Lebensdaten
1880 bis 1963
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Düsseldorf
Beruf/Funktion
Filmregisseur
Konfession
jüdischer Vater
Normdaten
GND: 118787322 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Ornstein, Richard (eigentlich)
  • Oswald, Richard
  • Ornstein, Richard (eigentlich)
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Zitierweise

Oswald, Richard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118787322.html [09.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Alois Ornstein (isr.), Kaufm.;
    M Fanny Bruck;
    Käte Waldeck, geb. Paar, Schausp.;
    K Gerd (1919–89), Filmregisseur, Produzent, Ruth ( 1963), Schausp., Diseuse.

  • Leben

    O. entstammte einer strenggläubigen jüd. Familie. Früh wandte er sich dem Theater zu, trat um 1907 in Wien auf, versuchte sich als Bühnenautor und führte Regie, bis er wegen antisemitischer Angriffe 1910 ans Düsseldorfer Schauspielhaus wechselte. 1911 kam er in Kontakt mit der dortigen Film-Manufaktur und spielte in zwei Filmen mit. Seit 1913 in Berlin, trat O. zunächst am Neuen Volkstheater auf und wurde im selben Jahr Dramaturg bei der Filmfirma Deutsche Vitascope. Er reüssierte als Drehbuchautor, hatte mit einer Bearbeitung von „Der Hund von Baskerville“ (1914) einen ersten großen Erfolg und spezialisierte sich auf Genrestoffe. Geschickt nutzte er, dabei auch den Werbeeffekt bedenkend, Geschichten, deren politische und moralische Inhalte im Gegensatz zur öffentlichen Meinung standen und Eingriffe der Zensur herausforderten: „Das eiserne Kreuz“ (1914), bei dem er auch erstmals Regie führte, wurde wegen pazifistischer Tendenzen verboten, „Das Laster“ (1915) griff das Problem des Alkoholismus, auf. In den folgenden Jahren wurde O. zu einem der produktivsten und erfolgreichsten Regisseure des deutschen Kinos, einfallsreich und variabel in der Wahl seiner Stoffe, handwerklich versiert und an filmischen Innovationen interessiert, ein im besten Sinne künstlerisch inspirierter Routinier, der auch Schauspieler, darunter Werner Krauß, Reinhold Schünzel und Conrad Veidt, als Stars lancierte. Eine eigene Firma (seit 1916) sicherte ihm wirtschaftliche und künstlerische Unabhängigkeit.

    Mit Unterstützung der „Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten drehte O. 1916/17 „Es werde Licht!“, den ersten Aufklärungsfilm, von Zensur und bürgerlicher Kritik heftig angegriffen. O. polarisierte die Meinungen auch 1919 mit dem das Thema Homosexualität aufgreifenden Film „Anders als die Andern“, den er mit Unterstützung des Sexualwissenschaftlers Magnus Hirschfeld (1868–1935) realisierte und mit dem er gegen die Ausgrenzung der Homosexuellen Stellung bezog. Andererseits verstand er es, soziales und politisches Engagement auch spekulativ und populistisch zu wenden: Das Tabu Sexualität brach und vermarktete er effektsicher und mit melodramatischer Geste. In „Dida Ibsens Geschichte“ (1918) inszenierte er einen Fall sexueller Hörigkeit, in „Das gelbe Haus/Die Prostitution/Im Sumpfe der Großstadt“ (1919) siedelte er seine Geschichte in einem anderen Grenzbereich der bürgerlichen Weimarer Ordnung an. Mit dem Film „Der Reigen“ (1920), in dem Asta Nielsen die Hauptrolle spielte, gelang O. eine dichte und anrührende Milieustudie über eine Frau am Rande der Gesellschaft. Daneben entstanden anspruchsvolle Literaturverfilmungen. Mitte der 20er Jahre realisierte er vor allem ausstattungsreiche Historienfilme. Operetten, musikalische Lustspiele und Komödien auf der einen und von demokratischem Impetus getragene historisch-politische Filme auf der anderen Seite kennzeichnen O.s Œuvre zur Tonfilmzeit. Sein Film „Feme“ (1927) – nach einem Roman von Vicki Baum über die Ermordung Walter Rathenaus – rief heftige, auch antisemitische Reaktionen rechtskonservativer und nationalistischer Kreise hervor. Mit „Der Hauptmann von Köpenick“ (1931) nach Carl Zuckmayer realisierte O. einen der herausragendsten Tonfilme der Weimarer Republik.

    1933 emigrierte O. über die Niederlande, Großbritannien, Österreich und Frankreich in die USA (1938). Sein bedeutendster Film im Exil wurde „I Was a Criminal“ (1941), ein Remake des „Hauptmanns von Köpenick“. Nachdem er sich aber bei Film und Fernsehen weder als Produzent noch als Regisseur etablieren konnte, kehrte O. Mitte der 50er Jahre enttäuscht in die Bundesrepublik zurück. Doch auch hier gelang ihm kein Neuanfang mehr.

  • Werke

    Weitere W u. a. Ivan Koschula, 1914;
    Hoffmanns Erzz., 1916;
    Das Bildnis des Dorian Gray, 1917;
    Das Tagebuch einer Verlorenen, 1918;
    Jettchen Geberts Gesch., 1918;
    Peer Gynt, 1918;
    Die Reise um d. Erde in 80 Tagen, 1918;
    Unheiml. Geschichten, 1919;
    Kurfürstendamm, 1920;
    Manolescus Memoiren, 1920;
    Das Haus in d. Dragonergasse, 1921;
    Lady Hamilton, 1921;
    Lucrezia Borgia, 1922;
    Erdgeist, 1922/23 (Regie: L. Jessner);
    Carlos u. Elisabeth, 1923/24;
    Lumpen u. Seide, 1924;
    Im weißen Rössl, 1926;
    Dr. Bessels Verwandlung, 1927;
    Die Rothausgasse, 1927/28;
    Cagliostro (Cagliostro), 1928/29;
    Dreyfus, 1930;
    Alraune, 1930;
    1914, die letzten Tage vor d. Weltbrand, 1930;
    Arm wie e. Kirchenmaus, 1931;
    Die Blume v. Hawai, 1932/33;
    Ein Lied geht um d. Welt, 1933;
    Tempête sur l'Asie (Sturm üb. Asien), 1938;
    The Lovable Cheat, 1948/49. – Teilnachlaß: Archiv d. Stiftung Dt. Kinemathek, Berlin.

  • Literatur

    J. Urgiß, Filmregisseure I., in: Der Kinematograph Nr. 485, 12.4.1916;
    H. Tasiemka, Lb. v. Meistern d. Filmregie I, in: Neue Ill. Filmwoche Nr. 52, 1924;
    F. Porges, Der Produzent R. O., in: Aufbau, New York, 30.1.1959;
    P. Marcus, ebd., 4.11.1960;
    W. Kaul u. R. G. Scheuer (Red.). R. O., 1970 (Verz. d. Filme, P);
    M. Hanisch, Der stumme „Hund v. Baskerville“, in: Prisma Nr. 18, 1988, S. 231-53;
    H. Belach u. W. Jacobsen (Red.), R. O., 1990 (Film- u. L-Verz., P);
    K. Kreimeier, Die Ufa-Story, 1992;
    CineGraph (W-Verz.).

  • Autor/in

    Wolfgang Jacobsen
  • Empfohlene Zitierweise

    Jacobsen, Wolfgang, "Oswald, Richard" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 637-638 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118787322.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA