Berber, Anita
- Lebensdaten
- 1899 – 1928
- Geburtsort
- Leipzig
- Sterbeort
- Berlin
- Beruf/Funktion
- Tänzerin ; Schauspielerin ; Fotomodell ; Tänzerin ; Filmschauspielerin ; Kabarettistin
- Konfession
- evangelisch-lutherisch
- Normdaten
- GND: 11865568X | OGND | VIAF: 70386335
- Namensvarianten
-
- von Nathusius, Anita / verheiratete
- Châtin-Hofmann, Anita / verheiratete
- Berber, Anita
- von Nathusius, Anita / verheiratete
- Châtin-Hofmann, Anita / verheiratete
- chatin-hofmann, anita / verheiratete
- Nathusius, Anita von
- Droste, Anita
- Châtin Hofmann, Anita
- Chatin-Hofmann, Anita
- Hofmann, Anita
- Henri, Anita
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Personen in der NDB Genealogie
Personen im NDB Artikel
- Albers, Hans
- Alexander I., Jugoslawien, König
- Baker, Josephine
- Berend-Corinth, Charlotte
- Binder, Alexander
- Dietrich, Marlene
- Dix, Otto
- Droste, Sebastian
- Kahn, William
- Lagerfeld, Karl
- Lang, Fritz
- Ora, Madame d'
- Oswald, Richard
- Praunheim, Rosa von
- Pritzel, Lotte
- Rheydt, Celly de
- Sacchetto, Rita
- Saint-Saëns, Camille
- Scheib, Hans
- Schünzel, Reinhold
- Spoliansky, Mischa
- Urfus, Marie
- Veidt, Conrad
Personen in der GND - familiäre Beziehungen
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-
Berber, Anita (geschiedene Anita von Nathusius, verheiratete Anita Châtin-Hofmann)
Pseudonym: Binga van der Wal (um 1917)
1899 – 1928
Tänzerin, Schauspielerin, Fotomodell
Anita Berber wurde seit 1917 als Vertreterin des expressionistischen Tanzes und als Fotomodell bekannt. Von 1918 bis 1925 wirkte sie als Schauspielerin in zahlreichen Stummfilmen mit. Mit ihrem Modestil und selbstbewussten Auftreten verkörperte sie ein modernes Frauenbild. In den 1920er Jahren trat sie als Nackttänzerin in Berliner Varietés und Kabaretts auf, wurde dort bereits vor Josephine Baker (1906–1975) zum Star und machte durch zahlreiche Skandale auf sich aufmerksam.
Lebensdaten
Anita Berber, BArch / Bildarchiv (InC) -
Autor/in
→Armin Fuhrer (Berlin)
-
Zitierweise
Fuhrer, Armin, „Berber, Anita“ in: NDB-online, veröffentlicht am 01.01.2026, URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd11865568X.html#dbocontent
Nach der Scheidung ihrer Eltern 1902 übersiedelte Berber 1906 zu ihrer Großmutter mütterlicherseits und drei Tanten nach Dresden, wo sie die Städtische höhere Töchterschule besuchte. Nach kurzem Aufenthalt in einem Internat in Weimar wohnte sie seit dem Winter 1914/15 mit ihrer Mutter, der Großmutter und den Tanten in Wilmersdorf (heute Berlin). Seit 1915 erhielt Berber Schauspielunterricht bei Maria Moissi (1874–1943) und Tanzunterricht im Studio von Rita Sacchetto (1880–1959), einer Vertreterin des expressionistischen Ausdruckstanzes. Von 1916 bis 1918 ging sie mit der Sacchetto-Truppe auf Tournee durch Deutschland; seit 1917 widmete sie sich Soloauftritten.
In Berlin war Berber seit 1917 als Fotomodell für Hüte und modische Kleidung tätig, so für die auf Schauspielerkostüme und Bühnenausstattung spezialisierte Firma Hugo Baruch & Cie. Fotografien von ihr erschienen in bekannten Modezeitschriften wie „Die Dame“, „Elegante Welt“ und „Vanity Fair“; auch trat sie bei Kostümfesten auf. Mit ihrem unterkühlten, androgynen Habitus, im Smoking, mit Krawatte und Monokel wurde Berber zum Vorbild der neuen Frau in der Weimarer Republik; ihren u. a. von Marlene Dietrich (1901–1992) imitierten Kleidungsstil nannte man „à la Berber“. In Berlin wurde sie um 1920 u. a. von Alexander Binder (1888–1929) fotografisch porträtiert, in Wien entstanden 1922 künstlerische Fotografien im Atelier von Madame d’Ora (1881–1963).
Von 1918 bis 1922 besetzte der Wiener Regisseur Richard Oswald (1880–1963) Berber in mehreren Filmen, von denen einige, wie „Die Prostitution“ und „Anders als die anderen“ (beide 1919) – der erste Aufklärungsfilm über die homosexuelle Beziehung zweier Männer –, als moralisch anrüchig galten und von den Behörden verboten wurden. An der Seite von Conradt Veith (1893–1943) und Reinhold Schünzel (1888–1954) spielte Berber als Dirne und Geliebte in Oswalds „Unheimliche Geschichten – Grausige Nächte“ (1919), einem der ersten Episodenfilme der Filmgeschichte. Zumeist als Tänzerin und Dirne besetzt, verkörperte Berber in weiteren Filmrollen den Typus der Femme fatale, u. a. neben Hans Albers (1891–1960) in „Der Falschspieler“ (1920), wogegen sie in Fritz Langs (1890–1976) „Dr. Mabuse, der Spieler, 1. Teil“ (1922) lediglich als Double in Tanzszenen auftrat. Als Gräfin Julia Orsini spielte sie mit Veidt (Cesare Borgia) in Oswalds Historienfilm „Lucretia Borgia“. In „Die vom Zirkus“ (1922) unter der Regie von William Kahn (1888–1941/43) hatte sie die Hauptrolle einer gefeierten Akrobatin.
Berber stieg seit 1920 in Berlin und auf europaweiten Tourneen als Nackttänzerin in Varietés und Kabaretts zum Star auf, was ihrem Ziel, im seriösen Ausdruckstanz zu reüssieren, entgegenstand und sie von ihrem ursprünglichen anspruchsvollen Publikum entfremdete. Obwohl verheiratet, lebte sie ihre bisexuellen Neigungen öffentlich aus und wurde zu einer prominenten Persönlichkeit des schwul-lesbischen Milieus in Berlin. Ihr erster Ehemann ließ sich von ihr scheiden, nachdem sie mit Susi Wanowski (1886–1952), einer bekannten Figur der Berliner Lesbenszene und späteren Managerin Berbers, eine Liaison eingegangen war. Berbers Alkohol- und Kokainexzesse und provokanten Auftritte wie ihre Entblößung im Speisesaal des Hotels Adlon waren Tagesgespräch in Berlin.
Mit dem Tänzer Sebastian Droste (1898–1927) führte sie im Herbst und Winter 1922/23 in Wien das Programm „Die Tänze des Lasters, des Grauens und der Ekstase“ auf. Tänze wie „Cocain“ nach der Musik von Camille Saint-Saëns’ (1835–1921) „La danse macabre“ und „Morphium“ in der Komposition von Mischa Spoliansky (1898–1985) waren choreografische Schöpfungen Berbers, zu denen Droste Tanzkonzeptionen in Gedichtform beitrug. Eigens kreierte Kostüme, Bühnengestaltung und Beleuchtung rundeten das künstlerische Programm Berbers und Drostes ab. Zukunftsweisend crossmedial angelegt, gehörten auch ein Buch mit den Fotos von Madame d’Ora und ein Dokumentarfilm zum Gesamtkonzept; das aufwändige Projekt scheiterte jedoch, da sich auch in Wien Publikum und Zeitungen nur für Berbers Nacktauftritte interessierten. Berber und Droste sorgten zudem für einen Skandal, als sie Verträge mit Theatern brachen. Im Januar 1923 wurden sie aus Österreich nach Ungarn ausgewiesen.
Da Berber, von ihrer Drogen- und Alkoholabhängigkeit gezeichnet, infolge ihrer Exzesse in Berlin zu einer Unperson geworden war, ging sie seit 1926 mit ihrem zweiten Ehemann, dem US-amerikanischen Tänzer Henri Châtin-Hofmann (1900–1961), auf Tourneen durch Deutschland und andere Länder, wo sie ihr Programm „Tänze der Erotik und Ekstase“ aufführte und von ihrem skandalösen Ruf lebte. In Zagreb beleidigte sie im Sommer 1926 auf offener Straße König Alexander I. von Jugoslawien (1888–1934) und verbrachte deswegen mehrere Wochen im Gefängnis. 1928 erlitt sie auf einer mehrmonatigen Tournee durch den Nahen Osten in Damaskus einen Zusammenbruch und starb nach ihrer Rückkehr in Berlin.
Als Spiegelbild der wilden Zwanzigerjahre geltend, wurde Berber seit den 1980er Jahren als Protagonistin des erotischen Tanzes sowie als avantgardistische Modeikone etwa von Karl Lagerfeld (1933–2019) wiederentdeckt und ihr exzessives Leben in Belletristik und Filmen weiterverarbeitet, u. a. in Rosa von Praunheims (1942–2025) „Anita – Tänze des Lasters“ (1987). Eine neuere tanzwissenschaftliche Erforschung ihrer Werke steht dagegen noch aus.
| 1991 | Sonderbriefmarke der Deutschen Post (weiterführende Informationen) |
| 2003 | Gedenktafel von Hans Scheib (geb. 1949) am Wohnhaus Zähringerstraße 13, Berlin |
| 2017 | Anita-Berber-Park, Berlin-Neukölln (weiterführende Informationen) |
Nachlass:
nicht bekannt.
Weitere Archivmaterialien:
Deutsches Tanzarchiv, Köln, Nr. 226, Anita Berber. (weiterführende Informationen)
Deutsches Tanzarchiv, Köln, Nr. 444, Anita Berber-Archiv Lothar Fischer. (weiterführende Informationen)
Filmrollen:
Grisi, in: Das Dreimäderlhaus. Schuberts Liebesroman, 1918, Regie: Richard Oswald.
Dida Ibsen, in: Dida Ibsens Geschichte. Ein Finale zum „Tagebuch einer Verlorenen“ von Margarete Böhme, 1918, Regie: Richard Oswald.
Tänzerin/Reisebegleiterin Aouda, in: Die Reise um die Erde in 80 Tagen, 1919, Regie: Richard Oswald.
Else, in: Anders als die Andern, 1919, Regie: Richard Oswald.
Lola, in: Die Prostitution, 1. Teil: Das gelbe Haus, 1919, Regie: Richard Oswald.
Tänzerin, in: Peer Gynts Wanderjahre und Tod, 1919, Regie: Victor Barnowsky.
Dirne/Geliebte, in: Unheimliche Geschichten – Grausige Nächte, 1919, Regie Richard Oswald. (Episodenfilm)
Lorenza, Cagliostros Sklavin, in: Der Graf von Cagliostro, 1920, Regie: Reinhold Schünzel.
Seiltänzerin Nella, in: Nachtgestalten, 1920, Regie Richard Oswald.
Margit, in: Der Schädel der Pharaonentochter, 1920, Regie: Otz Tollen.
Tänzerin Asta, in: Der Falschspieler, 1920, Regie: Emil Justitz.
Dr. Kitamaru, in: Yoshiwara, die Liebesstadt der Japaner, 1920, Regie: Arthur Bergen.
Jeanne, in: Verfehltes Leben, 1921, Regie: Maurice Armand Mondet.
Anarchistin Natascha, in: Die Goldene Pest, 1921, Regie: Louis Ralph.
Double von Aud Egede-Nissen als Tänzerin Cara Carozza, in: Dr. Mabuse, der Spieler, 1. Teil, 1922, Regie: Fritz Lang.
Gräfin Julia Orsini, in: Lucrezia Borgia, 1922, Regie Richard Oswald.
Akrobatin Tatja, in: Die vom Zirkus, 1922, Regie: William Kahn.
Fotoband:
Anita Berber/Sebastian Droste, Die Tänze des Lasters, des Grauens und der Ekstase, 1923.
Dokumentarfilm:
Tänze des Grauens, des Lasters und der Ekstase (auch: Moderne Tänze), 1923, Regie: Fritz Freisler.
Filmografie:
Lothar Fischer, Anita Berber. Ein getanztes Leben, 2014, S. 172–174.
Verzeichnis der Tänze:
Joe Jenčík, Anita Berber. Studie, hg. v. Martin Stiefermann, 2014, S. 90–94.
Monografien und Sammelbände:
Joe Jenčík, Anita Berberová studie, 1930 (tschech.), dt. Ausg. Anita Berber. Studie, hg. v. Martin Stiefermann, 2014. (W, P)
Mel Gordon, The Seven Addictions and Five Professions of Anita Berber. Weimar Berlin’s Priestess of Depravity, 2006.
Lothar Fischer, Anita Berber. Göttin der Nacht, 2006.
Johanna Maria Wöß, Anita Berber. Moderne Frau und Tänzerin im Berlin der 1920 Jahre, 2012. (ungedr. Diplomarbeit, Universität Wien) (Onlineressource)
Christian Haider, „Tanzende Sünde.“ Anita Berber 1922/23 in Wien. Zur medialen Konstruktion eines Stadtskandals, 2013. (ungedr. Diplomarbeit, Universität, Wien) (Onlineressource)
Lothar Fischer, Anita Berber. Ein getanztes Leben, 2014. (Q, W, L, P)
Magdalena Vuković (Hg), Tänze des Lasters, des Grauens und der Ekstase. Anita Berber in Wien 1922, 2023. (Q, W, L, P)
Armin Fuhrer, Sextropolis. Anita Berber und das wilde Berlin der Zwanzigerjahre, 2024. (Q, W, L, P)
Aufsätze:
Susan Laikin Funkenstein, Imaging a Weimar Performance Artist, in: Woman’s Art Journal 26 (2005), S. 26–31. (zugangsbeschränkte Onlineressource)
Dieter Wunderlich, Anita Berber (1899–1928). „Tänze des Lasters, des Grauens und der Ekastase“, in ders., AußerOrdentliche Frauen. 18 Porträts, 82009, S. 106–115. (P)
Christian Haider, Anita Berbers „Tanzende Sünde.“ Das Beispiel Wien 1922/23, in: Österreich in Geschichte und Literatur 374 (2013), H. 1, S. 132–148.
Magdalena Vuković, Die Stimme der Tänzerin. Anita Berber in d’Oras Fotografien, in: Elana Shapira/Anne-Katrin Rossberg (Hg.), Gestalterinnen. Frauen, Design und Gesellschaft im Wien der Zwischenkriegszeit, 2023, S. 144–163. (Onlineressource) (P)
Nachruf:
Klaus Mann, Erinnerungen an Anita Berber, in: Die Bühne (1930), H. 275, S. 43 f. (Onlineressource) (P)
Lexikonartikel:
Kay Weniger, Art. „Anita Berber“, in: ders., Das große Personenlexikon des Films, Bd. 1, 2001, S. 334. (W)
Ausstellung:
Tänze des Lasters, des Grauens und der Ekstase. Anita Berber in Wien 1922, Auststellung im Photoinstitut Bonartes, Wien, 2023. (weiterführende Informationen)
Anita Berber. „Orchideen“, Ausstellung im Kunstmuseum Stuttgart, 2025. (weiterführende Informationen)
Belletristik:
Leo Lania, Der Tanz ins Dunkel. Anita Berber. Ein biographischer Roman, 1929.(Onlineressource)
Kinofilm:
Anita – Tänze des Lasters, 1987, Regie: Rosa von Praunheim. (weiterführende Informationen)
Lithografien v. Charlotte Berend-Corinth (1880–1967), 1919, Abbildung in: Lothar Fischer, Anita Berber. Ein getanztes Leben, 2014, S. 128. (weiterführende Informationen)
Zeichnung und Wachspuppe v. Lotte Pritzel (1887–1952), 1919/20, Abbildung in: Lothar Fischer, Anita Berber. Ein getanztes Leben, 2014, S. 127. (weiterführende Informationen)
Porzellanfiguren (Koreanischer Tanz und Pierrette für die Firma Rosenthal) v. Constantin Holzer-Defanti (1881–1951), 1919/20, Abbildung in: Lothar Fischer, Anita Berber. Ein getanztes Leben, 2014, S. 129 f.
Fotografien v. Alexander Binder (1888–1929), 1920, Abbildung in: Lothar Fischer, Anita Berber. Ein getanztes Leben, 2014, S. 132. (weiterführende Informationen)
Fotografie v. Madame d’Ora (1881–1963), 1922, Abbildung in: Klaus Mann, Erinnerungen an Anita Berber, in: Die Bühne (1930), H. 275, S. 43. (Onlineresssource)
Pastellzeichnung v. Otto Dix (1891–1969), 1925, Abbildung in: Lothar Fischer, Anita Berber. Ein getanztes Leben, 2014, S. 133.
Gemälde (Öl, Tempera/Sperrholz) v. Otto Dix (1891–1969), 1925, Kunstmuseum Stuttgart als Dauerleihgabe der Landesbank Baden-Württemberg. (weiterführende Informationen)