutsche Zeitung

    4.4.1989 - 31.5.1993 - München

    Präsident

    Goethe-Institut zur Pflege der deutschen Sprache und Kultur im Ausland

    17. November 2007 - Germering bei München

    alternativer text
    Hans Heigert, BSB / Bildarchiv / Fotoarchiv Timpe (InC)

    Aus einfachen Verhältnissen stammend, besuchte Heigert von 1935 bis zu seinem Abitur 1943 das Gymnasium in Ludwigsburg. 1936 trat er dem von Ludwig Esch SJ (1883–1956) angeführten und 1939 verbotenen katholischen Jugendbund Neudeutschland bei; die Mitgliedschaft veranlasste 1937 eine Haussuchung. Zugleich war er Mitglied der Hitler-Jugend. Im Sommer 1943 in Alençon (Département Orne, Frankreich) zum Panzerfunker ausgebildet, wurde Heigert im Januar 1944 zur 6. Kompanie der 23. Panzerdivision der Wehrmacht nahe Winnyzja (Sowjetunion, heute Ukraine) abkommandiert und u. a. bei der erfolglosen Panzeroffensive südlich von Stuhlweißenburg (heute Székesfehérvár, Ungarn) im März 1945 eingesetzt. Von Mai bis Juni 1945 war er Kriegsgefangener in dem US-amerikanischen Internierungslager Bischofshofen (Salzburger Land).

    Im November 1945 begann Heigert ein Studium an der TH Stuttgart, ehe er an die Wirtschaftshochschule Mannheim und zuletzt auf die Universität Heidelberg wechselte; seine Studienfächer waren Geschichtswissenschaft, Rechtswissenschaften, Volkswirtschaftslehre und Soziologie. 1949 in Heidelberg mit einer von dem Soziologen Alfred Weber (1868–1958) betreuten Studie über die studentischen Bewegungen des 19. Jahrhunderts zum Dr. phil. promoviert, wurde Heigert 1950 auf Vermittlung Webers politischer Redakteur bei der 1946 u. a. von Erich Welter (1900–1982) gegründeten „Deutschen Zeitung und Wirtschaftszeitung“ in Stuttgart. Er berichtete mehrfach aus der DDR, v. a. über den Aufstand vom 17. Juni 1953, und fungierte 1956 als Korrespondent in Bonn. Er befürwortete grundlegend Konrad Adenauers (1876–1967) Politik der Westintegration, war aber gegen eine schnelle Wiederbewaffnung der Bundesrepublik.

    1957 wechselte Heigert zum Bayerischen Rundfunk (BR) nach München, wo er bis Ende 1960 den Jugendfunk leitete und 1961 zum Chefredakteur und Leiter der Hauptabteilung I (Aktuelles) bei der Fernsehdirektion des BR avancierte. Von 1958 bis zu seinem Parteiaustritt 1973 war er Mitglied der CSU, für die er von 1960 bis 1968 Gemeinderat in seinem Wohnort Unterpfaffenhofen (heute Germering bei München) war. Über Bayern hinaus bekannt wurde Heigert seit 1964 als Moderator des politischen Fernsehmagazins „Report“ (seit 1966 „report aus München“, heute „report München“), bei dem er eng mit dem Redaktionsleiter und BR-Chefreporter Dagobert Lindlau (1930–2017) zusammenarbeitete. Auf der Basis seiner christlich-konservativen Grundeinstellung griff Heigert v. a. kritische Fragen der Studentenbewegung auf und verteidigte zugleich traditionelle gesellschaftliche Werte; seine Moderationstätigkeit war wiederholt starker Kritik sowohl von rechter als auch linker Seite ausgesetzt.

