Prokop von Templin

Lebensdaten
1608 – 1680
Geburtsort
Templin (Uckermark, Brandenburg)
Sterbeort
Linz (Oberösterreich)
Beruf/Funktion
Kapuzinerprediger ; geistlicher Lieddichter ; Prediger ; Schriftsteller ; Kirchenlieddichter ; Katholischer Theologe ; Mönch
Konfession
mehrkonfessionell
Normdaten
GND: 118834517 | OGND | VIAF: 64804568
Namensvarianten

  • Procopius
  • Andreas, Prokop (bürgerlich)
  • Prokop, Andreas (bürgerlich)
  • Procopius von Templin
  • Procopius von Brandenburg
  • Prokop von Brandenburg
  • Prokop von Templin
  • Procopius
  • Andreas, Prokop (bürgerlich)
  • andreas, prokop
  • Prokop, Andreas (bürgerlich)
  • prokop, andreas
  • Procopius von Templin
  • Procopius von Brandenburg
  • Prokop von Brandenburg
  • Procopius Kaspar, von Templin
  • Prokopius, von Templin
  • Templin, Prokopius von
  • Procopius, von Templin
  • Procopius, Capucciner
  • Procopius, Kapuziner
  • Procopius, OFMCap
  • Procopius, Fr.
  • Templin, Procopius von
  • Templin, Prokop von
  • Procopius, Templinensis
  • Procopius, Capuccinus
  • Procopius, Frater
  • Procopius, a Templin
  • Procopius Caspar, von Templin
  • Procopius, Kapucciner
  • Procopius, Capuziner
  • Procopius, OFMKap
  • Procopius, Kapuccinus
  • Procopius, Frather

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Zitierweise

Prokop von Templin, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118834517.html [23.01.2026].

CC0

  • Prokop (Procopius) von Templin, (bürgerlicher Vor- oder Familienname: Andreas)

    Kapuzinerprediger, geistlicher Liederdichter, * 1608 Templin (Uckermark, Brandenburg), 22.11.1680 Linz (Oberösterreich). (lutherisch, später katholisch)

  • Genealogie

    Eltern unbek.

  • Biographie

    Nach Gymnasialstudien in Templin sowie Reisen nach Berlin und Prag konvertierte P. zum Katholizismus und trat 1627 in Raudnitz (Böhmen) in den Kapuzinerorden ein. Nach der Profeß 1628 in Krems und dem Studium der Philosophie und Theologie v. a. im Wiener Kapuzinerkloster empfing er 1635/36 die Priesterweihe und das Predigerpatent und wirkte anschließend als Missionar in prot. Gegenden Böhmens. 1642 verfaßte P. als Wallfahrtsseelsorger und Ordinariprediger in Passau den Liederzyklus „Mariae Hülff Ehren Kräntzel“ mit Melodien des Domorganisten Georg Kopp ( 1666). Seit 1645 wirkte er mit Unterbrechungen als Fasten- und Bruderschaftsprediger am Schottenkloster in Wien. 1657 wieder in Passau, gestaltete P die Texte seiner Predigten nach dem Konzept „cantio ex concione“ zu sangbaren Liedern um und publizierte sie als Zyklen: „Mariae Hülff Lobgesang“ (1659) und „Hertzen - Frewd und Seelen - Trost“ (1660/61). Ihr Erfolg förderte den Druck seiner Sakramentspredigten (Eucharistiale, 1661) und elf weiterer Sammlungen zu Themen der Katechese (z. B. „Decalogale“, 1664), der Standeslehre (z. B. „Coniugale“, 1663) und zur Marienverehrung („Mariale“, 1665). Wegen der nach dem Stadtbrand Passaus (1662) erschwerten Publikationsmöglichkeiten durfte P. 1666 nach Salzburg übersiedeln. Im selben Jahr erschien „Lignum Vitae“ als Sammelausgabe der bisher erschienenen Einzelbände. Bis 1679 folgten 17 weitere Sammlungen, besonders Sonn- und Feiertagspredigten (z. B. „Dominicale aestivale“, 1667) sowie Kasualpredigten, unter denen das für P.s Predigtweise charakteristische „Encaeniale, Hundert Kirchtag-Predigten“ (1671, kommentierter Nachdr. mit Bibliogr. 1990), das Paraphrasen aus Grimmelshausens „Simplicissimus“ enthält, noch heute populär ist.