    Im April 1969 wurde Heigert zum Leitenden Redakteur der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ) ernannt, für die er bereits 1960/61 als politischer Redakteur gearbeitet hatte. Für das Bayerische Fernsehen blieb er bis Ende Juni 1975 als Kommentator tätig und moderierte bis Ende 1979 die populäre monatliche Reihe „Erinnern Sie sich?“. Im September 1970 übernahm Heigert den Vorsitz der SZ-Chefredaktion, der u. a. Hugo Deiring (1920–1999), Hans Ulrich Kempski (1922–2007) und Hans Schuster (1915–2002) angehörten. Während Heigerts Amtszeit bis Ende 1984 stieg die Auflage der SZ von ca. 250 000 Exemplaren (1970) auf rund 365 000 Exemplare (1982). Heigert ließ seinen Mitarbeitern weitgehende Freiheiten und pflegte einen vermittelnden, nicht-autoritären Führungsstil.

    Außenpolitisch befürwortete Heigert nun die von Willy Brandt (1913–1992) und Egon Bahr (1922–2015) geprägte Neue Ostpolitik und hielt es für sinn- und aussichtslos, eine deutsche Wiedervereinigung anzustreben. Er war Gegner des Vietnamkriegs, vertraute aber auf die unbedingte Bereitschaft der USA, Europa im Fall einer kriegerischen Bedrohung zu schützen. Europapolitisch hielt Heigert eine Währungsunion für unverzichtbar, bezweifelte aber deren Realisierbarkeit. Die 2004 verwirklichte EU-Osterweiterung sah er kritisch, da durch sie das Ziel eines echten Staatenbunds mit gemeinsamer europäischer Regierung in weite Ferne rücke. Infolge des Reaktorunglücks von Tschernobyl im April 1986 wurde Heigert, der von Januar 1985 bis Ende 1992 der SZ als Leitender Redakteur verbunden blieb, zu einem Gegner der Kernenergie. Er unternahm von 1971 bis 1989 zahlreiche Reisen, über die er in der SZ berichtete, u. a. nach Polen, China, Thailand und Südafrika, in die USA und die Balkanländer sowie nach Südamerika und den Nahen Osten.

    Von April 1989 bis Mai 1993 war Heigert als Nachfolger Klaus von Bismarcks (1912–1997) Präsident des Münchner Goethe-Instituts zur Pflege der deutschen Sprache und Kultur im Ausland, das durch den Zusammenbruch der DDR und des Ostblocks vor neue Aufgaben gestellt war. Trotz finanzieller Knappheit gelang in Heigerts Amtszeit die Gründung neuer Institute in Osteuropa, v. a. in Sofia (1989), Prag (1990), Warschau (1990), Moskau (1992) und Minsk (1993) sowie eines in Washington, DC (1990).

    vor 1965 Mitglied des Akademischen Gesangvereins Scholastika München
    1966 Mitglied des Bensberger Kreises
    1967 Goldene Kamera (für das Fernsehmagazin „report München“)
    1968 Mitglied des Deutschen Presserats
    1969 Theodor-Heuß-Preis der Theodor-Heuss-Stiftung, Stuttgart
    1971 Mitglied des Vorstands der Hilda-Heinemann-Stiftung
    1971/72 Theodor-Wolff-Preis des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger
    1972 Mitglied des Deutschen PEN-Zentrums (Bundesrepublik)
    1974 Bayerischer Verdienstorden
    ca. 1977 Mitglied des Senats der Max-Planck-Gesellschaft
    1979 Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland
    1984 Mitglied des Kuratoriums der Universität München
    1986 Bayerische Verfassungsmedaille in Silber (1993 in Gold)

    Nachlass:

    Familienbesitz. (Manuskripte zu Artikeln und Sendungen)

    Weitere Archivmaterialien:

    Archiv des Bayerischen Rundfunks, München.

    Stadtarchiv Mainz, HRMO 53/1918. (Heiratsurkunde v. Heigerts Eltern)

    Universitätsarchiv Heidelberg, studA Hans Heigert (Studentenakte), H-IV-757/50 fol. 10 (Promotionsunterlagen) u. H-IV-757/276 (Druckbestätigung).

    Stadtarchiv München, DE-1992-FSPER-H-0253, Mappe (Heigert, Hans, Dr.) u. DE-1992-DIRZR-0142, Akt (Parteipolitischer Einfluss auf das Bayerische Fernsehen).

    Bundesarchiv, Berlin-Lichterfelde, B 307. (Goethe-Institut e. V., Abgabelisten, Abgabe 4 2004, Heigert Dr. Hans)

    Stadtarchiv Germering, Upf B 7/2–7/4 u. Upf B 8/1–8/3. (Gemeinderatsprotokolle Unterpfaffenhofen, 1960–1968)

    Gedruckte Quellen:

    Deutscher Bundestag, 8. Wahlperiode, Drucksache 8/3835 v. 20.3.1980. (Bericht des Untersuchungsausschusses wegen eines der SZ zugegangenen Abhörprotokolls eines Gesprächs von Franz-Josef Strauß und Wilfried Scharnagl) (Onlineressource)

    Monografien und Herausgeberschaften:

    Romantik und Idealismus, und die Staatsmystik im deutschen Bürgertum. Eine soziologisch-politische Studie über die studentischen Bewegungen im vergangenen Jahrhundert, 1949. (ungedr. Diss. phil., Universität Heidelberg)

    Hans Heigert/Werner Wirsing, Stätten der Jugend. Ein Bericht, 1958.

    Deutschlands falsche Träume oder: die verführte Nation, 1967, 21968, Neuausg. 1969.

    Flucht aus der Zukunft. Über einige Mißverständnisse zwischen den Generationen, hg. v. Kreisjugendring München-Land, [1978].

    Jugend ohne Normen? Eine Generation auf der Suche, 1978. (Hg.)

    Aufsätze und Beiträge:

    Plädoyer für einen Staat. Die Grenzen der Politik – Bonn, in: Clemens Münster (Hg.), Die Bundesrepublik heute. Eine Bestandsaufnahme in Beispielen, 1956, S. 15–46.

    Die „Sünde“ von Essen. Katholische Kirche zwischen Freiheit und Autorität, in: Der Monat, Nr. 24 v. Januar 1969, S. 17–28.

    Der Generationskonflikt – anders als je, in: Hans Heigert (Hg.), Jugend ohne Normen? Eine Generation auf der Suche, 1978, S. 43–56.

    Glanz und Elend der freien Presse, in: Hildegard Hamm-Brücher/Norbert Schreiber (Hg.), Die aufgeklärte Republik. Eine kritische Bilanz, 1989, S. 217–223.

    Gedruckte Interviews:

    Do you Know your Medium, Hans Heigert?, in: Der Monat, Nr. 243 v. Dezember 1968, S. 94 f.

    Interview mit Ernst Emrich, alpha-Forum v. 28.3.2000, Transkript. (Onlineressource)

    N. N., Art. „Heigert, Hans“, in: Wer ist wer? Das deutsche Who’s Who 42 (2003), S. 544.

    Paul Hoser, Art. „Süddeutsche Zeitung (SZ)“, in: Historisches Lexikon Bayerns, 2014. (Onlineressource)

    Fernsehdokumentation:

    Report, Monitor und Panorama – wie es weiterging, Regisseur: Gerhard Lampe, 1992. (Videokassette, Fernsehmitschnitt: 3sat v. 25.9.1997, in: Bibliothek der Universität der Künste Berlin, B 170)

    Fotografie v. Felicitas Timpe (1923–2006), 1964, Bayerische Staatsbibliothek München, Bildarchiv.

    Fotografie, 4.5.1970, Süddeutscher Verlag, Mediennummer 15610185.

  • Autor/in

    →Paul Hoser (München)

  • Zitierweise

    Hoser, Paul, „Heigert, Hans“, in: NDB-online, veröffentlicht am 01.10.2026, URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd105791857.html#dbocontent

    CC-BY-NC-SA