    P.s Werke gründen in der barocken Vorstellung von einer harmonisch strukturierten Welt, in der die Geschöpfe als Zeichen der göttlichen Wahrheit begreifbar sind. Zugleich sind die Bibelepisoden als Exempel des Alltaglebens zu lesen. Dieses Weltbild suchen die Predigten in einfachem Stil („sermo humilis“) zu vermitteln, der die Lehre mit Bildhaftem und Musikalischem verbindet: Emblemata, Geschichts- und Naturexempel, Märlein und Lieder sollen den „gemeinen Mann“ ergötzen und vom vertrauten Erfahrungshorizont zur Gotteserkenntnis führen. Dem Aufbau seiner Predigten verwandt, dienen P.s Lieder teils zu deren Gliederung oder als thematisches Resümee, teils als selbständige Wallfahrts- oder Andachtsgesänge. Von marianischem und katechetischem Inhalt, thematisieren sie Alltagsprobleme und sind zur Instrumentalbegleitung gedacht. Obwohl P. mit über 2200 Predigten und 576 Liedern zu den produktivsten und berühmtesten Autoren dieser Genres im 17. Jh. zählte, blieb seine Nachwirkung im 18. Jh. gering. Erst Achim v. Arnim und Clemens Brentano haben 12 Lieder aus den Zyklen nach stilkritischer Bearbeitung in „Des Knaben Wunderhorn“ aufgenommen. Eine ernsthafte literaturhistorische Besinnung auf P. setzte erst mit dem 20. Jh. ein.

  • Werke

    (Ausgg.) Auszüge u. Lieder in: Bayer. Bibl., II, hg. v. H. Pörnbacher, 1986, S. 463-81;
    W. Welzig, Kat. gedr. dt.sprachiger kath. Predigtslgg., I, 1984, S. 77-141 (Bibliogr.);
    Dünnhaupt². – Archivmaterialien (Chroniken u. Akten) im Archiv d. Wiener Kapuzinerprov. (Kloster Wien-Innere Stadt).

  • Literatur

    ADB 26;
    B. a Bononia, Bibliotheca Scriptorum Ordinis Minorum S. Francisci Cappucinorum […], 1747;
    V. Gadient, P. v. T., Sein Leben u. seine Werke, 1912;
    A. H. Kober, Die Mariengedichte d. P. v. T., Diss. Münster 1913;
    ders., in: Die Kultur 14, 1913, S. 129-38, 288-301, 428-10;
    ders., in: Euphorien 21, 1914, S. 520-47, 702-36, 22, 1920, S. 25-50, 268-87;
    E. Kinsky, Das Predigtwerk d. Paters P. v. T., Diss. Wien 1962;
    D. R. Moser, Verkündigung durch Volksgesang, Stud. z. Liedpropaganda u. -
    katechese in d. Gegenref., 1981, S. 312-15;
    Ph. V. Brady, P. v. T. (1608–1680), „Redner“ u. „Poet“, in: Lit. u. Volk im 17. Jh., hg. v. W. Brückner, P. Blickle u. D. Breuer, II, 1985, S. 527-41;
    U. Herzog, Der Roman auf d. Kanzel, P. v. T., Ein erster Leser v. Grimmelshausens „Simplicissimus“, in: Simpliciana VI/VII, 1985, S. 99-110;
    ders., „Der Beerin Ampt u. Dienst“, geistlicherweise, Zur emblemat. Predigt d. P. v. T., ebd. XI, 1989, S. 149-59;
    ders., Geistl. Wohlredenheit, Die kath. Barockpredigt, 1991;
    F. Kemp, „… das Ohr, das spricht“. 1989, S. 38-62;
    P. Ilgen, P. v. T. u. d. kath. dt. Kirchenlied im 17. Jh., in: Kirchenmusikal. Jb. 80, 1996, S. 81-114;
    Nagl-Zeidler-Castle, I, 1899;
    Lexicon Cappucinum, 1951;
    Marienlex., V. 1993;
    Killy;
    Kosch, Lit.-Lex.³;
    LThK³;
    MGG.

  • Porträts

    Kupf., v. J. Jäcklin, 1666, in: Lignum Vitae, München, u. v. J. B. Mayr, 1667, in: Mariale Concionatorium, Rhythmo-Melodicum, Salzburg.

  • Autor/in

    Robert Pichl
  • Zitierweise

    Pichl, Robert, "Prokop (Procopius) von Templin, (bürgerlicher Vor- oder Familienname: Andreas)" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 741 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118834517.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA